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04.08.14Leser-Kommentare

Einführung des Follower-Prinzips: Wieso LinkedIn zum neuen Twitter werden könnte

Bei Twitter ist unklar, wie lange der unter Wachstums- und Wandlungsdruck stehende Dienst noch erste Wahl für mitteilungsfreudige "Professionals" sein wird. LinkedIn könnte davon profitieren. Mit der Einführung des Follower-Prinzips legt das Geschäftsnetzwerk die Grundlagen.

LinkedInTwitter könnte in naher Zukunft sein seit acht Jahren unangetastet gelassenes Prinzip des chronologischen Echtzeit-Feeds in Frage stellen. Das zumindest deutete Twitter CEO Dick Costolo im Rahmen der Bekanntgabe der jüngsten Quartalszahlen an. Diese fielen zwar besser aus als von manchen Beobachtern erwartet. Dennoch ist das börsennotierte Unternehmen aus San Francisco weit von den Reichweiten- und Aktivitätszahlen entfernt, die Konkurrent Facebook vorweisen kann. Dass Costolo und sein Team prüfen, inwieweit der von Journalisten und Nachrichtenfreaks geschätzte Live-Charakter für den Dienst bei der Eroberung der Sympathien der breiten Masse hinderlich ist, verwundert nicht. Für eingefleischte Stammnutzer jedoch würde eine eventuelle Abkehr vom zentralen Echtzeit-Feed ein traumatisches Erlebnis darstellen. Eine beruhigende Wirkung könnte mit Blick auf diese Aussichten eine andere Nachricht haben: Wie ReadWrite aufgefallen ist, hat das weltgrößte Geschäftsnetzwerk LinkedIn ohne große Ankündigungen einen Follow-Button auf den Profilen seiner über 300 Millionen registrierten Nutzer eingeführt, zu finden in der Sektion “Recent activity” (die wiederum über den kleinen Pfeil neben dem “Connect”-Button auf Nutzerprofilen erreicht wird). Bei “prominenten”, direkt auf der Plattform bloggenden LinkedIn-Nutzern wie Firmengründer Reid Hoffmann prangt die Follow-Schaltfläche schon seit 2012 auf der Profilseite.

Dank der mitgliederübergreifende Lancierung der Funktion lassen sich ab sofort auch die Updates, Linkempfehlungen und von externen Diensten zu LinkedIn importierten Inhalte der User im LinkedIn-Stream verfolgen, mit denen man nicht formell vernetzt ist. Der Stream, der analog zu Facebook nach dem Login bei LinkedIn erscheint, kann wie gehabt nach Höhepunkten sowie chronologisch in Echtzeit sortiert werden.

Man benötigt nicht viel Fantasie, um sich auszumalen, wie Linkedin den eingeschlagenen Pfad weiter folgen könnte: indem es den LinkedIn-Feed zu einem ausgewachsenen Twitter-Konkurrenten mit Fokus auf professionellen Inhalten und Nachrichten ausbaut. Die Grundlagen stehen alle bereit: 300 Millionen Userprofile mit mutmaßlich enormen Überschneidungen mit der voll- und semi-beruflich orientierten Twitter-Community, die Feed-Infrastruktur, die Influencer, die in den letzten Jahren gewonnenen Expertise im Nachrichten- und Publishing-Segment. Mit Pulse übernahm der Dienst vor längerem einen personalisierbaren News-Aggregator. Dieser könnte als mobiles Interface für den Stream angepriesen werden. Alternativ wäre das Debüt einer spezifischen “LinkedIn Stream”-App eine Option. Vom Trend-Thema “Entbündelung” hat sich LinkedIn ohnehin anstecken lassen. In diesem spezifischen Aspekt würde sie Sinn ergeben.

LinkedIn wird manchmal im Hinblick auf die im Vergleich zu anderen Social-Web-Diensten mäßige Useraktivität abwertend als “Ansammlung von Lebensläufen” bezeichnet. Mit einer konzeptionellen Ausrichtung als Publishing- und Networking-Plattform für Professionals wäre der Dienst in der Lage, das User-Engagement zu erhöhen, ohne dafür einen einschneidenden Strategieschwenk vornehmen zu müssen. Und während Twitter sich mit 270 Millionen aktiven Nutzern aufgrund des rein werbefinanzierten Geschäftsmodells nicht zufriedengeben kann/will, muss LinkedIn dank der verschiedenen Monetarisierungssäulen (u.a. im Recruiting-Bereich) keinerlei strategische Bedenken haben, sich auf eine relativ spitze und engagierte Zielgruppe von Professionals und Multiplikatoren auszurichten.

Der Zeitpunkt für einen entsprechenden, kraftvollen Vorstoß seitens LinkedIn ist angesichts der sich abzeichnenden Veränderungen bei Twitter ideal.

Selbst wenn in dieser Prophezeiung zugegebenermaßen auch ein wenig meine eigene Hoffnung mitschwingt, am Ende nicht ganz ohne Echtzeit-Microblogging-Plattform dazustehen: Sollte Twitter sich einem algorithmisch sortierten Feed zuwenden, stünde idealerweise LinkedIn bereit, um Twitters Erbe fortzuführen. Und überhaupt befindet sich das Busines-Netzwerk eigentlich in einer guten Position, um Twitter ein wenig in die Parade zu fahren. 

Nachtrag: Stephan Koß vom Blog LinkedInsider weist darauf hin, dass es die Funktion zum Folgen von LinkedIn-Nutzern schon seit längerem gibt, allerdings war sie bislang noch deutlich "besser" versteckt. Insofern ist unklar, inwieweit das Geschäftsnetzwerk aktiv darauf hinarbeitet, mehr aus dem Feature zu machen. Wünschenswert wäre es aus den im Artikel geschilderten Gründen aber.

Kommentare

  • Stephan Koß

    04.08.14 (14:10:29)

    Hallo Martin, ich kann es mir ja nicht verkneifen.... aber das geht seit ein paar Jahren: http://linkedinsiders.wordpress.com/2012/10/03/eine-gar-nicht-so-neue-funktion-auf-linkedin-asynchrones-folgen/ Ist halt nicht so bekannt gewesen (so habe ich seit 2010 gerade mal 40 oder 50 Follower "eingesammelt"). lG Stephan

  • Martin Weigert

    04.08.14 (16:34:28)

    Danke für den Hinweis. Funktionierte das für beliebige LinkedIn-Nutzer?nIch muss gestehen, dass ich eine solche Möglichkeit schon "befürchtet" hatte. Für den Text habe ich mich dann doch für den Aufhänger "Funktion ist neu" entschieden... werde das nun entsprechend aktualisieren. Die Grundbotschaft des Artikels bleibt aber die Gleiche: LinkedIn wäre prädestiniert dafür, die Rolle zu übernehmen, die Twitter zunehmend nicht ausreicht.

  • Stephan Koß

    04.08.14 (16:50:39)

    Hallo, ja, das gab es vorher schon... war aber nur umständlich erreichbar (zum Beispiel über die Gruppenmitgliedschaft.... wo keiner suchen würde). Dass das vergleichsweise prominent funktioniert ist wirklich neu.... und auch da muss man ja suchen (da man über aktuelle Aktivitäten gehen muss und nicht prominent einen Button auf dem Profil hat). Dem Grundtenor stimme ich deswegen auch zu. lG aus Hameln Stephan

  • Ritchie Blogfried Pettauer

    07.08.14 (15:02:26)

    LinkedIn hat viel Potential in diese Richtung; ich krieg nie so genau mit, wann welcher Button wo prominent auftaucht, weil da große zeitliche Lücken klaffen zwischen den verschiedenen Sprachversionen. Und ich hab's meistens auf Englisch gestellt, da gibt's die neuen Features immer früher. Der Follow-Button ist zwar schon länger da, aber soweit ich weiß, war der früher abhängig von den Privacy-Einstellungen der Updates. Seit der LinkedIN Publisher (übrigens ein geniales Tool) für alle Nutzer verfügbar ist, ist er prominenter platziert.

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