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09.06.07

Eine Replik an Stefan Niggemeier

Der freie Journalist Stefan Niggemeier kreidet in seinem Blog einen Text von Antje Hildebrandt an, der sowohl in der Welt als auch in der Frankfurter Rundschau zu lesen war. Die freie Journalistin hat darauf eine Antwort.

Mehrfachverwertungen von freien Journalisten sind zweischneidig, die Meinungen darüber gehen sogar hier intern auseinander. Peter Sennhauser ist der Meinung, es sei völlig normal, dass freie Journalisten ihre Beiträge an verschiedene Publikationen verkaufen. Eben auch, weil diese sich in ihrem Verbreitungsgebiet nicht überschneiden. Ich dagegen frage mich, ob das heute immer noch gilt, wo alles im Internet publiziert wird und alle alles lesen.

Es gibt Fälle von Zweitverwertungen , bei denen sich alle mehr oder weniger einig sind, dass sie nicht optimal sind. Wiederum muss man sehen, dass viele freie Journalisten bei den Konditionen, die ihre Abnehmer zu zahlen bereit sind, nicht überleben können, wenn sie ihre Arbeit nicht an mehrere Abnehmer verkaufen.

Nun aber zur Replik von Antje Hildebrandt:

 

Eigentlich ist es ja schön, wenn man erfährt, dass eigene Texte oder Interviews zum Gegenstand von Weblogs werden. Und natürlich hat der - von mir geschätzte - Stefan Niggemeier völlig Recht, wenn er moniert, dass ein Interview mit Alfons mit einem O-Ton in der Titelzeile abgedruckt wurde, der gar nicht durch den Text gedeckt ist, weil er beim Kürzen herausfiel.

Geärgert haben mich allerdings die Reaktionen auf diesen Hinweis: Da empört sich doch ein Leser, dass ein- und dasselbe Interview in zwei verschiedenen Publikationen abgedruckt wurde. Hallooo.....?

Kennt dieser Leser die Honorarsätze deutscher Print- und Onlinetageszeitungen? Weiß er, dass man als "Freier" seine Texte mehrfach verwerten muss, um sich über Wasser zu halten? Dass es ein ständiges Vabanque-Spiel ist, einerseits wirtschaftlich arbeiten zu müssen und andererseits keinen Auftraggeber verprellen zu dürfen, weil jede überregionale Zeitung auf ihr Exklusivrecht pocht?

Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz, wonach man einen Text nur an eine überregionale Tageszeitung verkaufen darf. In diesem Fall hatte ich das Interview an die Welt-Online-Redaktion und nicht an die Welt verkauft. Bei denen ist es so, dass sie pro Text nur eine Pauschale von 100 Euro zahlen - aber dafür kein Exklusivrecht beanspruchen. Da bei Springer aber alle Redaktionen auf alle Texte Zugriff haben, hat sich die Welt das Interview geschnappt.

Man hat also als Zulieferer keinen Einfluss darauf, in welchem Springer-Blatt die Texte landen. In einem früheren Fall musste ich mit Entsetzen feststellen, dass Auszüge aus einer Reportage von mir über Christiane F. plötzlich bei bild-online auftauchten (ohne dass ich jemals einen Cent Honorar bekommen hätte).

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Arbeitsbedingungen für - feste und freie - Journalisten in den vergangenen Jahren immer schlechter geworden sind. Und keiner dürfte das besser wissen als Herr Niggemeier. Sein Eintrag hat leider den unangenehmen Nebeneffekt, dass er diese Eifersüchteleien zwischen den Zeitungen noch befeuert, indem er darauf hinweist, dass der Text doppelt gedruckt wurde. Aber so ist das wohl mit der Solidarität unter freien Journalisten. Soli-was? Wie schreibt man das ...?

Antje Hildebrandt

Alfons-Interviewerin und freie Journalistin

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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