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14.11.11

Ein Jahr Wunderlist: Eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte

Dem Berliner Startup 6Wunderkinder ist mit seinem Dienst Wunderlist innerhalb eines Jahres das Kunststück gelungen, To-Do-Listen sexy zu machen und sich eine weltweite Anhängerschaft zu erarbeiten. Nun steht der Launch von Wunderkit bevor.

 

6Wunderkinder, eines der angesagtesten deutschen Startups der vergangenen zwölf Monate, ist Erschaffer einer To-Do-Listen-Applikation - diese Erkenntnis wird bei manch einem Branchenbeobachter in letzter Zeit für Verwunderung gesorgt haben. Immerhin gibt es kaum ein Segment im Web, in dem die Auswahl größer ist als bei Tools zur Aufgabenverwaltung, gleichzeitig hält sich das offensichtliche Innovationspotenzial im Vergleich zu anderen Onlinediensten in Grenzen.

Und trotzdem hat Wunderlist, die App des Berliner Jungunternehmens, innerhalb von rund einem Jahr rund um den Globus viele treue Fans gewinnen können. Auf den äußerst gelungenen Launch der iPhone-App mit 300.000 Nutzern innerhalb der ersten drei Monate folgten die Veröffentlichung von Wunderlist für's Web, für Android, iPad, Windows Phone und im August nach nur 275 Tagen das Erreichen der Marke von einer Million registrierten Anwendern.

Bei den t3n Web Awards landete Wunderlist hinter dem nicht mehr ganz so jungen Musikdienst simfy auf dem zweiten Platz in der Kategorie "Startup des Jahres", bei den TechCrunch Europas wurde die App in der Rubrik "Best Mobile or Apps Startup" nominiert und besitzt gute Chancen auf einen Spitzenplatz (das Ergebnis wird am Donnerstag verkündet), und auch bei einer informellen Facebook-Umfrage zum heißesten Startup Berlins konnten die Wunderlist-Macher besonders viele Votes auf sich vereinen.

Ein Teil des 6Wunderkinder-Erfolgsrezeptes ist die PR-Strategie: Das Team um Gründer und Geschäftsführer Christian Reber hat vom ersten Tag an mit durchdachten, informativen (und englischsprachigen) Blogbeiträgen auf sich aufmerksam gemacht, internationale Multiplikatoren und Tech-Journalisten angesprochen und nicht zuletzt mit ihrem Aufruf für eine Anti-Copycat-Revolution für viel Wirbel gesorgt.

Auch regelmäßige Top-Positionierungen in den App Store Charts sowie zahlreiche positive Bewertungen im App Store wirkten sich vorteilhaft auf die Verbreitung des Wunderlist-Taskmanagers aus.

Habe ich den Aufstieg von Wunderlist bisher eher von der Seitenlinie verfolgt, ohne die Applikation zu meiner bevorzugten To-Do-Anwendung zu machen, bin ich vor einigen Wochen schließlich doch bei dem Dienst der Berliner gelandet. Denn mit meiner bisherigen Lösung Springpad war ich zumindest hinsichtlich der Aufgabenverwaltungsfunktionalität trotz anfänglich großer Hoffnungen nicht mehr richtig zufrieden.

Also entschloss ich mich, Wunderlist auf meinem iPhone einem längeren Testlauf zu unterziehen. Jetzt fällt es mir deutlich leichter, die allgemeine Begeisterung über Wunderlist (die auch Kritiker hat) besser zu verstehen.

Im Gegensatz zu allen anderen mobilen Aufgabenverwaltungstools, die ich bisher längere Zeit im Einsatz hatte (neben Springpad auch Producteev, Doit.im, Remember The Milk) , gelingt es Wunderlist, den für die Pflege einer To-Do-Liste notwendigen Aufwand auf ein Minimum zu reduzieren. Die sich im zeitgemäßen Holzdesign präsentierende App setzt darauf, von ihren Anwendern so wenig Klicks wie möglich abzuverlangen, und reagiert dabei direkt und auf eine geschmeidige Art, die an das Schneiden von weicher Butter erinnert.

Links: Reminder-App des iPhone, rechts Wunderlist-App fürs iPhone

Es ist schwierig, die Besonderheit der App in Worte zu fassen. Wunderlist wirkt, als habe man viel in Apples Lehrbuch gestöbert und darin enthaltene Kniffe hinsichtlich Design, Simplizität und User Experience erfolgreich auf den eigenen Service umgemünzt. Reminders, Apples eigene, mit iOS 5 eingeführte To-Do-App für iPhone und iPad, macht im Vergleich zu Wunderlist einen blassen und unnötig komplizierten Eindruck. Das will etwas heißen.

Auch Wunderlist ist sicherlich nicht perfekt, und womöglich gibt es Konkurrenten, die Wunderlist das Wasser reichen können (aus der Schweiz hören wir häufiger Positives über TeuxDeux). Man muss 6Wunderkinder aber großen Respekt dafür zollen, wie es ein derartig trockenes Thema wie Aufgabenlisten mit der richtigen Mischung aus Design, Benutzerfreundlichkeit und Marketing sexy gemacht hat.

Allein deshalb warte ich mit Spannung auf Wunderkit, eine bereits zum Start von Wunderlist angekündigte Produktivitätsplattform aus dem Hause 6Wunderkinder, die Nutzern bei der Organisation ihres Lebens behilflich sein soll. Wunderlist ist damit nicht nur ein überaus erfolgreicher Taskmanager, sondern auch eine im Web bisher einzigartige Teaser-Kampagne für ein viel größeres Produkt.

Update 16.11.: Atomico, das Investment-Vehikel von Skype-Mitgründer Niklas Zennström, hat 4,2 Millionen Dollar (rund 3,1 Millionen Euro) in 6Wunderkinder investiert.

Link: Wunderlist

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