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03.02.14Kommentieren

Ein erster Blick auf Facebooks neue App: Paper ist keine Nachrichten-App, sondern Facebook für die mobile Generation

Facebook hat in den USA seine neue iPhone-App Paper veröffentlicht. Sie befördert nicht nur Nachrichteninhalte ins Rampenlicht, sondern liefert alle wichtigen Funktionen des sozialen Netzwerks - ernsthaft optimiert für das mobile Zeitalter.

Pünktlich zum zehnten Geburtstag und gemäß Ankündigung aus der vergangenen Woche hat Facebook am Montagabend seine iOS-Applikation Paper veröffentlicht. Vorerst steht diese allerdings nur für Nutzer mit einem US-amerikanischen App Store-Konto zum Download bereit.

Ich möchte mit einer Klarstellung beginnen, was Paper nicht ist, nämlich eine reine Nachrichten-App beziehungsweise ein Newsreader. Stattdessen handelt es sich bei Paper um eine alternative mobile Benutzeroberfläche für das soziale Netzwerk, abzüglich einiger einst für die Browser-Version von facebook.com konzipierter Elemente, die nicht hinterfragt ihren Weg in die herkömmliche mobile App fanden. Funktionen, die auf den relativ kleinen Smartphone-Bildschirmen eher Ballast darstellen. Alle wichtigen Funktionen sind vorhanden

Paper bietet Zugriff auf den Newsfeed, den Messaging-Bereich, auf Benachrichtigungen und Kontaktanfragen, sowie nach einem Swipe und damit etwas versteckt auf das eigene Profil, die Suche, die Liste der abonnierten Pages sowie den Publisher (zum Veröffentlichen von Einträgen). Was im Gegensatz zur herkömmlichen mobilen Facebook-App fehlt, sind ausführliche, stetig präsente Navigationselemente (Status, Foto, Check-in, Anfragen usw), Events sowie die Verwaltung von Apps.

[photos title="Paper in Bildern"]

Zusätzlich zum Newsfeed bietet Paper rund ein Dutzend vordefinierte Themenressorts, von "Tech" und "Headlines" über "Cute" und "Planet" bis zu "LOL" und "Home". Mit den beiden Sektionen "Equalize" (Gleichberechtigung) und "Pride" (mit Meldungen rund um die LGBT-Community) beleuchtet Paper auch zwei aktuelle gesellschaftliche Themen abseits des üblichen Medien- und Unterhaltungszirkuses. Gefüllt sind die Ressorts mit Artikel-Empfehlungen von mit dem sozialen Netzwerk kooperierenden News- und Onlineplattformen. Im Prinzip finden sich hier die üblichen Verdächtigen, von der New York Times über Quartz bis zu The Verge und TechCrunch. Eine Personalisierung der Bereiche ist (bislang) nicht möglich.

Scrollen ist Vergangenheit, "Swipen" die Zukunft

Der Wechsel zwischen dem Newsfeed und den abonnierten Themensegmenten erfolgt per Swipe nach links oder rechts. Die gleiche Geste kommt auch bei der Navigation innerhalb der Sektionen zum Einsatz. Das bislang von Facebook gekannte stetige Scrollen ist damit Vergangenheit. Der Konzern folgt mit diesem Schritt einem allgemeinen Branchentrend, was die Bedienung zeitgemäßer mobiler Applikationen angeht. Wird ein wie üblich kurz mit Logo, Foto und Textanriss präsentierter Link angeklickt, öffnet sich nach einer kurzen visuellen vertikalen Umblätter-Imitation die (idealerweise) mobile Website der Quelle. Per Swipe nach unten finden User zurück zum entsprechenden Beitrag bei Paper, ein zweiter Swipe in die gleiche Richtung führt zurück zu Papers Hauptbildschirm.

Sämtliche Beiträge, sowohl die der Freunde als auch die der Medienpartner aus den unterschiedlichen Ressorts, können wie gehabt favorisiert und kommentiert werden. Neu ist ein Reshare-Feature im Stil von Twitters Retweet-Button. Wer dieses verwendet, teilt einen Eintrag sofort auf dem eigenen Profil, ohne eigenen Kommentar. Alternativ steht weiterhin die "Share in New Post"-Option zur Verfügung.

Sehr zu begrüßen ist, dass Paper anders als Facebooks primäre App eine direkte Integration mit den von Viellesern geliebten Später-Lesen- und Bookmarking-Diensten Instapaper, Pocket und Pinboard mitbringt. Damit trägt das soziale Netzwerk der Tatsache Rechnung, dass Paper - wie sein Name es andeutet - durchaus zum verstärkten Konsum von Onlineinhalten externer Sites animieren möchte. Etwas, das im direkten Gegensatz zur früheren Philosophie des Netzriesen steht, möglichst das gesamte Web in die eigenen virtuellen Wände zu befördern. Mittlerweile sieht das Unternehmen seine Rolle eher als Multi-App-Anbieter auf Basis eines webweiten Onlinelogins. Solange User während ihrer Aktivitäten im (mobilen) Web in irgendeiner Form mit Facebooks Diensten interagieren, ist der Konzern zufrieden, weil er der Werbevermarktung dienliche Daten gewinnt.

Paper oder Facebook, je nach persönlicher Präferenz

Es ist offensichtlich, dass Facebook mit der Veröffentlichung von Paper herausfinden will, inwieweit die neue Anwendung zumindest für manche Nutzer - etwa die von der ursprünglichen Version etwas gelangweilten Jugendlichen - vollständig das bisherige mobile Angebot ersetzen kann. Die essentiellen Features sind vorhanden und erweiterbar. Gleiches gilt für die integrierte Contentkomponente, die im aktuellen Stadium nichts bietet, was Anhänger von Flipboard und anderen Social News Readern vom Hocker reissen würde. Aber der begrenzte Launch auf iOS und nur in einem Land deutet an, dass Paper für Facebook ein Testballon ist, der abhängig von der Resonanz der User kontinuierliche Verbesserungen und Verfeinerungen erwarten darf.

Das eindeutigste Zeichen dafür, dass man am Facebook-Firmensitz in Menlo Park kein Problem damit hätte, wenn Paper ultimativ der bisherigen App den Rang abläuft, ist die im Einstellungsbereich an oberster Stelle platzierte Anweisungsoption für iOS, Push-Benachrichtungen von Facebook grundsätzlich über Paper zu öffnen. Ich habe dies aktiviert und auf meinem iPhone-Homescreen Facebook durch Paper ersetzt. Nun bin gespannt, ob irgendwann Sehnsucht nach Facebook 1.0 eintritt.

Wer Paper ausprobieren möchte, kann problemlos ein US-amerikanisches iTunes-Konto registrieren. Hier steht, wie das geht.

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