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06.05.13Leser-Kommentar

E-Health: BetterDoc liefert Arztempfehlungen von Ärzten

Häufig wissen Ärzte genau, welche ihrer Kollegen die größte Expertise auf einem bestimmten Gebiet besitzen. BetterDoc will dieses Wissen für Patienten zugänglich machen.

BetterDocEs hat ein wenig gedauert, aber nun mehren sich die Anzeichen, dass auch das Gesundheitswesen vom digitalen Wandel neu geformt wird. Neben eher "konservativen" Startup-Ideen wie Ärztebewertungsportalen à la DocInsider und Jameda sowie Terminbuchungsdiensten wie arzttermine.de und doxter tauchen mittlerweile neuartige E-Health-Konzepte wie zum Beispiel das in der vergangen Woche vorgestellte CrowdMed auf. Bei dem US-Dienst können Patienten mit von Ärzten nicht zufriedenstellend diagnostizierten Beschwerden die Weisheit der Masse anzapfen.

BetterDoc, ein im Sommer 2012 entstandenes Startup aus Köln, fokussiert sich ebenfalls auf die Vielzahl der Fälle, in denen Menschen nicht erfolgreich durch Ärzte behandelt worden sind - sei es, weil den konsultierten Ärzten die notwendige Kompetenz fehlt, weil es sich um ein besonders komplexes, ungewöhnliches Krankheitsbild handelt oder weil die Patienten schlicht nicht wissen, wie sie an einen für ihr Leid geeigneten Facharzt gelangen. Wie CrowdMed verlangt auch BetterDoc von Nutzern, welche die Dienste des Unternehmens in Anspruch nehmen, eine Gebühr, wodurch die Konzentration auf schwerwiegendere Leiden unterstrichen wird. Im Gegensatz zu CrowdMed bekommen Anwender von BetterDoc jedoch keine auf dem Konsens aller befragten "Experten" basierende Diagnose sondern Ratschläge von Ärzten, welche Mediziner zur Diagnose und Behandlung  des individuellen Beschwerdebildes am besten geeignet sind. Anstatt einer Ferndiagnose versorgt sie BetterDoc mit von Ärzten ausgesprochenen Empfehlungen für Ärzte.

BetterDoc arbeitet dafür mit Ärzten zusammen, die sich dem Expertennetzwerk des Unternehmens anschließen. BetterDoc-Nutzer auf der Suche nach dem für ihre Situation besten Arzt legen ein nicht an ihren Namen gebundenes Gesundheitsprofil samt Schilderung ihrer Beschwerden an. Anschließend werden diese Profile an bis zu 200 mit BetterDoc kooperierende Ärzte übermittelt, von denen je nach gewähltem Paket (Basis, Standard, Premium) fünf, zehn oder 20 Ärzte Emfehlungen für Mediziner abgeben, die im jeweiligen Fachgebiet besonderes Know-how haben.

Die gedankliche Herangehensweise der BetterDoc-Gründer Dr. med. Donata von Dellingshausen, Christoph von Dellingshausen und Nils von Dellingshausen: Innerhalb der Ärzteschaft weiß man, wer auf welchem Gebiet wirklich gut ist. Mit BetterDoc wollen sie dieses Wissen den Patienten zugänglich machen. Diese bekommen entweder eine Reihe unterschiedlicher Namen genannt, mit denen sie daraufhin Kontakt aufnehmen können, oder sie erhalten - im Idealfall - von mehreren BetterDoc-Medizinern die selbe Empfehlung.

Die Preisspanne für Patienten liegt zwischen 50 Euro für den Standarddienst und 400 Euro für das Premiumangebot. Von den Erlösen deckt das bisher von den Gründern aus eigener Tasche finanzierte Unternehmen die Betriebskosten, zudem fließen 50 Pozent als Vergütung in Form von Fortbildungen an die Ärzte. BetterDoc bezahlt ihnen den Zugang zu Wissensdatenbanken, Weiterbildungen und Fachmagazinen.

BetterDoc weist darauf hin, dass es Nutzer beim Erstellen des Gesundheitsprofils nicht danach fragt, ob sie gesetzlich oder privat versichert sind, um gar nicht erst den Verdacht aufkommen zu lassen, dass Ärzte sich bei besonders "attraktiven" Patienten gegenseitig empfehlen, anstatt objektiv die besten Fachexperten zu nennen. Die Rheinländer betonen außerdem, dass sämtliche Empfehlungen einschließlich der sachlichen Begründungen von anderen registrierten Ärzten laufend verfolgt werden. Wer nicht nach bestem Wissen und Gewissen agiert, würde demnach schnell auffliegen.

Ob das Konzept von BetterDoc funktioniert, hängt von drei Faktoren ab: ob es genug Patienten gibt, die bereit sind, mindestens 50 Euro nur dafür zu bezahlen, um Empfehlungen für Fachärzte zu erhalten; ob hinreichend viele Ärzte die Vergütung in Form von Fortbildungen ansprechend genug finden, um sich BetterDoc anzuschließen und etwas Zeit zu opfern; und nicht zuletzt natürlich von der durch die Patienten wahrgenommenen Qualität der Ärzteempfehlungen. In jedem Fall handelt es sich um einen interessanten Ansatz, um im Bezug auf medizinisches Know-how Angebot und Nachfrage besser miteinander in Einklang zu bringen. /mw

Link: BetterDoc

Kommentare

  • Mirco

    22.01.14 (14:50:22)

    Die grundsätzliche Idee von "Betterdoc", ist sicherlich ein gut durchdachtes Konzept. Das Wissen von Ärzten aufzugreifen. Allerdings sind die Gebühren enorm hoch. 50€ für einen Standard Tarif. Das geht vielleicht gerade noch so aber wenn ich lesen muss, dass ein Premium Account 400€ kostet, sehe ich das nicht mehr ein. Gerade zu Zeiten von Internet, wo jeder Arzt mehr und mehr in den Fokus einer Bewertung rückt, weiß ich nicht, wozu ich so einen Extra Dienst benötige. Dazu kommt noch, dass ich lesen muss, dass von meinem Betrag 50% an die "Ärzte" fließt, für Weiterbildungsmaßnahmen. Da hört's ja wohl auf. Ich finanziere den Ärzten dann auch noch ihre eventuelle bessere Qualifikation??? Wer kontrolliert denn diese Weiterbildungsmaßnahmen?? Wenn man das hoch rechnet, wird einem ja schlecht, wieviel die Ärzte von dem Geld bekommen! Wer kontrolliert denn die Ärzte mit ihren Tipps, ob sie objektiv dabei sind?? Wie wird das geregelt? Ich finde, da sind noch ein paar klärende Lücken im System. Ich würde so einen Dienst nicht nutzen!! 50% an die Ärzte, da kommt ja der Verdacht auf, die Ärzte die für das Portal sind, sind mit Geld gekauft. Es tut mir leid, aber das ist doch keine tolle Idee!! Dies ist meine private Meinung

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