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31.07.14Leser-Kommentare

E-Commerce ohne Transaktionsgebühren: Zahlungsdienstleister lösen das Versprechen von Bitcoin ein

Bei beiden führenden Payment-Dienstleistern für Bitcoin können Händler Transaktionen nun gebührenfrei abwickeln lassen. Damit wird eines der großen Versprechen der virtuellen Währung Wirklichkeit.

Von der virtuellen Währung Bitcoin kann man halten was man will - für Händler und Dienstleistungsunternehmen besitzt die Idee von Bitcoin in der Theorie eine hohe Anziehungskraft: Aufgrund der Struktur und Konzeption der Kryptowährung ist es möglich, Transaktionen durchzuführen, ohne dass dabei die heute beim kommerziellen elektronischen Geldtransfer mitfolgenden Gebühren anfallen. Denn der Bedarf an zwischengeschalteten Institutionen, die Transaktionen formell verifizieren und dafür die Hand aufhalten, entfällt. Fast 50 Milliarden Dollar an Gebühren zahlen Handel und Serviceanbieter pro Jahr an Banken und Kreditkarteninstitute. Sollte Bitcoin eines Tages außerhalb von Geek- und Tüftler-Kreisen zu einem verbreiteten Zahlungsmittel werden, ergäben sich dadurch also erhebliche Vorteile für Händler (höhere Margen) und Kunden (günstigere Preise, falls Kostenvorteile ganz oder in Teilen weitergereicht werden). Theorie ist das insofern, als dass Bitcoin noch weit von einer flächendeckenden Verbreitung entfernt ist. Außerdem garantiert allein die fehlende Notwendigkeit für Transaktionsgebühren erhebende “Mittler” beim Bitcoin-Zahlungsverkehr nicht, dass Shops tatsächlich komplett gebührenfrei Bitcoin-Zahlungen annehmen können. Doch die Entwicklung des Marktes bewegt sich genau in diese Richtung:

Denn Bitpay, einer der zwei größten technischen Dienstleister für die Abwicklung von Bitcoin-Zahlungen, hat gerade beschlossen, seine bisher erhobene Transaktionsgebühr von einem Prozent abzuschaffen. Ein E-Commerce-Anbieter, der Kunden über die Implementierung der Bitpay-API das Bezahlen per Bitcoin erlaubt, darf somit den komplett berechneten Bitcoin-Betrag für sich verbuchen. Je nach Umsatzvolumen können die eingesparten Transaktionsgebühren für Kreditkarte oder PayPal in Höhe von zwei bis drei Prozent beträchtliche Auswirkungen auf das Resultat von Handelsunternehmen und Online-Dienstleistern haben.

Neben dem Unternehmen aus Atlanta ist Coinbase, ansässig in San Francisco, das andere tonangebende Startup, das E-Commerce-Anbietern unkomplizierte Out-of-the-Box-Lösungen zur Akzeptanz von Bitcoin anbietet. Bis zu einem Transaktionsvolumen von einer Million Dollar entfallen auch dort die Gebühren. Für darüberliegende Umsätze liegt die Abgabe bei einem Prozent. Da Coinbase als Anbieter eines Bitcoin-Wallets und Bitcoin-Dienstleister auch anderweitige Erlösquellen besitzt, erscheint es nicht unwahrscheinlich, dass die Begrenzung auf eine Million Dollar irgendwann fällt. Anders als bei Geschäften mit herkömmlichen “Fiatwährungen” wie Euro oder Dollar fallen bei Bitcoin-Transaktionen technisch gesehen keine Kosten an, die Gebühren erforderlich machen.

Die Entwicklung von Bitcoin folgt wie jede Währung typischen Netzwerk-Gesetzen. Je mehr Firmen ihren Kunden den Erwerb von Produkten und Services mit Bitcoin gestatten, desto interessanter wird es für Verbraucher, sich mit dem noch immer etwas kompliziert wirkenden Prozess der Bitcoin-Beschaffung und -Verwaltung auseinanderzusetzen. Je mehr Konsumenten wiederum Bitcoin ausprobieren und für Transaktionen einsetzen, desto eher lohnt es sich für Händler, diese Check-Out-Option zu integrieren. Indem die dominierenden Bitcoin-Zahlungsdienstleister die große Stärke des Protokolls in Form wegfallender Transaktionsgebühren an Shops weitergeben, motivieren sie diese ihrerseits, die Zahlung mittels Bitcoin gegenüber Kunden anzupreisen. Für Shopbetreiber entstehen dabei keine Risiken: Sowohl Bitpay als auch Coinbase erlauben die Echtzeitung-Konversion der eingenommenen Bitcoin. Der Kunden präsentierte Bitcoin-Preis ist flexibel und wird ausgehend vom durch den Händler festgelegten Preis in einer Ausgangswährung (etwa Euro oder Dollar) berechnet. Händler, die selbst lieber keine Bitcoin halten möchten, können sich stattdessen Beträge in einer anderen Währung auszahlen lassen.

Bitcoin mag in den Medien häufig als Spekulationsobjekt dargestellt werden. Die entscheiden Stärke liegt aber in der Eignung als globales, besonders kostengünstiges Transaktionsprotokoll (siehe “Das Voice-over-IP der internationalen Finanzbranche”). Dass E-Commerce-Portale und Onlineservices nun dem ursprünglichen Bitcoin-Versprechen folgend tatsächlich von den Transaktionsgebühren befreit werden und gleichzeitig von einem global funktionierenden, schnellen Zahlungsmittel profitieren können, ist ein sehr wichtiger Schritt. Auch deshalb, weil er die etablierten Finanzkonzerne unter Druck setzt, die Gebühren für ihre Payment-Dienstleistungen zu senken und etwas mehr in tatsächliche Innovationen abseits undurchsichtiger Finanzprodukte zu investieren, als dies bisher der Fall war. /mw

Kenntlichmachung: Der Autor besitzt 0,1013 Bitcoin, die er sich (damals mit einem Gegenwert von 50 Euro) für diesen Erfahrungsbericht zugelegt hat.

Kommentare

  • Elfriede Sixt

    31.07.14 (17:26:51)

    Und wie sieht das Geschäftsmodell von BitPay aus, wenn keine Transaktionsgebühren verrechnet werden? oder finanzieren sie sich etwa durch Datenverkauf?

  • Martin Weigert

    31.07.14 (17:33:08)

    Freemium. Es gibt zwei kostenpflichtige Pakete mit Zusatzdiensten, mehr Service etc.

  • Luke

    02.10.14 (23:41:39)

    Eigentlich sind die Leute die sich das ausgedacht haben Genies. Ich meine jemand hat auch einmal Geld erfunden. Allerdings ist es schon vorgekommen, dass der Wert des Bitcoins ca. 80% während einpaar Sekunden geschwankt ist. Wenn man damit normal online Zahlen kann, dann ist das garnicht so dumm. Der Fiskus kann noch umgangen werden, aber schon bald wird man auch den Bitcoin versteuern.

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