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25.09.08

Dummy: Gutes Cover, gute Gründe

Die aktuelle Ausgabe des Gesellschaftsmagazin Dummy, angeführt von Spiegel-Komplex-Autor und Blattschuss-Blogger Oliver Gehrs, heißt nicht "Neger", sondern "Schwarze". Denn die Idee, das nächste Heft so zu nennen, wurde schon früh auf der Internetseite angekündigt. Woraufhin ein kleiner Proteststurm losbrach und der Redaktion "Rassismus, Aufwiegelei, Ignoranz, politischer Amoklauf und sonst was" vorgeworfen wurde, wie es im Editorial heißt. Man wolle niemandem "schon vor dem Lesen vergraulen".

Für Dummy hat Jochen Förster Roberto Blanco fotografiert

Das mittlerweile eingestellter Schweizer Nachrichtenmagazin Facts hatte im August 2003 weniger Bedenken bei der Titelwahl. Was natürlich an der Schweiz liegen kann – oder an der mangelnden User-Beteiligung . Hätten die nur mal vorher nachgefragt und abgewogen: Fallen wir auf und brechen ein Tabu, oder nehmen wir doch lieber Rücksicht?

Das ist genau der Moment, in dem einige Unbeirrbare gegen eine vermeintliche "politische Korrektheit" schimpfen, Rücksicht als Schwäche umdefinieren und dabei auf die Regeln eines friedlichen Zusammenlebens pfeifen:

Dabei ist es kein Zeichen von Schwäche, dass eine Gesellschaft nicht ständig auf irgendwelche Gruppen der Gesellschaft einprügelt – und dabei auch noch die Meinungsfreiheit vorschützt. Es geht keineswegs darum, diese Freiheit einzuschränken, irgendwelche Strafen zu erfinden, Gesetze aufzustellen.

Aber wenn man mit dem Titel "Neger" Leuten ernsthaft vor den Kopf stößt, wenn es gute Argumente gegen die Verwendung dieses Wortes gibt, dann ist es ein Zeichen politischer Kultur, diese Gründe auch gelten zu lassen. Und nicht abzurutschen in einen Gegensatz zwischen "politisch Korrekt" und "nach mir die Sintflut".

Bei Dummy heißt es zur ursprünglichen Titelidee:

"Wir wollten das Heft gerade deshalb so nennen, um gleich mit der Diskussion über inkriminierte Bezeichnungen und deren Ersatzwort-Ungetüme loszulegen. Um Lust zu machen auf eine anregende Debatte fern beschränkter Political Correctness, eingedenk des ideologischen Ballasts eines Wortes, das sich im Zuge des Kolonialismus verbreitete, zum zentralen Terminus pseudowissenschaftlicher Rassentheorien aufstieg und bis heute unter Nazis und anderen Dumpfbacken schwer angesagt ist."

Jetzt heißt es eben "Schwarze", gleiches Thema, gleiche Relevanz.

Das Titelbild von Jochen Förster ist nach einem berühmten Vorbild entstanden, Annie Leibovitz fotografierte einst die Schauspielerin Whoopie Goldberg in einer Badewanne voll mit Milch. Nur wenn man schon keine Leser vergraulen möchte: Roberto Blanco nackt, das ist eigentliche eine Nummer zu hart.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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