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19.04.08

Drei Jahre «Medienkonvergenz» - Ein Blick zurück

Dieses Blog ist gut drei Jahre alt - eine halbe Ewigkeit in diesen schnellen Märkten. Die Zeit zwischen 2005 und 2008 war nicht so sehr von spektakulären Ereignissen à la Dot-Com-Bubble geprägt, aber vermutlich hat sich in mancher - vor allem wirtschaftlicher - Hinsicht in diesen drei Jahren mehr bewegt als in der Dekade zuvor. Werfen wir einen Blick zurück auf die Meilensteine der letzten drei Jahre und ein paar der Artikel, die diese Ereignisse in diesem Blog reflektiert haben.

1. Online killed the newspaper star

Natürlich werden Zeitungen nicht verschwinden. Es wird immer einen Markt für gedruckte Nachrichten geben. Aber der wirtschaftliche und gesellschaftliche Stellenwert der Zeitungen wird schon bald nicht mehr wiederzuerkennen sein. Und diese Entwicklung hat sich in den letzten drei Jahren erstmals in sehr greifbaren Zahlen manifestiert. In allen Industrieländern gehen Auflagen, Umsätze und vor allem Margen der klassischen Tageszeitungen massiv zurück.

Bisher konnten sich manche Verlage noch mit schnell wachsenden Gratiszeitungen retten, aber auch das ist wohl eher ein Übergangserfolg. Eine Frage der Zeit, bis digitale Mobilität -- zum Beispiel in der Form der immer beliebter werdenden Smartphones -- auch an dieser letzten festen Print-Bastion kratzen werden. Die meisten Zeitungskonzerne tun sich mit einer Antwort auf diese Verschiebung bisher sehr schwer, denn die Zahlen passen nicht zusammen: Online kann die alten Print-Umsätze nicht ersetzen. Es ist klar, dass wir im Zeitungsmarkt schon bald noch viel mehr Konsolidierung sehen werden.

Und für eine Berufsgruppe ist diese Verschiebung hin zu Onlinemedien offenbar besonders schmerzvoll: die Journalisten. Die müssen sich nicht nur an neue Berufsbilder gewöhnen, sondern auch damit leben, dass jeder Amateurblogger heute eine (potentiell laute) öffentliche Stimme hat.

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2. Der Musikmarkt gehört Steve Jobs. Video bald auch?

Kaum zu glauben, dass der heute allgegenwärtige iPod erst 2001 auf den Markt kam und vermutlich erst 2005 so richtig zum Mainstream-Gerät wurde. Inzwischen ist Apple mit iTunes zumindest in den USA zum grössten Musikverkäufer geworden (physische CDs mitgerechnet) und schickt sich an, auch bei Online-Filmdownloads diesen Erfolg zu wiederholen.

In den vergangenen Jahren hat sich fundamental geändert, wie die Leute Musik kaufen und konsumieren. Die Plattenfirmen wurden durch diese Entwicklung kalt erwischt. Sie haben Online-Musikvertrieb viel zu lange als Tummelplatz von Raubkopierern interpretiert und müssigerweise bekämpft, statt sich proaktiv dieser Herausforderung zu stellen.

Resultat: Ein Branchenfremder kontrolliert faktisch einen grossen Teil des Musikvertriebs, und auch noch den einzigen Teil, der noch wächst.

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3. Das angekündigte Ende des Microsoft-Monopols

Zwischen 1990 und vielleicht etwa 2007 hat Microsoft die IT-Branche beherrscht wie keine zweite Firma. Ein Vergleich mit der Dominanz von IBM in der Generation zuvor liegt nahe.

Aber jetzt zeigt sich immer deutlicher, dass sich Microsofts Epoche (und damit die PC-Ära) dem Ende zuneigt. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe: Durch den Aufstieg von Linux und die Wiedergeburt von Apple wird das Windows-Monopol bei den PCs immer mehr erschüttert. Der Fokus der PC-Nutzung hat sich zudem schon längst vom Desktop ins Internet verschoben, und dort dominieren andere Firmen, allen voran natürlich Microsofts neuer Erzfeind Google.

Selbst im angestammten Bereich der Office-Software erwächst Microsoft disruptive Konkurrenz durch Google Apps und andere Online-Applikationen, die zwar nicht so leistungsfähig sind wie Microsofts Produkte, dafür aber billiger und einfacher.

Für die Web-Entwickler der neuen Generation ist Microsofts Technologiestack schon lange keine Alternative mehr. Startups entwickeln auf Linux, Apache, MySQL, PHP/Python/Ruby und nicht auf .NET. Microsoft wird noch lange den Firmenmarkt beherrschen, so wie IBM auch immer noch treue Mainframe-Kunden hat. Aber die Zukunft findet woanders statt.

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4. Das mobile Internet kommt nicht in die Gänge. Oder doch?

Eine der wohl grössten, aber wenig diskutierten Enttäuschungen der Dekade war der Nicht-Erfolg von UMTS. Die einst sündhaft teuer versteigerten Lizenzen für Mobiltelefonie der dritten Generation haben sich nie in das erhoffte gigantische Zusatzgeschäft für die Telekommunikationskonzerne verwandelt.

Das mobile Internet ist von den Nutzungszahlen her gesehen ein riesiger Flop. Gründe dafür gibt es viele: Die absurde Preisgestaltung der Telcos, ungenügende Endgeräte, bescheidenes Inhaltsangebot. Doch langsam keimt wieder Hoffnung für das mobile Internet auf: In den letzten drei Jahren hat sich das Wachstum spürbar beschleunigt. Das hat vor allem mit Innovation bei den Endgeräten zu tun. Internet-fähige Blackberrys sind Standard bei Business-Usern geworden.

Apples iPhone erschliesst erstmals wirklich hochwertiges mobiles Browsen für die Masse. Und selbst unter Jugendlichen erfreuen sich preiswertere Smartphones zunehmender Beliebtheit. Dazu haben auch die Telcos langsam ein Einsehen bei der Preisgestaltung und bieten attraktivere Flat-Fees für mobiles Surfen an.

Ich bin darum überzeugt, dass das mobile Internet doch noch zum Erfolg werden wird, auch wenn deutlich später und wohl in anderer Form als erwartet. Viele neuere Entwicklungen, allen voran die aggressiven Smartphone-Pläne von Google und Apple, sprechen dafür.

Ausgewählte Artikel:

5. Was sind wir doch plötzlich alle sozial

Die Idee von Social Networks im Internet ist beileibe nicht neu, aber nach langer Wartezeit haben sich in den letzten drei Jahren diese Kommunikationsplattformen auf breiter Front durchgesetzt. Und nicht nur das: Die führenden Social Networks wie MySpace, Facebook, XING, StudiVZ oder LinkedIn sind vermutlich die Internet-Wachstumsstories der Dekade. Ausser browserbasierter E-Mail hat wohl kaum ein anderer Typ von Internetdienst so schnell so viele neue User erreicht.

Leider reflektiert sich dieses rasante Wachstum bei der Benutzung aber noch lange nicht in ebenso beeindruckenden finanziellen Ergebnissen. Auch wenn Facebook zwischendrin mal auf $15 Mia. Firmenwert bewertet wurde, rechtfertigen die bisherigen Umsätze solche Phantasiezahlen keineswegs. Zudem baut sich weiterer Druck durch die allerorten angestrebte Öffnung der bisher noch grösstenteils geschlossenen Netzwerke auf.

Könnte durchaus sein, dass mit Social Networks das gleiche passiert wie mit webbasierter E-Mail: Sie enden als Feature in grösseren konsolidierten Diensten, als zwar populärer Trafficbringer, aber nicht als Quelle spektakulärer Profite.

Ausgewählte Artikel:

6. Onlinewerbung wird erwachsen. Fast zumindest.

Mit der steigenden Internetnutzung nahm in den vergangenen Jahren auch die Popularität von Online-Werbung bei den Werbetreibenden deutlich zu. In einigen Ländern hat das Internet schon Werbemedien wie Radio und Kino überholt, in manchen setzt es gar dazu an, die Zeitungen hinter sich zu lassen. Nur im deutschsprachigen Raum geht leider wieder mal alles etwas langsamer.

Ein begleitendes Phänomen war die immer extremere Fokussierung von Startups auf werbefinanzierte Dienste. Während die Firmen der Dot-Com-Bubble noch grösstenteils auf E-Commerce setzten, will die aktuelle Generation der Startups für die Endkunden alles gratis bieten und dafür Werbegelder kassieren. Das grosse Vorbild ist natürlich Google, wo dieses Prinzip ja auch wunderbar geklappt hat. Gute Idee, aber vermutlich gibt der Werbemarkt doch nicht ganz genug her für all die vielen Startups.

Apropos Google: Es ist wohl seit Microsoft beispiellos, dass ein Unternehmen einen Sektor im High-Tech-Umfeld so uneingeschränkt dominiert wie Google die Web-Suche und die damit verknüpfte Onlinewerbung. Der Markt für Suchmaschinenwerbung gehört Google fast schon ganz, und mit der Übernahme von DoubleClick wird Google auch noch zum Marktführer bei der Bannerwerbung.

Es ist nur die Frage, ob diese Konzentration in Bezug auf den Markt für Onlinewerbung ein Zeichen von reifebedingter Konsolidierung oder einfach Mangel an kompetenter Konkurrenz ist.

Ausgewählte Artikel:

Und noch ein paar Artikel über Unternehmertum, die nirgends so ganz hingehören:

So viel also zum Rückblick. Und in ein paar Tagen geht es dann mit neuem Schwung und neuem Konzept weiter.

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