<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

16.07.14Leser-Kommentare

Drei Jahre später und mitten im Sommerloch: Google+ entfernt den Klarnamenzwang

Vor Jahren stand der Klarnamenzwang von Google+ in der Kritik. Heute, zu einem Zeitpunkt, zu dem die Zukunft des Dienstes unsicherer denn je ist, entfernt Google die Begrenzungen.

Unerwartet hat Google für Google+-Benutzerkonten den Klarnamenzwang sowie bisherige Verifizierungsmodalitäten für Pseudonyme abgeschafft. Ab sofort sind Nutzer bei der Wahl ihrer Namensangaben im Profil völlig frei, wie in einem Google+-Post verkündet wird.

Überraschend ist der Schritt, weil die Debatte über Sinn und Unsinn der Erforderlichkeit des Klarnamens bei Google+ schon drei Jahre zurückliegt. Damals befand sich die kurz zuvor eingeführte, alle Google Dienste vernetzende "soziale Ebene" für den Internetgiganten gewisserweise noch im Aufwind. Zumindest waren Google und leidenschaftliche Nutzer des Social Networks voller Hoffnung. Mittlerweile ist Google+ die Puste ausgegangen. Auch, weil aus Firmensicht eine wichtige Aufgabe von Google+ abgeschlossen wurde, nämlich die Vereinheitlichung der Benutzerkonten zur besseren, effektiveren Werbevermarktung und Nutzerdatenanalyse. Dass der Konzern selbst keine großen Ambitionen mehr für Google+ hat, zeigt die Abwesenheit seiner Erwähnungen auf der jüngst abgehaltenen Google-Entwicklerkonferenz I/O. Der "Vater" des Projekts, Vic Gundrota, verließ das Unternehmen jüngst.

Google begründet die Entscheidung zur Abschaffung des Klarnamenzwangs mit dem Streben nach einem alle Menschen inkludierenden Ort. Das Unternehmen entschuldigt sich auch gleich noch bei allen Personen, die sich bislang durch den Zwang zur Angabe ihres vollen Namens ausgegrenzt fühlten.

Der Schritt, ausgeführt zum Höhepunkt des medialen Sommerlochs, im Urlaubsmonat Juli kurz nach Abschluss der Fußballweltmeisterschaft, wirkt schon etwas kurios. Als Reaktion auf die einstigen Proteste gegen Googles sture Haltung kann der Entschluss aufgrund der seitdem vergangenen Zeit kaum gewertet werden. Und ganz ohne Begrenzungen kommen die Namensrichtlinien auch weiterhin nicht aus: Auf der Hilfeseite, die während einer Namensänderung verlinkt wird, informiert Google darüber, dass nach einer Modifizierung bis zu drei Monate lang keine weiteren Änderungen möglich sind.

Schlussendlich kann man die Neuigkeit, so nebensächlich sie für viele nicht aktiv die sozialen Funktionen von Google+ einsetzenden Anwender auch klingen mag, dennoch als Strategiewechsel bezeichnen. Google scheint nicht mehr länger um jeden Preis die namentliche Identität der User in Erfahrung bringen zu wollen. Sei es, weil für die gezielte Anzeigenauslieferung ohnehin hinreichend Datenpunkte über jeden einzelnen Google-User vorhanden sind. Oder vielleicht, weil das Unternehmen doch noch einmal versuchen möchte, Google+ einen Push zu geben - und das dieses Mal über eine Differenzierung vom Hauptwettbewerber Facebook, nicht als "Me Too"-Produkt. Vielleicht geht es aber auch nur darum, Kritiker der unpopulären Implementierung von Google+ als Kommentarmodul bei YouTube zu besänftigen. Denn anders als das aktuelle Google+ ist YouTube für Google wichtig.

Vermutlich ist die Maßnahme nur der erste von mehreren Teilschritten, mit denen Google+ in den nächsten Monaten umgebaut, in den Hintergrund gerückt oder für einen Relaunch fit gemacht wird. Denn in der aktuellen Form erfüllt das Produkt für Google keine bedeutende Rolle (mehr).

Kommentare

  • nk

    16.07.14 (10:02:16)

    oder eingestampft. :)

  • Jens Lehmann

    16.07.14 (10:46:36)

    David Maciejewski schrieb auf Google+ (https://plus.google.com/102458928073783517690/posts/dbycZnS2YUb) folgendes: "Mehrmals aber liest man heraus – wie bei all seinen Artikeln über Google+ – dass er Google+ oder dessen Bedeutung im Google-Konzern nicht verstanden hat. Mit anderen Worten: Er ist nicht objektiv." Lieber Kollege Martin, ich setze noch einen drauf: ich unterstelle dir, dass du in diesem Artikel dich nicht ernsthaft darum gekümmert hast sorgfältig zu recherchieren und lieber deine persönlich Abneigung gegenüber dieses Netzwerkes loslassen wolltest. Das ist wenig professionell und ich als Leser komme mir da verschaukelt vor.

  • Bernd

    16.07.14 (12:24:47)

    Dem ist nichts hinzuzufügen. Danke.

  • Martin Weigert

    16.07.14 (14:19:27)

    Ich glaube manchmal ich verstehe Google+ besser als der gemeine Google+-Fan, der auf Kritik am Netzwerk stets mit dem Vorwurf reagiert, man würde Google+ nicht verstehen. Ich empfehle diesbezüglich nochmal diesen Artikel von mir http://netzwertig.com/2014/04/27/erfolgreich-aber-nicht-fuer-google-der-google-stream-das-ideale-spin-off/

  • Bernd

    16.07.14 (15:48:09)

    @Martin: Schon die (worauf auch immer basierende?) Annahme, "überwiegend ältere männliche Anwender" tummelten sich im "relativ homogenen" Stream disqualifiziert auch den anderen Artikel. Ich empfehle Dir dringend, G+ einmal mit den mittlerweile vorhandenen externen Analyse-Tools unter die Lupe zu nehmen, auch international, dann hätten sich solche abstrusen Behauptungen schnell erledigt.

  • David Maciejewski

    16.07.14 (18:31:04)

    Ich sitze gerade an einem neuen Blog namens „grenzwertig”, den ich demnächst online stellen werde. Da berichte über dann regelmäßig über Dinge, von denen ich gar keine Ahnung habe. Jegliche Diskussion über meine Kompetenz zum Thema entgegne ich mit einem Verweis auf einem anderen Artikel zum gleichen Thema. Und damit keine Zweifel aufkommen, behaupte ich einfach, dass ich mehr Ahnung habe als alle anderen, denn sie sind ja nur „Fans”.

  • Martin Weigert

    16.07.14 (21:15:07)

    Ich bin gespannt!

  • Robert

    19.07.14 (10:53:20)

    Tja, selber Schuld, wer sich auch bei so einer Sch... anmeldet. Klarnamenzwang. Kein Wunder, dass bei so offensichtlicher Datenfischerei keiner darauf anspringt. Früher musste die Stasi noch Leute bezahlen, um an die Daten der Mitbürger zu kommen. Heute trägt sie scheinbar jeder aus Ennui und Ahnungslosigkeit bei jedem Hype selber ein. Und regt sich dann hinterher über die bösen Firmen auf.

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer