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02.06.14

Doo-Nachfolger Scanbot beweist Potenzial: 500.000 Downloads in 8 Wochen

Acht Wochen dauerte es, da hatte die Scanner-App des Bonner Dokumenten-Startups Doo die Marke von 500.000 Downloads durchbrochen. Der klare Fokus zahlt sich aus.

ScanbotAnfang April lancierte Frank Thelen nach seinem gescheiterten Dokumenten-Dienst Doo eine simple Scanner-Applikation namens Scanbot - zuerst nur für das iPhone, kurz darauf auch für Android. Statt große Brötchen backen und das von vielen bislang eher erfolglos in Angriff genommene papierlose Büro verwirklichen zu wollen, nahm sich Thelen mit Scanbot vor, fokussiert einen ganz spezifischen Einsatzzweck abzudecken. Scanbot ist sehr nett gemacht, allerdings existieren bereits zahlreiche ähnliche Anwendungen, zudem verlangt das Bonner Startup für den Download der App zwischen ein bis zwei Euro - keine Summe, die Nutzer schmerzt, aber dennoch genug, um eine Hürde für die Installation zu errichten. Insofern waren Thelen und sein Team mit Sicherheit selbst äußerst gespannt auf die Resonanz. In der vergangenen Woche gab das Unternehmen erstmals Zahlen bekannt - und die können sich sehen lassen: Acht Wochen nach dem Debüt hat Scanbot die Zahl von 500.000 Downloads durchbrochen. Für eine kostenpflichtige Produktivitäts-Anwendung in einem dicht gedrängten Markt ist das ein bemerkenswertes Ergebnis. Die knapp 1.000 Bewertungen von durchschnittlich 4 Sternen (Android) und 4,5 Sternen (iOS) zeigen, dass User nach dem Ausprobieren auch weitestgehend zufrieden mit der Funktionalität von Scanbot sind.

Mehr als 50 Prozent der Downloads wurden laut Thelen durch Tages-Kampagnen generiert, in denen die App komplett kostenfrei war. Der Regelpreis beträgt 1,79 Euro, momentan werden für die Android-Variante aber nur 0,49 Euro fällig. Geht man von 200.000 kostenpflichtigen Downloads zu einem durchnittlichen Betrag von einem Euro aus, hätte Scanbot seit der Veröffentlichung des Dienstes abzüglich der Provisionen für Apple und Google knapp 150.000 Euro Umsatz erwirtschaftet. Keine schlechte Leistung für eine so junge Anwendung im umkämpften Utility-Segment. Thelen will die Frage nach den Erlösen nicht kommentieren.

In einer Mail beschreibt der Scanbot-Gründer seine Erkenntnis aus dem missglückten Vorhaben Doo: "Selbst wenn du eine große Vision hast, fange mit einer einfachen Lösung an. Je simpler die Lösung und je einfacher sie sich in den aktuellen Workflow der Nutzer einbinden lässt, desto höher sind die Chancen auf Akzeptanz und Erfolg. Der Funktionsumfang lässt sich auch später noch erweitern, sobald einmal ausreichendes Wachstum und Nutzer-Aktivität erreicht sind". Es scheint, als geht diese Rechnung für Scanbot ganz hervorragend auf.

Als nächste Entwicklungsschritte kündigt der Entrepreneur die Lancierung einer für das iPad optimierten Version sowie die Integration einer Texterkennungsfunktion an. Er verspricht aber, dem neuen Mantra von Simplizität treu zu bleiben. "Wir werden uns darauf konzentrieren, dass Scanbot weiterhin das schnellste, schönste und qualitativ hochwertigste Scan-Erlebnis bietet. Eine simple App, die ein klares Problem adressiert". Die Aufnahme von frischem Kapital steht zumindest für die nächsten Monate nicht auf der Agenda.

Dass Thelen die ursprüngliche Vision von Doo gedanklich ganz aufgegeben hat, ist allerdings unwahrscheinlich. Nach und nach wird sich Scanbot realtiv vorhersehbar in das Werkzeug entwickeln, das Nutzer benötigen, um ihr Büro zu digitalisieren und von Papier zu befreien. Was dem Vorgänger-Projekt fehlte, war ein klares, sofort einlösbares Produktversprechen. Scanbot hat diesen Makel nicht. /mw

Link: Scanbot

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