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26.05.14Leser-Kommentare

Distriubutionskanal Internet: Über die Zukunft von Netflix & Co

Streamingangebote gibt es in Deutschland einige. Dennoch scheinen viele aus dem Häuschen zu sein, weil Netflix anklopft. Aber es wird nicht nur für Netflix und die Konkurrenz knifflig werden, sondern auch für die Fernseh- und Filmproduzenten. Alle sitzen in dem gleichen Boot – das sich durch die Engen und Weiten des Distributionskanals Internet manövrieren muss.

NetflixDie Nachricht, dass Netflix jetzt nach Deutschland kommt, schlug vergangene Woche bei den Medien ein wie eine Bombe. Nicht nur jede Newssite berichtete darüber. Das Thema wurde auch über die Social Networks flächendeckend kommentiert. Die meisten Nutzer scheinen hocherfreut.

In Deutschland haben wir bereits ähnliche Formate, zum Beispiel Watchever , das, laut dessen CEO Stefan Schulz, ganz gut läuft (auch wenn das Unternehmen keine Zahlen verrät).

Wodurch sich die diversen Anbieter unterscheiden, macht die Sache interessant. Nehmen wir zuerst den Preis: Bezahlter Content

Aktuell kostet das günstigste Netflix-Modell in den USA 7,99 Dollar pro Monat, man kann jedoch mit einem Preisanstieg von ein bis zwei Dollar rechnen (je nach Land). Preislich gesehen ist Netflix also (noch) günstiger als das Angebot von Watchever (8,99 Euro im Monat).

Nun muss aber auch erklärt werden, dass manche Filme bei Netflix nicht im Stream, sondern nur als DVD erhältlich sind. Der DVD-Verleih startet bei weiteren 7,99 Dollar pro Monat. Ob der DVD-Verleih auch in Deutschland startet, wurde bisher nicht beantwortet.

Eine Übersicht über verschiedene Streamingangebote gibt es bei der Süddeutschen Zeitung.

Originalton

Welche Sprachen uns auf Netflix zukünftig erwarten, scheint noch nicht sicher. Netflix dazu via Twitter:

Netflix

Einige Deutsche Filme laufen übrigens jetzt schon auf Netflix (in deutscher Sprache), auf Wunsch mit englischem Untertitel. Zum Beispiel Barbara.

Auswahl/Lizenzen

Es wird (aller Voraussicht nach) nicht so viel mehr begehrenswerte Auswahl geben als bei anderen Anbietern, denn wir bewegen uns hier nicht im Feld von Walmart vs. Tante-Emma-Laden, sondern im Filmlizenzgeschäft. Da gibt es Regeln, an die man sich zu halten hat und Lizenzen, die man kaufen muss. Auch Netflix.

Es bleibt abzuwarten, welche Rechte sich welcher Anbieter schnell und früh leisten kann (Ähnlich wie etwa bei Erstausstrahlungen von Filmen im Deutschen Fernsehen). Lizenzen sind relativ komplex. Sie können für einzelne Länder und Zeiten bezogen werden.

Wie Content bei Netflix ausgesucht wird, erklärt Jenny McCabe, Director of Global Media Relations bei Netflix.

Eigene Produktionen

Über House of Cards müssen wir nicht reden: EPIC! Großartiges Kino! Netflix hat sich mit der eigenen Produktion selbst übertroffen und auch Orange Is The New Black kann sich sehen lassen. Das Problem: Zwei Staffeln à 13 Folgen House of Cards haben 100 Millionen Dollar gekostet.

Natürlich ist das einzigartiger Content – aber nur wegen ein oder zwei Sendungen werden Nutzer Netflix nicht abonnieren. Braucht es mehr solcher Serien? Dann ist die Frage, wie viele davon sich Netflix leisten kann.

House of Cards ist sowieso so ein spezielles Thema: Die Serie feierte in den USA den großen Erfolg, während sie in Deutschland bei Sat. 1 frühzeitig eingestellt wurde (allerdings ist der Sendetermin, Sonntag, 23.15 Uhr, dabei zu berücksichtigen…).

Wer sich jetzt freut, House of Cards Ende des Jahres auf Netflix in Deutschland schauen zu können, wird leider enttäuscht sein: Sky hat sich die Rechte an der beliebten Serie gesichert. Das heißt, in Deutschland wird die Dritte Staffel erst bei Sky und dann bei Netflix ausgestrahlt werden.

Streaming Dienste und die Filmindustrie

Ein neuer Player betritt den deutschsprachigen Markt, das eigentliche Problem ist aber ein anderes: Wie lassen sich Filme finanzieren, wenn die alte Filmverwertungskette unterbrochen wird?

Das ursprüngliche Verfahren Kino –> DVD/VHS –> Pay-per-View/Video On Demand –> Pay-TV –> Free-TV –> Nachverwertung steht derzeit zur Disposition.

Das ist für die Nutzer erstmal kein Problem, für die Filmproduzenten allerdings schon.

Filme, die vorab häufig mit vielen Millionen Dollar finanziert werden, um namenhafte Schauspieler, Ausstattung, Marketing etc. zu bezahlen, sind auf die Einnahmen von Kino, Lizenzen, und Co. angewiesen. Es muss also, wie so häufig, wenn das Internet als Distributionskanal ins Spiel kommt, umgedacht werden. Dies geschah zum Beispiel für die Finanzierung des Stromberg Films: Innerhalb einer Woche wurden dafür eine Millionen Euro mit Crowdfunding eingesammelt.

Streamingdienste und das Fernsehen

Streamingdienste sind selbstverständlich auf dem Vormarsch. Ob der deutsche Markt für Netflix so einfach wird, ist fraglich. Anderer Markt, andere Strukturen, andere Gründe. Das Fernsehenverhalten der Deutschen ist anders. Die Amerikaner sind viel mehr an Pay-TV gewöhnt, da sie schon vor über zehn Jahren ihre Kreditkarte mit dem Kabelanbieter verbunden und Filme spontan für ein paar Dollar gekauft haben. Und: Netflix ist hier nicht der erste Anbieter. Andere Streaming-Dienste sind bereits auf dem Markt.

Long Story short: Wer glaubt, dass sich der TV-Markt ändern wird, nur weil Netflix Ende des Jahres nach Deutschland kommt, irrt. Die Konkurrenz hat bisher nicht geschlafen und wird es auch jetzt nicht tun. Es ist also weniger ein Kampf zwischen Netflix und dem TV-Programm, sondern ein Kämpfchen, das die Streaming-Anbieter unter sich ausmachen werden müssen.

Betrachtet man außerdem den Fernsehenkonsum genauer, stellt man fest, dass nicht das junge Volk, sondern besonders die Rentner viel Fernsehen schauen (Zeitbudget für audiovisuelle Medien, ARD: Zahlen: 2012). Und diese werden nicht die ersten sein, die sich entscheiden, auf Streamingdienste umzuschalten.

Wie es weitergehen könnte

Die Streaming Dienste könnten Premium Accounts anbieten, denen manche Filme noch früher angezeigt werden, als dem Rest der Plattform.

Vielleicht könnte auch ein günstigerer Tarif dazukommen, der dafür Werbung miteinblendet.

Oder vielleicht entwickeln sich die Streaming Dienste in Nischenmärkte und wir haben irgendwann Dienste, die sich so stark unterscheiden wie heute das Programm von PRO 7 und Vox, als Beispiel.

Kommentare

  • Netz-TV

    26.05.14 (15:02:40)

    "die sich so stark unterscheiden wie heute das Programm von PRO 7 und Vox.." Wo ist da ein Unterschied? :-) Aber ansonsten: Richtig, Netflix wird nur einer von vielen und zumindest Amazon glaube ich, wird bedeutender sein. Bei den bisherigen Umsatzprognosen sehe ich auf mittlere Sicht eigentlich gar keinen finanziell interessanten Markt für SVOD in Deutschland: http://netz-tv.blogspot.de/2014/02/netflix-kommt-auch-wenn-streaming-tv.html Trotzdem werden die "Großen" alle kommen- es geht um die besten Startplätze im Qualifying für das große Rennen um das ganz große Geld nach 2020.

  • AJ

    29.05.14 (12:19:54)

    Habe ich seit langem http://thevpn.guru/de/wie-kan-ich-netflix-deutschland-anschauen/

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