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18.08.16Leser-Kommentare

Digitalisierung

Elektroautos sind nur der Anfang: Die Automobilbranche erlebt eine Disruption

Jürgen Kroder

Tesla beherrscht die Schlagzeilen mit seinen schnittigen Elektroautos und den Visionen des Gründers Elon Musk. Dahinter steckt nicht weniger als die Disruption der Automobilbranche durch moderne Techniken wie Smart Services, die zu ganz neuen Geschäftsmodellen führen. Wir geben einen Überblick über die nahe Zukunft.


Tesla Model 3 (Bild: Tesla)

Elektroautos stehen wieder am Anfang

Im Jahr 2015 wurden laut dem Kraftfahrt-Bundesamt rund 12.360 reine Elektrofahrzeuge und 33.600 Hybrid-Autos in Deutschland zugelassen. Das mag nach viel klingen, doch im Gesamtvolumen von 3,2 Millionen Neuwagen fallen diese Zahlen kaum ins Gewicht. Noch. Denn Automobil-Experten wie auch die Hersteller sind sich fast unisono einig: Nicht dem Verbrennungsmotor, sondern den Batterien gehört die Zukunft. Deswegen arbeiten nahezu alle Fahrzeugbauer seit einigen Jahren mit Hochdruck an entsprechenden Modellen.

VW, Audi, Porsche oder Mercedes: Die bekannten deutschen Autohersteller haben für den Zeitraum 2020 bis 2025 unzählige rein elektrisch betriebene Fahrzeuge in Planung. Die große E-Mobil-Offensive mit Langstrecken-PKWs wird also nicht heute oder morgen, sondern erst in ein paar Jahren stattfinden. Bis dahin beherrscht wahrscheinlich ein Start-up aus Kalifornien weiter die Schlagzeilen: Tesla.

Tesla ist  in den Medien omnipräsent – zurecht!

Die Firma des Seriengründers Elon Musk, der neben Tesla auch an Paypal, Space X und Hyperloop beteiligt war bzw. noch ist, erscheint fast täglich in der Presse. Mal mit glanzvollen Meldungen, wie zum Beispiel mit den Rekordzahlen des Tesla Model 3, von dem alleine in einer Woche über 300.000 Stück vorbestellt wurden; Mal mit schlechten Nachrichten, wozu unter anderem Produktionsschwierigkeiten oder tödliche Unfälle mit dem Autopiloten gehören.

Gleichgültig, ob positive oder negative PR: Tesla schaffte es, Schwung in den Markt mit Elektrofahrzeugen zu bringen. Und das, obwohl die Technologie grundsätzlich nichts Neues ist. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts fuhren Elektromobile über die Straßen, doch sie wurden durch die geringen Benzinkosten von den Straßen verdrängt. Viele Jahrzehnte später folgten Fahrzeuge wie der GM EV1, der Toyota Prius oder der Honda EV Plus, sowie unter anderem der Mitsubishi i-MiEV, der Opel Ampera oder der Nissan Leaf. Bei diesen handelt es sich im Hybrid-Fahrzeuge oder voll elektrische Autos. Doch keines davon konnte das Segment der „Stromer“ richtig ins Rollen bringen. Das gelang erst Tesla, dem „Apple der Autobauer“.

„Geek Sexyness“ für die mobile Zukunft


Digitale Dienste im und am Auto (Bild: Tesla)

Warum sind die Fahrzeuge von Tesla in aller Munde? Weil sie einerseits ein schnittiges und attraktives Design bieten, andererseits punkten sie mit - für heutige Zeit - hohen Reichweiten. Zudem brachten die Kalifornier noch eine ordentliche Portion „Geek Sexyness“ mit. Das heißt: Anstatt der üblichen Knöpfe, Schalter und Anzeigen besteht die Mittelkonsole der neuen Tesla-Modelle aus einem einzigen, großen Touchscreen, über den alle wichtigen Funktionen bedient werden. Zudem kann man auch übers Smartphone auf das Auto zugreifen. Und Fahrzeug-Verbesserung gibt es per Update-Download. Das sind Smart Services, die man bislang so nicht kannte.

Tesla hat damit die Bedienung und andere Fahrzeug-Elemente digitalisiert. Und damit einen wichtigen Schritt der automobilen Zukunft eingeläutet. Doch das ist nicht alles. Das innovative US-Unternehmen will weitere Revolutionen anstoßen und so zur Disruption verschiedener Bereichen beitragen. Da wäre beispielsweise das autonome Fahren. Auf geraden Strecken mit großen Kurven kommt der Tesla-Autopilot bereits sehr gut zurecht. Es gab sogar schon einen Fall, bei dem der Bordcomputer einen fast ohnmächtigen Mann heil zum Krankenhaus brachte.

Die Disruption der Taxibranche

Das autonom agierende Fahrzeug soll nicht nur eine Erleichterung des Fahrers darstellen, sondern eine Berufsgattung überflüssig machen: Taxifahrer. Tesla, GM, BMW und andere namhafte Firmen arbeiten bereits an sogenannten Roboter-Taxis. Diese werden von intelligenten Bordsystemen gelenkt, die dank Vernetzung und Schwarmintelligenz Passagiere aufnehmen und eigenständig absetzen.

Elon Musk sieht das als eine Chance an, um die Auslastung seiner Elektrofahrzeuge zu erhöhen. Denn aktuell stehen sie wie die meisten Autos auf irgendwelchen Parkplätzen herum, bis der jeweilige Besitzer einsteigt. Diese Ineffizienz könnte durch autonome Autos vermieden werden: Benötigt man seinen Tesla eine Zeit lang nicht, fährt er eigenständig los, um als Taxi zu fungieren – und verdient so selbstständig Geld für seinen Inhaber.

Wahrscheinlich wird sich so auch die Shareconomy bzw. Sharing Economy weiter durchsetzen: Man kauft sich kein Auto mehr, um es als Statussymbol zu besitzen, sondern mietet oder leiht sich ein Fahrzeug „on demand“ - also auf Abruf. Das ist deutlich günstiger und umweltfreundlicher.

Mehrere Firmen arbeiten am vernetzten, intelligente Auto

Damit dies alles funktioniert, muss die Digitalisierung der Automobilbranche und auch des Verkehrsnetzes weiter vorangetrieben werden. Das wird sicherlich nicht von heute auf morgen gehen. Und mit aller Sicherheit wird die mobile Revolution auf dem Land oder in Großstädten mit chaotischen Verkehrszuständen (zum Beispiel in Metropolen wie Mumbai) wohl länger dauern. Aber sie könnte kommen.

Die Konzepte bestehen und erste Testfahrzeuge sind bereits auf den Straßen unterwegs – nicht nur im Silicon Valley, sondern auch in Deutschland. Obwohl es so scheinen mag, wird der Umbruch der Automobilbranche nicht nur von Tesla mit Eifer vorangetrieben. Auch traditionsreiche Unternehmen wie Mercedes, BMW, Volkswagen oder GM arbeiten an digitalen, autonomen und voll elektrischen Fahrzeugen. Dazu gesellen sich Marktteilnehmer, die zusätzlich Schwung ins Geschehen bringen, wozu zum Beispiel die Taxi-Dienste Uber und Lyft sowie der asiatische Suchmaschinen-Gigant Baidu gehören. Ebenso mischen Apple und Google mit.

Fazit

Die Zukunft des Automobils hat mehr als "nur" Batterie-betriebene Fahrzeuge zu bieten. Die eigentliche Revolution heißt Digitalisierung, erweitert um Smart Services wie autonom fahrende Taxis.

Kommentare

  • Pascal

    28.08.16 (22:25:16)

    Ein sehr guter Beitrag zum Thema automobile Zukunft. Ich selbst finde es unfassbar spannend, was sich mittlerweile alles in dieser Branche Richtung autonomes Fahren und E-Mobility tut.

    Gruß
    Pascal

  • Berdel

    06.09.16 (11:57:52)

    Mir fehlt in diesem Betrag die Rolle von Toyota. Schließlich ist diese Firma ja wohl Marktführer bei den Hybrid-Fahrzeugen. Außerdem ist Toyota Pionier bei Fahrzeugen mit Brennstoffzelle und bietet den bisher einigen PKW serienmäßig an.
    Ersetzt man bei den Elektro-Fahrzeugen die Batterien durch eine Brennstoffzelle entfällt die lange Ladezeit und die Reichweiten werden größer. Meiner Meinung nach ist dieser Ansatz zukunftstauglicher.

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