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29.08.08

disqus & backtype: Kommentare auf dem Weg vom Aschenputtel zur Prinzessin

Kommentare haben lange Zeit im Web ein eher stiefkindliches Dasein geführt. Wie Aschenputtel haben sie eher unbedankt für Blogs, Photos, Videos und alle anderen Datentypen des Web im Hintergrund gearbeitet und diese oft erst spannend gemacht, blieben dabei aber im jeweiligen Service oder CMS eingesperrt und verbannt. Dienste wie disqus und backtype wollen das nun ändern.

Im Zuge unserer Sensibilisierung für auch kleinere Aktivitäten und Outputs erleben Kommentare in letzter Zeit eine Aufwertung. Wenn 140 Zeichen lange Statusmeldungen wertvoll sein können, wie es uns Twitter gezeigt hat, dann können es Kommentare schon lange.

Zwei Beispiele aus jüngster Zeit sind dabei besonders zu erwähnen:

  • disqus, das Kommentare sozial und blogbar macht
  • und das gestern gestartete backtype, das Kommentare sozial und durchsuchbar macht.

disqus

disqus ersetzt das Kommentarsystem eines CMS. Die ehemals isoliert verwalteten Kommentare werden dadurch zentralisiert, aber sozial. User bekommen ein Profil, das alle Kommentare auf allen (disqus-basierten) Seiten in einer Art Kommentar-Blog zusammenfasst. Vor kurzem gingen sie noch einen Schritt weiter und machten Kommentare selbst sogar blogbar. Mit einem Klick kann man nun besonders einsichtsreiche Kommentare als Blogeintrag posten.

backtype

backtype andererseits aggregiert Kommentare aus Blogs und extrahiert alle Kommentare, die mit einer jeweiligen URL als Verfasser erstellt wurden, auf eigenen Profilseiten. Gleichzeitig fungiert es als Suchmaschine für Kommentare und Kommentierende und als soziales Netzwerk.

Beiden Services gemeinsam ist, dass sie Kommentare als eigenständige Entitäten ernst nehmen, sie aus ihrem ursprünglichen Kontext befreien und sie als soziale Objekte behandeln, die wiederum Basis für eine Community sind. Beide Dienste ermöglichen es Freunden, auf einfachste Art alle von einem verfassten Kommentare zu verfolgen – und damit also auch spannende neue Blogs kennenzulernen.

Wann immer der Content von anderen auf neue Art für ein eigenes Geschäftsmodell verwendet wird, gibt es zwei paradigmatische Reaktionen:

  • man kann das toll finden und sich freuen, weil es Möglichkeiten gibt, die es vorher nicht gab. Alle meine Kommentare übersichtlich an einem Platz? Fantastisch! Ich kann die Kommentare meiner Freunde einfachst verfolgen? Genial!
  • Oder man kann sich ärgern, weil man nicht gefragt wurde, weil es einen Eingriff in die Privatsphäre darstellt, weil Dinge sichtbar werden, die man nicht sichtbar haben will. Alle meine Kommentare übersichtlich an einem Platz? Schrecklich! Ein anderer profitiert von meiner Leistung? Genug ist genug!

Das Problem dabei: beide Positionen haben irgendwie recht. Robert Basic etwa findet das toll, Nicole Simon erhebt Bedenken . Auch wenn ich eher dazu tendiere, den Wert und den Nutzen einer solchen Aggregation wesentlich höher einzustufen, als den individuellen Schaden, Nicoles Einwürfe bezüglich der plötzlichen Sichtbarkeit von davor eher Verstecktem und bezüglich der Sammlung von Daten sind nicht ganz unbegründet.

Wie seht Ihr das? Sollen Eure Kommentare eher dort bleiben, wo sie verfasst wurden? Oder stört es Euch nicht, wenn man sie frei lässt?

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