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10.09.10Leser-Kommentare

Diskussion um Werbeblocker: Es gibt nicht nur schwarz oder weiß

Wieder einmal ist eine Diskussion über den Einsatz von Werbeblockern und die Auswirkungen für Website-Betreiber ausgebrochen - mit der üblichen "schwarz oder weiß"-Perspektive.

 

Es gibt eine Reihe von Themen, die, einmal in der Blogosphäre aufgegriffen, unter Garantie zu heftigen Diskussionen führen. Werbeblocker, also Software zum Blockieren von Anzeigen auf Websites, gehören definitiv dazu.

t3n berichtete gestern über eine Untersuchung, die belegt, dass 12,65 Prozent aller Werbeeinblendungen in Deutschland mit Hilfe entsprechender Tools auf Nutzerseite blockiert werden, und zieht daraus diverse Schlussfolgerung, wie viel Geld Webmastern durch Adblocker durch die Lappen gehen. Die Reaktionen auf den Beitrag, der beim Social-Web-Aggregator Rivva viele Stunde die Liste der meistgelesenen Postings anführte, ließen nicht lange auf sich warten:

Befreundete Blogkollegen von uns wie Leander Wattig, Marcel Weiss oder Felix Schwenzel äußerten sich zu dem Bericht. Tenor: Nach der t3n-Logik könne man auch fragen, wie viel Geld Unternehmen durch Werbeverbots-Briefkastenaufkleber oder durch unaufmerksame, Werbeplakete ignorierende Spaziergänger auf der Straße verlieren, ein Naturrecht auf Werbefinanzierung gäbe es nicht und Verleger, die sich lediglich auf ein einziges Geschäftsmodell beschränken, machen ohnehin etwas falsch.

Ich persönlich finde, der Debatte fehlt es an Gefühl und Differenzierung. Wie so oft gibt es nicht nur schwarz (Werbeblocker zerstören das Geschäftsmodell) oder weiß (Pech gehabt, wenn ihr es nicht schafft, euch zu refinanzieren. Dann macht ihr halt dicht!).

Grundsätzlich sehe ich auch eine gewisse Verantwortung für die "Misere" (sofern man die Situation so nennen möchte) auf Seiten der Anbieter. Tatsächlich haben einige Websites es seit jeher mit der Frequenz und Intensität von Werbeeinblendungen übertrieben. Zudem sind die Rahmenbedingungen für traditionelle Displayreklame im Internet ganz einfach schlechter, als dies z.B. bei Print der Fall ist. Websites, die sich ausschließlich von Bannern und störenden Layer-Ads abhängig machen, müssen eben akzeptieren, dass dies nicht von allen Usern hingenommen wird. Gerade dann, wenn auch der dargebotene Inhalt wirkt wie in fünf Minuten lieblos zusammengeschnippelt oder -kopiert.

Dennoch halte ich es für falsch, sich hier ausnahmslos auf die technischen und wirtschaftlichen Umstände zu beziehen und zu implizieren, dass ein Webangebot, dass keine kreativen Wege zur Monetarisierung findet, dann eben die Konsequenzen tragen muss (im schlimmsten Fall heißt das, die Tore zu schließen). Denn mitunter sind genau das die Webangebote, die uns allen ans Herz gewachsen sind. Webangebote, die ausgezeichnet darin sind, bestimmte Inhalte oder Dienste anzubieten, aber vollständig darin versagen, Energie und Ideenreichtum in das Finden eines Geschäftsmodells abseits einfaltsloser Werbebanner und Google Ads zu investieren.

Alle haben wir solche Websites, bei denen wir traurig wären, wenn sie aufgrund von Geldmangel verschwinden würden. Bei derartigen Angeboten sehe ich auch die Nutzer in der Verantwortung. Nicht dem Anbieter zuliebe. Sondern aus dem völlig egoistischen Interesse, den betroffenen Service in der aktuellen Form auch in ein oder zwei Jahren noch im Web vorzufinden.

Wer hier nicht in der Lage ist, argumentativ von einer Hardliner-Position abzurücken, schneidet sich am Ende ins eigene Fleisch. Nicht jeder Websitebetreiber kann oder will sich durch andere Einnahmen aus Merchandising, Events, Vorträgen, Consulting etc querfinanzieren. Manche wollen einfach genau das tun, was sie am besten beherrschen: Qualitative Inhalte oder Services bereitstellen. Und versuchen mitunter aus Mangel an Ressourcen oder Know-how, so wenig Zeit wie nötig mit der Vermarktung zu verbringen. Ich finde, dass es im Interesse der User ist, diesen Sites das Überleben zu ermöglichen. Und Flattr allein reicht da eben nicht.

Die oben zitierten Analogien von Leander Wattig beschreiben die fehlende Aufmerksamkeit der Verbraucher für die unaufgefordert platzierten Werbebotschaften der Unternehmen im privaten oder öffentlichen Raum. Sie ignorieren die Tatsache, dass Websites sich eben nicht mit der eigenen Wohnung oder dem Bürgersteig vergleichen lassen. Auf Website haben ihre Betreiber ein Hausrecht und ihr Betrieb kostet Geld. Websites schließen, wenn sie sich nicht refinanzieren können. Der Bürgersteig bleibt erhalten, da steuerfinanziert. Egal, ob ich als Passant mir ein Werbeplakat anschaue oder nicht.

Sofern der Wert von 12-13 Prozent blockierten Werbeeinblendungen stimmt, werden sich daran vermutlich nur wenige Schicksale von Onlineangeboten entscheiden. Ein wirkliches Drama ist diese Zahl nicht, und davon abzuleiten, wie viele Einnahmen Webmastern verloren gehen, halte ich für schwer.

Allerdings empfände ich es als zielführend, die Problematik mit etwas mehr Feingefühl und Einsichtigkeit zu betrachten. Adblocker sind nicht der Sargnagel von Onlinewerbung. Aber sie sind auch nicht unbedingt ein Mittel, dem man vollständig emotions- und gefühllos gegenüber stehen muss. Allein deshalb, weil sie in großer Zahl doch eine Bedrohung für die persönlichen Website-Lieblinge darstellen könnten.

Kommentare

  • André

    10.09.10 (10:54:36)

    Guter Beitrag zu einem Thema, dass tatsächlich sehr emotional und weniger sachlich diskutiert wird. Trotzdem fehlt mir ein bisschen die Einsicht, gerade wenn du sagst: "Nicht jeder Websitebetreiber kann oder will sich durch andere Einnahmen aus Merchandising, Events, Vorträgen, Consulting etc querfinanzieren. Manche wollen einfach genau das tun, was sie am besten beherrschen: Qualitative Inhalte oder Services bereitstellen." Da ist für mich der Knackpunkt. Wenn ich etwas nicht als Hobby machen und die Kosten dafür selbst tragen will, MUSS ich mich um die Finanzierung kümmern. Vielleicht liegt mir das nicht so gut wie das, womit ich eigentlich Geld verdienen will, aber ich kann nicht einfach sagen: "Ich stelle qualitativ hochwertige Dienste bereit und der Rest geht mich nichts an." Die Schaltung von Anzeigen ist dabei eine bewusste Entscheidung für eine Art der Finanzierung. Dass ich mit diesem (zugegeben recht einfachen) Weg wegen solcher Werbeblocker vielleicht nicht so viel verdiene wie mit anderen, zeitlich aufwändigeren Tätigkeiten, ist mein persönliches Pech. Auch die Bemerkung "Auf Website haben ihre Betreiber ein Hausrecht" finde ich ein wenig erheiternd. Hausrecht bedeutet nicht, dass ich jemanden willkürlich rauswerfen darf, nur weil er bei mir durch die Lobby mit geschlossenen Augen geht. (Wikipedia: "Ein willkürlicher Ausschluss einzelner Personen [ist] nicht ohne weiteres möglich", wenn es sich um Geschäftsräume handelt, "die für den allgemeinen Publikumsverkehr geöffnet sind.")

  • Marcel Weiß

    10.09.10 (11:09:25)

    Die Position von t3n mehr oder weniger zu wiederholen und als differenzierte Betrachtung zu verkaufen, ist ein rhetorisch interessantes Vorgehen, macht die Grundausssage aber nicht richtiger. Kunden haben keine wie auch immer geartete Verantwortung gegenüber dem Geschäftsmodell von Anbietern. "Nicht jeder Websitebetreiber kann oder will sich durch andere Einnahmen aus Merchandising, Events, Vorträgen, Consulting etc querfinanzieren. Manche wollen einfach genau das tun, was sie am besten beherrschen: Qualitative Inhalte oder Services bereitstellen. Und versuchen mitunter aus Mangel an Ressourcen oder Know-how, so wenig Zeit wie nötig mit der Vermarktung zu verbringen." Ja, und wenn er davon nicht leben kann, dann hat es keinen werbefinanzierten Markt für seine Inhalte in der Größe gegeben, die er benötigt. Wenn seine Nutzer Adblocker bei dem Angebot einsetzen, dann wollen sie vielleicht auch nicht, dass der "betroffene[] Service in der aktuellen Form auch in ein oder zwei Jahren noch im Web vorzufinden" ist. Es steht schon in deinem Satz drin: 'in der aktuellen Form'. Es ist leider weit verbreitete Zeitverschwendung, von Geschäftsmodellen zu reden und mit Mentalität und Verantwortungsgefühl zu argumentieren. Das blendet den Hauptpunkt des Betrachteten aber elegant aus: Entweder das Angebot schafft Mehrwert dergestalt, dass ein Markt dafür da ist oder eben nicht. Das schließt das Geschäftsmodell mit ein. (Es ist wirklich bemerkenswert, dass wir dieses Gespräch überall immer wieder führen müssen.)

  • Martin Weigert

    10.09.10 (11:16:18)

    @ André Wenn ich etwas nicht als Hobby machen und die Kosten dafür selbst tragen will, MUSS ich mich um die Finanzierung kümmern. Völlig korrekt. Sehe ich prinzipiell nicht anders. In den Fällen, in denen die Finanzierung durch Onlinewerbung gesichert ist, aber durch Adblocker potenziell in Gefahr gebracht wird, frage ich mich nur, ob es aus aus Sicht der die Werbung blockierenden Konsumenten (bzw. aus Sicht derjenigen, die das gutheißen) klug ist, dies zu tun. Eben genau deshalb, weil sie damit eventuell eine liebgewonnene Website in Gefahr bringen, deren Kalkulation genau darauf basiert, dass auch jeder User Ad Impressions generiert. @ Marcel "Kunden haben keine wie auch immer geartete Verantwortung gegenüber dem Geschäftsmodell von Anbietern." Stimmt. Aber fühlst du dich von jeder Website als Kunde? Das täte mir sehr leid für dich. Wir sind nicht immer nur "Kunden", sondern ab und an auch Fans, Nutznießer oder was auch immer. Versuch doch einfach mal, die Ökonomenbrillen abzusetzen und Dinge mit etwas mehr Feingefühl und Weitsicht zu betrachten. Der Markt ist nicht das einzige, was zählt. Selbst wenn am Ende jedes Angebot, das kein Hobby ist, sich tragen muss. Es gibt bestimmte Dinge, bei denen es gut sein kann, einen vorgeschlagenen Rahmen zu berücksichtigen, selbst wenn es gesetzlich nicht untersagt ist, diesen zu brechen. Ich weiß, "Moral" und "Verantwortung" sind Wörter, die du ungern hörst. Aber sie gehören zu einem funktionierenden Markt dazu.

  • Götz

    10.09.10 (11:20:34)

    Ich nutze keinen fertigen Werbeblocker, habe aber im DNS-Server einige Anbieter blockiert, wie etwa DoubleClick. Ähnlich wie bei Google Analytics möchte ich nicht, dass meine Surfspuren zu einfach nachzuvollziehen sind. Will sagen: ich habe überhaupt nichts gegen (mäßige) Werbung, aber sie sollte bitte lokal beim Inhaltsanbieter gehostet sein. Ich möchte nicht pro Site zwei Tracking-Pixel und zig Stat-Server und Ad-Farmen füttern, von wo nach wo ich mich bewege. Der Datenschutzaspekt ist ein wichtiger bei Werbeanbietern, die auf vielen Sites Werbung schalten.

  • Marcel Weiß

    10.09.10 (11:29:54)

    Martin, wir reden hier über Geschäftsmodelle. Muss ich dir wirklich erklären, dass das eine ökonomische Thematik ist? Den Kunden/Lesern/Hörern/Fans den schwarzen Peter zuzuschieben, weil die Anbieter es verpassen, ein Angebot mit Mehrwert zu schaffen, hat nichts mit Feingefühl und Weitsicht zu tun, sondern mit einer irreführenden Sichtweise auf die Funktionsweise des Marktes.

  • Marcel Weiß

    10.09.10 (11:36:49)

    " Ich weiß, “Moral” und “Verantwortung” sind Wörter, die du ungern hörst. Aber sie gehören zu einem funktionierenden Markt dazu." Nein. Mit Moral und Verantwortung kann man jede beliebige eigene Vorstellung eines Marktes rechtfertigen. Nach dem Motto: 'Angebot und Nachfrage spiegeln das zwar nicht wider, aber meines Erachtens sollte so und nicht anders der Markt aussehen.' Was ist denn das für eine Diskussionsgrundlage für eine rein ökonomische Frage? Genau so könnte man argumentieren, dass Werbeschaltungen unmoralisch und unverantwortlich sind. Das wäre aber genau so unsinnig, wie den Nutzern vorschreiben zu wollen, wie sie sich zu verhalten haben. (Ich fände es gut, wenn man nachträgliche Änderungen in Kommentaren als solche kennzeichnen würde.)

  • Leander Wattig

    10.09.10 (11:53:17)

    @ Martin & Marcel Danke für Deinen Beitrag, Martin! Differenzierung finde ich immer gut, weil nichts auf der Welt Schwarz-Weiß ist. :) Ich persönlich bin für alles, was Content-Ersteller leben lässt. Und "moralische" Gesichtspunkte finde ich auch wichtig. Die Dinge schließen sich doch gar nicht aus. Nur manchmal habe ich das Gefühl, dass "Moral" wirtschaftliche Prinzipien ersetzen und eine Begründung dafür liefern soll, dass man als Anbieter seine Hausaufgaben nicht ordentlicher macht. Bspw. im Buchmarkt erlebe ich das öfter. Dass die Kunden/Nutzer/Fans/... Verantwortung für das übernehmen wollen, was sie mögen, erleben wir doch gerade in Deutschland durch die starke hiesige Nutzung von Flattr & Co., auch wenn diese Dienste noch in den Kinderschuhen stecken. Allerdings sollte das aus meiner Sicht auf Freiwilligkeit beruhen. Und die freiwillige Unterstützung muss man sich quasi als Sahne oben drauf erstmal verdienen, indem man genau das in der adäquaten Form bietet, was die Leute wollen. Das ist die alleinige Veranstwortung des Anbieters - da stimme ich Marcel zu. Das Problem bei vielen der Moral-Diskussionen wie der von Marcel mit Sascha Lobo ist auch aus meiner Sicht, dass die Leute allzu schnell ihre individuelle Moralvorstellung auf andere übertragen. Das gleitet schnell ab in die Willkürlichkeit. Im konkreten Beitrag ging es mir eigentlich aber primär um die Sprache und Wortwahl. Ich habe das Ganze natürlich dann aber weiter gezogen. Das Hausrecht-Argument finde ich interessant. Ich hindere aber doch keinen anderen daran, sich die Werbung anzusehen. Sollte es dann auch nicht erlaubt sein, sich im Kino, wo der Betreiber Hausrecht hat, im Werbeteil die Hand vor die Augen zu halten und die Finger in die Ohren zu stecken. Soll es eine Art Anschaupflicht für die Gäste geben?

  • Dominik Belca

    10.09.10 (12:01:27)

    Ich habe auch einen Werbeblocker installiert. Auf den Seiten die ich gut finde schalte ich diesen gezielt aus (wirklich!). Wenn mir aber nur einmal ein Layer-Ad oder so ein dämlicher Hockey-Stick-Flash-Banner entgegenblinkt, bekommt dieser nur noch exakt einmal Aufmerksamkeit, nämlich beim Aktualisieren der Filtereinstellungen. Gute, thematisch passende Banner klicke ich regelmäßig an. Das ist auch der Grund, warum bei Google bei mir Adwords immer angezeigt werden. Diese sind einfach ein Mehrwert und liefern fast immer noch mal eine kommerzielle Sicht der Dinge. Das Gegenbeispiel wäre ein Blog wie dieses mit blinkendem Banner "Krankenversicherung 35 EUR im Monat"... Es ist halt wirklich so, man muss sich überlegen, ob es seinem Lieblingsmedium gut tut, es auf finanzielle Diät zu setzen.

  • Flokass

    10.09.10 (12:25:31)

    Ich hatte bisher noch nie produktiv einen Webeblocker installiert da ich es einfach unfair finde. Teilweise lese ich Texte von leuten die Services verfluchen die down gegangen sind (wegen zu wenig Werbeeinnahmen!) und diese leute haben aber selber einen Werbeblocker im Einsatz tragen also selber mit die Schuld. Diese 12-13 Prozent stimmen (denke ich) mal nicht so da es sehr stark von der Benutzergruppe die man anspricht entscheidet ob es 50% oder 2% sind. Und beides habe ich schon gesehen.

  • Perun

    10.09.10 (12:52:48)

    Hallo Leander, Dass die Kunden/Nutzer/Fans/… Verantwortung für das übernehmen wollen, was sie mögen, erleben wir doch gerade in Deutschland durch die starke hiesige Nutzung von Flattr & Co. Ja? Dan schaue dir wie viele Kollegen Flattr skeptisch gegenüber stehen und wenn alle Argumente reißen, dann wird immer gerne die Datenschutzkeule ausgepackt ("Flattr spioniert böse, wer weiß was die mit den Daten vor haben") und der Nazi-Vergleich rausgeholt (angeblich soll einer der Gründer, irgendwie was am rechten Rand zu tun gehabt haben) Oder man "argumentiert" bei Flattr dann einfach auf der persönlichen Schiene: "schaue mal, er bettelt". Was meinst du, wann hat der durchschnittliche Nutzer dem Programmierer des Tools was er täglich nutzt (sei es OS oder Freeware) das letzte mal etwas gespendet? Ich kenne ein paar Plugin-Programmierer, wo die Plugins täglich zu hunderten heruntergeladen werden und gespendet wird so gut nichts. Daher machen einige jetzt kostenpflichtige Plugins. Und bei Sergej weiß ich das er einige wüste Beschimpfungen erdulden musste, als er sich entschieden hat wpSEO kostenpflichtig zu machen. Das Hausrecht-Argument finde ich interessant. Ich hindere aber doch keinen anderen daran, sich die Werbung anzusehen. Sollte es dann auch nicht erlaubt sein, sich im Kino, wo der Betreiber Hausrecht hat, im Werbeteil die Hand vor die Augen zu halten und die Finger in die Ohren zu stecken. Soll es eine Art Anschaupflicht für die Gäste geben? du hast es aber heute mit hinkenden Vergleichen. :-) Hast du schon mal gesehen, das der Werbekunde im Kino kontrolliert, wie viele Leute sich Augen und Ohren zuhalten und danach den Kinobetreiber bezahlt?

  • Leander Wattig

    10.09.10 (13:05:29)

    Gegen hinkende Vergleiche helfen nur hinkende Vergleiche - von daher mache ich auch gern mal mit im allgemeinen Reigen ... ;) Ich sage ja nicht, dass das Problem auch nur annähernd gelöst wäre. Soweit ich weiß, werden Flattr & Co. aber relativ zu anderen Ländern im dt.-sprachigen Raum stark genutzt. Das kann man ja mal positiv festhalten. Insgesamt finde ich solche Diskussionen gut, weil wir diese Fragen eben letztlich nur klären können, indem wir die Dinge untereinander aushandeln. Es muss sich sozial lohnen, andere Leute, die etwas leisten, zu unterstützen, sodass auf diese Weise ein Gruppen-Sog entsteht, der andere potenzielle Unterstützer mitzieht. Mit irgendwelchen Zwangsmaßnahmen kommen wir da nicht weiter, ohne das große Ganze zu schädigen. Daher finde ich "Moral"-Argumente prima, solange sie auf die ökonomische Realität aufsetzen und diese nicht (zumindest gefühlt) punktuell ersetzen sollen.

  • Perun

    10.09.10 (13:20:00)

    Gegen hinkende Vergleiche helfen nur hinkende Vergleiche – von daher mache ich auch gern mal mit im allgemeinen Reigen … ;) Hehe, irgendetwas anzustoßen und hinterher zu behaupten man wäre lediglich Mitläufer ist auch eine Möglichkeit zu argumentieren. :-) Schaue dir folgenden Artikel und da siehst du wie es um die Bereitschaft zu zahlen steht: www.avatter.de/wordpress/2010/09/adblocker-streit-es-gibt-keine-alternative-zur-werbung/

  • Leander Wattig

    10.09.10 (13:22:24)

    Schon gelesen, guter Punkt von ihm, obwohl auch ein Totschlagargument. Zudem gibt es ja schon Ansätze, doch die wiederum werden immer niedergemacht mit dem Argument Irrelevanz, bringt zu wenig Geld, ... So drehen wir uns im Kreise ...

  • Martin Weigert

    11.09.10 (02:15:53)

    @ Marcel Erkennst du diese Situationen wieder? - Du nimmst dir beim Frühstücksbuffet im Hotel oder im All-You-Can-Eat-Restaurant nicht unbemerkt Essen mit nach Hause. - Du räumst bei McD dein Tablett mitsamt den Resten und Verpackungen weg - Du sagst deinen Friseurtermin telefonisch ab, wenn du weißt, dass du ihn nicht wahrnehmen kannst (statt einfach nur nicht aufzutauchen). - Du informierst bei der Abgabe des Mietwagens den Vermieter über das seltsame Geräusch, das du bei der Fahrt gehört hast (selbst wenn es dir eigentlich egal sein könnte) All das sind Alltagssituationen, in denen du als Verbraucher eben doch eine Verantwortung in der Beziehung mit dem jeweiligen Unternehmen hast (insofern nehme ich mein initiales "stimmt" zurück). Derartige Verhaltensweisen und Konventionen, die nicht notwendigerweise durch einen gesetzlichen Rahmen geregelt sind, sind die Grundlage für ein gutes, friedliches und funktionierendes Zusammenleben und Wirtschaften. In deiner Vorstellung der digitalen Welt existiert diese Komponente in der Konsumenten-Anbieter-Beziehung nicht. Du blendest sie einfach aus, übrig bleibt das knallharte "ich Kunde aka König, du Anbieter, friss das!" Das ist meines Erachtens nach dein Denkfehler, weswegen ich deinen Ansatz für unvollständig und daher nicht realistisch halte. Selbst ein ökonomisches Thema erfordert mehr als nur eine ökonomische Betrachtung.

  • Martin Weigert

    11.09.10 (02:28:45)

    Ich stimme zu, dass Moral-Argumente eine Diskussion in eine Sackgasse führen können. Deshalb aber die unserem Handeln zugrunde liegende Moral einfach auszublenden, ist der falsche Ansatz. Ganz ohne Moral funktioniert es nicht. In einer Gesellschaft ohne Moral und Werte möchte ich jedenfalls nicht leben. Siehe dazu meine Beispiele unten, bei denen ich hoffe, dass sie einigermaßen Konsens sind.

  • Philip Engstrand

    11.09.10 (17:42:35)

    Ähm, es kommt aber nur mir so vor, als wäre in 3 Beispielen zunächst eine Dienstleistung erbracht worden und danach fühle ich/du/ersiees mich wohler, wenn ich auch etwas 'zurückgebe'. Nach der obigen Kategorisierung liege ich sehr weit auf der Weisseite. Es gibt in D seit der letzen Reform des UWG den schönen Begriff der 'unverlangt zugesanten Werbung'. Man sollte den Adblocker als Dienstleistung ansehen, den Anbieter vor teuren Rechtsstreitigkeiten zu schützen.

  • Martin Weigert

    12.09.10 (02:59:14)

    Ja mit Beispielen ist das immer so: Jedes einzelne lässt sich individuell in Frage stellen. In der Gesamtheit machen sie aber deutlich, worauf ich hinaus möchte. Nämlich dass Geschäftsmodell schon immer gewisse freiwillige, (ethisch/moralisch korrekte) Verhaltensweisen von Konsumenten vorausgesetzt haben. Und dass ich der Überzeugung bin, dass kein anderer Ansatz für eine einigermaßen konstruktive, friedliche und angenehme Verbraucher-Anbieter-Beziehung sorgen kann (ich setze einfach mal voraus, dass dies das Optimum ist, und nicht ein Zustand, bei dem jeder jedem misstraut - dem wir ohnehin schon viel zu nahe gekommen sind). Edit: Siehst du denn im Bereitstellen eines Internetangebots keine Dienstleistung? Ich sehe diese ganz klar. In meinen Augen wurde eine Dienstleistung erbracht, sobald ein User sich längere Zeit auf einer Website aufhält und die dort angebotenen Inhalte/Funktionen verwendet. Denn der Betrieb dieser Website hat ja vorab Arbeit und Kosten verursacht.

  • Armin Tamsarian

    12.09.10 (17:01:06)

    "keine kreativen Wege zur Monetarisierung" Bildungsdeutsch at its best, sozusagen ^^

  • Marcel Weiß

    12.09.10 (22:46:34)

    Martin, ich sage nicht, dass ausschliesslich ökonomische Aspekte bei allen sozialen Interaktionen zählen. Aber das ist auch nicht das, was wir hier diskutieren. Wir sprechen hier darüber, wer verantwortlich ist, wenn ein Geschäftsmodell nicht funktioniert. Und das ist in meinen Augen ganz klar der, der das Geschäftsmodell ausgeheckt hat, und nicht der, der sich anders als angenommen verhält. Ich wollte meinen Standpunkt hier erst weiter ausführen, aber da es länger wurde, habe ich den Text stattdessen auf neunetz.com veröffentlicht.

  • Martin Weigert

    12.09.10 (23:25:09)

    Aber das ist auch nicht das, was wir hier diskutieren. Doch, genau das diskutieren wir hier. Weil genau dieser Punkt sonst nicht diskutiert wird. Wir sprechen hier darüber, wer verantwortlich ist, wenn ein Geschäftsmodell nicht funktioniert. Und das ist in meinen Augen ganz klar der, der das Geschäftsmodell ausgeheckt hat, und nicht der, der sich anders als angenommen verhält. Und in meinen Augen sind es beide, sowohl der Anbieter als auch der Konsument (wenn auch der Anbieter deutlich mehr Verantwortung hat. Sprich, einfach nur irgendein Business starten und sich dann wundern, warum niemand für 500 Euro ein paar Strümpfe kauft, ist natürlich ausgeschlossen. Die Verantwortung der Verbraucher liegt darin, ein prinzipiell funktionierendes Geschäftsmodell nicht durch dem Anbieter gegenüber unfaires Verhalten zu beschädigen. Und das Einsetzen eines Werbeblockers - zumindest wenn es unreflektiert und auf allen Sites geschieht - zählt meines Erachtens nach hier zu) Ein Frühstücksbuffet im Hotel könnte nicht funktionieren, wenn jeder 3 Tage lang gehungert hat, bevor er dahin kommt, und sich noch zwei Tüten Essen mit nach Hause nimmt. Beim Zahnarzt oder Friseur gäbe es Chaos, wenn Leute ständig nicht erscheinen, obwohl sie einen Termin hatten. Der Internetprovider würde zugrunde gehen, wenn jedeser User pro Monat 1 TB herunterladen würde. Ein Onlineshop hätte ein großes Problem, wenn jeder Konsument von seinem Rückgaberecht Gebrauch machen würde (z.B. um mal eine Woche ein neues Paar Schuhe zu benutzen und es dann wieder zurückzuschicken). Viele Geschäftsmodelle und -Konzepte basieren auf einem bestimmten, korrekten Verhalten der Anbieter, und würden ohne dieses nicht existieren. Ich meld mich dann ggf. noch mal mit einenm Kommentar zu deinem Artikel!

  • Schtonk!

    13.09.10 (11:13:39)

    Au, da hast Du ein dickes Fass aufgemacht. Denn auch ihr finanziert euch über Werbung und wenn ich mich recht erinnere, bekam hier schonmal ein Autor Ärger, weil er sich zu Werbeblockern äußerte. Ich habe überhaupt kein Problem mit Textwerbung, kann jedoch zappelnde Bildchen nicht ab. Also deanimiere ich animierte GIFs bzw. lasse sie nur einmal durchlaufen und blocke Flash. Ich kann sonst auch den text gar nicht lesen bei dem Gezappel und mir damit den besuch der Seite sparen, was auch niemand weiterhülfe, Doch wenn ich das als Blogautor sagen würde, bekäme ich sicher Ärger, selbst wenn es mein eigenes Blog ist. Es käme aber keiner auf die Idee, Leute zu verurteilen, weil sie RTL gucken und beim Werbeblock aufs Klo gehen oder leiserdrehn, statt ihn anzusehen.

  • Alex

    25.10.11 (02:09:17)

    Ja hängt immer davon ab wo die Werbung nun platziert ist. Durch die vielen Plugins, kann man schön die Werbung platzieren und es stört den Lesefluss nicht. Grüße, Alex

  • Peter Ofenbäck

    01.10.15 (13:09:06)

    Werbung versuche ich schon seit meiner Kindheit möglichst zu ignorieren. Werbeblocker helfen mir dabei. Was hat ein Werbetreibender davon, wenn seine Werbung scheinbar beim Kunden ankommt, dieser sie aber nicht zur Kenntnis nimmt? Da ist es doch sinnvoller, wenn er erfährt, welcher Anteil der potenziellen Kunden eben dies nicht sind.

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