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29.05.12

Direkte Dateitransfers über Facebook: Pipe öffnet sich für Nutzer

Das Berliner Startup Pipe will direkte Dateitransfers zwischen Nutzern sozialer Netzwerke ermöglichen. Den Anfang macht eine Facebook-App, die jetzt für erste Anwender geöffnet wird. Wir haben 100 Einladungen.

900 Millionen Facebook-Nutzer sollen mit so wenig Aufwand wie möglich und maximaler Anonymität Dateien untereinander austauschen können - dieses Ziel verfolgt das Berliner Startup Pipe, über dessen bevorstehenden Launch wir Mitte März bereits berichtet haben. Der von Philip Eggersglüß, Marco Rydmann - den Gründern des einstigen Musikdienstes Songbeat - und Simon Hossell entwickelte und bisher eigenfinanzierte Dienst nutzt für die Übertragung beliebiger Dateien zwischen zwei Usern das so genannte Real Time Media Flow Protocol (RTMFP) von Adobe, welches eine direkte Peer-to-Peer-Verbindung zwischen zwei Adobe-Flash-Anwendungen ermöglicht.

Der Vorteil für Pipe: Dateien müssen nicht erst auf einem zentralen Server gelagert werden, was die Betriebskosten für Speicherplatz und Bandbreite deutlich reduziert. Anwender hingegen können sich im Gegensatz zur nicht für größere Datenmengen optimierten Dateianhang-Funktion von Facebook Messages sicher sein, dass weder Facebook noch das Berliner Startup sehen, welche Dateien sie über Pipe aneinander senden. Die maximale Größe der per Pipe transferierbaren Dateien beträgt ein Gigabyte, was der üblichen Standard-Einstellung des Browser-Caches entsprich.

Das Gründer-Trio von Pipe ist bestrebt, den Prozess des Versendens uns Empfangens von Dateien so einfach wie möglich zu gestalten und orientiert sich dabei an der Metapher der Röhre ("Pipe"), bei der Nutzer auf der einen Seite eine Datei per Drag'n'Drop hineinziehen, die auf der anderen Seite beim Empfänger herauskommt. Wer per Pipe eine Datei an einen Facebook-Freund schicken möchte, wählt dessen Namen aus der Freundesliste innerhalb der App aus. Per Direktnachricht erhält der Kontakt eine persönliche Anfrage, die Pipe-App zu installieren - was nur einmal notwendig ist - und kann anschließend den Dateitransfer annehmen. Befindet sich der anvisierte Empfänger einer Datei gerade nicht online, erhält er den App-Request zu einem späteren Zeitpunkt. Für eine erfolgreiche Dateiübertragung ist jedoch in jedem Fall erforderlich, dass beide Anwender gleichzeitig bei Facebook online sind.

Mit Simplizität, einer intuitiven Benutzeroberfläche sowie hoher Viralität wollen die Pipe-Macher eine schnelle Verbreitung ihrer Anwendung erreichen und beweisen, dass auch im Zeitalter von Streaming noch großer Bedarf an einem unkomplizierten und sicheren Verfahren besteht, Dateien auszutauschen. Ihrer Ansicht nach eignet sich Pipe auch als Alternative für Dateitransfers, die bisher über E-Mail oder Skype abgewickelt werden.

Anders als das aus der Schweiz stammende Hobbyprojekt Kick a file, das ein ähnliches Konzept verfolgt, haben die Berliner mit Pipe Großes vor: Für die nächste Zeit ist eine Integration mit anderen Plattformen wie Google+, Twitter und LinkedIn vorgesehen. Auch an einer mobilen Anwendung wird gearbeitet. Ein koordinierter Launch unter Einbeziehung internationaler Tech-Medien und mit inhaltlicher Bezugnahme auf den angesagten Firmenstandort Berlin soll dafür sorgen, dass Pipe sofort international durchstartet.

Mitgründer Simon Hossell agierte zwischen 2002 und 2010 als Leiter des Europabüros von Gracenote, einem Anbieter von digitalen Medienlösungen, und hat gute Kontakt in die digitale Medienwelt. Diese dürften sich beim Finden eines Geschäftsmodells bezahlt machen. Sponsoring und Partnerschaften mit Medienunternehmen im Umfeld der Dateitransfers sollen künftig Geld in die Pipe-Kasse spülen.

In diesen Tagen öffnet Pipe seine bisher stark begrenzte private Beta-Phase ein wenig mehr. 100 Leserinnen und Lesern von netzwertig.com stellt der Dienst eine Einladung zur Verfügung. Wer Interesse hat, folgt diesem Link (soll ab 15:00 Uhr erreichbar sein). Ein Facebook-Konto ist naturgemäß aufgrund des Starts als Facebook-App Voraussetzung.

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