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09.08.10Leser-Kommentare

Digitalisierung: Ein fiktiver Medienkompetenzlehrplan

Wer die digitale Welt nicht versteht, kann von ihr auch nicht profitieren. Hier ist ein fiktiver Medienkompetenzlehrplan.

 

In diesem Jahr haben wir sicher schon mindestens 15 Artikel veröffentlicht, die mit dem Satz "Eine neue Medienkompetenz ist dafür jedoch Voraussetzung." hätten abschließen können. Viele der neuen Möglichkeiten, die uns die Digitalisierung eröffnet, lassen sich erst dann nutzen, wenn Individuen das notwendige Know-how mitbringen, um sie zu verstehen und anzuwenden.

Gleichzeitig ist digitale Medienkompetenz auch dann wichtig, wenn es um die sachliche Bewertung von Risiken und Gefahren im Netz geht. Diese existieren zwar, werden aber von Medien gerne übertrieben dargestellt und in Sensationsstories verpackt, was bei nicht mit der digitalen Welt vertrauten Lesern schnell zu falschen Schüssen führen kann.

Dass Medienkompetenz als Thema hochaktuell ist, zeigt auch die Diskussion rund um den Spiegel-Artikel zur Internet-unkundigen "Null Blog-Generation" sowie der Plan des Bundeslands Nordrhein-Westfalen, einen "Medienkompetenzführerschein" für Schüler einzuführen.

Das Vorhaben soll primär den Umgang mit Facebook lehren, ein Blick auf die Argumentation von NRW-Ministerin für Europaangelegenheiten und Medien Angelica Schwall-Düren lässt jedoch befürchten, dass es weniger um Kompetenz sondern eher um die einseitige Verbreitung von Platitüden geht: "Schwall-Düren wies darauf hin, dass unvorsichtig preisgegebene persönliche Daten zu Mobbing missbraucht werden und 'auch bei beruflichen und sozialen Karrieren hinderlich sein' können".

Diskussion , wirkt selbst noch recht unbeschlagen, was die Kenntnis über das Web betrifft: "Ich twittere nicht. Diese Schnell-Nachrichten enthalten oft Banalitäten, so dass ich keine Notwendigkeit sehe, das mitzumachen."

Angenommen, Schwall-Düren wäre die erste Testperson für den geplanten Medienkompetenzführerschein, welche Aspekte müssten ihr (und den Schülern in NRW sowie ganz Deutschland) vermittelt werden? Im Folgenden sammle ich einige Vorschläge, die mir in den Sinn kamen. Über Ergänzungen in den Kommentare freue ich mich!

Ein fiktiver Medienkompetenzlehrplan

Der Stellenwert persönlicher Informationen

Was können anderen mit persönlichen Informationen machen? Welche Gefahren des Missbrauchs gibt es? Wann ist die Furcht über die "Preisgabe" von privaten Angaben gerechtfertigt, wann nicht? Welche Vorteile ergeben sich daraus, Privates öffentlich zu machen? Im Gegensatz zu den Pauschalaussagen und Prinzipienreitereien, die man sonst so hört, muss hier eine sachliche und objektive Vermittlung des Themas stattfinden (also nicht so), die sich nicht an den Perspektiven der Vergangenheit orientiert, sondern an denen der Zukunft.

Abwägung Nutzen vs Kosten

Viele Dienste im Web sind zwar kostenfrei, aber nicht kostenlos: Statt mit Geld zahlen Nutzer mit bestimmten Informationen. Wie weit darf dies gehen? Welche Anforderungen und Verfahren der Anbieter sind gerechtfertigt, bei welchen sollte man vorsichtig sein und genauer hingucken (Beispiel Opt-In vs Opt-Out)? Welche Vorteile und Nachteile hat diese Art der kostenfreien Nutzung? Wie monetarisieren Unternehmen mit diesem Geschäftsmodell ihre Dienste? Hier sollten gut verständliche Antworten geliefert werden, eine ganz grundsätzliche Schaffung von Wirtschaftskompetenz wäre in diesem Zusammenhang sehr von Vorteil.

Bewertung von Informationen

Im Netz fallen häufig die Filter weg, was die Prüfung von Informationen betrifft. Nicht jeder publizierte Artikel enthält korrekte Informationen und nicht jedes Video oder Foto zeigt eine wahre Gegebenheit. Hier muss erklärt werden, wie Falschinformationen entstehen und welche Methoden es gibt, die Glaubwürdigkeit von Inhalten zu bewerten. Teilnehmer der Lehrveranstaltung sollten befähigt werden, aus einer Kombination von qualitativer und quantitativer Bewertung sowie dem eigenen, feinjustierten Bauchgefühl kluge Entscheidungen über den Wahrheitsgehalt von Informationen zu treffen.

Möglichkeiten der Partizipation

Welche Wege der Partizipation und Selbstverwirklichung gibt es im Web? Was ist ein Blog? Was ist Microblogging? Welche grundlegenden Unterschiede gibt es zwischen bestimmten Dienstegattungen? Auf was muss beim Veröffentlichen von Inhalten geachtet werden, welche rechtlichen und ethischen Aspekte gilt es zu berücksichtigen? Wünschenswert wäre, wenn hier vorurteilsfrei und durchaus motivierend auf das Potenzial des Internets als Ort der kreativen Entfaltung hingewiesen werden würde.

Das Netz und die Karriere

Wie setzt man das Internet ein, um beruflich voranzukommen? Wie macht man Arbeitgeber auf sich aufmerksam? Wie sucht man aktiv Jobs im Netz, wie pflegt man seine persönliche Reputation? Wie geht man mit unvorteilhaften Dokumenten oder Suchergebnissen im Kontext von Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen um? Wie verhindert man das Entstehen derartiger Resultate?

Informationsmanagement

Welche Gemeinsamkeiten gibt es zwischen dem Internet und klassischen Medienkanälen, welche Unterschiede gibt es? Wie bezieht man effizient Informationen, wo sollte man suchen, welche Arten der Informationen gibt es im Netz? Welche Technologien existieren, um das Informationsmanagement zu optimieren (Alerts, RSS, Microblogging usw)? Wie vermeidet man das Gefühl des Informationoverload?

Grundlegendes zur Technologie

Welche Technologien liegen dem Internet zu Grunde und kommen bei der täglichen Nutzung zum Einsatz? Was ist Open Source? Welche Vor- und Nachteile hat Open Source? Welche Arten der Internetverbindungen gibt es, welche Beschränkungen bringen diese mit sich? Welche Technik benötigt man, um eine Site im Netz zu betreiben?

Sicherheit und Recht im Internet

Was darf man im Netz, was darf man nicht? Wie anonym ist man? Welche Arten der Cyberkriminalität gibt es? Wie schützt man sich? Hier sollte auch ein Grundverständnis für das Urheberrecht und dessen Herausforderungen im Kontext immaterieller Güter sowie für neuartige digitale Lizenzmodelle (Creative Commons) geschaffen werden.

Bleibt die Frage: Wer bildet die Lehrer aus?

(Illustration: stock.xchng)

Kommentare

  • Martin

    09.08.10 (11:16:17)

    Sehr gute Übersicht. Im Prinzip müsste die ganze Sache jetzt fortgesetzt werden. Es sollten Lehrunterlagen entstehen, die Lehrer frei nutzen können. Und dann müssten sich nur noch Lehrer finden, die vorurteilsfrei an die Sache herangehen. Insgesamt also alles nicht ganz einfach :( Was vllt. noch fehlt (oder bereits im ersten Punkt eingeordnet ist) sind Informationen zur Cloud. Also nicht nur Facebook & Co. sondern mehr solche Sachen wie Google Docs, Evernote, etc. In dem Zusammenhang sollte man auch darstellen, wie wichtig es ist, die Daten, die man einmal hochgeladen hat, auch wieder problemlos herunterladen zu können (also alle auf einmal, Positivbeispiele: Google, Pinboard.in; Negativbeispiele: Evernote, Facebook)

  • Martin Weigert

    09.08.10 (12:02:45)

    Simmt. Man könnte den Punkt "Grundlegendes zur Technologie" in "Technologie und Trends" umbennen und Cloud Computing als DIE kommende Form der IT-Nutzung dort unterbringen.

  • davidhrbrn

    09.08.10 (13:16:41)

    Ein sehr löblicher Vorschlag wie ich finde. Allerdings sehe ich die Gefahr, dass Schüler und Schülerinnen schnell die Lust an dem Thema verlieren, wenn es z.B. um technische Grundlagen geht. Die Frage bleibt auch: wann in der Schule setzt man damit an? Gibt es schon eine Einführung in der Mittelstufe, die über alle Schulformen geht und eine vertiefende Auseinandersetzung erst in der (gymnasialen) Oberstufe?

  • Martin

    09.08.10 (13:24:14)

    Eine Aufteilung in Grundlagen und (technische) Details ist denke ich sinnvoll. Gerade weil diese Aufteilung ermöglicht, den Grundlagen-Teil relativ früh anzubieten. Allerdings denke ich, dass auch die Hintergründe allen erklärt werden müssen und nicht nur den Gymnasiasten vorbehalten bleiben. Dabei wird aber vermutlich wirklich das Problem des mangelnden Interesses auftreten. Es ist denke ich trotzdem wichtig alle mitzunehmen, denn ohne Computer / Internet wird es früher oder später nicht mehr gehen, auch nicht in einfachen Berufen.

  • Martin Weigert

    09.08.10 (13:26:12)

    Seit wann spielt das Interesse der Schüler an einem Zwangsfach eine Rolle? Ich denke, jeder Schüler sollte dieses Wissen mit auf den Weg bekommen. Wenn man davon einige Schultypen ausschließt, verstärkt man die digitale Spaltung noch.

  • Martin

    09.08.10 (13:29:25)

    Interesse spielt zwar keine Rolle, wenn es darum geht, dass das Fach für alle verbindlich angeboten wird. Wenn es aber darum geht, dass die Schüler etwas mitnehmen, dann ist Interesse immer von Vorteil. Aber da wir das sowieso nicht beeinflussen können, müssen wir uns darüber auch nicht streiten :)

  • Martin Weigert

    09.08.10 (13:30:16)

    Jo und interessanter als Deutsch oder Mathe dürfte es in jedem Fall sein ;)

  • Jürgen Ertelt

    09.08.10 (13:51:20)

    Die Vorschläge können Teil einer praktischen Umsetzung einer notwendigen digitalen Bildungsoffensive sein. Danke dafür.Übergreifend und politisch tragfähiger kann eine Verankerung von Medienkompetenz-Stärkung als gesellschaftliche Bildungsaufgabe werden. Leider ist Medienpädagogik noch immer keine Pflichtaufgabe des Staates D / der Länder. Die Definition von Baacke http://de.wikipedia.org/wiki/Medienkompetenz würde ich heute noch um handlungsorientierte Medienpolitik erweitern. IMO ist es zwischenzeitlich notwendig nicht nur von Medienkompetenz zu sprechen, sondern eine digitale (Jugend-)Bildung zu formulieren, die ebenso zur politischen Teilhabe, gesellschaftlichen Verantwortung, ethischen Reflektion und zum kommunikativen Engagement qualifiziert.

  • Martin Weigert

    09.08.10 (13:55:47)

    sondern eine digitale (Jugend-)Bildung zu formulieren, die ebenso zur politischen Teilhabe, gesellschaftlichen Verantwortung, ethischen Reflektion und zum kommunikativen Engagement qualifiziert. Klingt gut und angemessen umfangreich. Das einzige, was mich bei dem Fokus auf die Jugend eben immer stört, ist die Tatsache, dass gerade die Älteren mindestens genau so großen Bedarf an diesen Informationen haben, womöglich mit einem etwas anderen Fokus (ethische Reflektion sollte da vielleicht schon gegeben sein, dafür fehlt es teilweise an technischen Grundlagen).

  • Kerstin

    09.08.10 (13:59:45)

    ... aktuell gibt es hier durchaus Bewegung: http://www.keine-bildung-ohne-medien.de/. Die Diskussionen gehen in eine ähnliche Richtung.

  • Björn Friedrich

    09.08.10 (16:56:09)

    Interessant ist diese Aufstellung auf jeden Fall - in einigen Schulen werden einzelne Bausteine aus dieser Liste auch bereits unterrichtet, in Rheinland-Pfalz ist das u.a. an Gesamtschulen und Realschulen-plus im Rahmen des Informatikunterrichts der Fall. Es müsste natürlich noch deutlich ausgeweitet werden - und hier kommt die (leider) entscheidende Frage zum Tragen, die am Ende des Artikels steht: Wer bildet die Lehrer aus? Und: wie packt man ein "neues Fach" Medienkompetenz in die sowieso schon überfüllten Lehrpläne? Wie weckt man dafür Interesse bei den politischen Verantwortlichen? Es gibt viel zu tun...

  • martin lindner

    09.08.10 (17:51:53)

    was fehlt, aber aus meiner sicht fast am wichtigsten ist: aktive kollaboration in losen gruppen, synchron und asynchron. dazu beiläufiger informations- und wissensfluss in noch lockerer gestrickten interessens-netzen. web-tools für leichtgewichtig-informelles projektmanagement. und herstellen von modularen, web-basierten, verlinkungsfähigen infromations- und wissensstücken auf allen ebenen der expertise, bis zum anfänger, der die eigenen lessons learned noch blutigeren anfängern zur verfügung stellt.

  • Martin Weigert

    09.08.10 (17:55:40)

    Mh ich finde, diese Punkte sind nichts, was zum Handwerkszeug eines jeden Bürgers gehört, sondern beschränken sich auf Akademiker und wären somit eher Lehrstoff für das Jahr vor dem Abitur. Oder irre ich mich?

  • Martin Weigert

    09.08.10 (17:57:46)

    Das sieht doch sehr konstruktiv aus, danke für den Hinweis.

  • Martin

    09.08.10 (18:00:35)

    Ja ich denke auch, dass das für die breite Masse eher zu den weniger wichtigen Punkten zählt. Da kann man sicher einen Einblick geben, aber für eine tiefgehende Behandlung benötigen es dann wohl doch zu wenige. Vor allem weil es das noch schwieriger macht, Lehrkräfte passend auszubilden und vorzubereiten.

  • Martin Weigert

    09.08.10 (18:01:56)

    Wieso heißt eigentlich jeder Martin? :D

  • martin lindner

    09.08.10 (18:02:23)

    ich glaube, das muss künftig fast jede/r können. sagen wir mal, ab basis-bürokompetenzklasse. also das, was früher "ein bisschen e-mail, word und excel" war. keineswegs nur akademiker (bzw. wie Günter Dueck und Friedman meinen: alle müssen ein bisschen "akademiker" werden, auch die früheren bluecollaristen.) wofür? für nachbarschafts-kollaboration, politisches engagement, vor allem aber selbstorganisiertes lernen. mit fließenden übergang zu "projekten" aller art, aber das ist heute eh schon fast alles. ein bisschen wie die arbeiterbewegung anfang des 20. jahrhunderts, nur eben im virtuellen raum.

  • Martin Weigert

    09.08.10 (18:03:36)

    Ok, überzeugt, was den grundsätzlichen Bedarf besteht. Aber würdest du damit wirklich noch vor den oben genannten Punkten anfangen wollen? ;)

  • Martin

    09.08.10 (18:05:16)

    sagen wir mal, ab basis-bürokompetenzklasse. Dem würde ich zustimmen, allerdings bedeutet das immernoch gymnasiale Oberstufe.

  • martin lindner

    09.08.10 (18:11:10)

    nah, mittlere reife. und wie gesagt, alle müssen auf dieses niveau kommen (sagt Dueck). natürlich gibts diese kompetenzen dann mehr oder weniger "literatenhaft", aber die selbermacher-gruppen im AV-bereich, die Henry Jenkins beschreibt, sind bereits voll qualifiziert. und ja, man muss sich gedanken machen, in welcher reihenfolge sowas gezeigt (nicht "gelehrt") werden sollte. wobei ich denke: so früh wie möglich ins wasser schmeißen.

  • Martin

    09.08.10 (18:19:20)

    Wenn es ums "Zeigen" geht, ja da denke ich passt das gut rein, so zum Abschluss. Aber ich finde viele der oben genannten Punkte sollten eben nicht nur gezeigt, sondern im Kontext erklärt werden. Vorteile und Nachteile sollten herausgestellt werden, Probleme und Möglichkeiten beleuchtet. Finden und sich zeigen lassen schafft man im Internet noch ganz gut von alleine, wichtig ist aber, das grundsätzliches Verständnis für die Konsequenzen meines Handelns im Netz und für (wie oben bereits genannt) die Bewertung von Informationen geschaffen wird. Da reicht einfaches Zeigen nicht aus.

  • Thomas

    09.08.10 (18:59:26)

    Na ja, einiges tut sich ja schon, zumindest wenn ich mich hier in der Schweiz umschaue: Etwa umfassende Ausbildungen für Lehrer/-innen zu diesen Themen oder ICT-Konzepte für Schulen und Gymnasien. Dazu gibt es einiges an Initiativen, wie etwa den Junior Web Award. Vielleicht haben wir vor allem ein Umsetzungsproblem. Und dann, vermute ich, geht's mal wieder um die ewige Frage: Wo ist das Geld? Für Lehrer/-innen, für zusätzliche Stunden, für Infrastruktur etc. etc.

  • Heidi Schelhowe

    09.08.10 (19:01:44)

    Eine sehr schöne und hilfreiche Zusammenstellung. Wir haben in der Expertenkommission des BMBF zur Medienbildung in einer digital geprägten Kultur versucht, eine Systematik zur Medienkompetenz zu entwickeln, die sowohl die Berufsfähigkeit als auch die Persönlichkeitsentwicklung umfasst. Zu wünschen ist, dass das BMBF daraus nun auch Umsetzungspläne entwickelt. Über Kommentare zum Bericht würde ich mich freuen! http://www.bmbf.de/pub/kompetenzen_in_digitaler_kultur.pdf

  • martin lindner

    09.08.10 (19:01:55)

    ... und da ist noch ein link zum wirklich guten interview mit Günter Dueck, Technologie-Evangelist bei IBM: http://www.changex.de/Article/interview_dueck_dreimal_mehr_in_jeden_kopf

  • Martin Weigert

    09.08.10 (22:23:14)

    Sehr gutes Interview. "Jeder muss studieren" ist vielleicht kein schlechter Ansatz. Hier in Skandinavien geht's ja auch bereits stark in diese Richtung. Aber in einem Land wie Deutschlabd mit einer klassischen, historisch entstanden Arbeiterklasse ist das sicher eine größere Herausforderung.

  • Oliver Springer

    09.08.10 (22:26:51)

    Das war auch mein Gedanke: Es geht ja nicht um ein freiwilliges Angebot. Jeder Politiker jeder Schüler bekommt diesen Unterricht, ob er will oder nicht, das war doch der Vorschlag?

  • Martin Weigert

    09.08.10 (22:32:49)

    Danke für den Link, ich habe das PDF gerade einmal überflogen. Gefällt mir gut, der Bericht wirkt konstruktiv und sachlich und stellt die Möglichkeiten und Chancen ins Zentrum, nicht die Risiken. Eim guter Ausgangspunkt für weitere Maßnahmen.

  • Oliver Springer

    09.08.10 (22:43:56)

    @Jürgen: Das schießt weit über das Ziel hinaus, denke ich. Politische Teilhabe, gesellschaftliche Verantwortung, ethische Reflexion und kommunikatives Engagement - wow, warum nicht gleich noch übers Wasser gehen? ;-) Das klingt eher danach, als wollte man die ganze Gesellschaft auf ein höheres Level bringen. Andererseits gehört das an sich alles schon zum Auftrag der Schule. Ich denke, man sollte den Vorschlag von Martin auf der pragmatischen Ebene lassen, auf der er ihn formuliert hat. Es geht um ein solides Basiswissen für die Netznutzung.

  • Gibro

    09.08.10 (23:43:24)

    Ich hatte dazu schon drüben auf Carta kommentiert, aber weil ich gerade so im Fluss bin... Das ist mir alles noch zu wissensbasiert. Es geht doch vielmehr darum Medienkompetenz als eine Kompetenz zu begreifen, als eine Fähigkeit. Es macht doch einen Unterschied, ob ich auf die Gefahren von sozialen Netzwerken Hinweise, oder ob ich Schüler_innen durch 10-12 Jahre Schule vermittle, wie ihnen das Internet in Beruf und Alltag hilfreich sein kann. Dann gehört das Internet in jedes Schulfach integriert. Man kann die Medienkompetenz nur als eine Querschnittskompetenz begreifen. Schüler_innen müssen mit dem Internet lernen und arbeiten, wenn sich das mit dem Reset-Knopf nicht durchsetzen sollte, wird es das sicherlich auch noch in 10 Jahren geben.

  • Jürgen Ertelt

    10.08.10 (10:20:40)

    @Oliver Springer übers Wasser gehen und Teleportation gehören zwingend dazu :-). Mir geht es darum, dass nicht ein weiterer Reparaturbetrieb eröffnet wird, der rein kognitiv kompensatorisch arbeitet. "Internetführerschein" ist oft die Antwort der Politiker, die das Internet als weiteres ausblendbares Medium verstehen, statt es als Durchdringung der Gesellschaft mit sozialer Kraft zu begreifen. Erst eine Einbeziehung der Chancen des Netzes in allen politischen Überlegungen schafft die Voraussetzungen für eine Bildung mit digitalen Medien und Internet, die persönlich qualifiziert und Gesellschaft gestaltend wirkt. Die #EIdG wird sich mehr mit den Anforderungen an Bildung auseinandersetzen müssen! Hinsichtlich Medienkompetenz-Stärkung (nicht Vermittlung!) und Schule teile ich die Auffassung von @Gibro und sehe den Nährwert nur in einer Querschnittslösung. Die Forderung "keine Bildung ohne Medien" ist IMO ein Anfang, die Studie des BMBF ( @Heidi Schelhowe ) ein Fingerzeig, dem noch eine deutliche Kontextuierung fehlt.

  • Dirk Küpper

    10.08.10 (14:33:43)

    Seit 2006 bin ich hier bei mir in Düsseldorf unterwegs in Sachen Medienkompetenz und trainiere dabei Lehrer und Schüler. Die technischen Möglichkeiten die wir heute haben, sind fast grenzenlos. Aber nicht jede Schule hatte technische Möglichkeiten. Medienkompetenz bedeutet vor allem 4 wichtige Grundpfeiler zu beachten und zu vermitteln: Medienkritik - Medienkunde - Mediennutzung und Mediengestaltung.

  • Andrea Back

    11.08.10 (13:29:58)

    Wo sind gute Lehrer zu diesen Themen, bzw. Teilaspekten dazu? Diese Frage stellt sich mein Team am Lehrstuhl gerade, weil wir Hochschulstudierende in Methodik der "Professionellen Netzrecherche" voranbringen wollen. Umgang mir Overload, Bewertung von Informationen, Darstellung der Ergebnisse der persönlichen Informationsverarbeitung für die Zielgruppe, der man etwas sagen will, sehen wir als Teilthemen, die darunter fallen. In den nächsten Wochen "recherchieren" wir nach potentiellen Gastreferent/innen, die uns aus im neuen Kurs im Frühjahr aus persönlicher Erfahrung von ihrer (Best) Practice berichten. Was mir noch wichtig ist zu sagen: Ich fände es gut, wenn es Kurse zu Medienkompetenz gäbe, die auf Arbeits- oder Lebenssituationen zugeschnitten sind - denn nicht jeder muss alles in gleichem Masse kennen und können - oder?

  • Jürgen Ertelt

    11.08.10 (15:13:29)

    klick mal http://educamp.mixxt.de/

  • Martin Weigert

    11.08.10 (17:04:00)

    Das "Problem" ist wohl, dass man in den Schuljahren noch nicht weiß, in welcher Arbeits- oder Lebenssituation man sich später befinden wird.

  • Torsten Stollen

    25.08.10 (00:51:04)

    Die Konzentration auf neue digitale Medien erscheint mir ein wenig zu stark. Grundlegende Prinzipien der Medienökonomie (z.B.: Wie funktionieren Geschäftsmodelle von Medienunternehmen?), der Medienwirkungsforschung oder der klassischen Journalismusstudien gehören auch zu Bereich der Medienkompetenz. Mein eigener Vorschlag ist daher weniger an der digitalen Welt ausgerichtet, auch wenn ich im Hinblick auf die nachrückende Generation die Wichtigkeit des Themas "Netzkompetenz" genauso unterstreichen würden. Aber klassische Massenmedien wie Fernsehen, Radio und Presse sind nicht unbedingt in Gänze Auslaufmodelle. Meine Einteilung ist daher etwas umfassender: 1. Mediensystem und technische Verbreitungswege Ziel: Kenntnis über das Medienangebot und die geschichtliche Entwicklungen (Wer kontrolliert was? Medienkonzerne, Medienpolitik, gesetzliche Regulierung, ÖR-Rundfunk, etc.) 2. Medienökonomie und die Generierung von Aufmerksamkeit Ziel: Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge und Zwänge (Geschäftsmodelle, Urheberrechtsproblematik) 3. Medieninhalte und deren qualitative Bewertung Ziel: Bewertungsmaßstäbe von Informationen und Daten (Darunter würde natürlich auch Aspekte des Datenschutzes fallen!) 4. Gesellschaftliche Auswirkungen Ziel: Kritisches Bewusstsein für Konsequenzen des Medienkonsum (Kampagnen, Propaganda, neue Beteiligungsformen) Was die Frage der Ausbildung entsprechender Lehrkräfte angeht, so könnte hierbei auf die universitären Fachgebiete der Medien- und Kommunikationswissenschaft, der Medienpädagogik oder der Politikwissenschaft zurückgegriffen werden. Besonders angehende Sozialkunde-/Gemeinschaftskunde-/Politik-Lehrer sollten für diese besondere Querschnittsaufgabe "Medienkompetenz" ausgebildet werden. Aber je nach Bundesland ist der Umfang dieser genannten Fächer sehr unterschiedlich, so dass auch Deutsch- und Informatiklehrer einbezogen werden könnten. Zuvor müssten allerdings neben einem inhaltlichen Lehrplan und entsprechenden Ausbildungsgängen auch entsprechende Zeitfenster für "Medienkompetenz" geschaffen werden, z.B.: eine Woche im Jahr an jeder Schule für Medienkompetenz (Projektunterricht unterstützt durch Expertenteams zur Schulung von Schülern *und* Lehrern). Ich find's jedenfalls gut, wenn sich auch andere Gedanken zu diesem wichtigen Thema machen. Mal sehen, was zum Beispiel die rot-grüne Landesregierung in NRW für Vorschläge einbringen wird ...

  • Martin Weigert

    25.08.10 (08:48:57)

    Mein eigener Vorschlag ist daher weniger an der digitalen Welt ausgerichtet. Aber genau darum geht es nun mal hier ;)

  • Torsten Stollen

    25.08.10 (09:08:36)

    Das mag stimmen. Aber beim Thema "Medienkompetenz" ist mehr Weitblick doch besonders wichtig, oder? Nicht immer noch nur digital denken! ;)

  • Martin Weigert

    25.08.10 (09:49:58)

    Aber beim Thema “Medienkompetenz” ist mehr Weitblick doch besonders wichtig, oder? Nicht immer noch nur digital denken! ;) Mein Weitblick besteht ja gerade darin, zu erkennen, dass sämtliche Bereiche der Medienwelt ins Digitale wandern oder zumindest durch das Digitale zu einer Veränderung und Anpassung gezwungen werden. ;) Die von dir erwähnten "Fernsehen, Radio und Presse" sind sicherlich keine Auslaufmodelle - aber werden doch auch zunehmend digitalisiert. Ich persönlich sehe hier keinen Bedarf mehr, noch zwischen digital und nicht digital zu differenzieren. Warum soll man den Jungen noch extra in der Schule erzählen, wie lineares Fernsehen oder Papierzeitungen funktionieren, wenn sich genau diese Bereiche in den nächsten Jahren extram wandeln und an die digitale Wirklichkeit anpassen werden (müssen)?

  • Torsten Stollen

    25.08.10 (10:19:39)

    Allein deswegen, weil die vollständig digitale Nutzergruppe weiterhin klein bleiben wird, da die modernen "Jüngeren" - allein aus demographischen Gründen - nicht so schnell in der Mehrzahl sein werden. Papierzeitungen und lineares Fernsehen gehören zu den tradierten Nutzungsgewohnheiten der "Mehrheitsgesellschaft". Netzmediale Angebote werden zumindest in den älteren Jahrgängen vor allem ergänzend genutzt. Ob dieses Rieplsches Gesetz auch für jüngere Jahrgänge gilt, bin ich selbst auch nicht sicher. Aber lineare Angebote (wie Radio und Fernsehen) und Papiermedien bleiben weiterhin wichtig und präsent genug.

  • Martin Weigert

    25.08.10 (10:30:08)

    Ja. Aber ich sehe da relativ wenig zusätzliche Lehrbedarf, was traditionelle Massenmedien betrifft. Man ist und bleibt Konsument und kann deshalb wenig falsch machen. Im Digitalen ist jeder Konsument und Produzent, mit allen Implikationen. Da besteht imo deutlich größerer Bedarf an Kompetenzschaffung. Weshalb ich diesen Bereich priorisieren würde. Anyway, man kann sicherlich beides miteinander kombinieren. Wie gesagt - die Differenzierung zwischen digital und nicht-digital wird ohnehin irgendwann wegfallen.

  • Anja Frotscher

    26.11.10 (23:19:48)

    ich denke wie @gibro: wenn schule auf das leben in der gesellschaft vorbereiten will - und das ist ihr originärer auftrag - darf sie medienkompetenz nicht in einem losgelösten unterrichtsfach "medienpädagogik" o.ä. vermitteln. medienkompetenz gehört in jedes unterrichtsfach - und in jede schulart, einschließlich der grundschule.

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