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06.10.11Leser-Kommentare

Digitalisierung: E-Reader-Preise nähern sich der Marke Null

Weltbild und Hugendubel bringen einen E-Reader für 59 Euro auf den Markt - 40 Euro günstiger als Amazons Kindle. Die Buchhändler wollen sich der US-Konkurrenz nicht kampflos geschlagen geben.

 

Vor einer Woche präsentierte Amazon sein erstes Tablet sowie neue preisgünstige E-Reader - von denen zumindest einer zum Niedrigpreis von 99 Euro auch in Deutschland angeboten wird. In den USA kostet das selbe Gerät (Update: in der hierzulande nicht verfügbaren werbefinanzierten Variante) gerade mal 79 Dollar - umgerechnet nur knapp 60 Euro.

Die Strategie des umtriebigen Internetkonzerns ist offensichtlich: durch kontinuierliche Preissenkungen eine steigende Zahl von Konsumenten an das Thema E-Reader heranführen und anschließend an das eigene Ökosystem binden.

In diesem Artikel beschrieb ich, wie durch die wachsenden Ökosysteme der mächtigen US-Unternehmen wie Amazon, Google, Apple und Facebook deutsche Medienunternehmen vor einem weitreichenden Bedeutungsverlust stehen.

Der Ruf nach dem "Volks-E-Reader"

Auch wenn die Gefahr besteht, dass der Zug für hiesige Verlags- und Buchhandelsriesen bereits abgefahren sein könnte, ist ein kampfloses Aufgeben für die meisten Anbieter sicherlich keine Alternative. Gleichzeitig aber kommt ein Ignorieren der durch die Digitalisierung angetriebenen Marktveränderungen auch nicht mehr länger in Frage. Leser Oliver Springer wunderte sich in diesem Kommentar verständlicherweise, wieso die BILD-Zeitung nicht schon längst einen "Volks-E-Book-Reader" lanciert hat.

Weltbild und Hugendubel verkaufen E-Reader zum Kampfpreis

Diese Rolle könnte nun Deutschlands größter Buchhändler Weltbild übernehmen: Zusammen mit der Buchhandelskette Hugendubel bringt das Unternehmen aus Augsburg einen E-Reader zum konkurrenzlosen Kampfpreis von 59,99 Euro auf den Markt - ganze 40 Euro günstiger als Amazons neuer Kindle. Das von Trekstor gefertigte 7-Zoll-Gerät mit LCD-Farbdisplay bietet über den Weltbild-E-Book-Laden Zugriff auf 120.000 Titel.

Bei dem vorerst in sechsstelliger Auflage produzierten Gerät handelt es sich wenig überraschend nicht um einen Luxus-E-Reader, zumal es ein lesefreundliches E-Ink- oder E-Paper-Display vermissen lässt. Dennoch: Je weniger Geld Verbraucher für den Erstkontakt mit dieser neuen Art des Bücherkonsums auf den Tisch legen müssen, desto eher sind sie zu diesem Schritt bereit.

Zumal ein E-Reader eigentlich auch gar nicht viel mehr können muss, als digitale Lektüre mit möglichst langer Batterielaufzeit darzustellen und über einen integrierten Shop anzubieten. Die Unterstützung verschiedener Formate sowie Übertragungswege dürfte vor allem für diejenigen wichtig sein, die sich nicht an einen E-Book-Händler binden möchten. Mit EPUB, PDF, TXT, FB2 und Adobe DRM ist der Weltbild eBook Reader 3.0 laut Produktbeschreibung gut dabei, bringt allerdings kein WLAN-Modul mit. Die Übertragung läuft per USB-Kabel.

"Auf dem E-Book-Markt werden bald nur noch sehr wenige Player aktiv sein: Amazon, Google, Apple, Thalia - und wir", zitiert die Financial Times Deutschland Weltbild-Geschäftsführer Carel Halff. Zumindest mit den ersten Drei dürfte er recht haben. Konkurrent Thalia verkauft die günstigste Variante seines besser ausgestatteten E-Reader Oyo seit kurzem für 99 Euro statt 139 Euro.

Angeblich möchte Weltbild noch in diesem Jahr auch ein eigenes Tablet nachschieben.

Die Preise werden weiter sinken

"Was passiert mit Büchern, wenn der Kindle gratis angeboten wird", fragt Mathew Ingram beim US-Blog GigaOm und spielt anschließend verschiedene Szenarien durch, wie kostenfrei abgegebene E-Reader die Buchbranche und die Einkommen für Autoren verändern könnten. Seine Prognose erscheint realistisch: Die Preise für E-Reader werden weiter fallen und sich eines Tages auf einem sehr niedrigen Niveau nahe Null einpegeln - dann womöglich mit einer integrierten Werbevermarktung oder einem Abo-Modell.

Mit ihrem neuen Kampfpreis setzen Weltbild und Hugendubel zwei Zeichen: Sie wollen sich Amazon (und Google) nicht kampflos geschlagen geben. Und: E-Books, nicht Print-Titeln, gehört die Zukunft. Selbst wenn man sich diesen Wandel gerne erspart hätte.

Kommentare

  • Lioman

    06.10.11 (10:03:28)

    Das fehlende E-Ink Display macht den Reader schon wieder unattraktiv. Es ist damit nichts als ein verkappter Tablet-PC. Die Akkulaufzeit sinkt, die Ökobilanz sieht schon nicht mehr so rosig aus und Lesefreundlich ist das auch nicht. Ich werde mir die 60 € sparen

  • Martin Weigert

    06.10.11 (10:04:36)

    In ein paar Monaten wirst du für 50 Euro so ein Ding mit E-Ink bekommen.

  • Sebastian

    06.10.11 (10:13:07)

    Barnes & Nobles nicht vergessen. Die fahren mit ihrem Nook sehr, sehr gut. Der fehlende e-Ink-Display ist ein großes Manko. Die Leute werden das Gerät sehen und denken, dass alle ebook-Reader so schlecht wären. Es hat schon einen Grund, warum weder Amazon noch B&N auf den e-Ink-Display verzichten.

  • Martin Weigert

    06.10.11 (10:21:20)

    Ja, die Gefahr besteht. Andererseits sehe ich das so: Weltbild und Hugendubel wollen mit dem Ding ganz klar E-Books verkaufen, nicht Kunden verjagen oder mit dem Gerät selbst viel Geld verdienen (wer weiß, wie hoch die Gewinnmarge ist und ob sie überhaupt existiert). Insofern werden sie sich zu viele enttäuschte Kunden weder leisten wollen noch können.

  • Christian Zumbrunnen

    06.10.11 (10:32:37)

    Ich sende mir Bücher und Blog-Einträge zum Lesen an meine Mail-Adresse @Kindle.com. Sehr schnell, bequem und ohne USB-Stöpseln. Für Autoren scheint der E-Bookmarkt sehr interessant zu sein, da trotz niedriger Preise der Umsatz mit den verkauften E-Books mehr zunimmt als der Papierbuchverkauf abnimmt. Zudem lassen sich mit dem Kindle auch E-Books ausleihen. Als Autor oder Verlag würde ich daher eher versuchen mit Amazon zu kooperieren und meine Bücher als Kindle-Buch anzubieten, statt Konkurrenz zu machen. Selbst wenn Amazon jetzt selber zum Verlag wird. Besser viele Bücher via Amazon verkaufen als wenig über die eigene Plattform, deren Aufbau sehr viel kosten wird.

  • Stefan

    06.10.11 (10:55:09)

    Der Reader der in Deutschland verkauft wird ist die Version ohne Werbung. Der Vergleich ist also falsch. Verglichen werden sollte mit dem werbefreien Gerät das in den USA 109$ kostet. Wenn man auf diesen Preis unsere Steuer aufschlägt und dann in Euro umrechnet kommt man bei ungefähr 98,50 Euro raus. Dafür dann in Deutschland 99 Euro zu verlangen finde ich fair. Der Artikel erweckt aber den Eindruck das an uns hier das Gerät zu einem höheren Preis abgegeben wird.

  • KK__

    06.10.11 (11:41:01)

    Es kommt immer auch auf die Qualität des Gerätes an. Ich habe mir vor einem Jahr den Oyo gekauft, da ich mit EPub und nicht mit einem proprietären Format arbeiten wollte. Betrachtet man die technischen Daten ist das Gerät echt gut. Es leidet aber unter ein paar technischen Mängeln, die die Benutzung zu einem echten Ärgernis machen. Ein Gegentest mit einem Sony hat mich hingegen echt überzeugt. Ich werde mir im Oktober jetzt aber doch denKindle kaufen, da Amazon einfach den besseren EBookshop hat.

  • Oliver Springer

    06.10.11 (21:05:12)

    Ohne E-Ink-Display finde ich persönlich ein solches Gerät zwar auch nicht interessant, aber mal schauen - vielleicht hat das Gerät dafür andere Talente, die es zu einem Erfolg machen können. Der Oyo-Reader hatte mich letztes Jahr nicht überzeugt, das hilft auch der niedrige Preis nicht. Alle SONY-E-Book-Reader der letzten Zeit hingegen sind dagegen interessant gewesen. Sie reagieren schnell genug und bieten gut lesbare Displays. Nur vom Preis her lockten sie nicht zum Kauf - aber das wird dem Sony PRS-T1 ja bald anders. Der Preis von 149 Euro ist interessant. Ich glaube nicht, dass es für die großen Buchhandelsketten in Deutschland zu spät ist, um sich gegen Amazon zu behaupten. E-Books sind leider noch ein Nischenprodukt. Die Buchhandelsketten haben zudem den Vorteil, dass jeden Tag unzählige am Lesen von Büchern interessierte Menschen in die Filialen kommen. Das ist ideal, um die Kunden an die neuen Geräte heranzuführen. Dazu reicht es aber nicht, in irgendeiner Ecke ein oder zwei Reader zum Ausprobieren hinzustellen. Wenn das die Zukunft ist - dann darf das nicht nur so am Rand mitlaufen. Ob die Chance genutzt wird, nun, da bin ich skeptisch. Aber sie besteht, Amazon muss diesen Markt nicht beherrschen. Allerdings wäre es gerade für die Buchhändler wichtig, dass man direkt vom Gerät aus Bücher kaufen kann - eine Befüllung via USB ist hier der falsche Weg. Ein attraktiver Onlineshop, der direkt vom Reader aus (mindestens über WLAN, das reicht ja schon) bequem und einfach zu nutzen ist, könnte die Besitzer davon abhalten, sich das Kaufen bei der Konkurrenz überhaupt erst anzugewöhnen. Gleich dort zu kaufen, wo man auch liest, ergibt einfach Sinn. Im Idealfall ist die Kundenbindung dann weit größer als zu analogen Zeiten. So lange es die Buchpreisbindung gibt, kann Amazon auch nicht über den Preis die Bücher verkaufen. Ich bin zwar für die Abschaffung, aber von seiner Größe kann Amazon damit erst einmal nicht so sehr profitieren.

  • Frank-Steineck

    17.11.11 (00:05:09)

    Der bunte Kindle-Reader könnte vielleicht die bedeutendste Erfindung im Lernbereich seit der Höhlenmalerei sein, wie auch für die Visuellen! Die Reader werden zweifellos der Standard sein. Der Sehästhetik fiel noch nie mehr Gewicht zu. Meine Ausstellungs- und Bilderkataloge hüpfen bereits in irrsinniger Heiterkeit auf meiner Seite herum, weil sie bald buchstäblich omnipräsent sein können. Manche wird das vielleicht hart treffen. Doch ist dies wohl auch die bahnbrechendste Erfindung seit der farbigen Höhlenmalerei; denn nichts hilft Worten mehr als Bilder!

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