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13.06.17

Digitalisierung

Die Digitalisierung kommt in Deutschland nur schleppend voran

Jürgen Kroder


(Bild: Fotolia)

Manager und Politiker reden ständig von der Digitalisierung. Wie gut wird das wichtige Thema wirklich in deutschen Unternehmen umgesetzt? Eine neue Studie zeigt ein schlechtes Bild: Die Digitale Transformation wird nicht ernst genommen, die deutsche Wirtschaft hechelt in Sachen Digitalstrategie den internationalen Konkurrenten hinterher.

Wirtschaftsindex DIGITAL 2017: Das sind die Ergebnisse

„Die Digitalisierung der deutschen Wirtschaft kommt voran“: Zu diesem Ergebnis kommt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) in seiner Veröffentlichung „Monitoring-Report Kompakt: Wirtschaft Digital 2017“. Die Formulierung mag für Außenstehende nach Erfolg klingen, doch die Betonung liegt eher auf den Worten „kommt voran“.

Die Situation sieht nämlich alles andere als rosig aus: Beim Wirtschaftsindex DIGITAL 2017 erreichen deutsche Unternehmen durchschnittlich einen Digitalisierungsgrad von 54 von 100 Punkten. Wäre die Wirtschaft ein Schüler, wäre sie weit von sehr guten oder guten Noten entfernt – hier sind eher Nachhilfestunden angesagt.


(Bild: BMWi)

Digitalisierung in Deutschland: Keine Verbesserung zum Vorjahr

Das Ergebnis des Digitalisierungsgrades ist auch deswegen eine Enttäuschung, weil sich im Vergleich zum Vorjahr nichts getan hat. Ganz im Gegenteil: 2016 lag der Indexwert bei 55 Punkten, der Wert fällt dieses Jahr somit um einen Punkt niedriger aus – und das, obwohl das Thema Digitalisierung mittlerweile bei allen Managern angekommen sein müsste.

Trotz des internationalen Konkurrenzdrucks scheint das BMWi keine großen Sprünge in Sachen Digitalisierung zu erwarten. In dem Report heißt es: „Bis 2022 wird sich der Digitalisierungsgrad der Großunternehmen um zwei auf 56 Indexpunkte verbessern."

Die deutsche Wirtschaft hängt international deutlich hinterher

Mit diesen durchschnittlichen Werten wird die Bundesrepublik und ihre Wirtschaft international abgehängt. Im „World Digital Competitiveness Yearbook 2017“ landet Deutschland und seine Digitale Transformation auf Platz 17, in der Kategorie „Future readiness“ auf Platz 18 (Vorjahr: Platz 8), in Sachen Technologie ist nur noch Platz 21 drin.

Warum? Ein Grund dafür liefert die FAZ: „Die gute Konkjunktur schwächelt die Bemühungen der Unternehmen, in der digitalen Welt voranzukommen“, heißt es hier.

Der digitale Wandel schreitet in Deutschland unterschiedlich schnell voran

Der „Wirtschaft Digital 2017“-Report zeigt deutlich: Themen wie Industrie 4.0, Smart Services, Big Data, etc. werden von deutschen Unternehmen unterschiedlich engagiert und schnell aufgegriffen, deswegen gibt es große Unterschiede beim Digitalisierungsgrad verschiedener Branchen.

Während die deutsche Gesundheitsbranche im Digitalisierungsindex nur 37 Punkte erhält, liegen Maschinenbau, Chemie/Pharma und Energie/Wasser mit 45 Punkten ungefähr im Mittelfeld. Deutlich digitaler ist – verständlicherweise – die IT-Industrie: Sie erreicht einen Digitalisierungsgrad von 78 Punkten.

„Digitalisierung? Brauchen wir nicht!“

Weitere Gründe für das mittelmäßige Abschneiden der deutschen Wirtschaft bei der Digitalisierung ist das Verständnis dafür – es fehlt nämlich in vielen Teilen. So sagten 52 Prozent der Logistik-Unternehmen, dass für sie die Digitalisierung nicht notwendig sei, im Handel waren 30 Prozent.


(Bild: BMWi)

Fazit: Deutschland verpennt die Digitale Transformation

Die aktuellen Zahlen untermauern das, was man aus verschiedenen Richtungen immer wieder hört: Die deutschen Unternehmen verschlafen die Digitalisierung – und das trotz des hohen internationalen Drucks. Das zeigt der neue „Wirtschaft Digital Report 2017“ ebenso wie die vor ein paar Monaten veröffentlichte Studie „Digitale Transformation und Zusammenarbeit mit Startups in Großunternehmen in Deutschland und den USA“ von Etventure und YouGov oder eine Umfrage von Brocade und DMI im Jahr 2016. 

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