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06.09.11Leser-Kommentare

Digitales Deutschland: Das Glas ist halbvoll

Der deutschen Öffentlichkeit mangelt es im Bezug auf das Netz nicht an Konflikten. Doch diese versperren leicht den Blick auf erfreuliche und positive Entwicklungen rund um den digitalen Wandel.

 

Foto: Flickr/Anusca76, CC-LizenzIn der deutschen Digitallandschaft findet sich viel Streitpotenzial. Datenschutz, Leistungsschutzrecht, Vorratsdatenspeicherung, Netzneutralität, Klarnamenzwang sind nur einige der Punkte, welche die öffentliche Debatte prägen und heftig polarisieren. Zumal wir Deutschen ohnehin eine Tendenz haben, jede sich ergebende Konfliktgelegenheit dankbar zu nutzen (ich nehme mich da nicht aus).

Ob der vielen, mit einer umfangreichen Medienberichterstattung bedachten "Brandherde" (gemäß dem Motto "Bad news is good news") entsteht leicht der Eindruck, dass die digitale deutsche Gesellschaft keinerlei positive Meldungen zu verkünden hat. Zu jammern und zu kritisieren gibt es viel, Erfolge hingegen werden kaum zur Kenntnis genommen oder im Extremfall so dargestellt, dass auch sie noch Anlass zur Nörgelei bieten.

In diesem Beitrag möchte ich auf fünf Entwicklungen hinweisen, die unterstreichen, dass sich der digitale Standort Deutschland trotz aller offenen Fragen und Skepsis, trotz allem Populismus, Aktionismus und Schlechtredens in die richtige Richtung bewegt. Gleichzeitig rufe ich euch dazu auf, in den Kommentaren auf weitere Meldungen und Geschehnissen zu verweisen, welche zum Thema passen und ebenfalls in die Kategorie "gute Nachrichten" fallen.

Angesichts der tiefen Sorgenfalten und heruntergezogenen Mundwinkel, die man bei manchen Teilnehmern der deutschen Debatten rund um das Netz vermuten muss, kann ein Blick auf einige aktuelle Meilensteine vielleicht dabei helfen, für einen Moment Irritation und Verärgerung zu vergessen.

83 Prozent der Deutschen haben das Internet mindestens einmal genutzt

"17 Prozent der Deutschen waren noch nicht im Internet" titelte heise online gestern in Bezug auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes in typischer "Das Glas ist halbleer"-Manier. Aber das bedeutet auch, dass 83 Prozent aller Deutschen zwischen 16 und 74 Jahren mindestens einmal online waren. Und rund 50 Millionen Deutsche sind regelmäßige Internetnutzer.

Man kann traurig sein, dass noch immer 17 von 100 Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern komplett offline sind. Doch allein die Tatsache, dass dieser Wert in der Altersklasse von 55 bis 74 Jahren 42 Prozent beträgt, unterstreicht, dass wir es vorrangig mit einer Generationenfrage zu tun haben. Deutschland liegt mit seinen 17 Prozent deutlich unter dem EU-Schnitt (26 Prozent). In jüngeren Altersklassen bewegt sich der Anteil der deutschen "Offliner" jeweils unter 10 Prozent.

Mein Fazit: Die Verbreitung des Internets in Deutschland ist in der Realität deutlich größer, als es die vielerorts durchschimmernde Technophobie der Deutschen im Bezug auf das globale Netz vermuten lässt.

Drei Viertel der deutschen Internetnutzer sind Social Networker

76 Prozent der hiesigen Internetnutzer besitzen mindestens ein Konto bei einem sozialen Netzwerk, wie eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Bitkom ergab. Bei Anwendern unter 30 Jahren sind sogar ganze 96 Prozent Mitglied bei einem Social Network und 94 Prozent aktiv.

Mein Fazit: In Anbetracht der nicht gerade ausgeglichenen Medienberichterstattung rund um soziale Netzwerke ist auch das ein beachtlicher Wert und ein deutliches Zeichen dafür, dass trotz aller propagierten und plakativen Ablehnung Social Networks zu einem Massenphänom geworden sind (das sich weiterentwickeln, aber mit Sicherheit nicht wieder verschwinden wird).

20 Millionen Deutsche besitzen ein Smartphone

Laut Bitkom besitzen mindestens 20 Millionen Deutsche ein Mobiltelefon, auf dem Apps installiert werden können. Vor einem Jahr waren es nur 13 Millionen.

Mein Fazit: Das mobile Internet ist damit kurz davor, in der Mitte der Gesellschaft anzukommen.

Die deutsche Internetwirtschaft erlebt rosige Zeiten

Angetrieben durch die allgemeine Euphorie über den Internetstandort Berlin steht die hiesige Web- und Digitalwirtschaft vor einem zweiten Frühling - sofern es nicht eigentlich ihr erster ist. Ausgehend von der großen Zahl an innovativen Startups und jungen Webdiensten, die in diesen Wochen und Monaten in der Hauptstadt, aber auch anderswo in der Bundesrepublik ins Netz gehen, ist für die kommenden Jahre mit einem Erstarken der Branche, mit anhaltender Innovation, steigenden Investitionsvolumen und signifikanten Akquisitionen zu rechnen.

Mein Fazit: Noch nie waren die Aussichten für die hiesige Onlinewirtschaft besser als heute.

Deutsche kaufen überdurchschnittlich viel im Internet

E-Commerce ist ein Bereich, in dem deutsche Internetnutzer schon frühzeitige ihre Berührungsängste hinter sich ließen. Die Aussicht auf Schnäppchen scheint stärker zu sein als die Skepsis gegenüber Neuem. In einer TNS Infratest-Studie aus dem Jahr 2009 wurde Deutschland als Weltmarktführer im Business-to-Consumer E-Commerce bezeichnet.

Eine Untersuchung des Preisvergleich-Portals Kelkoo ergab in diesem Jahr, dass im B2C-Bereich in Europa nur in Großbritannien mehr mit E-Commerce umgesetzt wird. Beim Pro-Kopf-Umsatz liegt Deutschland zwar nicht auf den Spitzenplätzen, aber dennoch über dem Durchschnitt.

Mein Fazit: Wenn sich bares Geld sparen lässt, lösen sich Vorbehalte gegen Neues in Luft auf.

Foto: Flickr/Anusca76, CC-Lizenz

Kommentare

  • Spaltprodukt

    07.09.11 (09:45:30)

    Herr Weigert scheint das zu brauchen: ich will ihm seinen Glauben nicht nehmen.

  • Martin Weigert

    07.09.11 (09:46:49)

    Nett.

  • Dirk S.

    13.10.11 (10:17:29)

    Etwas vermisse ich noch - wer leider noch deutlich hinterherhängt sind kleine lokal ansässige Unternehmen. Digitalisierung heißt für mich nicht, in Zukunft alles nur noch online zu kaufen. Lokale Unternehmen tragen ja weit mehr zum urbanen Leben bei als nur die reine Produktversorgung ... Deswegen entwickle ich mit Freunden auch an entsprechenden Lösungen ;)

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