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08.01.13

Digitale Nomaden: Auf dem Weg nach Fernost

Digitales Nomadentum ist wie eine Sucht. Wer ortsunabhängig arbeiten kann, der schmiedet ständig Pläne, wo es hingehen könnte. Nächste Station: Japan.

Das digitale Nomadentum wird schnell zur Sucht. Hat man einmal die Voraussetzungen dafür geschaffen, unkompliziert für Wochen oder Monate den Arbeitsort wechseln und sich mit samt dem virtuellen Büro an einem beliebigen Ort dieser Welt niederlassen zu können, dann möchte man diese Freiheit nicht mehr aufgeben. Sobald man von einem Trip heimgekehrt ist, beginnt man gedanklich bereits damit, neue Reisepläne zu schmieden. Seit einigen Jahren schon bin ich im Bann der ortsunabhängigen Arbeit, wobei mir die Art meiner beruflichen Tätigkeit bei einem Onlineverlag ohne Notwendigkeit der Präsenz in einem physischen Büro dabei natürlich entgegen kommt. Gerade weil es auch in unserer vernetzten, von sich verändernden Arbeitsformen geprägten Zeit noch immer ein großes Privileg ist, einfach seine Sachen packen und in den Flieger steigen zu können, möchte ich von dieser Möglichkeit regen Gebrauch machen. Deshalb bin ich gerade in Tokio angekommen, wo ich bis Ende März meine Zelte aufschlagen werde.

Wieso gerade Tokio, wird sich jetzt vielleicht manch eine(r) fragen. Immerhin ist Japan bisher nicht gerade als großer Innovator im Web- und Mobilebereich in Erscheinung getreten - zumindest nicht auf internationaler Bühne. Zwar wurden in Fernost zahlreiche technologische Errungenschaften bereits frühzeitig zur Marktreife gebracht und von der Bevölkerung in der Praxis eingesetzt. Doch kochte man bisher so sehr sein eigenes Süppchen, dass globale Erfolge wie das iPhone oder Facebook erst mit Verspätung im Land der aufgehenden Sonne durchstarteten. Auch was Webkonzerne angeht, kommen Europäer oder US-Amerikaner nur selten mit japanischen Firmen in Berührung. Eine Ausnahme bildet hier der E-Commerce-Gigant Rakuten, der sich zuletzt mit 100 Millionen Dollar an Pinterest beteiligte und schon seit längerem den europäischen Markt im Auge hat .

Bedenkt man, wie schlecht es für Japans Traditions-Elektronikhersteller wie Sony, Panasonic oder Sharp läuft, dann erscheint offensichtlich, welch wichtige Rolle das Digitalbusiness für den Wirtschaftsstandort Japan einnehmen könnte - oder sogar muss, um sich auch in Zukunft als Hochtechnologieland in der Welt behaupten zu können. Sicher, das Internet ist nicht der einzige Innovationsbereich der kommenden Jahre und Jahrzehnte, aber aufgrund seiner Omnipräsenz und großen Bedeutung für nahezu alle anderen Industrien der Zukunft ein äußerst signifikanter.

Eine entscheidende Frage lautet also, ob Japan und dabei der Großraum Tokio also Dreh- und Angelpunkt des Landes mit unglaublichen 35,6 Millionen Einwohnern (lt. Wikipedia) in der Lage ist, anderen tonangebenden Startup- und Online-Zentren wie dem Silicon Valley, New York, Singapur, London oder Berlin Konkurrenz zu machen, und ob künftig japanische Web- und Mobile-Anbieter eine größere Rolle in unserem digitalen Alltag spielen werden. Unter anderem darauf suche ich in den kommenden Wochen Antworten.

Davon abgesehen freue ich mich auch einfach darauf, eine für mich völlig neue und nach Aussage vieler Japanreisender sehr andersartige Kultur kennenzulernen. Wobei mir auch schon die gegenteilige Schilderung begegnet ist, nämlich dass die kulturellen Unterschiede am Ende geringer seien, als dies bei uns gerne behauptet wird. Vermutlich hängt viel von der Einstellung ab, mit der man dem Land und seinen Menschen begegnet.

Für netzwertig.com bedeutet mein kleiner Trip, dass hier in den nächsten Wochen der ein oder andere Artikel rund um japanische Web- und Startup-Trends zu lesen sein wird. Davon abgesehen bleibt aber alles beim Alten. Weniger an Fernost interessierte Leser müssen nicht befürchten, dass die sonst hier im Vordergrund stehenden Themen in den Hintergrund rücken.

Falls ihr aber Wünsche für besondere inhaltliche Schwerpunkte im Bezug auf die japanische Webwirtschaft oder Vorschläge zu spezifischen Startups aus Tokio habt, die ich mir unbedingt genauer anschauen sollte, hinterlasst gerne einen entsprechenden Kommentar. Ich bin über alle Hinweise und Empfehlungen dankbar.

Mata ne!

(Foto: stock.xchng/psyclown)

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