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31.07.13

Die nächste Messaging-App: Was fasziniert die Berliner so sehr an Ding Dong?

Die Berliner Startup-Szene schwärmt von der Messaging-App Ding Dong. Wieso bloß?

Seit einiger Zeit vertreiben sich Protagonisten der Berliner Startup Szene die Zeit mit einer neuen mobilen Messaging-App namens . Gegründet von den Niederländern Onno Faber, Jorn van Dijk und Leonard van Driel, aber ansässig in der deutschen Hauptstadt, erlaubt der bislang in geschlossener Beta-Phase für das iPhone angebotene Dienst das versenden von Fotos und Standortdaten. Den Fokus legen die Wahlberliner dabei auf maximale Simplizität. Schnappschüsse werden mit einer Fingerbewegung angefertigt und dem Empfänger auf einer Karte angezeigt. Die Anwendung soll die nicht-öffentliche Kommunikation mit Freunden und Bekannten erleichtern - so wie es andere weit verbreitete Smartphone-Messenger ebenfalls ermöglichen. Im Gegensatz zu WhatsApp & Konsorten verzichtet Ding Dong jedoch gänzlich auf Textinhalte und beschränkt sich vorläufig vollständig auf Fotos, Ortsangaben und "Emotionen" (letztere kann ich in der mir vorliegenden Beta-Version noch nicht finden). Ding Dong wäre damit entweder ein WhatsApp ohne Text oder ein Snapchat ohne Foto-Selbstzerstörungsmechanismus. Ding DongMein Ding Dong-Adressbuch zeigt mir eine ganze Reihe bereits registrierter Kontakte aus der Berliner Webwirtschaft an. Aus dem Umfeld des Startups heißt es, die App verbreite sich sehr viral. In einem Artikel des englischsprachigen Berliner Branchenblogs VentureVillage wurde Ding Dong in der vergangenen Woche gar als "Kult-App" geadelt. Autorin Nina Fowler erklärte später auf Twitter, die Aussage rühre daher, dass die Anwendung von zahlreichen von ihr respektierten Branchenpersönlichkeiten gelobt worden sei. Zweifellos hat Ding Dong in den Tech-Kreisen der Hauptstadt seine Anhänger, wovon auch das von VentureVillage verkündete Frühphasen-Investment des mittlerweile gefühlt überall seine Finger im Spiel habenden Berliner VCs Earlybird zeugt.

Mir fällt es sehr schwer, die Begeisterung für Ding Dong nachzuvollziehen. Ohne die Arbeit der Macher schmälern zu wollen, fällt mir schlicht kein trifftiger Grund ein, warum ich Ding Dong anstelle der tausend anderen mobilen Applikationen einsetzen sollte, mit denen ich in eine private Konversation mit Menschen aus meinem persönlichen Umfeld treten kann. Bei dem in Deutschland dominierende Anbieter WhatsApp sind nicht nur nahezu alle Smartphone-Anwender vertreten. Er erlaubt mir außerdem ebenfalls das Versenden meines Standorts. Schnappschüsse nicht mit Text ergänzen zu können, wirkt auf mich eher wie ein Handicap, nicht wie ein Feature. Sicher, WhatsApp ist optisch kein Höhepunkt und das Verschicken eines Fotos erfordert vielleicht eine Sekunde mehr Aufwand als bei Ding Dong. Doch reicht mir das als Grund, um mir in einer weiteren Messaging-App mühselig einen Social Graph aufzubauen? Sicher nicht.

Funktionalität zu entfernen, hat sich in der Vergangenheit für Produkte und Konzept schon mehrfach als klug erwiesen. Apple brilliert darin. Der andauernde Erfolg von Snapchat wiederum beweist, dass der Verzicht auf Textchats für einen Messenger durchaus eine intelligente Strategie darstellen kann. Doch in meinen Augen löst Ding Dong kein einziges Problem, sondern macht nur, was viele sehr erfolgreiche andere Akteure auch machen - das jedoch nicht besser.

Was sehen andere, was ich nicht sehe? /mw

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