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26.03.09Leser-Kommentare

Die Mär von der "Generation kostenlos"

Es gibt einen Grund, warum viele Angebote im Internet kostenlos angeboten werden. Dieser Grund ist allerdings nicht eine vermeintliche "Gratis-Mentalität" oder ein Aufkommen einer herbeigeschriebenen "Generation kostenlos". Der Grund liegt in den ökonomischen Gegebenheiten und Dynamiken des Webs.

Das Ende der kostenpflichtigen Umarmungen.Immer wieder wird im Zusammenhang von Webangeboten und der allgemeinen Nutzung des Internets von einer vermeintlichen Gratismentalität gemunkelt. Man meint damit eine vermeintliche neue Generation an Geizhälsen, die alles umsonst wollen. Niemand will mehr für etwas bezahlen!

Das ist natürlich Unsinn.

 

Realität

Zum einen sucht jeder, ob im Supermarkt oder im Netz, immer das Angebot, welches bei gleicher Qualität am günstigsten ist, solang die Suchkosten hierfür vertretbar sind. Wir haben hier also keine neu entstandene Generation an Dagobert Ducks, wenn es um das Bezahlen geht. Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben.

Der Unterschied zur analogen Welt ist aber nun, dass, wie wir bereits öfters hier besprochen haben, die Kosten für die Bereitstellung eines digitalen Gutes online oft ausgesprochen gering sind. Nicht selten sind die Kosten für die Bereitstellung einer weiteren Einheit eines digitalen Gutes gleich Null.

Daraus wiederrum folgt, dass es sinnvoll ist, als Anbieter eines Produktes so viel davon wie möglich (sprich mindestens kostendeckend) frei zur Verfügung zu stellen, um auf diesem Wege möglichst viel Aufmerksamkeit (bei journalistischen Medien), Fans (bei Musikern, Künstlern etc.), Benutzer (bei der Software, Webangeboten) oder eine besonders große Community (alle von Netzwerkeffekten profitieren könnende Webangebote) aufzubauen.

Warum?

Weil es der Konkurrent macht, wenn man es nicht selbst macht. Davon abgesehen ergibt es selbst ohne direkte Konkurrenten Sinn: Die Vergrößerung des eigenen Marktes ist mit einem Produkt mit echtem Mehrwert online nicht einfacher zu bekommen, als Teile dieses Produkts oder das ganze Produkt kostenlos anzubieten und die Internetnutzer mit Mundpropaganda den Rest erledigen zu lassen.

Statt sich zu überlegen, wie man einen großen, indirekt zu monetarisierenden Marktanteil aufbauen kann, denken viele nur daran wie man direkt verdienen kann. Wer sich aber darauf versteift, immer alles direkt monetarisieren zu wollen, wird online zwangsläufig nahezu immer gegen eine Wand laufen.

Bei zwei qualitativ gleichwertigen Angeboten hat immer das preiswertere gewonnen. Das ist nur logisch, war schon immer so und wird immer so sein. Im Internet mit seinen radikal gesunkenen Transaktionskosten gilt dies außerdem mehr denn je.

 

Surrealismus

Während Journalisten mit ansehen müssen, wie ihre bisher in Sachen Anpassung größtenteils untätige Branche plötzlich wie viele Jahre lang angekündigt vom Internet stark bedroht - weil grundlegend verändert - wird, scheinen viele von ihnen in dieser Situation von der Musikindustrie zu lernen: sie erkennen das eigene Publikum als den eigentlichen Gegner. Déjà vu all over again.

In einem sehr eigenartigen Text im Rheinischen Merkur (via) etwa wird eine "Wir gegen Euch"-Mentalität, ein Generationenkonflikt angestrengt, dass es schmerzt.

Konstant wird von einer diffusen "Generation kostenlos" gesprochen, worunter dann neben dem allgemeinen jungen Leser, der boshafterweise keine Printzeitung mehr kauft und auch online nicht zahlen will, auch Unternehmen wie Google zu fallen scheinen.

Unternehmen wie Google oder auch Facebook gelten nicht nur als Konkurrenten der klassischen Medien. Für viele Beobachter sind sie deren Totengräber. Genauer: die von ihnen hervorgebrachte globale Medienkultur und deren Kostenlos-Mentalität.

"die von ihnen hervorgebrachte globale Medienkultur und deren Kostenlos-Mentalität." Das ist natürlich dem Wunsch nach Narration geschuldeter Unsinn. Und davon gibt es sehr viel mehr in jenem Artikel.

Dass Kopieren etwas Unlauteres ist, hört man dem Wort „Copyright“ ja auch nicht unbedingt an.

Dass Kopieren per se etwas Unlauteres ist, war mir vorher nicht klar.

Die Surrealität des Textes geht noch weiter. Ein weiteres Beispiel:

Ein ums andere Mal haben Unternehmen davon profitiert, die Ware eines anderen zu diskreditieren. Allen voran die der Content-Industrie. Klassisches Beispiel ist Google. Es hat eine Suchsoftware geschaffen, die alle greifbaren Inhalte im Web zu kostenloser Ware macht. Der Gigant verdient mit dem Content, den andere geschaffen haben, Geld.

Allein dieser kurze Ausschnitt ist so voller gedanklicher Fehler, das man gar nicht weiß, wo man anfangen soll.

Da wäre die zunehmende Bigotterie der Journalisten und Verlage gegenüber Google und seinen Angeboten:

Wann bitteschön hat Google Inhalteanbieter gezwungen, ihre Inhalte kostenlos anzubieten?

Hier wird Ursache und Wirkung verdreht, damit es der eigenen Argumentationskette dient. Die Verlage haben ihre Angebote geöffnet, damit Google sie indizieren und ihnen damit Traffic und Aufmerksamkeit schicken kann. Alle Beteiligten gewinnen, es ist eine Symbiose. (Mehr zur Bigotterie der Verlage beim Thema Google und GoogleNews in einem bald kommenden Artikel.)

Weiter im Merkur-Text:

Und die Kannibalisierung geht weiter: Nach dem Modell der subventionierten Handys werden nun auch Netbooks zu Kostenlos-Computern im Paket mit Telekomverträgen. Softwarefirmen bekriegen sich mit Gratisware.

Das nennt man Wettbewerb. Marktwirtschaft.

Auch hier bei den genannten Angeboten, subventionierte Mobiltelefone oder Netbooks, Freeware, handelt es sich um Angebotsbündel mit kostenlosen und kostenpflichtigen Komponenten. Exakt das, was wir oben unter 'Realität' angesprochen haben und wozu wir unten noch Links zu weiteren Artikeln zum Thema anbieten.

Tatsächlich ist es hier so, dass der Autor des Merkur-Textes wie so viele Pauschalkritiker kostenloser Angebote nicht das gesamte Geschäftsmodell betrachtet, sich ausschließlich auf die kostenlose Komponente stürzt und daraus seine populistische Schlussfolgerung zieht. Dass er dabei völlig ausblendet, wie das Abschließen eines in der Regel doch recht kostenintensiven Mobilfunkvertrags zu seinem Konstrukt der "Generation kostenlos" passt, ist dabei nur einer der kleineren logischen Fehler des Textes. Ebenso wie die unterschlagene Tatsache, dass Unternehmen einen guten Grund für diese Quersubventionen haben, ohne den sie das nicht machen würden: Profit.

 

Kostenlose Inhalte sind von Wert - als Komponenten eines größeren Ganzen

Derweil verlieren Inhalte weiter an Wert.

Ein oft gemachter Fehler: Preis und (den immer mehr oder weniger subjektiv(!) bestimmten) Wert gleichsetzen. Das ergibt natürlich keinen Sinn.

Natürlich haben auch Waren, die kostenlos unter das Volk gebracht werden, einen Wert. Und sie sind für den Anbieter in Form von Generierung von Aufmerksamkeit sehr wertvoll. Geschäftsmodelle online müssen fast immer kostenfrei verteilte Komponenten beinhalten. Erst im Verbund mit anderen Komponenten wird daraus ein ganzes Geschäftsmodell. Ob die Einnahmen dann über Werbung oder kostenpflichtige Komponenten oder ähnliches generiert werden, ist eine Frage der jeweiligen Umsetzung. Siehe zu diesem Themenkomplex die Links am Ende des Artikels.

 

Die übliche Scheinlösung

Wie jeder, der die Dynamiken im Web komplett ausblendet, um zu einer Lösung für die eigenen Probleme zu finden, kommt jetzt, ja, man kann es sich bereits denken:

Erste Medienhäuser experimentieren bereits wieder mit Abo- oder Verkaufsgebühren im Netz.

Klar, gehen wir wieder dahin zurück, was bereits vor zehn Jahren im Web probiert wurde und seit damals nahezu nie funktionierte.

Und hier schließt sich der Märchenkreis:

Allerdings müsste dafür die Kostenlos-Struktur aufgebrochen werden.

Warum Micropayments für nahezu alle Nachrichtensites nicht funktionieren, hat Clay Shirky vor einigen Wochen ausführlich dargelegt. Nochmal: Das hat nichts, aber auch rein gar nichts, mit einer "Kostenlos-Struktur" zu tun. Das ganze Gerede von Mentalitäten und Generationen der Kostenlos-Couleur ist nichts weiter als ein Nebelkerzen-Meer.

 

Klartext

Wir haben online andere Gegebenheiten und Umstände als offline. Die Kostenstrukturen sehen anders aus. Die Interaktion zwischen den Medien und deren Konsumenten ist nicht nur anders, sondern online überhaupt erst existent.

Das Traurige an diesen Diskursen ist, wie vehement auch und besonders deutsche Journalisten die Erkenntnisse der letzten Zeit, ja die Geschichte ihrer eigenen Branche im Netz der letzten Jahre komplett ausblenden.

Es ist ja nicht so, dass die Verlage mit kostenlosen Angeboten im Netz gestartet seien. Sie haben es mit (absurd überteuerten) kostenpflichtigen Archiven versucht. Und nach und nach geben sie alle damit auf.

Statt darüber nachzudenken, warum die kostenpflichtigen Archive und Nachrichtenangebote aufgegeben wurden, statt darüber nachzudenken, was man anbieten kann, wofür Menschen bezahlen wollen , statt die neue Welt zu betrachten und zu schauen, wo man seinen Platz darin finden kann, wird eine diffuse Schuldzuweisung formuliert.

'Sind eben alle Geizhälse. Fall abgeschlossen.'

Unsinn.

Und das ist letztlich ein größer werdendes Problem in unserer Gesellschaft:

Journalisten, die nichts vom Internet oder ihrer eigenen Situation darin (oder ökonomischen Grundlagen allgemein) verstehen, beeinflussen den öffentlichen Diskurs, auf dessen Grundlage Politiker mit genauso wenig Sachverstand und unter zusätzlicher Bearbeitung von Lobbyisten eine immer weltfremdere, von der eigenen Bevölkerung entfernte Gesetzgebung betreiben.

Wer die Gründe für die aktuellen Probleme in eine ominöse "Generation kostenlos" hineinprojiziert, hat nicht begriffen, was ein Techniker der New York Times bereits 1993 erkannt hatte:

Wenn ein 14 Jahre altes Kind dein Geschäftsmodell in seiner Freizeit vernichten kann, und nicht, weil es dich hasst, sondern weil es dich liebt, dann hast du ein Problem.

Alle Industrien, deren Geschäftsmodell das Verkaufen von Information - von Content, von Inhalten - ist, sind davon betroffen.

Es erscheint kurzfristig einfacher, gegen die eigenen Kunden zu wettern und so laut zu lamentieren, dass man hofft, die Politiker mögen mit schärferen Gesetzen zu Hilfe kommen, damit alles so bleibt wie es ist .

Aber das Einzige, was man damit mittel- bis langfristig erreicht ist, einen unüberwindbaren Graben zwischen sich und seine Kunden zu ziehen, die zu recht eine tiefe Abneigung entwickeln. Siehe hierzu etwa die Musikindustrie.

Egal ob Journalist, Buchautor oder Regisseur, niemand kann das für seine eigene Branche ernsthaft wollen. Jeder kann in seiner Branche seinen kleinen Beitrag leisten, die kommenden ohne Zweifel turbulent werdenden Jahre halbwegs zu überstehen, beziehungsweise sich anzupassen und zu lernen und auch notfalls unwiderruflich sinkende Schiffe rechtzeitig zu erkennen. Dafür muss man aber die eigene Situation erst einmal verstehen (wollen).

Hier ein paar Ansatzpunkte für Überlegungen zu Geschäftsmodellen im Web:

 

(Foto: kalandrakas; CC-Lizenz)

Kommentare

  • Marcel Weiss

    26.03.09 (18:25:16)

    Ich muss ja sagen, dass ich ein bisschen stolz auf Bildauswahl und -unterschrift bin. :)

  • Ralph Schäfer

    26.03.09 (19:28:59)

    Eine gute Analyse der Situation, der ich zustime. Ich bin durchaus bereit für einen Dienst im Netz zu zahlen, wenn der jeweilige Mehrwert dem geforderten Preis angemessen ist. Wenn ein Konkurrent ein gleichwertiges Produkt kostenlos anbietet, bevorzuge ich den natürlich.

  • Andreas Göldi

    26.03.09 (21:13:39)

    Du hast grösstenteils recht mit Deiner Analyse, vor allem, was den Realitätsverlust der klassischen Medien angeht. Trotzdem muss man die Frage stellen, wie nachhaltig die Gratiskultur im Internet wirklich ist. Und das meine ich streng ökonomisch, nicht aus irgendeiner Mentalitätsperspektive. Eins lässt Du nämlich aus: Die meisten Gratisangebote werden subventioniert von Investoren, die möglichst schnell Marktanteile gewinnen wollen (damit sie das jeweilige Startup schon bald teuer verkaufen können), oder vom profitablen Kerngeschäft grosser Konzerne (klassische Beispiele: Google und Microsoft). Das ist zwar auch Teil des marktwirtschaftlichen Wettbewerbs, aber verzerrt die zugrundeliegenden ökonomischen Realitäten doch arg. Auch wenn die Grenzkosten digitaler Güter Null sind, sind deswegen die Durchschnittskosten noch lange nicht auch gleich Null. Und diese Kosten müssen eben langfristig gedeckt werden, sonst kann man so ein Angebot nicht aufrechterhalten. Natürlich aber sind die Durchschnittskosten im Internet viel geringer als in klassischen Medien, so dass auch kleine Online-Only-Firmen respektable Produkte anbieten können. Schade für die klassischen Medienkonzerne, die ihren Overhead aus der alten Welt irgendwie decken müssen. Schumpeter schlägt wieder zu.

  • Marcel Weiss

    26.03.09 (21:33:14)

    Andreas: Klar, Kosten müssen gedeckt sein. Die Grenzen kostenloser Angebote innerhalb eines solchen Angebotsbündels hatte ich seinerzeit hier anlässlich eines Vortrags besprochen, den ich auf der Web 2.0 Expo angeschaut hatte. Ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist, bei autonomen Informationsgütern (

  • André Friedrichs

    26.03.09 (22:47:13)

    Du hast sicher weitgehend recht. Traditionelle Medien jammern sicher gerne. Auf der anderen Seite stellt sich aber schon die Frage, wie sich professionelle Medien finanzieren sollen? Werbefinanzierte Angebote stehen in der Dauerkritk der User. Jetzt auch noch die Werbekrise. Bezahlinhalte, Abo etc. funktionieren nicht. Dazu kommt die Konkurrenz von Bloggern etc, die sich gerne selbst ausbeuten. Ganz, interessant - wenn ich dem Artikel auch nicht zustimme: http://www.techcrunch.com/2009/03/22/why-advertising-is-failing-on-the-internet/comment-page-5/#comments

  • Marcel Weiss

    26.03.09 (23:12:03)

    @Andre Friedrichs: Es sagt ja niemand, dass es einfach ist. Nur sollte man sich nichts vormachen und einreden, die Lösung wäre etwas, das die gesamte letzte Dekade über gescheitert ist. Anders gesagt: Ich kann auch darauf hinweisen, was nicht funktioniert, ohne selbst die Lösung für alle Probleme zu haben. :) Clay Shirky hat hier ja auch gesagt, dass in solchen Revolutionen wie in den heutigen Zeiten man zuerst sieht, was nicht (mehr) funktioniert und erst später erkennt, was eigentlich funktioniert.

  • mds

    26.03.09 (23:57:36)

    Auf der anderen Seite stellt sich aber schon die Frage, wie sich professionelle Medien finanzieren sollen? Werbefinanzierte Angebote stehen in der Dauerkritk der User. Jetzt auch noch die Werbekrise. Bezahlinhalte, Abo etc. funktionieren nicht. Dazu kommt die Konkurrenz von Bloggern etc, die sich gerne selbst ausbeuten. Wer sein Geschäft nicht finanzieren kann, sollte sich fragen, ob er das richtige Geschäft betreibt … gerade jetzt in der sich entwickelnden Systemkrise ist die Beantwortung dieser Frage existenziell für jeden, der sein Auskommen selbst erwirtschaften möchte.

  • leander

    27.03.09 (01:16:39)

    foto ist super :)

  • domingos

    27.03.09 (07:15:49)

    Das Problem ist der Mangel an Phantasie bei den klassischen unternehmen, die im Unternet aktiv sind. Irgend wie gabs seit Google Adwords oder Affilitate Marketing keine erfolgreiche Idee mehr. E-Mail-Werbung ist schlichtweg Belästigung auf hohem Niveau. Einige der Unternehmensblogs sind einfach nur flach. Kurz: für ein Geschäft wie das Unternet, wo es so viel Platz für neue Ideen und Kreatitität gäbe, liegen die Unternetianer noch im Tiefschlaf.

  • Cody

    27.03.09 (07:38:31)

    meiner Meinung nach sind Produkte, ganz gleich ob im Internet oder real, die niemand wirklich braucht und Menschen keinen Mehrwert bieten, generell nicht zu Monetarisieren. Daher wird sich bspw. Facebook & Co. niemals als Netzwerk finanzieren. Es gibt nur eine Monetarisierungsmöglichkeit solcher Angebote: Daten und e-mails für Werbung regelmäßig vermieten. Bei 5 Cent pro e-mail macht das Sinn. So wirds ja auch möglicherweise schon praktiziert als Ausweglosigkeit. Nur Portale mit wirklichem Mehrwert werden mit kostenpflichtigen Inhalten überleben.

  • Michael

    27.03.09 (08:33:24)

    Ein interessantes Kapitel, besonders bei Berücksichtigung der ganzen Entwicklung des Web. Die unterschiedlichen Werbe- und Finanzierungsmodelle sind je nach Produkt oder Service unterschiedlich zu begutachten. Die klassischen Medien, die sich fast ausschliesslich über Kleinanzeigen und Imagewerbung finanziert hatten, stehen sicher vor der grössten Herausforderung. Grundsätzlich stimme ich Marcel zu. Ein wenig wundere ich mich aber schon, wenn ich manche Aussagen von Internet-Usern höre. Nur weil es, im Vergleich zur Offline-Welt, technisch möglich ist Werbung zu unterdrücken, sind die Leute stolz darauf dies zu tun und schwärmen von AdBlock&Co. Auch mir ist Werbung, Online wie Offline, manchmal ein Ärgernis, aber man sollte nicht vergessen, dass die Alternative Game Over oder Bezahlmodell heisst. Viele Surfer kennen nur die Konsumentenseite. Es täte Ihnen gut auch mal zu erkennen, welche Aufwände und Kosten es zu decken gilt.

  • K. Krämer

    27.03.09 (09:45:39)

    Bei den öffentlich-rechtlichen Medien der Schweiz werden jetzt großflächig Redaktionen zusammengelegt: http://www.ymc.ch/weblog/cross_media_auf_dem_vormarsch

  • CMG

    27.03.09 (10:38:44)

    "Journalisten, die nichts vom Internet oder ihrer eigenen Situation darin (oder ökonomischen Grundlagen allgemein) verstehen, beeinflussen den öffentlichen Diskurs, ...." naja, diesen Journalisten stehen leider auch immer Blogger gegenüber, die sich für Journalisten halten und so ist das Gleichgewicht doch irgendwo gewahrt, oder?

  • hathead

    27.03.09 (11:23:46)

    @Cody Natürlich lässt sich ein Netzwerk wie Facebook auch direkt monetarisieren. Gleiches gilt auch für Twitter. Natürlich würde ich für meinen Twitter Account Geld bezahlen. Und das schon nur um meine Follower zu erhalten. Der Mehrwert diser Dienste ist jetzt schon hoch genug. Warten wir einfach ab bis der Social Graph der Welt wirklich mal auf einem Portal wie Facebook zentralisiert ist. Wenn es soweit ist, dass die soziale Sanktionen drohen, wenn Du kein Facebook member bist (in den USA angeblich bereits allmählich der Fall), überlegst Du Dir zweimal ob Du dafür nicht ein paar Euro übrig hast. @Marcel Die Kosten des Publizierens sind natürlich ein geringes Problem, auch wenn es trotzdem existent ist. Aber es geht gar nicht um die Kosten der Publikation, sondern um die Kosten der Erstellung des Contents. Oder würdest Du sagen, dass der Artikel den ich gerade gelesen habe, nicht unglaublich aufwendig in seiner erstellung war? Bei uns Bloggern ist das Ganze verhältnismäßig einfach. Hier läuft vieles über Reputation. Wir schreiben ein paar Fachartikel zu einem Thema und werden plötzlich zu Dozenten, Consultants, etc. oder werden für ein Softwareprojekt als Entwickler eingestellt. Wir monetarisieren uns weniger über den Content. Er ist lediglich ein Marketinginstrument. Aber was soll jemand tun, der nichts anderes kann, als zu schreiben? Er kann seine Schreibzeit vermieten. Wenn das Geschäftsmodell seines Auftraggebers aber darauf basiert die gemietete Zeit stupide zu verkaufen hat er natürlich ein Problem. Eine Mögliche Lösung besteht nicht darin den Content Werbefinanziert ins Netz zu Laden und sich anschließend zu beschweren, dass sich das nicht lohnt. Die Lösung für Verlage ist auch Dienstleistungen zu verkaufen. Die Recherche einer Person die sich damit richtig gut auskennt ist nämlich durchaus einiges Wert. Ebenso wie die Kontakte dieser Leute. Content zu produzieren könnte auch für Verlage eher ein Marketinginstrument als ein Hauptgeschäftsfeld werden.

  • Uwe Sander

    27.03.09 (11:24:01)

    Ich halte den Einwand bzw. die Frage von Andreas Göldi für entscheidend. Wie sollen langfristig die Kosten gedeckt werden? Eine 100%ige Werbefinanzieruung bei hochwertigem, von wirtschaftlichen Interessen unabhängigen Qualitätsjournalismus, der aufwändige Recherchen erfordert und teure Reisen, kann ich mir kaum vorstellen. Warum gibt es den denn so wenig im Privat-TV, wo die Grenzkosten doch auch gleich Null sind? Im Übrigen: Das Argument, paid content sei schon wiederholt gescheitert, kann genauso gut auch gegen reine Werbefinanzierung gewendet werden: Schon zum zweiten Mal erfolgt momentan nach dem Ende eines Werbebooms eine gewisse Rückbesinnung auf paid content. Die Argumente, die Eric Clemons kürzlich bei Techcrunch gebracht hat, hat Jakob Nielsen im Prinzip schon 1997 gebracht.

  • Marcel Weiss

    27.03.09 (11:59:36)

    @hathead: Das ist genau so ein Beispiel für das, was ich mit indirekter Monetarisierung meine. @Uwe Sander: Nur weil ein Angebot kostenlose Komponenten beinhaltet, ist dieses nicht automatisch insgesamt nicht kostendeckend. Das kommt vielmehr auf die jeweilige Implementierung an. Ein Beispiel unter Tausenden: Xing fährt erfolgreich den Freemium-Weg und ist seit Jahren profitabel. Paid content ist nicht die Rettung für die Nachrichtenbranche. Dazu gibt es unzählige Artikel im Netz, u.A. von Shirky oder auch mir.

  • Salex

    27.03.09 (14:04:53)

    Hi, dieses beliebte Journalisten-Bashing finde ich mindestens genauso ätzend wie die Plattitüden der traditionelle Presse wie die der Südddeutschen Zeitung über die Blogosphere. Leider bildest Du da keine Aussnahme. Aber ich stimme dir zu, dass viele Medien nicht wissen, wie es im Web mit ihren Redaktionen weitergehen soll und sich an traditionelle Geschäftsmodelle klammern. Ebenso weiss ich aber als Journalist auch, dass es viele gibt, die sich sehr wohl mehr Gedanken machen als ein Rheinischer Merkur. Mir fällt es aktuell schwer, ein wirklich überzeugendes Geschäftsmodell für die Medien zu nennen. Folgt man den Ausführungen von Eric Clemons in Techcrunch ist Online-Werbung eh eledigt . Auffälig ist, dass neuerdings wieder über kostenpflichtige "Premium"-Inhalte geredet wird, nachdem zuvor die Häme über das reihenweise Schweitern der Verlage mit diesem Modell groß war. Müsstest Du von deinen Inhalten leben, wie würdest Du das anstellen?

  • René

    27.03.09 (14:09:00)

    Für die Nachrichten und Content-Services gelten die festgestellten Regeln sicherlich. Im Bereich Software sehe ich das allerdings komplett anders. Ich benutze bspw. ja nicht mal rememberthemilk für meine Projekte, da mir das zu unsicher ist. "Was nix kostet ist nix wert." steckt eben auch noch in den Köpfen. Klar, müssen youtube, studivz, spiegel.de und co. kostenlos sein, aber bspw. mite oder billomat hätten kostenlos sicher nicht mehr aktive User... zum Glück hab ich den Artikel noch zu ende gelesen :D René / http://twitter.com/rrrene

  • cody

    27.03.09 (14:13:57)

    @hathead oder sonstige, die angeblich für SN Dienste & Co. Geld ausgeben würden. Ihr habt sicher einen geschäftlichen Grund weil ihr die user mit Eurer Werbung für den eigenen Blog beballern wollt und hofft, dass jemand auf Eure Anzeige klickt. Und sorry, gemauso dieser Blog hier, der Facebook zum Generieren von Userzahlen nutzt, klar für Euch hat es einen Mehrwert, also ihr hofft es zumindest - und die stirbt ja bekanntlich zum Schluss. Aber die Masse, wird niiieeemals etwas bezahlen für FB, Twitter und Co. Das sich die Unternehmen in einer Ausweglosigkeit sehen ist doch auch klar, oder klickt von Euch mal jemand auf die Banner und textanzeigen um das Unternehmen zu unterstützen? Nein! Eher werden sprüche laut wie: Diese bannerwerbung nervt! Das ist gemeint mit typischer kostenlos Gesellschaft. Also klickt einfach mal auf die Werbeseiten. Vielleicht ist es ja mal ganz interessant dabei wofür Werbung gemacht wird und man unterstützt sogar dabei die Seite. Denn egal welches Werbemodell oder Monetarisierungsmodell mal verwendet wird, es wird immer nerven oder unbeachtet bleiben oder es gibt Software, die das Anzeigen dieser Werbung verhindert. Nur mit ein wenig Klickinitiative hilft man Unternehmen die man mag und halten will. Das war das Wort zum Freitag ;-) Schönes WE

  • Daniel

    27.03.09 (14:37:50)

    Eine kleine Anregung vorweg: Auch wenn wir im Blogzeitalter leben, bei Artikeln dieser Länge solltet ihr nochmal über die Formatierung nachdenken. :-) Bin kein Fachmann diesbezüglich, aber z.B. Zitate eingerückt + kursiv und Zwischenüberschriften fett wären schon sehr hilfreich. Inhaltlich: Sehr guter Artikel. Vor allem steigst du mal etwas tiefer in die Thematik ein. Von einer "Generation kostenlos" zu sprechen halte ich auch für falsch. Es gibt genügend Angebote im Netz, für die User aller Generationen gut und gerne bezahlen. Ich denke da an Singlebörsen, Fotocommunitys, Businessnetzwerke,... . Wenn die User nicht zahlen, ist das m.E. einfach eine Frage des Angebotes und , wie oft proklamiert, kein generelles Phänomen.

  • Alex

    27.03.09 (14:51:19)

    Bei google funktioniert die Werbung und wird weiter funktionieren, weil diese Art der Werbung auch einen Nutzen hat. google wird besucht, wenn jemand auf der Suche nach etwas ist und das ist in vielen Fällen ein Produkt, eine Dienstleistung usw. Die Werbeeinblendung eines Unternehmens, das mir das Gesuchte bietet, ist willkommen. Deswegen legt google auch bewußt so viel Wert auf die Qualität der Anzeigen. Weil sie wissen: nur solange die Werbung auch als Hilfsmittel bei der Suche wahrgenommen wird, ist sie weiterhin erfolgreich. Ganz im Gegensatz zu Werbung bei anderen Diensten, wie Social Networks. Werbung in einem Maße, dass sich diese Dienste allein daraus finanzieren könnten, wäre störend und würde einen negativen Einfluß auf die Nutzung des Dienstes haben. zu Facebook: Meist hinken ja Vergleiche zwischen Internetangeboten und der Offlinewelt, bei Social Networks wie Facebook paßt es aber doch ziemlich gut. Facebook kommt mir im Moment vor wie die angesagteste (und auch größte) Kneipe in der Stadt. Der Eintritt ist natürlich kostenlos, alle meine Freunde sind auch da, die Musik ist cool. Der Laden ist jeden Tag bis zum Bersten voll. Wo ist nun der Unterschied zwischen Facebook und dem Besitzer der realen Kneipe? Es gibt keinen ;-), den wenn der Kneipenbesitzer noch lange entweder gar kein Bier ausschenkt und sich das bezahlen läßt, oder ausschließlich Freibier verteilt, dann wars das bald ... Das Problem bei Facebook, wie auch vielen anderen Internetdiensten, ist, das sie noch nicht wissen, wie man das Bier übers Internet zu den Leuten bringt und dafür auch noch Geld verlangen kann ;-)) Oder anders gesagt, sie wissen noch nicht, was man statt Bier an der Bar verkaufen könnte. (ersetze Bier in o.g. Text durch jedes beliebige andere Getränk ...)

  • Marcel Weiss

    27.03.09 (15:03:02)

    @Salex: Klar, man kann nicht alle Journalisten in einen Topf werfen. Das wäre ja albern. Es gibt auch viele gute Journalisten, die sehr gute Arbeit liefern. Die Leute von heise machen zum Beispiel einen herausragenden Job. Aber sobald es um Internetthemen in den größeren Medien geht, die das gesamte Spektrum an Themen abdecken, habe ich den Eindruck, dass die Artikel, die dort noch nie gut waren, immer schlechter werden. Wie man so etwas wie den Merkur-Text allen Ernstes veröffentlichen kann, ohne sich zu schämen, ist mir ein Rätsel. "Auffälig ist, dass neuerdings wieder über kostenpflichtige “Premium”-Inhalte geredet wird, nachdem zuvor die Häme über das reihenweise Schweitern der Verlage mit diesem Modell groß war." Nee, das wird nur von Leuten wieder rausgekramt, die nur die Kosten sehen und ausblenden, wofür Menschen überhaupt bezahlen wollen. Sorry, das einzig Auffällige an diesem Diskurs ist die Lernunfähigkeit der Verleger und Journalisten, die das als Lösung anpreisen. Die wenigsten Publikationen können Angebote wie das WSJ oder die Stiftung Warentest anbieten, für die tatsächlich bezahlt wird. Eine SZ oder FAZ hat da nichts anzubieten, wofür online genügend bezahlt würde, dass es das gesamte Angebot trägt. @Rene: Viele Software-Unternehmen verdienen bereits heute ihren Hauptteil im Support, nicht im Verkauf der Lizenzen. Auch nochmal generell an alle: Es geht nicht darum, entweder alles kostenpflichtig zu machen oder alles kostenlos. Freemium, ein Mix aus beiden, ist und bleibt das vielversprechendste Modell. mite zum Beispiel würde davon profitieren, ein zeitlich unbegrenzten Free-Account mit eingeschränkter Funktionalität anzubieten. @Daniel: Danke für die Hinweise. Ist uns auch schon aufgefallen. :) Die Zwischenüberschriften werden bei der nächsten Designanpassung wieder fett. Die Formatierung der Zitate müsste man sich auch noch einmal anschauen, stimmt.

  • hathead

    27.03.09 (15:09:31)

    @cody Um mal wie Marcel auf Clay Shirky zu sprechen zu kommen: Das Internet ist kein Addon zur Realität. Es verändert die Art wie Menschen denken und was sie von ihrem Leben erwarten. Dieser Effekt hat nichts mit dem Anklicken von Bannern zu tun. Wenn Du nichts für ein Social Network ausgeben würdest ist das Deine Sache. Aber bedenke: Du tust es jetzt schon. Oder bezahlst Du Deine Handy- oder Telefonrechnung nicht?

  • rml

    27.03.09 (16:12:09)

    schöner text.

  • Markus Merz | Hamburg St. Georg

    27.03.09 (18:19:51)

    Sehr gut. Gefällt. Als Lesetipp kostenlos weiter empfohlen :) http://identi.ca/notice/3048194 Yep, bei der Formatierung bin ich gegen Ende auch stark ins Schwimmen gekommen was denn nun Überschrift, Zitat oder Artikeltext sein soll.

  • Klaus Wolfrum

    28.03.09 (06:24:29)

    Wir erhalten oftmals (wie wahrscheinlich viele andere Kollegen auch) Anfragen von Inhabern/Entscheidern kleinerer (aber auch größerer) Unternehmen, auf unseren Portalen "kostenlos Werbung zu schalten" bzw. unsere Plattformen zu nutzen, jedoch nur "wenn es auch wirklich nichts kostet". Interessant: Die Höhe des Entgelts spielt tatsächlich für die angefragte Leistung immer keineerlei Rolle, das Interesse ist bei diesen Absendern an den Angeboten immer sehr stark vorhanden. Wenn ich persönlich interessiert den Beweggrund für diese Einstellung nachfrage, höre ich fast ausschließlich "na, ich bekomme doch auch selbst alles kostenlos im Netz". "das Internet ist doch umsonst". Ich bin ein ausgesprochener Freund des Werkzeugs Gratisangebot. Das Internet ermöglicht auch mehr als hervorragend dieses Marketingmöglichkeiten als Multiplikator, Hybridkonzeopt, Freemium wasauchimmer. Der Gedanke Paid Content ist in vielen Überlegungen schlicht Nonsens. Aktuelles Beispiel: Ich hatte ich diese Woche eine Anfrage von einer örtlichen Buchhandlung. Ein örtlicher Buchhändler könnte so gut mit der Bewerbung seiner lokalen Angebote wie z.B. Signierstunden, Leseabenden etc. gegenüber Internetbuchhändlern PUNKTEN. Er muss es sogar. Er ist an unserem Angebot bereits interessiert. Einzig scheitert es jedoch an der Kostenpflicht unseres Portals. Das ist kein Einzelfall. Wenn sich eine Gratiskultur in eine Mentalität wie in obigem Beispiel, noch zudem im stattfindenden Medienstrukturwandel festigt, mache ich mir große Sorgen. Um dieses Unternehmen. Die ökonomischen Aspekte Nachhaltigkeit etc. wie von Andreas Göldi beschrieben lasse ich ich da noch komplett aussen vor.

  • Gisela Schmalz

    28.03.09 (10:23:57)

    Es geht doch nicht darum, die Uploader, die ihre Werke verschenken wollen, davon abzuhalten. Es geht darum, denen, die im Netz mit Softwareapplikationen und Content Geld verdienen wollen oder müssen, eine Chance zu geben. Auch Handel ist eine kreative Nutzung des WWW. Sollen etwa professionelle Entwickler und Medienhersteller wie Künstler und Journalisten, auf einmal alles gratis vergeben, nur weil ihre Kunden ins Netz umziehen und ihre Leistungen nicht mehr an physische Gegenstände wie Zeitungen, CDs oder DVDs gebunden sind? Ich habe zum Thema das Buch NO ECONOMY geschrieben, das ab 1.4.2009 bei Eichborn erscheint. Es ist lesenswert. Auch lade ich dazu ein, meine Thesen zu kommentieren: http://www.yeseconomy.net/.

  • Dragonstar

    28.03.09 (11:12:14)

    Die Schuld einer sogenannten "Generation kostenlos" zu geben ist natürlich absoluter Blödsinn. Wie schon im Artikel richtig bemerkt wurde zahlt kein Mensch für etwas was er (legal) auch umsonst haben kann. Es gibt hier eine Zwickmühle für den Onlinejournalismus. Portale mit großer Reichweite (in Deutschland z.B. Spiegel Online, FAZ, Süddeutsche), die Paid Content einführen könnten, trauen sich dies nicht, weil dies zu einer spürbaren Reichweitenverringerung und damit zu sinkenden Werbeeinnahmen und Bedeutung führen könnte. Und die Portale mit nur niedriger oder mittlerer Reichweite haben im Grunde genommen keine Chance Paid Content einzuführen, da beispielsweise kaum ein Mensch für Artikel auf dem Merkur Portal bezahlt, wenn dieser Spiegel Online, FAZ, Süddeutsche, etc.. umsonst lesen kann. Es kommt einfach drauf an, was die großen diser Branche machen werden. Ich erinnere mich noch daran, dass damals auch die Singlebörsen weitestgehend kostenfrei waren, bis die Anbieter neu.de und friendscout24 ihre Angebote kostenpflichtig machten. Heute kenne ich nur noch eine Singlebörse (Finya), die für beide Geschlechter kostenfrei ist (und wo kostenfrei wirklich alle Funktionen genutzt werden können). Vielleicht wird es mit den Online Portalen im Newssektor genauso geschehen, aber hier hängt eben alles von den Großen ab, kleinere Anbieter müssen halt sehen wie sie zurecht kommen..

  • Klaus Wolfrum

    28.03.09 (18:02:15)

    @Gisela Schmalz Vielen Dank für den Hinweis zu yeseconomy.net. Mehr als sehr interessante Betrachtungswinkel und Thesen. Jeden Friseur in der Stadt, der uns exorbitant viel für drastisch wenig bis gar nichts an Leistung feil bietet, würden wir argwöhnisch beäugen. Wenn uns der Friseur dann begeistert erzählt, sein Laden sei doch dadurch so voll und daher kann er besser Werbefläche an seinem Schaufenster verkaufen - würden wir ihm an die Stirn fassen. Nicht so im Web: Hier gibt es sehr viele solche Friseuergeschäfte und dazu ein konsumentisches Nomadenverhalten, welches zu oft dann auch die wichtige Nachhaltigkeit ausser Kraft setzt. Auch Kannibalismus hat die Menschheit schon mal nicht richtig weitergebracht. Das war aber jedoch auch schon vor Web 2.0 so. “Was kostet das?” satt “Kostet das was?” würde dem Web ganz gut stehen, es besser zu etablieren. Wir haben bei unserem Veranstaltungsportal das Thema Online-Veranstaltungswerbung für Anbieter sehr konsequent und sehr gut monetarisiert. Wir bieten unseren Lesern mit dem Konzept ausser Veranstaltungswerbung sogar ein komplett werbefreies Angebot, weil wir nicht kompensieren müssen. Wir haben sehr zufriedenstellenden Leserzulauf und Wachstum. Erstaunlicherweise sind wir mit der Idee noch mir bekannt fast die einzigsten in DE. Wer sich für das Konzept interessiert und warum "kostenlos" dem Veranstalter erst fehlendem Umsatz+Gewinn kosten würde: http://www.Frankentipps.de/presse Mein Einwurf zu Paid Content möchte ich relativieren. Selbstverständlich gäbe es Inhalte, für die man Geld als Anbieter nehmen könnte/sollte oder es z.B. als Draufgabe (Leseberechtigung mittels Exklusivzugänge für bestehende Kunden). Hier hätten auch z.B. Fachweblogs absolute Potentiale. Das Netz bietet ja auch erst die Möglichkeit einer unabhängigen Vermarktungsoption.

  • Störungsquelle

    29.03.09 (14:40:59)

    there is nothing like a free lunch. auch Internet ist nicht immer für alle kostenlos wie es erscheint. es entstehen Kosten, die gedeckt werden müssen. Sonst ist es Charity oder eine freiwillige Nebenjobtätigkeit. Natürlich werden die Kosten v. a. durch einige Unternehmen getragen, z. B. in Form von Werbung, die manchmal sehr aufdringlich ist und dadurch kann eine Seite u. U. die User solche Seite meiden. es geht eher darum, ein Gleichgewicht zu finden.

  • Andi

    30.03.09 (07:37:48)

    In dieser Diskussion wird ein wichtiger Aspekt oft völlig vergessen: Für die Nutzung von Social Networks zahlen vor allem die Arbeitgeber den Lohn ihrer Angestellten, die während ihrer Arbeitszeit den Content erstellen. Sicher sind solche Seiten bei Grossunternehmen gesperrt, sobald es aber unter 50 Leute geht muss für die Installation der nötigen Infrastruktur zunächst sehr genau gerechnet werden bzw. fehlt das Bewusstsein über das Vorhandensein dieser Möglichkeit bzw. die Nutzung der Medien. Zwar mag es Einzelfälle (Recruiting, Werbung, etc.) geben in denen die Nutzung von SNS u.a. am Arbeitsplatz Sinn macht, in der Masse dürfte sie aber kontraproduktiv sein. Während der Arbeitszeit bewegt man sich auf kostenfreien Angeboten im Internet und verplempert die Zeit aus Sicht des Arbeitgebers, anstatt sie produktiv zu nutzen. So zahlt indirekt der Arbeitgeber für den Content. Deshalb wage ich die Vorhersage dass ein wikungsvolles Sperrsystem für Kleinunternehmen (sofern das mal jemand erfindet) viele Gratisangebote ernsthaft in Bedrängnis bringen wird. Ich glaube nicht daran, dass derartige Aktivität ausschliesslich in der Freizeit möglich wäre, geschweige denn diese ausreichend Kontaktzeit zur Werbefinanzierung generiert. Google wird auch im Arbeitsumfeld weiterhin eine wichtige Rolle spielen, bei Facebook und Twitter zweifle ich dran. Insofern hat wahrscheinlich GetAbstract einen guten Deal gemacht, indem sie ein potenziell für die Verschwendung von Arbeitszeit missbrauchbares Angebot in Form von Corporate Accounts legitimieren.

  • Ralph

    30.03.09 (08:47:55)

    Die "Generation Kostenlos" hat sicherlich den Qualitätsstandard rundum gesenkt. Neue Technolgien können nett sein und einen grossen Erfolg haben, aber sind sie qualitativ besser? ist die qualität eines mp3s besser als dasjenige einer CD? nein ist die Bildqualität von youtube besser als die eines alten analogen TV-Geräts? Nein Ist eine SMS oder Twitter Nachricht angenehmer zu lesen als eine Email? Nein Biete ein Movie im Dvix-Format den gleichen Komfort wie eine DVD? Nein Ersetz Facebook wirklich den Gang in die Kneipe? Nein Ersetzt der Chat wirklich das Gespräch unter Freunden? Nein Ist das Bücherlesen mit dem Kindle toller als das Taschenbuch in der Umhängetasche zu haben? Nein Diese Akzeptanz der neuen Technologien verwundert mich ab und zu. Es ist etwa so wie beim Sex. Real ist besser als im Internet. in diesem Sinne. Macht mal eine Woche "Facebook-Ferien" und geht was trinken mit Freunden. Der Erlebniss-Faktor und die Customer-Satisfaction sind hoch :-) Ralph

  • Fragezeichner

    30.03.09 (09:22:47)

    Kann es sein, dass eine gewisse Leistung der Medien-Industrie darin bestand, dass sie die generierbaren Einnahmen auf wenige Köpfe verteilte (auch wenn das willkürlich und ungerecht war)? Und dass jetzt, wo das immer schwieriger wird (und bald unmöglich sein wird), die Einnahmen, die ohne Frage immer noch generiert werden, sich auf so viele Köpfe verteilen, dass für den einzelnen Kopf nicht mehr genug Geld zum Überleben bleibt? Nach dieser Theorie wollen momentan zu viele an einen zu kleinen Kuchen. Und wenn man das weiter denkt, wird der Beruf eines Kreativen immer unattraktiver, weil er mit immer grösseren Unsicherheiten verbunden ist. Bin jetzt aber gerade zu faul, das ganze noch weiter zu denken.

  • Klaus Wolfrum

    30.03.09 (10:16:45)

    @Fragezeichner Ich glaube, damit liegst Du falsch. @Andi Das ist zwar ein interessanter Aspekt. Wir reden aber weniger über die Mediennutzung während der Arbeitszeit. Die kann auch gedruckt stattfinden. @Störungsquelle Ich möchte nicht nur Kosten decken. Ich möchte Arbeitsplätze schaffen, meine Mitarbeiter adäquat entlohnen, Nachhaltigkeit schaffen und last not least Gewinn machen.

  • Marcel Weiss

    30.03.09 (10:37:00)

    @Klaus Wolfrum, Gisela Schmalz und andere: Die Marktwirtschaft online ist nicht anders als jene offline. Preise entstehen (hauptsächlich) durch Angebot und Nachfrage. Deine Kunden interessiert es nicht, ob Du Deine Kosten decken kannst oder nicht. Das hat sie noch nie interessiert. Warum sollte es auch. Das Problem mit unsinnigen Vorwürfen wie dem blödsinnigen "Generation Kostenlos"-Konstrukt ist, dass die Vorwurfmachenden von einer Haltung des "Ich will und muss bezahlt werden" kommen. Das ist Unsinn. Stattdessen muss sich jeder, der etwas anbietet, überlegen, was er anbieten kann, wofür Leute bezahlen wollen. Alles andere führt nirgendwohin. Online wie offline.

  • Fragezeichner

    30.03.09 (12:06:59)

    @Marcel, ich gebe dir recht. Es könnte aber sein, dass es einfach kein Business-Modell mehr für grosse Teile der Content-Produktion gibt.

  • Marcel Weiss

    30.03.09 (12:11:17)

    Ja klar, möglich ist das. Zumindest in der Form und Struktur, wie es offline gemacht wurde, ist die Contentproduktion online oft nicht tragfähig. Es ergibt zum Beispiel online wenig bis keinen Sinn, dass Redaktionen mit sehr viel Mann unterhalten werden, um rendundant Agenturmeldungen mittels copy&paste zu veröffentlichen.

  • Klaus Wolfrum

    30.03.09 (12:17:21)

    @ Marcel Weiss >> Deine Kunden interessiert es nicht, ob Du Deine Kosten decken kannst oder nicht. >> Das ist richtig und steht für mich hier ja doch auch gar nicht zur Diskussion. Ich mache auch keine Vorwürfe. Ich möchte auch die Nutzergruppen in dieser wichtigen Diskussion ein wenig differenzieren. Die, die reinen Konsumenten darstellen oder zum Beispiel Unternehmen, die das Web zum Beispiel als Werbeplattform nutzen. Mein eingebrachtes Beispiel stellte die kategorische Gratishaltung für die letztgenannte Gruppe dar, die anscheinend als Individualnutzer auf Entscheiderebene mitgenommen wurde. Und mit dieser Haltung habe in erster Linie nicht ich ein Problem, sondern der Einzelhändler. Nur, er merkt es noch nicht direkt, obwohl er es schon deutlich spürt. Dieser Einzelhändler scheitert daran, 20 Cent für wirklich gute Werbeleistung im Netz auszugeben. Bei uns als auch bei anderen Portalanbietern. Nur, weil er ja als Nutzer selbst alles kostenlos bekommt. Das ist doch fatal?!

  • Klaus Wolfrum

    30.03.09 (12:50:26)

    Noch ein Beispiel möchte ich geben, warum Gratis nicht unbedingt Ziel des Weges sein müsste. Dank des Netzes und deren direkten Paid Content Vermarktungsmöglichkeiten wäre es z.B. für ein Fachweblog eine hochinteressante Sache, wirklich und richtig unabhängig Content mit Leistung zu liefern. Das Netz würde eine solche unabhängige Vertriebsform gar erst ermöglichen. Ich persönlich glaube nicht, dass paid tot ist. Es muss nur angemessen moderat und easy sein. Ich kenne eine ganze Runde Weblogs, für die ich und sicherlich viele andere zu zahlen bereit wäre. Wenn sich dadurch die Qualität noch weiter erhöhen würde, ...fantastisch! Die Wertigkeit für den Autor selbst würde auch steigen. Klassischer Werbeumsatz darf natürlich noch dabei bleiben und der Autor verdient doppelt. Prima, wenn dadurch paid moderater bleiben kann. Nicht anders wie bei einer Zeitung eben. Die kaufe ich auch nicht werbefrei. Wie gesagt "könnte". Das sollte keinesfalls Allheilkonzept für alle Medien sein, für jeden Content zu zahlen. Aber es ist eine mehr als interessante Option.

  • Matthias

    31.03.09 (07:06:34)

    "Klassischer Werbeumsatz darf natürlich noch dabei bleiben " Paid Content und dann noch Werbung auf der Seite? Das geht im Internet nicht. Da sehe ich auch das Problem, ein Fachblog hat nicht soviele Besucher um die ganze Sache Kostendeckend zu betreiben, bzw wäre dann die Gebühr für den einzelnen Leser zu Hoch...

  • Klaus Wolfrum

    31.03.09 (07:32:08)

    @Matthias Warum soll das nicht gehen, paid und Werbung zu fahren? Das ist für mich kein Widerspruch. Vielleicht habe ich mich auch ein wenig mit dem "doppelt verdienen" ein wenig unglücklich ausgedrückt. Mehr verdienen bzw. den Verkaufspreis (paid content) ein wenig zu kompensieren. Jeder kauft seit jahr und Tag Medienprodukte, die auf diese Art und weise kalkuliert werden. Nur im netz soll das aus irgendwelchen ethischen/moralischen Gründen nicht machbar sein? Das Netz bietet doch auch die vernetzenden Voraussetzungen, dass sich 5-6 Fachblogger unter einem dach gemeinsam positionieren und sich synergetisch DIREKT vermarkten. Das Netz bietet große Vorteile gegenüber dem klassischen Vertriebsgeschäft von Print: keine Grossisten, keine Listungsgebühren, nichts davon. Ich hätte z.B. wirklich kein Problem, für blogwerk als Leser moderat zu zahlen. Ich schätze das Angebot seit langem als Stammleser. Umso mehr ich mcih gedanklich mit dem Gedanken Paid auseinandersetze, umso mehr gefällt er mir.

  • Franz Neumeier

    31.03.09 (15:11:36)

    Marktwirtschaft, unbestritten. Allerdings haben wir es hier noch mit etwas anderem zu tun: Demokratie, zu der auch eine vielfältige, verantwortungsvolle und mächtige Presse und Pluralität gehört. Blogger sind toll, aber nahezu keiner von ihnen wird investigativen Journalismus a la Spiegel ersetzen können. Jedoch machen sie genau den Medien-Unternehmen das Leben schwer, die das (noch) leisten können. Jemand, der in der Freizeit bloggt, kann aber logischerweise länger durchhalten ale ein Verlag, der seine Mitarbeiter bezahlen muss (was er nicht kann, wenn Werbung ausbleibt und Content kostenlos da ist). In einer Übergangsphase wie jetzt, in der den Usern in der Breiten Masse noch die ausreichende Medienkompetenz fehlt um gut recherchierte, verläßliche Information von "aus den Fingern gesaugt" unterscheiden können, ist es für Medienunternehmen sehr schwer, sich zu behaupten - denn für den User ist der "aus den Fingern gesaugte" Content gleichwertig zu den teuer und aufwändig recherchierten Inhalten mit Substanz. Die Gefahr ist, dass der Medienpluralismus in dieser Übergangsphase schweren Schaden nimmt. Ich denke es ist wichtig zu sehen, dass es nicht um Marktwirtschaft alleine geht. Wozu die reine Lehre von Marktwirtschaft führt, zeigt die aktuelle Finanzkrise glaube ich ganz eindrucksvoll. Leider kann ich trotzdem keine Lösung für das Problem anbieten. Nur feststellen, dass es hier ein Problem gibt, das tiefer geht als die Frage "kostenloser Content - ja oder nein."

  • Steffen

    03.04.09 (01:42:22)

    Journalisten sollten sich auch nicht mehr direkt durch ein Gehalt oder ein Honorar finanzieren, mehr irgendwie so total nur noch indirekt. Bekanntheitsgrad, Referentenjobs und so. Ach stimmt ja, machen sie ja schon so. Jeder sollte sich nur noch indirekt monetarisieren. Sorry, so einen Beitrag kann nur ein Student geschrieben haben, der bestimmt zur Zeit wie viele seiner Kommilitonen Selbstfindung auf der Republica betreibt.

  • Gerald - hyperkontext

    03.04.09 (19:49:20)

    Manueller Trackback: März 2009 im Kontext [...]Einige Antworten auf Holzers Artikel finden sich wohl zum Teil in einem Beitrag von Marcel Weiss auf netzwertig.com. Der folgende Absatz gegen Schluss dieses Artikels, drückt sehr schön die momentane Situation aus [...]

  • Maik

    28.04.09 (12:32:58)

    @Steffen In groben Zügen stimme ich dir da vollkommen zu bei deiner Meinung. "der bestimmt zur Zeit wie viele seiner Kommilitonen Selbstfindung auf der Republica betreibt"

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