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16.06.14Leser-Kommentare

Die Eigenheiten der Medienökonomie: Taxi-Proteste machen Uber und WunderCar zu Medienstars

Die jüngste Protestaktion von Taxifahrern gegen Uber und WunderCar sorgte nicht nur für eine gestiegene Nachfrage nach eben jenen Diensten. Auch für die Presse ist der Konflikt ein großes Thema. Statt teure Werbekampagnen schalten zu müssen, bekommen die Startups quasi kostenfrei eine Millionenreichweite.

Uber und WunderCarNach den europaweiten Protesten von Taxifahrern gegen On-Demand-Beförderungsapps wie Uber (beziehungsweise UberPop) und WunderCar in der vergangenen Woche wurde relativ schnell deutlich, dass der Schuss nach hinten losging: Denn weil in vielen Städten Europas keine Taxis fuhren, sahen sich viele Passagiere gezwungen, auf die Dienste auszuweichen, gegen die sich die Aktion der Taxifahrer richtete. Es kam zum klassischen Streisand-Effekt.

Doch abgesehen von den unmittelbaren Konsequenzen auf die Popularität besagter Apps hat der von der Taxi-Lobby mit viel Pressearbeit unterfütterte Protest gegen die technologiegetriebenen, geltende Gesetze in Frage stellenden Startups auch deren Medienbekanntheit in zuvor nicht gekannt Dimensionen katapultiert. Mit dem Monitoringdienst Echobot haben wir analysiert, wie oft deutschsprachige Nachrichtenportale im Zeitverlauf über Uber und WunderCar berichtet haben. Das Ergebnis spricht Bände: Zwischen 1. Januar und 15. Juni 2014 gab es 3.062 gleichzeitige Erwähnungen der Begriffe Uber und Taxi in Artikeln deutschsprachiger Nachrichtenmedien. 1.473 davon - also fast die Hälfte - wurden in der vergangenen Woche veröffentlicht. Echobot schätzt die Gesamtreichweite dieser Texte auf über 2,5 Millionen Leserinnen und Leser - und das umfasst wohlgemerkt nur solche im deutschsprachigen Raum.

Deutschsprachige Presse-Artikel, die Uber erwähnen

Auch für den aus Hamburg stammenden, Anfang 2014 gegründeten Anbieter WunderCar war die vergangene Woche mit Abstand die erfolgreichste, was Medienaufmerksamkeit angeht. Von insgesamt 956 Erwähnungen in diesem Jahr in der deutschsprachigen Presse entfielen 647 auf die Woche vom 8. bis 14. Juni. Das entspricht einer geschätzten Reichweite von 882.826 Leserinnen und Lesern. Das Startup profitierte sowohl von dem Taxi-Streik als auch von dem gerade von der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation in Hamburg verhängten Verbot gegen den Dienst, den das Unternehmen nicht hinnehmen möchte.

 Wundercar

Deutschsprachige Presse-Artikel, die WunderCar erwähnen

Um den genauen Anzeigenäquivalenzwert für Presseerwähnungen in Erfahrung zu bringen, müsste man die einzelnen Artikel, ihren Umfang und ihre Positionierung genauer unter die Lupe nehmen. Tatsache ist aber, dass die jüngsten juristischen und symbolischen Vorstöße zur Unterbindung des Treibens von Uber und WunderCar den Unternehmen eine kostenfreie Aufmerksamkeit beschert haben, deren Erreichen über klassische Werbemaßnahmen für sie viele hunderttausend, wenn nicht Millionen Euro gekostet hätte.

Der effektivere Protest gegen die On-Demand-Transport-Apps wäre die vollständige Ignoranz durch das Taxi-Establishment bei gleichzeitiger Lancierung einer kundenorientierten Taxi-Innovations-, Loyalitäts- und Treuekampagne. Dies jedoch liegt nicht in der DNA der über Dekaden bequem gewordenen Branche. Uber, WunderCar und ähnliche Anbieter dieser Art - etwa Lyft, das früher oder später auch Deutschland-Ambitionen entwickeln dürfte - müssen deshalb nichts anders machen, als rechtliche und verbale Attacken zu parieren, während sie dabei zusehen, wie sich die "Old Economy"-Vertreter mit ihrem fehlenden Verständnis für die Psychologie der neuen Medien- und Digitalökonomie den Ast absägen, auf dem sie sitzen. /mw

Kommentare

  • Paul Gerlach

    16.06.14 (17:14:29)

    Nett – aber sachlich fragwürdig. Wie man eine Negativkampagne quer durch die Medienlandschaft als Erfolg für eine Marke feiern kann, kann ich nicht nachvollziehen. Uber wird durch die Aktionen gerade von der Politik sehr genau beäugt und das Sharing-Geschäftsmodell in Frage gestellt – und das aufgrund der Protestdemos der Taxier. Uber läuft demnach Gefahr, das gesamte Geschäftsmodell in Europa zu verlieren, konsequent verbrannte Investorengelder. Ganz nebenbei lernen Politik und alteingesessene Branchen, dass der Startupmythos auch Schattenseiten hat. Vielleicht lernen nun sogar Startups, dass der Boden der Rechtssicherheit eine Selbstverständlichkeit im Business sein sollte. Uber verdrängt schließlich zugleich Apps, die die Regeln aus dem Taxigewerbe komplett berücksichtigen, so dass Versicherungspflicht oder Steuern erhalten bleiben. Insofern ist die Pressearbeit der vergangenen Tage sicherlich alles andere als ein Schuß in den Ofen der Taxi-Branche. Finde die vorliegende Bewertung daher gelinde formuliert etwas seltsam. Der Spruch "Hauptsache Schlagzeilen, egal welche" gilt in PR-Branche gottlob schon lange nicht mehr – und das sollte auch für Startups der Fall sein... Wenn die Marke den Nimbus des Bösewichts als Erfolg feiern möchte, befremdet das. Das Taxigewerbe hat aus der Kampagne keinen Nachteil. Achso: Ja - bin an dieser Stelle parteiisch, habe die Proteste der Taxibranche medial begleitet. Paul Gerlach inOrange communication

  • Martin Weigert

    16.06.14 (19:04:14)

    "Insofern ist die Pressearbeit der vergangenen Tage sicherlich alles andere als ein Schuß in den Ofen der Taxi-Branche" Die Zuwächse bei den Downloads der Apps sprechen eine andere Sprache. Meine Kollegin Felicitas hat es letztens meiner Meinung nach sehr gut auf den Punkt gebracht: "Unternehmen haben kein (großes) Problem, wenn die Konkurrenz sie nicht mag. Unternehmen haben ein Problem, wenn die Nutzer sie nicht mögen. Lieben Nutzer jedoch ein Unternehmen, stellen sie sich mit auf die Seite und boykottieren das feindliche Lager." http://netzwertig.com/2014/06/09/18-milliarden-dollar-startup-wie-uber-taxiverbaenden-davonfaehrt/

  • Eberhard

    17.06.14 (09:21:55)

    Wieso die Berliner Taxifahrerinnung das Gerichtsurteil gegen Uber nicht umsetzt, wird mir für immer ein Rätsel bleiben. Die kämpfen vor Gericht, obsiegen - und machen dann doch nichts draus. Das sind Hasenfüße. Und daß eine Politikerin wie Neelie Kroes der europäischen Taxibranche mit ihren Uber-freundlichen Kommentaren in den Rücken fällt, ist der eigentliche Skandal bei dieser Geschichte.

  • Kuka ke

    17.06.14 (11:00:31)

    Herr Martin Weigert haben Sie sich die lezten Bewertungen im Store überhaupt angeschaut????? Also wenn die Nutzer sie mögen das ging aber nach hinten los. ihr ganzer Berlicht und Ihr auftreten ist nicht Sachlich. Kampagnen- und Lobbyistenjournalismus das trifft es gut.

  • Paul Gerlach

    17.06.14 (12:01:16)

    Hallo Herr Weigert, nun muss ich doch noch mal die Stimme erheben – hatte ich eigentlich nicht vor. Downloadzahlen als Beleg für ihre Story anzuführen, ist schwierig. Uber ist finanziert von Google und Google hat bei Android Uber als App auf ausliefernden Geräten vorinstalliert – der Investor unterstützt seinen Schützling. Wie Sie sicherlich wissen, war der Start der Implementierung hierzu kürzlich. Sie haben sicherlich geprüft, ob diese in den Donwloadzahlen in den Stores mitgezählt wird? Meiner Kenntnis nach werden die Downloads zudem in den Stores weltweit und nicht Europa oder anderen Kontinenten geclustert. Daher wäre eine Veröffentlichung der ihrerseits recherchierten Grundlage schön - damit man die Substanz ihrer Story nachvollziehen kann... Ich kann diese bislang nicht nachvollziehen. Gruß Paul Gerlach

  • Storberg

    17.06.14 (13:15:20)

    WC hat paralel zu den Protesten Gutscheine für ihre Fahrten verteilt. Wenn die tatsächlichen Fahrten zum Erfolg würden, so könnte dies der größte Phyrussieg der startup Geschichte werden, denn das Geschäfft ist VERBOTEN jete Fahrt ist daher auch die konkrete Gefahr eines Bußgeldes.... Wer sich sie FB Seite anschaut stellt fest, dass die nur von WC Angestellten und Taxifahrern genutzt wird. Ich gehe daher davon aus, dass die Zahlen geschönt wurden um die Anleger zu beruhigen. Der Protest geht sicherlich weiter. Es bleibt abzuwarten ob WC nicht bald insolvent ist, denn wenn die tatsächlich zu den Betriebskosten fahren kann es sich überhaupt nicht rechnen.

  • Jonas Knipper

    17.06.14 (14:31:35)

    Nein, diese Aussage zu vorinstallierten App ist sachlich falsch, auch wenn das Bild des “Google-Schützling Uber” gut ins aktuelle deutsche Google-Bashing passen würde. Richtig ist: 1) Die aktuelle Version der Google Maps-App für iOS und Android bietet bei Routenplanung in bestimmten Städten den Uber-Ruf als Option an, wenn man die Uber-App bereits installiert hat. Bei mir klappt’s nicht. [1] 2) Uber hat mit AT&T vereinbart, dass zukünftig die Uber-App auf Android-Smartphones von AT&T vorinstalliert wird. Nur in den USA, ganz ohne Google und sehr wahrscheinlich gegen einen ansehnlichen Kickback. [2] Selbst wenn vorinstallierte Apps als Download gezählt werden sollten (- was zB schon wegen einer leicht modifizierten App-Version ganz anders aussehen kann, bei Android gehen solche Sperenzchen ja ohne weiteres): der AT&T-Deal startet frühestens im Sommer. — [1] Quelle: http://google-latlong.blo…or-plan-perfect.html [2] Quelle: http://pcmag.com/article2…,2817,2458678,00.asp

  • Martin Weigert

    17.06.14 (18:28:48)

    Danke Jonas. @ Paul Gerlach Es würde mich wundern, wenn ich sie in irgendeiner Form mit Argumenten "überzeugen" könnte. Denn Sie sagen selbst, "parteiisch" zu sein. So wie man noch nie in irgendeiner TV-Talkshow bezeugen konnte, das Diskussionsgäste nach der Sendung andererer Ansicht waren als vor der Sendung, haben auch derartige Debatten wie diese hier die Eigenschaft, dass es den Beteiligten nur darum geht, zu beweisen, dass ihre jeweilige Sicht die richtige ist. Erst recht wenn sie Teil eines der "Lager" sind. (ich sehe mich übrigens als neutral und gehöre grundsätzlich eher zu den Kritikern von Uber - aber aus anderen Gründen als die Taxibranche http://netzwertig.com/2014/02/03/uber-ein-luxusprodukt-wird-zum-aushaengeschild-der-internetbranche) Ich akzeptiere ihre andere Sicht auf die Thematik, halte es aber nicht für notwendig, noch zusätzliche "Substanz" zum Artikeln liefern zu müssen.

  • Martin Weigert

    17.06.14 (18:34:22)

    Ich glaube das hat mit den langsamen Mühlen der Justiz und Bürokratie zu tun. Mit allen den Instanzen und Wartezeiten. Die Strategie von Uber, WunderCar dürfte es sein, die Prozesse, Anfechtungen und Folgeverhandlungen so lange wie möglich in die Länge zu ziehen, um sich innerhalb dieser Periode eine derartig feste Marktstellung und Nutzerloyalität zu erarbeiten, um dadurch eine "öffentliche Relevanz" zu erzeugen, die ein endgültiges, rechtskräftiges und durchgesetztes Verbot unpraktikabel und kundenfeindlich erscheinen lässt.

  • Martin Weigert

    17.06.14 (18:42:02)

    Leider hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass seitens der Taxilobby im Netz massiv manipuliert und Astroturfing betrieben wird. Nutzerbewertungen sind leider deshalb in diesem Segment mit Vorsicht zu "genießen". Warum ist mein Auftreten nicht sachlich? Weil ich aufzeige, wie einfallslos und destruktiv die Taxibranche auftritt, und wie sie sich deshalb selbst ins Abseits befördert? Das mag wehtun, wenn man (wie Sie vermutlich) involviert ist. Dennoch ist es die Realität.

  • Jörn Napp

    18.08.14 (09:30:39)

    Wie das mit UBER in der Wirklichkeit geht, erkennt man überdeutlich an den Reaktionen ihrer eigenen Fahrer in den USA. Da sollte man mal auf Facebook auf die Seite der UBER Driver gehen und sich kundig machen! Da kommt das WAHRE Gesicht dieses Konzerns (Start Up ist ja wohl eine ziemlich dumme Bezeichnung) als die Mannen von Goldman Sachs hervor! Da gibt es nichts Soziales. Und es wird auch deutlich, daß die in Wirklichkeit keinerlei Interesse am Personentransportgewerbe haben, sondern NUR an Kohle. Das sind schlichte Money Junkies, denen das Schicksal ihrer angeschlossenen Fahrer vollkommen egal ist! WC sind die Flügelchen schon gestutzt worden, und das wird auch UBER weltweit geschehen. Niedlich ist, wie sich die deutschen Admins der UBER-FB-Seite über angebliche Beleidigungen echaufieren, daß aber IHR EIGENER CHEF Kalanick uns Taxifahrer pauschal als ARSCHLÖCHER bezeichnet hat, wird da lieber nicht erwähnt. Noch schöner finde ich allerdings, wie auf Seiten wie dieser hier weltweit umstrittene Firmen, deren Hintermänner mehr als dubios sind, derartig glorifiziert werden!

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