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08.03.16Kommentieren

Die Digitalisierung des Hotels

Vom mobile Check-in bis zur Tablet-Gästemappe:

Berthold von Freyberg, Partner beim Venture Capital-Investor Target Partners, erklärt, wie digitale Technologien die Hotellerie verändern und dem Gast den Aufenthalt erleichtern.

Wo haben Sie ihren letzten Hotelaufenthalt bei einer Geschäftsreise oder für eine Städtereise gebucht? Bei vielen dürfte die Antwort ganz einfach lauten: online. Die Digitalisierung hat die Hotellerie vor und auch nach dem Aufenthalt im Hotel schon voll erfasst. Gäste haben über Booking.com oder HRS das beste Hotel zum besten Preis gefunden. Und nach der Reise wird bei TripAdvisor bewertet. Zwischen der An- und Abreise sieht die Hotel-Welt weniger vernetzt aus. Beim Check-in müssen Gäste häufig Formulare ausfüllen oder die Daten werden per Hand in den Hotel-Computer eingetragen. Das verändert sich.

mmer mehr Hotels lagern beispielsweise schon ihre Hotelreservierungssysteme in die Cloud aus und interagieren dort über offene Schnittstellen schneller mit anderen Systemen. Das macht es Hoteliers viel einfacher, sich an Reservierungsportale und Online-Travel-Agents wie Expedia oder Booking.com anzubinden, die bereits in der Cloud arbeiten. Doch zu einem Hotel der neuen Generation gehört mehr. Moderne Hotels wollen den Aufenthalt ihrer Gäste so gestalten, dass er perfekt zu ihrer Marke passt. Das heißt neben der Automatisierung von internen Prozessen auch die Integration vieler einzelner Systeme wie der Webseite, der Zahlungsmöglichkeiten vor Ort, des Schlüsselsystems und des In-Room-Entertainment Systems. Zudem sind diese Services ein direkter Mehrwert, den nur die Hotels selbst bieten können, nicht die diversen Online-Buchungsportale. Je nützlicher sie sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Gäste wieder im Hotel buchen.

Neuer Kommunikationskanal zum Gast

Target Partners hat als Tech-Venture Capital-Gesellschaft bereits in zwei Startups mit neuen Lösungen im Hotelbereich investiert. SuitePad ist beispielsweise ein Hotel-Tablet, um Gästemappen, Zeitungen und Speisekarten in digitaler Form anzubieten. Die Tablets liegen auf jedem Hotel-Zimmer und sind sowohl in das hoteleigene Systeme eingebunden als auch in eine hotelübergreifende Software as a Service-Plattform. So kann der Gast auch Zusatzleistungen wie Zimmerservice, Spa-Angebote oder lokale Events von Partnern über die SuitePads buchen. Hotels können ihre Gäste in Echtzeit über Sonderaktionen und spezielle Angebote informieren und Feedback einholen. Selbst Hoteltelefone werden durch die SuitePads ersetzt. Über die digitalen Tools im Hotelzimmer eröffnet sich ein komplett neuer Kommunikationskanal zum Gast und zurück. Viele Hotels nutzen die Tablets auch als zusätzliche Einnahmequelle und binden Werbung von Geschäften aus der Region ein.

Oder hetras: Das Startup aus München entwickelt eine Hotel-Management-Plattform, um die verschiedenen digitalen Prozesse zu verknüpfen. Reservierungen, Gästeprofile, Check-ins und Check-outs werden an einem einzigen Ort in der Cloud verwaltet anstatt verstreut entweder in den zentralen Reservierungs- und Property Management-Systemen, bei Channel Managern, auf Hotel-Websites oder in Kundenbindungs-Datenbanken vorzuliegen. hetras macht es auch sehr einfach In-room Tablets, mobile Check-In Anwendungen, die Webseite und eine Vielzahl an Online-Distributionskanälen miteinander zu verbinden.

Digitale Lösungen werden Standard

Dabei geht es nicht darum, das Hotel ohne Mitarbeiter zu automatisieren. Der Kern des Angebots, die Übernachtung, ist virtuell nicht ersetzbar. Die neuen Technologien geben den Hoteliers vielmehr die Möglichkeit, sich wieder intensiver um ihre Gäste zu kümmern und den Hotelaufenthalt zu einem Erlebnis zu machen, statt sie in Schlangen beim Check-in warten oder Hotelformulare ausfüllen zu lassen. Konsumenten sind es immer mehr gewöhnt, mobile und digitale Technologie zu nutzen, und so können auch Hoteliers ihren Gästen den Aufenthalt erleichtern und ihre Direktvertriebsaktivitäten vor dem Besuch und während des Aufenthaltes stärken.

Die Hotellerie hat sich historisch gesehen eher langsam an neue Technologien angepasst. Auch sind diese Tools sicher nicht für alle Hotels sofort relevant, aber sie werden in den kommenden Jahren bei den ambitionierten Hotels und den modernen Hotelketten zum Standard werden.

Berthold-von-Freyberg

Über den Autor

Berthold von Freyberg ist Partner beim Münchner Venture Capital-Investor Target Partners und hat über 20 Jahre Venture Capital- und Technologieerfahrung in Deutschland und den USA. Gemeinsam mit seinen Partnern Waldemar Jantz und Kurt Müller gründete er 1999 Target Partners, das junge Technologieunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz finanziert.

Weitere Informationen unter: targetpartners.de/

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