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20.01.10

Die deutsche Google-Paranoia

Die deutschen Presseverlage schießen aus allen Rohren auf Google. Die Bevölkerung scheint desinteressiert.

Wie oft wurden in den letzten Jahren Horrorszenarien über die "Datenkrake" Google veröffentlicht? Mit vorhersehbarer Regelmäßigkeit schießt die deutsche Presse gegen Google. Nicht selten kommen dabei Artikel voller Halbwahrheiten und Fehler heraus wie jüngst in der Brand Eins geschehen.

Jetzt lassen die Presseverlage auch Taten folgen.

Beschwerde beim Bundeskartellamt

Wie wir bereits bei Linkwertig verlinkt hatten, haben die Presseverlage diese Woche eine Beschwerde beim Bundeskartellamt eingereicht:

Dem Vernehmen nach kritisieren die Verlegerverbände, dass Google für die Anzeige der Suchtreffer, der sogenannten "Snippets", den Verlagen nichts bezahlt.

Es geht also um etwas, das spätestens seit dem Paperboy-Urteil des BGH (pdf) rechtlich einwandfrei ist.

Desweiteren fordern die Presseverlage die Offenlegung des Rankingalgorithmus. So richtig sicher scheint man sich da aber nicht zu sein:

Dies sei eine Information, keine Beschwerde, hieß es auf dpa-Anfrage bei den Verlegern.

Diese Forderung ist natürlich Unsinn.

Was berechtigt die Presseverlage, über das Geschäftsgeheimnis von Google aufgeklärt zu werden?

Damit sie besser SEO betreiben können?

Die Offenlegung des Rankingalgorithmus würde Missbrauch Tür und Tor öffnen. Es gehört zum normalen Geschäftsbetrieb einer Suchmaschine, dieses Innenleben den von ihr indizierten Anbietern gerade nicht offenzulegen.

Die Logik der Presseverlage

Mike Masnick fasst das aktuelle Geschehen gut zusammen:

  • Die hiesigen Verlage hatten alle Vorteile im Markt, die man braucht.
  • Sie waren hier lange Zeit vor Google.
  • Sie hatten starke Marken und Kundenloyalität lange vor Google.
  • Sie haben diese Möglichkeiten nicht in Geld verwandeln können.

Nach Masnick ist das ein kolossales Versagen der Verlage. Aber das ist noch nicht alles: Jetzt sendet Google ihnen Traffic, aber sie schaffen es nicht, diesen zu monetarisieren. Und dafür machen die Presseverlage Google verantwortlich.

Wem das an Absurdität noch nicht reicht, dem sei gesagt, dass die Verlage sich auf Google News, das keinerlei Einnahmen generiert, weiter einschießen:

Man steht da und ist ratlos. Wo sehen die Verleger die Einnahmen, die mit Google News gemacht werden? Weiterhin ist der Dienst anzeigenfrei. Dabei ist die ganze Schizophrenie der Branche darin ablesbar, dass einerseits behauptet wird, den Lesern genügten die kleinen Ausschnitte – sie kämen also gar nicht mehr auf die Homepages der Medienhäuser -, andererseits aber gewährt keines der Unternehmen dem Einhalt, in dem es sich aus News auslisten lässt.

Denn sie wissen nicht, worüber sie schreiben

Parallel dazu gehen die hanebüchenen Artikel gegen Google weiter. In der ZEIT darf Susanne Gaschke ihr Expertenwissen zeigen :

Der Internetgigant kennt bald jeden unserer Schritte. Es ist Zeit, dass die demokratische Gesellschaft sich wehrt.

Susanne Gaschke ist nicht in der Lage, zwischen Opt-In und Zwangs-Datenerhebung zu unterscheiden. Opt-In ist hier natürlich die Nutzung von Google-Produkten. Niemand ist dazu gezwungen, jeder Google-Kunde ist ein freiwilliger Kunde. Natürlich sammelt Google Daten und macht sie verfügbar. Aber nur solche, die bereits öffentlich sind.

Auch wenn Google etwa den Suchmaschinen-Markt dominieren mag, so hält es kein Monopol. Sowohl bei der Websuche als auch bei jedem anderen Google-Produkt existieren nicht nur konkurrierende Produkte, sie sind sogar nur einen Klick entfernt. Und die arbeiten vielleicht an ähnlichem :

Susanne Gaschke gehört zu den Journalisten, die trotz akademischem Hintergrund das Internet nicht verstanden haben. Es ist so wie wenn man unliebsame Bücher aus der Bibliothek entfernen will und dafür die Karteikästen entfernt, die Bücher aber belässt. Susanne Gaschke, glauben Sie denn, dass Bing und Yahoo nicht an ähnlichen Techniken arbeiten bzw. diese schon haben?

Dagegen muss sich die demokratische Gesellschaft wehren? Vielleicht.

Muss sie sich aber nicht viel eher gegen Zwangsdatenerhebungen wie die Vorratsdatenspeicherung wehren, die potentiell Bürgerrechte untergräbt?

Fazit

Angesichts der immer wieder in deutschen Medien erscheinenden Horrorszenarien über Google ist eins bemerkenswert: Der Marktanteil von Google beträgt weiterhin um die 90 Prozent in Deutschland.

Es scheint, dass sich die Menschen von der Hysterie der Mainstream-Medien kaum beeinflussen lassen, was dieses Thema angeht.

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(Foto: t3rmin4t0r; CC-Lizenz)

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