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09.09.11

diaspora: "Google+ hat uns kopiert"

Die Art, wie Nutzer bei Google+ und diaspora Kontakte kategorisieren und Inhalte teilen, ist sehr ähnlich. In einem Blogbeitrag zeigen sich die diaspora-Macher "stolz" darüber, dass Google ihr System nachgeahmt hat.

 

Als Google Ende Juni den Vorhang seines lange erwarteten sozialen Netzwerks Google+ lüftete, war ein wichtiges Element des neuen Dienstes für Mitglieder des dezentralen Social Networks diaspora keine Neuheit mehr: Das von Google eingeführte Kreise-System ("Circles") zur Kategorisierung von Kontakten und zum granularen Teilen von Inhalten findet sich in identischer Form auch bei der diaspora wieder - mit dem Unterschied, dass Kreise dort "Aspects" heißen.

Inwieweit sich Google hier von dem Social-Networking-Zwerg aus New York hat inspirieren lassen, darüber lässt sich vorzüglich spekulieren. Das theoretische Konstrukt hinter Google+ wurde erstmalig im Juli 2010 in Form einer 224 Folien umfassenden Präsentation vorgestellt. Eine konkrete Beschreibung des Circles-Prinzip konnte ich beim Überfliegen darin jedoch nicht finden.

Das diaspora-Team trat einige Monate zuvor, im April 2010, an die Öffentlichkeit, allerdings ohne auf das Aspects-Feature einzugehen. Im Vordergrund stand damals der Gedanke der dezentralen Serverstruktur, mit dem sich die vier jungen IT-Studenten hinter dem Projekt als Facebook-Alternative positionieren wollten. Nach einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne wurde Mitte September der diaspora-Quellcode veröffentlicht - mit Aspects als integralem Bestandteil.

In einem gestern veröffentlichten, ansonsten relativ nichtssagenden Blogbeitrag bezieht das mittlerweile auf sechs Personen angewachsene diaspora-Team nun eindeutig Stellung zur Frage, wer von wem abgekupfert hat: "Wir sind stolz, dass Google+ mit den Circles eine unserer Kernfunktionen imitiert hat, die Aspects.".

Die New Yorker tun gut darin, die Aussage in einen positiven Kontext zu stecken, statt sie als Anfeindung zu formulieren (das übernehmen Tech-Blogs und andere Medien). Denn seit dem Launch von Google+ vor zweieinhalb Monaten hat diaspora eine beachtliche optische Metamorphose durchlebt - und sieht mittlerweile Google+ täuschend ähnlich.

Dass sich die führenden Social-Web-Dienste gegenseitig die erfolgreichsten Features stibitzen, ist gängige Praxis. Das von Twitter erfundene Follower-Prinzip findet sich heute bei unzähligen Onlineservices, und Facebook ist gerade dabei, sein Freunde-System langsam aber sicher an die Google+-Kreise (und damit auch diaspora Aspects) anzunähern.

Dennoch erscheint eine etwas aggressivere Kommunikation für diaspora, das nach einem aufsehenerregenden Launch im Fahrwasser einer um sich greifenden Facebook-Skepsis schnell von den Medien fallen gelassen wurde und seitdem an einem Aufmerksamkeitsdefizit leidet, angemessen. Nett verpackte Seitenhiebe auf die Wettbewerber sind in Kombination mit einem soliden Dienst (der diaspora mittlerweile ist) der beste Weg, um sich wieder ins Gespräch zu bringen.

Link: diaspora

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