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25.08.14Leser-Kommentare

DG Discovery: Deutsche Grammophon veröffentlicht eigene Musik-Streaming-App nur für Klassik

Das zu Universal gehörende Traditionslabel Deutsche Grammophon veröffentlicht mit DG Discovery eine Musik-Streaming-App für iOS, die nur klassische Musik aus dem eigenen Katalog beinhaltet. Ein Konzept, das Nachahmer finden könnte.

DG DiscoverySeit einigen Jahren entstehen immer neue On-Demand-Anbieter für Musikstreaming. Dabei handelt es sich stets um Firmen aus dem Technologie-Bereich, die sich im Rahmen individueller Abmachungen mit Plattenfirmen und Künstlern die Lizenzrechte für das Streaming sichern und dann versuchen, auf dieser Basis profitable Geschäftsmodelle zu entwickeln. Doch nun geht ein etabliertes Unternehmen der Musikindustrie einen unkonventionellen Weg: Deutsche Grammophon (DG), ein 1898 in Hannover gegründetes Label, das sich besonders mit Veröffentlichungen auf dem Gebiet der klassischen Musik einen Namen gemacht hat und seit 1998 zu Universal Music gehört, veröffentlicht heute offiziell eine eigene Streaming-App namens DG Discovery.

DG Discovery ist womöglich die erste On-Demand-App für Musikstreaming, die direkt unter der Ägide eines Labels entstand. Gleichzeitig handelt es sich um die “erste Streaming-App für klassische Musik”, wie das Unternehmen betont. Im Klartext heißt das, dass es bei DG Discovery ausschließlich Klassik zu hören gibt, und ausschließlich Werke aus dem Katalog von DG. Die Auswahl ist damit weit von den Dimensionen entfernt, die man von den etablierten Streaming-Anbietern wie Spotify, Deezer oder Rdio her kennt.

DG Discovery

Zum Debüt finden sich bei DG Discovery 450 Alben, die “80 Topinterpreten des Labels” umfassen. Musikalisch reicht das Spektrum von Bach über Beethoven bis zu Tschaikowski. Jeden Monat wird der Katalog um 20 neue Alben ergänzt. Zudem gibt es jede Woche zwölf kuratierte Playlisten, die Hörern beim Entdecken von Stücken über Interpreten, Komponisten oder musikalische Themen behilflich sein sollen. Die Applikation liefert außerdem diverse Meta-Informationen und Biografien zu Künstlern, Komponisten und Produktionen. Von YouTube bezogene Musikvideos sind direkt innerhalb der Künstlerprofile integriert.

Die App präsentiert sich funktionell und zweckmäßig, ohne als Kandidat für irgendwelche Designpreise in Frage zu kommen. Der Download ist kostenlos, jedes Stück kann 30 Sekunden “angespielt” werden. Wer sich nach dem Umschauen innerhalb der App für ein Abo entscheidet, zahlt 3,99 Euro pro Monat (2,66 Euro bei jährlicher Zahlung).

Man kann DG beziehungsweise Universal zu dem Schritt, eine eigene genre-spezifische Streaming-App auf den Markt zu bringen, beglückwünschen: Rein strategisch und wirtschaftlich dürfte es sich um eine smarte Entscheidung handeln. Immerhin hat der Name “Deutsche Grammophon” in Kreisen von Klassikliebhabern und Nostalgikern viel Gewicht. Während diese die Stücke der Klassikprominenz natürlich auch bei “herkömmlichen” Streamingservices finden und zudem die meisten Werke wahrscheinlich ohnehin im heimischen CD-Regal stehen haben, macht DG Discovery es ihnen einfach, gezielt und ohne Herumsuchen ihre Lieblingskomponisten und -musiker von unterwegs genießen zu können. Der Abo-Preis ist niedrig genug, um Impulsentscheidungen zu begünsten. Gleichzeitig dürften sich die Kosten für DG in Grenzen halten. Denn die Rechte liegen ohnehin bei dem Label. Die Realisierung der App erfolgte über die technische Plattform des aus Chicago stammenden Dienstleisters für Digitalmusik, Groovebug. Dieser dürfte für seine Leistung am Umsatz partizipieren oder eine Pauschalsumme erhalten.

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass andere Musiklabels aus dem Special-Interest-Bereich dem Beispiel von DG folgen und ihrerseits Streaming-Apps auf den Markt bringen, die sich bestimmten Genres oder musikalischen Themengebieten widmen. Ihr Vorteil wäre die Optimierung des Angebots für eine spitze Zielgruppe mit besonderen Bedürfnissen sowie das eindeutige Produktversprechen. Denn die allumfassenden Streaming-Dienste mit ihren 20-Millionen-Song-Katalogen leiden gewisserweise unter einem Discovery-Problem: Hörer übersehen einfach zu leicht musikalische Leckerbissen, weil diese in der Masse von für sie nicht relevanten Titeln untergehen.

Inwieweit eine derartige Fragmentierung des Streamingmarktes aus Sicht der Musikkonsumenten aber auch langfristig wünschenswert wäre, darüber kann man unterschiedlicher Ansicht sein. Problematisch wird es, sofern etwa DG seine Werke bei Spotify und Konsorten abziehen würde. Auf Anfrage hieß es aber, dass dies nicht geplant sei. Ebenfalls nicht geplant ist eine Android-App - der einzige evenutell schwerwiegende strategische Fehler, den DG hier macht. Dass man sich ohne Not und trotz der Finanzstärke der Muttergesellschaft dieses Marktpotenzial entgehen lässt, verwundert sehr.

Link: DG Discovery

Kommentare

  • Uli

    25.08.14 (09:08:25)

    So etwas habe ich lange gesucht - für Eltern. Hier finden sie gleich, was sie suchen, eben nur Klassik. In Spotify verlaufen sie sich aufgrund des großen (und für sie uninteressantem) Angebot nur. App ist ansprechend aufgemacht - Infotexte etc leider aber nur in Englisch. Usability hakt hier und da noch ein wenig. @Martin Der monatliche Preis beträgt übrigens 3,99 Euro, nicht 3,59 Euro.

  • Martin Weigert

    25.08.14 (09:33:10)

    Oh danke ändere ich. Und ich bin der Meinung, die großen Streaming-Dienste sollten Special-Interest Apps veröffentlichen, quasi kuratiert je nach Thema/Genre.

  • Peter20

    27.08.14 (21:03:32)

    Überflüssig wie ein Kropf. Bei Shoutcast.com muss ich nur nach "classical" suchen und erhalte hunderte MP3-Streams, die ich in der Playersoftware meiner Wahl abspielen kann.

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