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18.09.10Leser-Kommentare

Dezentrales Social Network: Meinungen zu Diaspora

Am Mittwoch veröffentlichte Diaspora den Quellcode für sein dezentrales Open-Source-Social-Network. Hier sind erste Erfahrungsberichte und Meinungen.

 

Am Mittwoch hat das dezentrale Open-Source-Social-Network Diaspora wie angekündigt seinen Quellcode für Entwickler offengelegt. Bis zum Launch der Alpha-Version im Oktober hoffen die vier Diaspora-Macher, dass das Projekt mit Hilfe der Entwickler-Community weiterentwickelt wird und dass nach und nach interessante Angebote entstehen, die Diaspora auch für die User zugänglich machen, die nicht wissen, wie man die Software auf einem eigenen Server installiert - also geschätzte 99,9 Prozent aller Internetnutzer.

Für alle Leser, die sich einen Eindruck von der ersten Version des ambitionierten Projekts verschaffen wollen, verweisen wir im Folgenden auf einige lesenswerte Erfahrungsberichte und Meinungen rund um Diaspora.

Die Blogrebellen Kreuzberg haben Diaspora ausprobiert und einen ausführlichen Erfahrungsbericht veröffentlicht. Ihr Urteil:

Viel zu sehen gibt es noch nicht und generell bin ich wie viele andere auch ein wenig enttäuscht. Nicht weil es eine Alpha version ist die sehr unstabil läuft – das wurde deutlich gesagt – aber weil es einige schwierige Hürden aufgebaut hat die mich an der Zukunft ein wenig zweifeln lassen.

Ähnlich wie die Blogrebellen sieht auch Marcel Weiss bei neunetz.com die Tatsache kritisch, dass man für das erfolgreiche Aufsetzen eines Diaspora-Hubs einen Server benötigt, der Ruby on Rails unterstützt und Mongo Database installiert hat. Damit wird interessierten Usern eine weitere Hürde in den Weg gestellt, Diaspora auszuprobieren.

Falk Hedemann bei t3n ist ebenfalls skeptisch und kommt zu dem Schluss, dass Diaspora keine echte Facebook-Alternative ist. Markus Kirchmair von tirolblog.at stellt fest:

Solange Diaspora für Werbetreibende nicht annähernd so interessant wie Facebook ist – und dagegen spricht bereits die eigentliche Grundidee – glaube ich an den breiten Erfolg dieses ehrgeizigen Projektes erst dann, wenn mir meine Schwiegermama auf meine Diaspora Pinnwand schreibt!

Etwas optimistischer klingt Blogger Tobias Rademacher, der nach der ersten Installation von Diaspora zumindest darüber nachdenkt, sich einen "preiswerten, studentefreundlichen Rails-Hoster zu suchen", sofern sich Diaspora tatsächlich als würdige Facebook-Alternative erweist. Wobei diese Aussage allein verdeutlicht, wie hoch die Einstiegshürden aktuell sind.

Diaspora testen

Das t3n-Magazin hat gestern einen eigenen Diaspora-Server aufgesetzt, über den sich jeder registrieren kann. Allerdings leidet dieser noch immer unter dem anhaltenden Nutzeransturm. Ebenfalls ausprobieren kann man Diaspora bei diasporahosting.eu.

Meine persönliche Meinung: Ein Projekt wie Diaspora lebt vom Hype und der daraus resultierenden breiten Aufmerksamkeit und Unterstützung der Onlinenutzer (genau das also, was Noserub oder Identi.ca fehlte). Nur so kann tatsächlich ein Angebot entstehen, dass irgendwann einmal die Chance erhält, zu einem potenziellen Facebook-Konkurrenten zu werden. Dass das erste, von vier unerfahrenen Jungspunden zusammengebastelte Release in keiner Weise mit dem vergleichbar ist, was hunderte Facebook-Entwickler über viele Jahre programmiert haben, sollte wirklich niemanden verwundern.

Die Frage ist nun: Gibt es eine Lösung, die den Einsatz von Diaspora zulässt, ohne dass zukünftige Anwender stundenlang Vorbereitungen dafür treffen müssen? Und lässt sich dies bewerkstelligen, ohne dass dabei die Vorteile eines dezentralen Social Networks zunichte gemacht werden (bei oben genannten Hosting-Lösungen z.B. liegen die Nutzerdaten ja doch wieder auf externen Servern außerhalb der Kontrolle der Anwender)? Wie die Antwort ausfällt, werden die nächsten Monate (hoffentlich) zeigen. Abschreiben würde ich Diaspora noch nicht. Selbst wenn das, was die vier New Yorker IT-Studenten erreichen wollen, einer Quadratur des Kreises gleichkommt.

Frage in die Runde: Was ist von einem speziellen Webhostingpaket zu halten, das Diaspora vorinstalliert hat und das führende Webhoster für eine geringe Jahrespauschale anbieten? Zwar bestünde dann immer noch das Problem, dass ein Großteil der User für Social Networking nicht zahlen möchten, aber immerhin würde weniger erfahrenen Anwendern der Installationaufwand erspart bleiben, zudem befänden sich die Daten unter ihrer Kontrolle.

Kommentare

  • Matthias Jakel

    18.09.10 (05:35:54)

    Mit Rails und MongoDB haben sie sich so ins Knie geschossen. Ich hatte mir auch den Quellcode runtergeladen und dachte, ich schieb das schnell auf meinen Webspace und habt dort ein nettes Diaspora, was auf PHP und MySQL läuft und los gehts. Rails und MongoDB sind toll, aber hier einfach falsch eingesetzt. Es geht hier nicht darum, eine enorme Performance zu erzielen, sondern ein Script zu entwickeln, dass jeder nutzen und installieren kann. Aus meiner Sicht ist da konzeptionell etwas richtig groß schief gelaufen. Ohne einen Wechsel zu PHP wird Diaspora keinen nennenswerten Erfolg haben. Vor allem hat Diaspora auch nicht den Bekanntheitsgrad, dass Hoster nun automatisch Rails und MongoDB unterstützen, nur weil Diaspora das verwendet. Da hätte Wordpress viel eher die Chance so einen Wechsel zu Rails einzuleiten.

  • Falk D.

    18.09.10 (09:19:08)

    Es geht genau darum eine enorme Performance zu erzielen und gerade nicht darum, ein Script zu entwickeln, dass jeder installieren kann. So kann zwar nicht jeder eine Instanz aufsetzen, aber die Anforderungen sind für Werbe- oder Spendenfinanzierte Betreiber leistbar. Im Grunde tut es schon jeder kleine Dedicated-Server. Selbst ein virtueller Server wird ausreichen. Und genau wie bei Wordpress oder Jabber, denke ich dass es einen großen Server gibt und viele kleine. Allerdings sind die dezentralen Installationen nicht weg. Es ist also z.B. für Studentenorganisationen, Vereine und Firmen möglich eine Instanz aufzubauen, der sie selbst Vertrauen und damit in Kontakt mit anderen zu treten.

  • Matthias Jakel

    18.09.10 (10:18:21)

    Ist es so, dass jedes Profil autonom ist oder, dass es eine autonome Instanz gibt, die viele Profile hostet? Bei 1. würde ich PHP bevorzugen, damit jeder auf einem 99 Cent Webspace sein Profil hosten kann. Bei 2. macht Rails + MongoDB natürlich mehr Sinn, wenn pro Instanz 100 oder 1000 Profile gehostet werden.

  • Falk Hedemann

    18.09.10 (13:48:39)

    Unser Test bei t3n hat ja ziemlich schnell zwei Dinge gezeigt: 1. Es gibt genügend Interessenten - oder auch zu viele ;-) 2. Die Performancegrenzen sind zu schnell erreicht Mit einem solchen Ansturm hätte ich ehrlich gesagt auch nicht gerechnet. Aber es hat sich letztlich gezeigt, dass viele potentielle Nutzer durchaus Interesse an einer echten Facebook-Alternative hätten - was Diaspora momentan nicht ist und so schnell auch nicht werden kann. Dennoch, das Nutzerpotential ist definitiv da, zumindest unter den webaffinen Menschen. Aber wenn diese schon warten bis irgendwo eine Instanz aufgemacht wird, statt selbst eine aufzusetzen, wird das größte Problem schnell deutlich: Diaspora bringt zu viele technische Einstiegshürden mit. Da wären natürlich spezielle Hostingpakete, wie sie von Martin vorgeschlagen wurden, ein guter Weg. Natürlich hätten sie wieder den Nachteil, dass sie dem einzelnen Nutzer Kosten verursachen. Das wird einige stören und davon abhalten. Aber das sind auch die, die AdBlocker einsetzen, anonym kommentieren und sich überhaupt über alles aufregen, was nicht umsonst ist. Ich würde ein solches Hostingangebot gerne nutzen, weil es mir einen konkreten Mehrwert bietet.

  • Manuel

    18.09.10 (17:46:56)

    Ist es so, dass jedes Profil autonom ist oder, dass es eine autonome Instanz gibt, die viele Profile hostet? So wie ich verstanden habe geht beides. Wenn man seine Daten niemandem anvertrauen will erstellt man für sich selbst eine Instanz, sonst meldet man sich bei einem Anbieter an. Im Moment empfinde ich die Einstiegshürde als viel zu hoch. Ich kenne mich mit Linux-Administration aus, aber nicht mit Ruby. Die Voraussetzungen (Ruby, Gems, MongoDB) hatte ich schnell installiert auf dem vServer. Aber beim herunterladen bzw. kompilieren der zusätzlichen Pakete mit bundle brach er ab. "out of memory". Ok, 256MB sind wenig, aber halt Standard für günstige vServer. Ich habe dann in einem Ruby-Forum gelesen dass man die Pakete auch lokal kompilieren, in eine Datei packen und hochladen kann. Da hört es bei mir dann auf. Ich investiere nicht so viel Zeit mich in Ruby einzulesen wegen diaspora. Aber: Man muss sich bewusst sein dass wir über eine Developer Version sprechen. Es wird nirgends behauptet die Installation sei einfach oder gut dokumentiert. Vielleicht lässt sich der fertige Release einfach hochladen. Ruby und MongoDB braucht es natürlich immer noch, aber zumindest keine Build-Umgebung mehr. Wie Martin geschrieben hat, steht und fällt der Erfolg solcher Projekte mit dem Hype. Ich hoffe sehr dass der Release der fertigen Version auch das Interesse von Mainstream-Medien weckt. Das ist dann die letzte Chance auf einen grossen Erfolg. Dann muss es auf der Website einen Link zum anmelden geben, und zwar gratis. Nicht einen Download einer .tar.gz-Datei mit fünfseitiger Installationsanleitung. (Den Download soll es natürlich trotzdem geben für die Freaks, aber es muss auch ohne gehen.) Sehr praktisch wäre es wenn bis dahin die Facebook-Integration fertig ist, dass die Umsteiger mit FB-Account nicht bei Null anfangen müssen.

  • Ben

    21.09.10 (11:43:06)

    Die Veröffentlichung der Entwickler-Version hat mich ehrlich gesagt auch etwas ernüchtert, die Hürden für einen Erfolg scheinen einfach noch zu groß. Wie in den Komentaren schon angemerkt ist es momentan wohl nur für die wirklich web-affinen Nutzer interessant, niemand dürfte ernsthaft erwarten das sich "jeder" Nutzer eine eigene Instanz aufsetzt, sich einen geeigneten Hoster raussucht etc. Und die Möglichkeit einen "Account" bei einem "Diaspora-Hoster" zu registrieren widerspricht dann wieder meiner Auffassung von dem Konzept der Kontrolle über die eigenen Daten. Irgendwie hatte ich mir das einfacher vorgestellt ... hatte da irgendwie an eine Art Feed-Datei gedacht die ich in meinem öffentlichen Dropbox Ordner parken kann oder sowas -.- naiv, ich weiß :D

  • Christian

    21.09.10 (23:59:40)

    Hmm, ich habe das Ganze noch nicht gesehen, aber wer will schon einen dedizierten (wenn auch virtuellen) Webserver aufsetzen, sich tagelang mit der Installation beschäftigen (auch aus Aspekten der Server Sicherheit, wenn man es richtig machen will), nur um das mal auszuprobieren? Wenn schon, dann bitte mit einer Standard Konfiguration mit Perl oder PHP sowie MySQL die überall funktioniert. Freakige Datenbank Engines sind dafür einfach ungeeignet, und das hätte man sich vorher denken können. Keine Ahnung, wie diese Freaks es so populär in die Nachrichten geschafft haben... Jeder könnte so ein Projekt starten und ich weiss nicht, was daran so interessant ist wenn das Ergebnis so schlapp ist.

  • Christian Dresel

    29.06.11 (15:09:39)

    hi also ich hab meinen POD auf nen kleinen VServer laufen und das funktioniert wunderbar. Man muss sich halt etwas mit Linux auskennen und etwas einlesen wenn man von Ruby keine Ahnung hat aber es geht!

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