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30.04.09Leser-Kommentare

Deutschland degeneriert in ein Entwicklungsland (Teil 2 von 3)

Deutschland ist auf das Ankommen des Internets im Mainstream nicht vorbereitet. Das schließt neben Politik und Medien auch die Blogger und die Webszene mit ein. Ein Blick auf das Versagen der einzelnen gesellschaftlichen Gruppen.

Der Satz "Das Internet verändert alles" ist leicht daher gesagt. Erst jetzt, wo das Netz langsam auch mit den ersten interneteigenen Diensten ohne analoge Äquivalente, vulgo Social Media, den Mainstream erreicht, dürfte vielen Beobachtern dämmern, wie wahr und tiefgreifend dieser Satz ist.

Jedes westliche Land muss mit diesen Veränderungen klarkommen und lernen, damit umzugehen - und vor allem lernen, nicht panisch verheerende Maßnahmen zu ergreifen, die die Nutzung der größten Erfindung seit der Industrialisierung nachhaltig negativ beeinträchtigen würden.

Aber in keinem Land scheint der Widerstand gegen Veränderung so tief zu sitzen und so vehement von allen gesellschaftlichen Bevölkerungsschichten geführt zu werden wie in Deutschland.

 

Die anderen Länder

In den USA hat sich über die letzten Jahre eine immer reichweitenstärker werdende Blogosphäre etabliert, die sich entgegen den klassischen Medien weitaus sachlicher und fundierter mit den Veränderungen befasst und in öffentlichen Diskussionen an konkreten Lösungen für auftretende (Übergangs-)Probleme arbeitet. So gibt es in den USA etwa bereits Dienste wie outside.in oder everyblock, die mit der Aggregation lokaler News (aus Blogs und anderen Nachrichtenquellen) das Problem des Verschwindens regionaler Zeitungen werden abfangen können.

In Großbritannien existiert zum Beispiel die öffentlich-rechtliche BBC, welche offensiv das Netz nutzt und immer wieder mit Experimenten überrascht. Es ist ziemlich offensichtlich, dass man bei der BBC ernsthaft versucht, herauszufinden, wie man das Internet am besten einsetzen kann.

In Frankreich hat sich eine Blogosphäre mit Blogs von Vertretern aus allen Bevölkerungsschichten etabliert.

Es gibt nichts dergleichen in Deutschland.  

 

Die Politik

Während die eine große deutsche Volkspartei sich gerade mit dem Thema Internetsperren als vollends unwählbar erweist, schafft es die andere Volkspartei, ihren Wahlkampfauftakt zu bestreiten, ohne einmal das Wort Internet fallen zu lassen. Im Jahr 2009.

Selbst der Nachwuchs der konservativen Seite des Politspektrums scheint das Internet vor allem als willkommenes Mittel für Aktionismus und Wahlkampf wahrzunehmen.

Nun sprachen sich etwa FDP und Die Grüne als Oppositionsparteien gegen die Netzzensur aus, aber: Man sollte das nicht überbewerten. Es ist übliches Oppositionsverhalten. Würden FDP oder Grüne, einmal beteiligt an der Regierung, an ihrem Standpunkt zu einem Internetthema so vehement festhalten, dass sie notfalls die Koalition damit gefährden würden? Nein, für so wichtig hält keine Partei Deutschlands das Internet.

Die große Koalition hat vieles wie das Einführen der Sperren einfacher gemacht, weil Mehrheiten sich bequemer finden lassen. Aber die heutigen Oppositionsparteien müssen erst noch beweisen, dass hinter ihren Worten mehr als leere Wahlkampfversprechen stehen. Ich sehe da zumindest nicht mehr. Sonst wäre der Aufschrei aus den Reihen der nicht an der Regierung beteiligten Parteien die letzten Tage weitaus lauter gewesen.

In den letzten Tagen wurde hier und auf anderen Blogs zur Genüge über die deutsche Politik und ihren Umgang mit dem Internet geschrieben, deswegen will ich es jetzt dabei belassen. Man könnte aus dieser traurigen Geschichte eine weitere mehrteilige Artikelserie machen, oder gleich ein eigenes Blog.

 

Die Medien

Die deutschen Massenmedien haben in Bezug auf die Berichterstattung zum Internet und dem dadurch eingeleiteten Wandel vollends versagt. Eine Volkspartei kann in Deutschland einen Bundeswahlkampf eröffnen, ohne dass dabei ihre Vertreter - und ihr Spitzenkandidat - einmal das Internet auch nur erwähnen. Und das gibt keinen Aufschrei in den Medien? Warum wird das nicht entsprechend kommentiert?

Wie viele Jahre müssen vergehen, bevor völlige Ignoranz und Inkompetenz bezüglich der wichtigsten Technologie, der größten gesellschaftlichen Umwälzung des 21. Jahrhunderts, ein berichtenswertes Thema wird? Warum landet das Internet immer nur in der Tagesschau und auf den Titelseiten der Tageszeitungen, wenn Google einen Browser launcht oder man über vermeintliche Online-'Piraterie' zu berichten weiß?

Warum liest man in den Medien, die sich auf ihre Fahnen geschrieben haben, die Gesellschaft hintergründig zu begleiten, fast ausschließlich von den (oft masslos überdramatisierten) Gefahren des Internets?

Die Zeit etwa hat die letzten Tage und Wochen zum Thema Kinderporno-Sperren einige wichtige und gute Artikel verfasst. Nur um dann letzte Woche wieder Susanne Gaschke auf der Titelseite einen Artikel über das Netz veröffentlichen zu lassen, bei dessen Lektüre es jedem halbwegs Kundigen die Fussnägel hochrollt.

Gaschke schreibt über Piraten (Was Unsinn ist) und Diebstahl geistigen Eigentums (Was Unsinn ist) und vermengt mit ihrem Halb- und Viertelwissen nichts miteinander gemeinsam habende Themen.

Es ist eine einzige Wiederholung der Propaganda der Unterhaltungsindustrie. In den deutschen Massenmedien wird ein einseitiger Scheindiskurs geführt, der völlig an den Realitäten vorbeigeht.

Dass es ein so schlechter Artikel auf die Titelseite der "Zeit" schafft, sagt einiges über den Zustand der deutschen Medien aus. Ebenso übrigens wie die Tatsache, dass auf die falschen Aussagen nur in Blogs hingewiesen wird. Wer solche hanebüchenen Texte über TV oder Hörfunk veröffentlichen würde, würde auf den Medienseiten der anderen zerrissen.

Beim Thema Internet scheint es zum guten Ton zu gehören, schlecht recherchierte Artikel zu veröffentlichen. Propaganda-Nachplapperei, Heuchelei, was die Urheberrechtsdebatte angeht und einseitige Berichterstattung zum "Heidelberger Appell" .

Auch die Süddeutsche hat beim Thema Internet die letzten Jahre vor allem eins vorangetrieben: Die Demontage der eigenen Marke.

Die Medienberichterstattung im Vorfeld der Vorratsdatenspeicherung war eine Schande für die deutsche Medienlandschaft. Erst als alles zu spät war, konnten sich die deutschen Medien zu ein bisschen Widerstand aufraffen. Und das bei einem Thema, dass sie selbst auch betraf (in Bezug auf den Informantenschutz).

Machen wir uns hier nichts vor: Was das Thema Internet angeht, schwanken die deutschen Medien zwischen kollektiver Bankrotterklärung ihres Aufklärungsauftrags und opportunistischem Agendasetting.

Es gibt nur noch eine journalistische Instanz in Deutschland, welche sich durchgängig mit dem Thema angemessenem Ernst und Tiefe den Internet-Themen widmet. Und das sind die heise-Produkte c't und der heise-Newsticker. Beides Fachpublikationen.

Kein Wunder also, dass der öffentliche Diskurs in Deutschland zum Internet mehr oder weniger desaströs ausfällt.  

 

Die Blogger & die Webszene

Eine der bemerkenswertesten Erkenntnisse in Bezug auf deutsche Blogs hatte ich irgendwann 2006 oder 2007. Menschen, die im Netz regelmäßig Texte publizieren, sind auch heute noch das, was man Avantgarde nennen könnte, damals galt das erst recht.

Technophobie auch hier : Das Bemerkenswerte war und ist teilweise immer noch, dass selbst diese Bevölkerungsgruppe, die innerhalb der Gesellschaft dem Netz am aufgeschlossensten begegnen müsste, ebenfalls allem Neuen skeptisch gegenüber stehen. Es gab eine Zeit, in der in deutschen Blogs nicht über Web-2.0-Startups geschrieben wurde, ohne sich davon immer gleichzeitig ironisch zu distanzieren. Nur keine Begeisterung zeigen. Immer davon ausgehen, dass alles im Internet Scharlatanerie ist und wieder untergehen muss.

Auch heute gibt es kaum reine Techblogs in Deutschland. Ein Thema, das eigentlich prädestiniert wäre für die Berichterstattung in Blogs, ist in Deutschland bei weitem unterrepräsentiert. Es gibt einige lesenswerte Blogs zum Thema, aber für die Größe von Deutschland, und eigentlich des gesamten deutschsprachigen Raums, ist das bei weitem zu wenig und zeigt meiner Meinung nach deutlich: Es gibt hier nicht einmal unter Bloggern ein ausreichendes Interesse, sich tiefergehend mit der Technologie und ihren Veränderungen auseinanderzusetzen.

Macht man es doch, ist es nicht selten haarsträubend. Nicht nur die traditionellen Medien, auch die deutschen Blogger exerzieren die Debatten, die exakt so in den USA Monate oder gar Jahre(!) vorher geführt wurden, noch einmal durch. Mit komplett den gleichen Argumenten auf beiden Seiten. Auch hier hat es sich leicht gebessert, aber noch immer hat man nicht selten das Gefühl, dass die gesamte deutsche Blogosphäre der englischen Sprache nicht mächtig ist. 

Warum nehmen die deutschen Blogger so oft Positionen mit veralteten Argumenten an, die der neuen Situation nicht angemessen sind? Die Debatten müssen geführt werden. In Deutschland werden aber oft die gleichen (meist an der Realität vorbeigehenden) Argumente und Positionen von den klassischen Medien und den Blogs vertreten.

Wir treten auf der Stelle, sind noch nicht einmal über Los gegangen und haben noch keine 4000 Euro eingezogen.

Hierzu zwei Beispiele:

 Selbst in Blogs wird oft Paid Content für Verlage als Lösung genannt, ohne den Kontext zu betrachten. Als hätten Shirky und andere (und nicht zuletzt selbst die Geschichte der Verlage im Netz!) das nicht längst als unpraktikabel für die Mehrzahl an Nachrichtenmedien offenbart.

Nehmen wir als weiteres Beispiel etwa Carta.info, das mit dem vollmundigen Anspruch gestartet ist, die Diskurse im deutschsprachigen Web zu heben und zu so einer Art deutscher HuffingtonPost werden will. Carta.info fällt in meinem Feedreader für meinen Geschmack zu oft durch reaktionäre Texte wie diesen auf (oder ins Surreale gehende Forderungen wie der, dass Google für seinen Index zur Verantwortung gezogen werden solle ). Mehr Regulierung ist die Lösung für alle auftretenden Probleme durch den vom Netz ausgelösten Wandel? Nein, die Antwort auf die Veränderungen durch Netz kann nicht mehr Regulierung im Netz sein.

Aber das fordert man. Nicht (nur) bei den Regulierungsbehörden. Nicht (nur) in den Parteizentralen. Nicht (nur) in den Redaktionsräumen, in denen die Angst vor der neuen Konkurrenz jedem in's Gesicht geschrieben scheint. Nein, es steht in einem deutschen Blog. Das den Diskurs online heben will.

Woran liegt's? Vielleicht daran, dass es schwierig ist, in Deutschland gute Schreiber zu finden, die in der Lösung aller digitalen Veränderung nicht Regulierung und Kontrolle sehen. (Man verstehe mich nicht falsch: Man findet auch auf Carta gute Texte. Wie bei den klassischen Medien sind sie aber rar gesät.)  

 

Geringe Reichweite, geringe gesellschaftliche Relevanz: Aber weitaus schlimmer als die selbst in der deutschen Blogwelt oft fehlenden Diskussionen wiegt die Tatsache, dass die deutschen Blogs gesellschaftlich nach wie vor kaum eine Rolle spielen. Zum Teil lässt sich das auf die die letzten Jahre absurd hartnäckig geführte Hetzkampagne der deutschen traditionellen Medien gegen Blogs erklären.

Hinzu kommt eine Unfähigkeit der deutschen Blogger, lesenswerte Blogs aufzubauen. Über die letzten Jahre hat sich die Mehrzahl der Blogger in Deutschland damit zufrieden gegeben, über die neuen Möglichkeiten zu schwadronieren, statt diese zu nutzen. Metablogging, das Bloggen übers Bloggen, führt aber nicht zu Reichweite. Auch heute noch sind selbst viele Blogs in den Deutschen Blogcharts viel zu autorenzentrisch und zu wenig themenzentrisch, um irgendwann eine nennenswerte Reichweite aufzubauen.

Die Deutschen scheinen nicht in der Lage zu der Art von Bloggen zu sein, welche eine Gegenöffentlichkeit aufbaut.  

 

Zusätzlich gibt es in Deutschland eine Webszene , die, in sich selbst verliebt, damit zufrieden ist, das gerade aktuelle Spielzeug untereinander zu tauschen und zu bestaunen. Aktuell ist das Poken . Gestern war es Plurk, die ganze Zeit nebenbei ist es Twitter .

Man trifft sich regelmäßig auf inzestuösen Barcamps, welche für viele kaum mehr ist als ein Klassenfahrtersatz. Wenn die Teilnehmerlisten zu einem Barcamp innerhalb von 15 Minuten voll sind, dann kann man davon ausgehen, dass über 90 Prozent der Eingetragenen die üblichen gut vernetzten Verdächtigen und ihr Dunstkreis sind.

Das deutsche Barcamphopping hat die Idee der Barcamps ad absurdum geführt und verhindert, dass Menschen, die nicht den ganzen Tag den Twitter-Stream nebenbei laufen lassen, an Barcamps teilnehmen können. Die Möglichkeit gesellschaftlichen Austausches auf Barcamps wird marginalisiert.  

 

Die Bildungselite

Ich kenne nicht einen Professor oder Dozenten einer deutschen Universität, der ein Blog ernsthaft und konsequent für die Beteiligung an öffentlichen Diskursen einsetzt.  

Die Aktivisten

Eigentlich wäre das Folgende unter Politik einzuordnen. Ich möchte hier aber noch gesondert auf die deutschen Netzaktivisten eingehen.

Der Teil der sich im Web bewegenden Menschen, die sie sich in Deutschland politisch engagieren, organisiert sich in Organisationen, die schon im Namen sicherstellen, dass man es sich im gesellschaftlichen Diskurs richtig schwer macht: Chaos Computer Club. Piratenpartei. Wer diese Organisationen nur vom Namen her kennt und nur den in den Mainstreammedien geführten, von Seiten der Entertainmentindustrie dominierten Diskurs kennt, der wird diese Organisationen ablehnen und sich in der Regel nicht näher damit beschäftigen.

Man verstehe mich nicht falsch, der CCC macht seit Jahren sehr gute und wichtige Arbeit. Aber die Vehemenz und Aggressivität, mit man den Diskurs in den Medien führt, wird es den Vertretern schon allein vom Namen der Organisation schwerer machen, ernst genommen zu werden.

Die grundlegende Veränderung durch das Internet hat gerade erst begonnen. Je heftiger es wird, desto aggressiver werden Wirtschaft, Lobbyisten und im Gestern feststeckende Massenmedien ihren Diskurs-Placebo vorantreiben.

Was gar nicht hilft, ist, in Deutschland eine Partei Piratenpartei zu nennen.

Eine Partei, die sich ganz offiziell nach Kriminellen benennt, wird genau so viel Einfluss auf die deutsche Gesellschaft haben: Null.

Wer sich so nennt, hat schon verloren. Albern? Ja. Aber das ist nun mal die Diskurs-Realität in Deutschland.

Die Journalisten und Redaktionen der deutschen Massenmedien haben sich entschieden. Sie wollen nicht neutral berichten. Sie wiederholen ohne jede Form von Recherche die Propaganda der Unterhaltungsindustrie. Es gibt außerdem keine reichweitenstarken Blogs in Deutschland, die zu Hilfe kommen können und die Strohmann-Argumente entkräften könnten. Beides Umstände, die es ausgesprochen schwer machen, die Regierung daran zu hindern, das deutsche Internet nachhaltig zu beschädigen.

Wäre es nun nicht so, dass wir bereits in Zeiten der Vorratsdatenspeicherung und der Internet-Sperren leben würden, wäre das alles halb so wild. Aber: wir haben keine Zeit mehr für nur schwer gewinnbare Nebenkriegsschauplätze. Wir brauchen eine Partei, die das Internet ernst nimmt. Keine der aktuell im Bundestag vertretenen Parteien überzeugt mich, dass das bei ihr der Fall ist.  Und die neue Partei, welche sich das vorgenommen hat, wählt einen Namen, der sie für immer am gesellschaftlichen Rand festhalten wird.

 

Die Wirtschaft

Mein Kollege Martin Weigert hat sich mit dem Zustand der deutschen Startup-Landschaft hier ausführlich beschäftigt. Fazit: Die deutschen Startups spielen international keine Rolle. Und weil es selbst den Entscheidern von deutschen Internet-Startups schwer fällt, sich daran zu gewöhnen, dass permanente Veränderung und Weiterentwicklung zur Wirtschaft im Internet dazugehört, werden auch die deutschen Platzhirsche - einst uneinholbar - wie studiVZ von ihren internationalen wesentlich agileren und lösungsorientierten Konkurrenten - Facebook - überholt werden. Es ist nicht eine Frage des ob, sondern des wann.

Was die übrigen Wirtschaftszweige angeht. Nun, Dieter Gorny sieht die Lösung seiner Branche im Filtern von P2P-Angeboten , statt im Wandel des eigenen Geschäftsmodells. Die Buchbranche bereitet sich unterdessen darauf vor, haargenau die Vorstellung der Musikbranche zu wiederholen und hat den ersten Akt - Massenklagen - schon einmal angekündigt, bevor es überhaupt zu Filesharing urheberrechtlich geschützter Ebooks im großen Stil gekommen ist.

Das unterscheidet sich nicht sehr von den Reaktionen der Wirtschaftsvertreter in anderen Ländern. In Deutschland wird es nur aggressiver vorgetragen. Wahrscheinlich weil man weiß, dass man hier aufgrund der gesellschaftlichen Konstellation bessere Karten hat als in anderen westlichen Ländern.  

 

Fazit: Das Boot

Diese Gruppen, sie alle sitzen in einem Boot. Und dieses Boot befindet sich auf einem schneller werdenden Fluss, an dessen Ende man in einem zurückgebliebenen Land auf Entwicklungsniveau ankommt. Die allzudeutsche Lösung, auf Probleme mit immer weiterreichenden Regulierungen zu reagieren (Steuersystem, anyone?), ist nicht die Lösung auf den Wandel durch das Internet.

Das wirklich Dramatische an der deutschen Situation: Es gibt nicht einmal eine öffentliche Debatte zu diesem Themenfeld, auf der alle Argumente zumindest angesprochen werden.

Alle scheinen sich einig: Immer vorwärts, dem reißenden Strom hinab.

Das letzte Aufbäumen der alten Strukturen und der alten Massenmedien in Deutschland könnte die Zukunft mit in den Abgrund reißen. Die Potentiale vernichten, bevor die Bevölkerung sie wahrnimmt.

Das klingt drastisch, aber es ist die sich abzeichnende Entwicklung:

Deutschland degeneriert in ein digitales Entwicklungsland.  

 

Zweiter Teil einer dreiteiligen Artikelserie:

» Deutschland degeneriert in ein Entwicklungsland (Teil 1 von 3)

» Im dritten Teil wird es darum gehen, was aktuell passiert, was höchstwahrscheinlich künftig passieren wird, und wie es verhindert werden kann.

(Foto: Will Palmer;CC-Lizenz)

Kommentare

  • Christian Wittmer

    30.04.09 (17:05:33)

    Sehr guter Artikel! Die ganze Serie bis jetzt ist etwas vom Besten, was ich bis jetzt in Deutscher Sprache gelesen habe. Dies entspricht ja ironischerweise auch dem Inhalt des Artikels, dass es halt nur unzureichende Berichterstattung in Deutscher Sprache gibt. Netzwertig ist in dieser Hinsicht ein Lichtblick... weiter so!!!

  • Markus Drubba

    30.04.09 (17:41:08)

    Hallo Marcel, schöner Artikel, aber eine Frage stellt sich mir, in welcher Rolle befindest du dich selbst in dieser ganzen Entwicklung? In der Rolle des Analysten der auch nur zusieht und prophezeit das es bergab geht und die Leute ermahnt das sie was dagegen tun sollen, oder willst du auch in die Rolle des Machers treten und was gegen die Degenerierung tun? Gruß, Markus P.S.: Der Link zu Plurk ist defekt

  • aloa5

    30.04.09 (18:18:31)

    In Schweden wird die Piratenpartei u.U. Sitze im Europaparlament bekommen - 5,1% ist die heute veröffentlichte Prognose. Über 100 Mitglieder in 10 Tagen bei der Deutschen Piratenpartei. Möglich, das dies nichts aussagt. Aber eben auch anderes ist möglich. Es gibt nicht nur totgesagte welche länger leben. Grüße ALOA

  • Daniel Niklaus

    30.04.09 (18:24:12)

    Der Artikel sagt zumindest viel darüber aus, für wie gut du dich hältst und wie dumm doch alle anderen sind.

  • Marcel Weiss

    30.04.09 (19:03:10)

    @Christian Wittmer: Danke! @Markus Drubba: Also hier sehe ich mcih erstmal in der Rolle des Analysten, wenn man das so sagen kann. Ich hoffe ja auch, dass unsere Artikel zumindest bei einigen unseren Lesern etwas bewirken. Insofern ist das Schreiben von aufwändigen Artikeln wie diesem ja bereits "etwas gegen die Degenerierung machen". Ich will aber mehr machen, und auch außerhalb des Blogs aktiv werden. Besonders noch dieses Jahr im Vorfeld der Bundestagswahl. @aloa5: In Schweden findest Du eine andere gesellschaftliche Ausgangslage. Mein Kollege Martin Weigert, der aktuell in Schweden wohn, kann da mehr dazu sagen. Ich sehe für eine "Piratenpartei" in Deutschland keine großen Chancen. Ich weiß, dass es albern ist, aber die Realität in Deutschland sieht nun mal so aus, dass allein so ein Name reicht, um die Erfolgschancen gegen Null sinken zu lassen. Weil Dir die etablierten Medien erst gar nicht die Möglichkeit geben, dich einzubringen, ohne dich zu diskreditieren.

  • Ralph Schäfer

    30.04.09 (19:08:24)

    Stichwort Barcamps, wenn man die in einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machen will, sollte man meiner Meinung nach eine Kooperation mit den Volkshochschulen ins Auge fassen.

  • Patrick Böert

    30.04.09 (19:41:11)

    "Ich kenne nicht einen Professor oder Dozenten einer deutschen Universität, der ein Blog ernsthaft und konsequent für die Beteiligung an öffentlichen Diskursen einsetzt." Insgesamt sehr guter Artikel. Trotzdem hat da jemand nicht lange genug gesucht, z.B. nicht hier. Zugegebenermassen: ein Beispiel von (noch) viel zu wenigen.

  • Marcel Weiss

    30.04.09 (19:50:25)

    @Patrick Böert: Danke für den Hinweis!

  • Volker h. Davids

    30.04.09 (20:19:03)

    Sehr schöne Betrachtung des ganzen Dilemmas. Gestern hab ich erst wieder gehört, das "bloggen schummeln ist, weil man ja auf eine fertige Software zurückgreift und die Seite nicht selbst gemacht hat... !?!?" Ja, schon klar!

  • Franz Patzig

    30.04.09 (20:28:01)

    Was BarCamps betrifft: Leider totaler Schmarrn. a) Idee von BarCamp: BarCamp is an ad-hoc gathering born from the desire for people to share and learn in an open environment. It is an intense event with discussions, demos and interaction from participants who are the main actors of the event. Das findet also nicht statt? Das sehe ich anders. b) Die Teilnehmer, die sich vorher in das Netzwerk des angesprochenen Kölner BarCamp eingetragen haben, sind per Mail über die Öffnung der Anmeldung am folgenden Tag informiert worden. Es gab viele Interessenten und begrenzte Anzahl von Plätzen. Deshalb waren alle Plätze innerhalb von 15 Minuten weg. Twitter hat keine Rolle gespielt. Ich finde es ja schön, wenn man sich mal auskotzen möchte, auch wenn das pointiert ist. Aber Du hast auch ein Sorgfaltspflicht. Die hast Du hier mehrfach verletzt, Marcel. Ich fände eine Korrektur angebracht. (zur Klarstellung: Ich bin ein Organisator des BarCamp in Köln)

  • Dr. Klaus Graf

    30.04.09 (20:38:10)

    Ich bin zwar nur Lehrbeauftragter und kein Professor und betreibe kein A-Blog, sondern Archivalia http://archiv.twoday.net/topics/Open+Access/ nehme aber für mich in Anspruch sehr wohl am öffentlichen Diskurs teilzunehmen. Und seriösere und fundierte Informationen z.B. zu Open Access oder Google Book Search als die meisten Printmedien zu verbreiten.

  • Leander Wattig

    30.04.09 (21:37:20)

    Die Grundrichtung der Argumentation teile ich, auch wenn man über Vieles natürlich diskutieren könnte. Die Zuspitzung hilft aber dabei, das berechtigte Anliegen herauszuarbeiten, auch wenn sie im Einzelfall ungerecht sein mag. Wenn die Beitragsserie am Ende eine Diskussion über die angesprochenen Themen befördert, ist es aber die eine oder andere Ungerechtigkeit wert, denke ich. Man kann es ja auch mal auf die Ebene von Einzelpersonen herunterbrechen. Man sollte doch annehmen, dass sich neue Techniken zumindest dann schnell durchsetzen, wenn der Nutzen klar erkennbar ist. Zurzeit klagen ja viele darüber, dass sie durch die Wirtschaftskrise ihren Job verlieren oder keinen bekommen. Diesbezüglich habe ich mich schon immer gewundert, dass so wenige zu bloggen beginnen. Schließlich kann man sich dadurch doch so leicht und mit noch immer ziemlich schlichten Mitteln einen Namen und somit gehörig Eigenwerbung machen. Und das Wissen über ein Universum an Themen ist doch in den Köpfen vorhanden. Warum wird es so selten hierfür genutzt? Es ist doch doppelt attratkiv, gerade weil der Blog-Wettbewerb hierzulande so schwach ausgeprägt ist im Vergleich zu anderen Ländern wie bspw. Frankreich ...

  • Leander Wattig

    30.04.09 (21:45:51)

    Ich denke, ein Grund für die Zurückhaltung in Sachen Internet könnte neben möglichen Mentalitätsunterschieden auch die sehr hohe Qualität der klassischen Medien in Deutschland sein. Auf diese sind die Akteure natürlich zu Recht stolz und verteidigen sie dementsprechend. Das kann keine Rechtfertigung für das Ignorieren von Chancen oder sogar unbedingt notwendigen Anforderungen der Zeit sein. Es könnte aber manches nachvollziehbarer machen. Andere Meinungen?

  • Wolf

    30.04.09 (22:00:48)

    Okay, das hier ist mein fünfter Versuch eines konstruktiven Kommentars und der wird auch abgeschickt. Ich befürchte, wenn wir uns an Volksparteien, großen Verbänden, denen Leute wie Dieter Gorny vorsitzen und Massenmedien vom Kaliber einer ZEIT abarbeiten, vergeuden wir Zeit und Energie und erreichen absolut nichts. Ich befürchte zudem, dass sich Blogosphäre und Social Media allzusehr im Rausch einer vermeintlichen Relevanz befinden, der gefälligst Rechenschaft zu zollen ist, die sich aber mit nichts unterfüttern lässt. Ich befürchte daher, dass wir uns nicht mit den Von der Leyens, Gornys und Gaschkes auseinandersetzen sollten, denn die hören uns entweder nicht, oder wenn sie es tun, lachen sie. Wir müssen dahin wo's "weh tut", wo es noch unübersichtlicher ist als bei uns. Da wo sich das Leben abspielt. Mitten zwischen die Menschen. Da entsteht Relevanz. Ein paar Beispiele / Ideen: Gründet hyperlokale Social Netzwerke bei Ning & Co, ladet Eure Nachbarn ein (ganz profan bspw. indem man einen Zettel im Hausflur aufhängt), vermittelt darin Nachbarschaftshilfe, Babysitting, einfache Betreuungsdienste, Einkaufsdienste, Carsharing, Spieleabende, Strassenfeste. Gebt den Leuten, die keine Zeit haben, ständig vor ihrem Twitter-Stram zu sitzen, etwas, womit sie etwas anfangen können. Überhaupt: Ehrenamt und Freiwilligendienste. Wo sind denn da die großen Ideen abseits der vielen kleinen Portale? Gibts da auch Facebook-Apps oder Sachen, die an Twitter andocken? Ist die "Branche" nicht fancy genug? Oder sind nur Start Ups gefragt, wo man sich möglichst nicht von der Tastatur wegbewegen muss? Den Artikel "Cdu an Filter-Kritiker" kommentierte jemand mit "ich wäre dafür eine Anzeige in einer grossen Zeitung zu schalten, um einem grossen Leserschaft über die Machenschaften unserer Politiker zu informieren." Unsinn! Schreibt Leserbriefe an Eure Lokalzeitungen - bietet sogar Artikel an, keine Ahnung, ob die genommen werden. Wir müssen keine Anzeige kaufen, wir hätten das Potential, nahezu flächendeckend in die Lokalausgaben zu kommen - dürfen uns nur nicht zu schade sein dafür. Es muss nur jemand ein Wiki einrichten und darin werkeln wir an einem Musterbrief. Geht an die Politik ran: Sprecht mit Euren Abgeordneten. Und zwar von Angesicht zu Angesicht in deren Sprechstunden, oder ladet sie in Eure Blogs ein wie vor ein paar Wochen Peter Müller bei Spreeblick (muss ja kein Ministerpräsident sein). Bietet Öffentlichkeit an. Gerade im anstehenden Wahlkampf freuen sich die Kandidaten da drüber. Vielleicht kann man sich dort sogar als neutraler Ansprechpartner in Netzfragen anbieten, vielleicht auch nicht, egal. Jedenfalls verweist auf die gemeinschaftsfördernde Wirkung von Social Media (z.B. anhand von obigem Punkt). Noch lieber wäre es mir ja, man würde in die (etablierten) Parteien gehen, aber da bin ich wohl befangen. Jedenfalls: Lasst uns in der Politik ein Bewusstsein dafür schaffen, welchen Sinn und Nutzen das Netz stiften kann. Im Sommer werden die Parteien Straßenwahlkampf führen. Wenn Euch einer eine Broschüre anbietet, nehmt sie dankend an und gebt ihm ihrerseits etwas zurück, nämlich Euer Flugblatt/Eure Broschüre mit Argumenten oder mit einer klaren Aussage: "Ich wähle nur eine Partei, die...". Auch da könnte man das kreative Potential der Blogosphäre sinnvoll anzapfen. Ich bin keineswegs ein leuchtendes Beispiel für all das. Aber ich glaube, es wird mindestens Zeit, diese andere Perspektive auch mal zusätzlich, ergänzend einzunehmen, wenn nicht sogar für einen grundlegenden Perspektivwechsel.

  • JK

    30.04.09 (22:02:48)

    Ein selbsternannte Netz-Elite schwingt sich zu Oberlehrern auf. Ich denke nicht, dass man mit netzwertigem Hau-Drauf-Geblöke einen ernsthaften Diskurs anstoßen kann, der auch außerhalb der eigenen Klientel wahr- und ernst genommen wird.

  • Leander Wattig

    30.04.09 (22:21:27)

    @Wolf Die Vorschläge finde ich gut. Wer gehört werden will, sollte eine entsprechend große "Hausmacht" aufbauen, die die Politiker ernst nehmen müssen.

  • Benjamin Claverie

    01.05.09 (00:06:55)

    Sehr guter Artikel war echt interessant. Aber, irgendwie verlässt mich das gefühl nicht, das dies auch nur eine Übung war in das was Du selber anprangerst, es fehlten mir sicher Lösungsansätze. Richtig schade fande ich das bei der Piratenpartei... Schau dir an wie weit es die "Unterhosenlose" es gebracht haben. Gerade wenn man aus dem Tellerrand hinnaus schaut ist diese Bewegung eine Europäische (wenn nicht sogar größere), Warum uns virtuel vom Erfolgserlebnis der anderen trennen nur um einen auch vom Michel von vornerein akzeptierten Namen zu haben? Meiner Meinung nach illustriest du hier haargenau was du im Rest des Beitrages angreifst: Die deutsche Phobie vor dem Neuen. :P P.S. Ich schreibe hier wieder nachdem ich 5 mal vom mobilen Telephon aus gescheitert bin (irgendwie ist noch ein bug in der mobilen version?)

  • Lore Reß

    01.05.09 (09:12:07)

    Ja, der Kritik stimme ich zu - Kritik darf auch mal überziehen (z. B. Barcamps). Aber ich sehe auch eines, wir (die Internetaktiven) weinen in verschiedenen Grüppchen und kommen nicht raus. @Wolf: Super - ich habe nur die Befürchtung, dass die beschriebenen Aktionen nicht die bevorzugten Aktionen internetaffiner Menschen sind :-). Bei mir hat das "Gesetz zur Bekämpfung der Kinderpornografie ..." die Grenze durchbrochen. Ich werde aktiv. Aber es ist schwer im direkten Gespräch auch Personen zugehen, Handzettel verteilen etc. (seit 40 Jahren nicht mehr gemacht :-)). Aber es muss sein. Aber auch internetaffine Menschen kennen die Auswirkungen der aktuellen Gesetzgebung nicht. Tragt einfach die Diskussion in alle Foren, wie Frauenzeitschriften, Hundehalter etc.

  • angetippt

    01.05.09 (11:07:26)

    Ein sehr schöner Artilel und vor allem ein sehr wahrer Artikel. Dieses finde ich, da ich gerne blogge. Nur das Beschriebene, die Möglichkeiten des Netzes, die Widerstände der Politik, der Medien und Rechteinhaber, die Versuche ein freies Netz zu zerstören, kann diesem mit einem solchen Artikel entgegengetreten werden. Wer wird ihn lesen? Wir Blogger werden ihn sicher lesen, für richtig befinden. Doch da gerade die mangelnde Reichweite derBlogs, die mangelnde Öffentlichkeit, die "Gegenmacht" von dir benannt wird. Was ist mit den anderen Menschen? Mit der breiten Masse, der Mehrheit der Bevölkerung? Den Menschen, die die Wahlen entscheiden, entscheiden welche Parteiern regieren, was ist mit denen? Um etwas zu ändern müssten doch gerade sie erreicht werden. Kann man sie durch solch einen Artikel erreichen? Die Menschen die garnicht ins Internet gehen, sicher nicht. Sie sind nur direkt erreichbar, haben für unsere Belange wohl auch nur wenig Verständnis. Aber was ist mit denen, die ins Netz gehen, nicht wissen was bloggen überhaupt ist. Mit denen, die auf Ebay gehen, Fussballergebnisse sich anschauen, vielleicht eine Musikdatei downloaden, Wetterberichte sich anzeigen lassen. Sie sind die Mehrheit, jedenfalls wesentlich mehr, als wir Blogger es sind. Werden sie durch diesen Artikel erreicht, dadurch zum Nachdenken gebracht. Stossen sie durch irgendeine Google Suchanfrage auf diesen Artikel, lesen ihn sich dann auch durch? Ich glaube nicht unbedingt. Denn viele Begriffe wie Piratenpartei, Blogger, CCH werden für sie nichtssagend sein. Selbst Twitter werden viele davon nicht zuordnen können. Wie sollen sie dann für unsere Ziele, diese grösste technische Revolution auf einen guten Weg führen zu wollen und nicht von der Politik und den mächtigen zerstören zu lassen, gewonnen werden? Dieses wäre aus meiner Sicht eine sehr wichtige Frage über die sich nachzudenken lohnt. Eine Antwort darauf weiss ich allerdings auch nicht. Es würde aber mit Sicherheit ein grösserer Aufschrei durchs Land gehen, wenn die Zeitung mit den grossen Buchstaben aus dem Netz verschwinden würde, durch Zensursperrmassnahmen, als es der Fall sein würde, wenn alle Blogs wegzensiert werden würden. Dann würden nur wir alleine schreien. Ob diese Menschen, die von der Menge her schon Einfluss haben, durch höhere Qualität oder mehr Diskurse über die Technik zu Lesern gemacht werden können bezweifel ich auch. Und solange dieses nicht erreicht wird, wissen sie nichts von Blogs, interessieren sich naturgemäss für deren Freiheit im Netz auch nicht. Da sie da nichts selbst von haben. Wenn du die Blogger als Avantgarde bezeichnest, dann hilft es der Avantgarde nichts, wenn sie irgendwann wegzensiert wird, edel als Avantgarde untergeht. Um zu überleben, um Reichweite zu erreichen, müssen wir auch über Google und Co Suchbegriffe von Normalusern und Nichtbloggern gefunden werden, mit Einträgen, die nicht nur qualitativ hochwertig sind, sondern von diesen auch verstanden und gelesen werden wollen.. Jedenfalls hin und wieder, damit das Interesse geweckt wird und sie dann auch mal die anderen Texte lesen. Denn sonst drehen wir uns nur im Kreis, schmoren in unserem eigenen Saft und verkehren nur in unserem Zirkel. Da helfen dann auch keine Backlinks, Pagerankings, RSS Feeds, Followers und diese ganzen anderen technischen Beschreibungen, denn es sind Worte die die Mehrheit der Normaluser wohl garnicht kennt. Zensur aber, dieses Wort kennt jeder. Liebe Grüsse

  • Schorsch

    01.05.09 (12:19:35)

    - ziemlich einseitige Sichtweise - vollkommen übertrieben - schlecht recherchiert - polemisch ohne Ende - stark verallgemeindernd Auch wenn Teilaspekte richtig sind, aber nach journalistischen Kriterien ne ziemliche Vollbremsung. PS: Bin kein journalist oder sonstiges Mitglied einer der oben genannten kritisierten Gruppen, sondern genau wir wir/ihr alle Heavyuser + Blogger

  • Oliver

    01.05.09 (12:29:15)

    sehr gut geschrieben und ich stimme in fast allen punkten zu. als ich zuerst auf die url kam und den scroll balken sah, habe ich ein wenig die Motivation verloren, so lange textblöcke zu lesen. aber es hat sich gelohnt :) kleine sache: magst du vielleicht noch etwas mehr mit zwischenüberschriften arbeiten? das macht den konsum sowie das evaluierende überfliegen (lese ich das jetzt alles?) einfacher ... Nur eine Idee ;) Weiter so!

  • gleichwertig

    01.05.09 (12:54:22)

    Grundsätzlich sehr gute Artikelserie - dafür zuerst einmal ein Lob! Praktisch scheitern alle Versuche, eine Änderung in der Wahrnehmung des Internets und seiner Bedeutung in Deutschland herbeizuführen an 2 wesentlichen Punkten. Erstens, es fehlt grundsätzlich das Bildungspotential in Deutschland um sich mit Medien und neuen Technologien auseinander zu setzen und sich an Diskussionen dazu eigenverantwortlich zu beteiligen. Da Bildung und Wissen eher nicht zur Hauptinteressenlage in Deutschland gehören, Bildung und Wissen im Grundsatz als entbehrlich und nicht für das finanzielle Auskommen als wichtig betrachtet werden, wird sich an der geistigen Haltung zur Bildung in Deutschland auch in Zukunft nichts ändern. Diese Grundsatzeinstellung zur Bildung verhindert in Deutschland den Blick über den Tellerrand. Die deutsche Gesellschaft ist es zum grossen Teil nicht gewohnt, anderen Ländern über die Schultern zu blicken, von anderen Gesellschaften und Ländern zu lernen und von Erfahrungen und dem Wissen anderer zu profitieren. Die deutsche Gesellschaft strebt grundsätzlich „eine deutsche“ Lösung zu sämtlichen Problemstellungen an, auch wenn Lösungsansätze zu gleichen Problemstellungen in anderen Ländern bereits Jahre früher verworfen oder bereits verfeinert worden sind. Die fehlende Bildung, eine mangelnde Fähigkeit von anderen zu lernen und die Einstellung, dass Bildung einem persönlichen „weiterkommen“ eher nicht förderlich ist beschränken den geistigen Aktionsradius und führen zur massenhaften Mittelmässigkeit, die zum Schluss als „Normalität“ wahrgenommen wird. Das heisst nicht, dass die deutsche Gesellschaft grundsätzlich bildungsfrei ist, es gibt natürlich leuchtende Ausnahmen - was aber zählt ist die Masse und diese entscheidet sich leider ohne eigene Meinung eher für einfache, triviale und billige Lösungen. Und diese Masse bestimmt die politische und mediale Mehrheit in Deutschland, das Ergebnis ist für alle sichtbar. Zweitens, da es der entscheidenden Masse in Deutschland zunächst an Bildung, daraus folgend am Interesse und letzten Endes auch an den Informationen zu den Möglichkeiten des Internets fehlt wird die angestoßene Diskussion, „dass Deutschland zu einem Entwicklungsland degeneriert“ auch leider nicht auf fruchtbaren Boden fallen. Die Mehrheit der entscheidenden Masse sieht die Möglichkeiten und die Dimensionen des Mediums gar nicht und kann infolge dessen auch keine Nachteile oder Einschränkungen durch Netzfilter, P2P Verbotsdiskussionen usw. feststellen. Die Priorität der deutschen Gesellschaft liegt nicht darin begründet, sich die Möglichkeiten eines Mediums oder einer Technologie zu Nutze zu machen - denn die deutsche Gesellschaft ist durch ihre eingeschränkte Bildung nicht in der Lage, die Vorteile und die zukünftigen Umwälzungen dessen wahrzunehmen. Wie gesehen endet eine Diskussion um etwas „neues“ in Deutschland in Regelungen, Gesetzen und einer Diskussion die an den Möglichkeiten des „neuen“ ganz und gar vorbeigehen (siehe Mikrowellen und Mobiltelefone, Computerspiele und Gewalt, Terrorgefahr und Datenspeicherung usw.) Es scheint damit leider so, dass diese sehr wichtige und hier „nun endlich“ angestoßene Diskussion um die Zukunft des Internets in Deutschland nur wenige interessierte wahrnehmen und die breite Masse der deutschen Öffentlichkeit das Internet weiterhin als Hort von Verbrechern, Pornografen und Terroristen sieht. Das lässt jetzt eigentlich nur die Schlussfolgerung zu, man nutzt das Medium Internet weiter und wechselt die Gesellschaft, oder man freundet sich damit an, dass das Internet in Deutschland zukünftig vor dem reglementierten Untergang steht und durch Mittelmass von allen Seiten zu Bedeutungslosigkeit verkommt - ohne dass die deutsche Gesellschaft es merkt.

  • Wolf Witte

    01.05.09 (16:17:29)

    @Lore Reß: "ich habe nur die Befürchtung, dass die beschriebenen Aktionen nicht die bevorzugten Aktionen internetaffiner Menschen sind :-)" Das wäre dann aber ein Armutszeugnis. Dann können wir uns ja zurücklehnen, hin und wieder ein paar akademische Dehnübungen über die Zukunft der Musikindustrie schreiben und brauchen uns nicht zu beschweren, wenn man mit uns macht, was man will, weil wir nicht nur nichts dagegen tun, sondern sogar überhaupt nichts tun, was einen gesellschaftlichen Mehrwert darstellt - vielleicht überspitzt formuliert. @gleichwertig: "Praktisch scheitern alle Versuche, eine Änderung in der Wahrnehmung des Internets und seiner Bedeutung in Deutschland herbeizuführen an 2 wesentlichen Punkten." Wann hat's die denn gegeben, diese Versuche? "Die Priorität der deutschen Gesellschaft liegt nicht darin begründet, sich die Möglichkeiten eines Mediums oder einer Technologie zu Nutze zu machen - denn die deutsche Gesellschaft ist durch ihre eingeschränkte Bildung nicht in der Lage, die Vorteile und die zukünftigen Umwälzungen dessen wahrzunehmen." Das ist das überheblichste und (ich sags nicht), was ich seit Stunden gelesen habe. Könnte ja jetzt haarspalterisch werden und fragen, ob es auch uneingeschränkte Bildung gibt, aber egal. Wer oder was ist denn diese Gesellschaft, auf die Du mit dem Finger zu zeigen scheinst? Du nicht? (okay, vielleicht schreibst Du aus dem Ausland). Aber es kommt doch einer Bankrotterklärung gleich, wenn man implizit audrückt: Die Leute sind einfach zu dämlich, also müssen wir gar nicht erst anfangen uns Mühe zu geben.

  • Wolf Witte

    01.05.09 (16:24:31)

    (Uff, mal ist FB Connect an, mal aus. Sorry, werde in Zukunft besser drauf achten)

  • gleichwertig

    01.05.09 (16:40:56)

    @Wolf Witte: Der letzte Satz Deines Postings bringt es auf den Punkt.

  • Lore Reß

    01.05.09 (17:55:04)

    So viel zur Internetkultur in DE: http://www.heise.de/newsticker/StudiVZ-loescht-Profil-der-Piratenpartei--/meldung/137125

  • Martin Weigert

    01.05.09 (18:12:48)

    Die zahlreichen Probleme und losen Ende der derzeitigen Entwicklung zusammenzufassen und sinnvoll (sowie stimmig) zu verknüpfen, ist keine kleine Herausforderung. Meiner Meinung nach hat Marcel dies hervorragend gemeistert, in fast allen genannten Punkten bin ich voll auf seiner Linie. Nach drei Jahren in Schweden verstehe ich bestimmte Vorgänge in Deutschland aufgrund der gewonnene Distanz besser als zuvor und sehe teilweise gravierende Unterschiede in der Herangehensweise und Einstellung gegenüber neuen Technologien. Kazaa, Stardoll, Skype oder nun Spotify - schwedische Services mit globaler Bekanntheit und teilweise disruptivem Charakter, sprechen für sich. Ich werde dieses Thema ggf. in einem Blogbeitrag noch einmal genauer beleuchten. @ gleichwertig Der folgenden Behauptung stimme ich absolut nicht zu: Da Bildung und Wissen eher nicht zur Hauptinteressenlage in Deutschland gehören Meine Ansicht nach ist genau das Gegenteil der Fall. Bildung und Wissen reicht in Deutschland in gewissen Kreisen aus, um sich zu einer Elite zu zählen (und auch als solche wahrgenommen zu werden). Finanziell motivierte, unternehmerische Aktivitäten sind dagegen weniger angesehen als anderswo. Deutschlands gestaltende (Bildungs)elite ist stolz auf unsere Dichter und Denker, weiß alles über diese und grenzt sich so von der weniger gebildeten Masse ab. Und diese (Bildungs)elite sieht im Internet eine große Gefahr. Plözlich verliert das eigene, in eine langen Schul- und Universitätskarriere angeeignete "klassische Wissen" an Bedeutung. Einerseits kann jeder dies in Sekundenschnelle online nachschlagen, andererseits selbst im Internet publizieren - was vorher nur der Bildungselite und denen, die von ihr akzeptiert wurden, vorbehalten war. Kurzum: In einer Gesellschaft, in der Unternehmertum gesellschaftlich mindestens genauso hoch angesehen ist wie Bildung und intellektueller Erfolg, werden vorrangig die Chancen des Internets gesehen (USA, Schweden). In einer Gesellschaft, in der klassische Bildung das Maß aller Dinge ist und einem Ansehen und Einfluss garantiert, werden vorrangig die negativen Aspekte des Webs hervorgehoben. Wie in Deutschland. Das ist wohl das schwere Erbe, mit dem sich das ehemalige Land der Dichter und Denker heute auseinandersetzen muss.

  • wolfgang

    01.05.09 (19:24:12)

    Guter Kommentar Martin. Das trifft teilweise wirklich so zu. Erschreckend war dieses Interview. Ich mag ihre Musik zwar nicht, aber die Wells sind hier in Bayern schon eine linke Institution. Und dann kommt so ein Scheiß: "Unsere Kinder haben auch gemerkt, dass das, was man da über die Welt erfährt, recht fragwürdig ist. Zum Beispiel der viele Mist, der auf Wikipedia steht: Bei uns können sie das mit der Encyclopedia Britannica vergleichen - und sie sehen, was ein gutes Lexikon leistet. Kann sein, dass das Internet besser wird, aber momentan hilft es den Kindern bei der Erschließung der Welt recht wenig."

  • mikel

    02.05.09 (12:28:31)

    Das Internet wird hier besprochen. Was ist das Internet? Politik? Medien? Bloggen? Alternative für was? Ersatz? Das Internet als Publikatiopns-Medium zu begreifen ist eine Verkürzung. Es ist ein Rechnerverbund, mehr nicht. Es wird dort gedealt, getechtelmechtelt, gepornot, verkauft, gekauft, raubkopiert, geskypt, ge-icq-t, gemailt und ja gebloggt. Und der Anteil für das Bloggen ist auch in USA-Frankreich-GB gegenüber den anderen Aktivitäten sehr, sehr klein. Für mein Spezial-Gebiet ist das Netz ein wahres Refugium: In fast ALLEN Sprachen. Es gibt nicht zählbare Lyrik in allen Variationen und Qualitätsstufen. Auch und gerade in teutscher Sprache. Siehe leselupe.de. Nur als Beispiel. Die Blogszene ist in Frankreich, USA, GB größer? (Übrigens auch in Italien und China, Japan nicht vergessen). Ja! Aber warum? Weil es dort auch ohne Netz eine lange Diskurs-Kultur gibt, hier nicht (man denke an Gestapo und Stasi!!!) weil (kreatives)Schreiben an den Schulen gelehrt wird, weil mitsprechen, mitreden, mitschreiben normal ist und nicht Genies vorbehalten war. Im übrigen gibt es in dot.de Blogszenen (Stricken, Tiere, Genuss, Kunst) die sehr weitreichend sind. Ich (57) halte dot.de nicht für ein Internet-Entwicklungsland. Das ist eine verkürzte Sicht. Meines Erachtens. Eine Sicht, die sich zu sehr an Massenmedien orientiert, damit vergleicht. Warum? Übrigens: Für meine Generation (ich bin atypisch) scheint wkw (nicht umsonst gehört das RTL) DIE Killerapplikation für das Internet zu werden, damit übt man, da schreibt man, da ist die Marie, der Schorsch und man lädt Bilder hoch und übt sich an der Tastatur. Man sollte es sich ansehen. Auch die lokalen Foren. So ist das Volk. Wie gesagt: Alles eine Frage der Wahrnehmung, der Beobachtung, der Projektion eigener Wünsche. Deutschland war schon immer etwas anders. So what? (ja, ja, das ist englisch). Und dieser Artikel ist so sehr deutsch. Am liebsten gehen wir beinahe unter. Mal ist es das Abendland, mal die Kultur, die daniederliegt, hier einmal das Internet. So scheint es. ;-)

  • gleichwertig

    02.05.09 (12:35:23)

    @Martin Weigert Ihre letzten beiden Absätze erklären perfekt die Problemstellung zum Thema Bildung in Deutschland. Vielen Dank!

  • Markus

    02.05.09 (13:30:11)

    Da wird doch schon wieder alles schlecht geredet, was garnicht so schlimm ist. In der IT-Branche ist Deutschland nicht schlechter oder besser als das Ausland - nur eben anders.

  • Leander Wattig

    02.05.09 (13:30:55)

    Interessanter Beitrag bei mrtopf.de: ► “Facebook ist wie ein kleiner Parteitag”, PolitCamp 09: Twitter-Session Don: “Beispiel Netzsperren: Mehr ein Thema auf Twitter und co, aber nicht in den Massenmedien. Sehen Sie dort einen Druck auf Politiker, sich damit zu beschäftigen?” Beck: Da muss sich die Twitter-Gemeinde auch fragen, ob die gemeinde nicht zu selbstbezogen ist. Es gibt da viel Kompetenz, vor allem technisch. Übertragung auf das echte Leben: Da ist eine Strasse an deren Ende ein KiPo-Händler sitzt und man sperrt die Strasse anstatt den Händler hops zu nehmen oder dessen Bilder zu beschlagnahmen. Aber was dort an Kompetenz ist, erreicht die Poltiker gar nicht, da es nicht in der Zeitung steht. Die klassischen Medien haben den Knochen gefressen, den Frau von der Leyen hingeworfen hat. Muss man sich da nicht drum kümmern, dass man mehr Massenmedien erreicht. Das ist leider nicht passiert. Wurde das in der SPD intern diskutiert? Groote: Wie Volker Beck muss man mit Bildern arbeiten, denn wenn es zu technisch wird, dann machen viele auch schnell in der Diskussion zu. Simon: Man muss vielleicht klassische Lobbyarbeit machen, man muss sich die Mechanismen der Massenmedien anschauen und nutzen.

  • Oliver Springer

    02.05.09 (13:44:56)

    Lobby-Arbeit halte ich für vielversprechender als eine öffentliche Debatte. Für den durchschnittlichen Internetnutzer wäre das kein Thema. Wenn man "etwas unternehmen" möchte, ist es wichtig, die Sache ganz einfach zu halten. Aus einer vorausgehenden Diskussion wie hier sollte am Ende ein kleiner gemeinsamer Nenner gewonnen werden, der auf eine halbe Seite passt und den auch diejenigen nachvollziehen können, die immer noch den Namen ihres Haustieres als Passwort verwenden und nicht wissen, wie man eine Datei an eine E-Mail anhängt.

  • Martin Weigert

    02.05.09 (14:54:06)

    Eigentlich reicht ein Satz: Weniger in die Vergangenheit schauen und über das diskutieren, was war, und mehr nach vorne schauen und auf das, was werden könnte.

  • Leander Wattig

    02.05.09 (15:02:33)

    Während bei uns Bücher wie Karrierefalle Internet gefragt sind, heißt es andernorts eher "Karrierechance Internet" ...

  • Matias Roskos

    02.05.09 (15:46:39)

    Kompliment, Marcel, für die gekonnte und spitze Kritik. Manchmal muss man derartig überspitzt argumentieren. Und ich kann dir (leider) zu 90% zustimmen. Aber aller Kritik, Nörgelei und Schwarz-Malerei - ich meine nicht nur dich! - dürfen wir nicht vergessen nach vorn zu schauen. Was wir brauchen, sind Visionen, Ideen und Mut. So wie ich dich kenne, sind wir uns da einig. PS: Aus der Mobile-Ansicht funktioniert das Kommentieren nicht via iPhone.

  • Robin Meyer-Lucht

    02.05.09 (17:05:07)

    Lieber Marcel, ich finde den Ansatz dieser Serie genau richtig. Mein 10 Thesen-Text war davon auch maßgeblich beeinflusst. Ich denke, Carta zeigt ganz gut, wie unterschiedlich die Bewertungen ausfallen - je nach Hintergrund der Autoren. Danke auch für das halbe Lob und die Unterstützung in Sachen Steinmeier-Auftakt. Hier noch ein Hinweis auf einen weiteren wenig strukturkonservativen Carta-Text: http://carta.info/8793/1-mai-urheberrecht-renner-musikindustrie/ Wenn Du magst, könnten wir im Juni oder Juli mal eine Veranstaltung zu dem Thema dieser Serie in Berlin machen. Gruss, Robin

  • Katlos

    02.05.09 (18:41:27)

    Die FAZ schlägt zurück: "Die Netzanbeter". http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~EF43047F1D4E7491C9E7DEE82DCB199A1~ATpl~Ecommon~Scontent.html

  • Thomas Ropel

    03.05.09 (05:15:49)

    Super Artikel, finde ich klasse! Teilweise vielleicht etwas zu vernichtend, so dass es fast in Richtung Polemik geht. Bspw. ist es für Deutsche Blogger nicht zwingend eine Armutsbescheinigung, wenn Themen aus der Vergangenheit aufgegriffen werden, die bereits in den USA diskutiert wurden. Mit der Zeit offenbarren sich immer wieder neue Perspektiven, sei es die "Gratiskultur", Micropayments oder das Web 2.0. Die Bereiche sind zu flexibel, als das man sie einfach ad acta legen könnte. Tatsächlich hat sich D jedoch noch nicht mit Ruhm bekleckert, wenn es darum geht die demokratische Reichweite des Netzes zu nutzen. Das Erkennen der Möglichkeiten und das Interesse ist wirklich grausig. Und zweifellos sind die Medien da maßgeblich mitbeteiligt. Was die aktuellen Debatten angeht, so glaube ich nicht, dass es in Richtung digitales Entwicklungsland geht. Ich glaube vielmehr, es wird im kommenden Jahrzent mehr Dinosaurier geben, als man dachte. Und wenn ihre Zeit nun kommen wird, die sie so sehenlichst selber herauf beschwören, sollte man sie dann auch sterben lassen. Eine neue Epoche lässt sich nicht aufhalten. Liegt nicht in ihrer Natur.

  • Tapio Liller

    03.05.09 (12:21:04)

    Marcel, deine Reihe ist ein wichtiger Diskussionsanstoß und gleichermaßen pointiert wie kundig geschrieben. (Eine größere Detailtiefe würde der Lesbarkeit schaden.) Wäre es nicht mal interessant und im Sinne der Debatte, Leute wie Sandra Kegel von der FAZ und Susanne Gaschke von der ZEIT, aktiv mit einzubeziehen? Nachdem Frau Gaschke jetzt sogar in der FAS beleidigt polemisieren darf (dazu mein Post http://www.opensourcepr.de/2009/05/03/gaschke/) wäre es doch an der Zeit, sie mal persönlich und unmittelbar zu befragen. Insofern finde ich Robin's Vorschlag für eine Veranstaltung sehr spannend. Für ihr Gelingen wäre der richtige Mix an Diskutanten jedoch sehr wichtig.

  • tomtom

    03.05.09 (16:23:47)

    Typisches Gegreine von jemandem, der sich selbst zu wichtig nimmt. Was macht eigentich netzwertig, ich miene jetzt, außer Werbung für Facebook zu machen?

  • G.G.

    03.05.09 (16:54:45)

    Ich denke auch, dass Deutschland zunehmend degeneriert. Ich denke, die Menschengruppen, die dafür verantworltich sind, können wir sehr gut feststellen. Eine Lösung werden wir nur finden, wenn wir Deutschen zusammen gemeinsam stehen.

  • Peter Sachs

    03.05.09 (17:13:33)

    In einem Punkt hat der Mensch recht, ameriknaische Blogs sind wesentlich beser als Deutsche, wie unter anderem dieses Blog und vor allem dieser Beitrag zeigen. Liebe Netzwertige, wer Wert auf Datenschutz legt, sollte nicht Google Analytics einsetzen, wie es Netzwertig tut. Peinlich, peinlich, wer es nicht glauben möchte, sollte einen Blick in den Quälcode dieser Seite werfen. Ja, meine Freunde, eure und meine Daten gehen von Netwertig straigtht zu Google! Viel Spaß noch

  • jan krone

    03.05.09 (19:18:43)

    Lieber Marcel, ich empfinde die Klassifizierung meines Beitrages auf carta.info als "reaktionär" als polemisch, verkürzt und piefig lokal vor dem Hintergrund des Internet. Du liegst mit Deinen Sätzen weit unter dem von Dir so laut beklagten Niveau. Vermutlich unbewusst. Mit dem Satz des reaktionären Umgangs outest Du Dich selbst als sogenannter "Halblesender" und/oder "Halbwissender", vielleicht gar als "Nicht-Lesen-Wollender", der romantisch in seiner virtuellen Welt herumträumt und nicht aus seinen süßen Phantasien geweckt werden möchte, sorry. Gerne bereit für eine Diskussion - hier oder an einem anderen Ort, offline oder online. Jan P.S.: Und wenn ich in den Kommentaren etwas von Bewunderung der mangelnden Detailtiefe (sic!) zu Gunsten der Lesbarkeit sehe, kommt mir einfach nur das kalte Kotzen.

  • Martin Weigert

    03.05.09 (19:43:50)

    Jan, du bist dir sicher über die Komplexität des Themas bewusst. Dies also in einem Blogformat schriftlich zusammenzufassen, ohne die Detailtiefe zu begrenzen, ist unmöglich. Klar, man könnte vielleicht ein Papierbuch darüber schreiben, um den intellektuellen Ansprüchen der Kritiker gerecht zu werden. Aber das wäre auch nicht das Gelbe vom Ei...

  • Marcel Weiss

    03.05.09 (22:42:02)

    @Franz Patzig: Meine Kritik richtete sich nicht an die Veranstalter der Barcamps, die ja aufgrund der Offenheit gar keinen oder kaum Einfluss auf die Teilnehmer haben. Es ging mir um die Teilnehmer, die so viele Barcamps wie möglich, aus welchen Gründen auch immer, mitnehmen. Die Barcampbegeisterung hat in Deutschland schon eigenartiges VErhalten hervorgebracht, oder findest Du das nicht? Was Euer Barcamp angeht: Das war nur gerade ein aktuelles Beispiel. Ich habe damit nicht Euch direkt als Veranstalter gemeint. Trotz Emailbenachrichtigung sind 15 Minuten nach Bekanntgabe imho einfach eine so kurze Zeit, dass da vor allem die zum Zug gekommen sind, die immer am Infotropf hängen. Es gab letztes oder vorletztes Jahr auch Barcamps, die das gleiche nur über die Bekanntgabe via Twitter erreicht haben. Das ist dann schon eher eine eigenartige Vorgehensweise, finde ich zumindest. (Das ist nur meine Meinung, und Barcamps kann jeder organisieren, wie er will. Ich habe nur auf die Nachteile durch die deutschen Eigenheiten hinweisen wollen.)

  • Marcel Weiss

    03.05.09 (23:17:39)

    @ Dr. Klaus Graf: Stimmt, danke für den Hinweis. :) @Leander Wattig: "Ich denke, ein Grund für die Zurückhaltung in Sachen Internet könnte neben möglichen Mentalitätsunterschieden auch die sehr hohe Qualität der klassischen Medien in Deutschland sein." Was die Qualität der Medien angeht, dachte ich das auch immer früher. Ich bin mir mittlerweile aber nicht mehr sicher, ob man sich die in Dtl. nicht mittlerweile einredet. Die dt. Presse ist noch gut, aber nicht mehr so gut, dass man da stolz drauf verweisen kann (siehe etwa das Versagen bei der Vorratsdatenspeicherung). Gerade was in Sachen Internet die letzten Jahre geschrieben wurde, hat mich sehr ernüchtert (und damit meine ich die permanent von Halbwissen und Opportunismus genährte Meinungsmache und noch nicht mal die faktischen Fehler in den neutraleren Artikeln, die man _immer_ beim Thema Internet dazu bekommt.) @wolf: Sehr guter Kommentar! Danke! Ich werde davon einiges vielleicht in Teil 3 mit verarbeiten. @Benjamin Claverie: "Sehr guter Artikel war echt interessant. Aber, irgendwie verlässt mich das gefühl nicht, das dies auch nur eine Übung war in das was Du selber anprangerst, es fehlten mir sicher Lösungsansätze." Danke für das Kompliment. Was die Lösungsansätze angeht, daran werde ich mich in Teil 3 versuchen. @Oliver: "kleine sache: magst du vielleicht noch etwas mehr mit zwischenüberschriften arbeiten? das macht den konsum sowie das evaluierende überfliegen (lese ich das jetzt alles?) einfacher … " Ich arbeite ja bereits mit Zwischenüberschriften. Die werden im aktuellen Design allerdings nicht fett dargestellt. Was es im Blog selbst schwerer macht, lange Texte zu lesen als im Feed. Wir haben uns bereits vorgenommen, das bei der nächsten kleinen Designanpassung zu ändern. @Oliver Springer: Lobby-Arbeit halte ich auch für notwendig. Da passiert noch zu wenig. Traurig, dass das notwendig ist, aber so sieht die Realität leider aus. @Robin Meyer-Lucht: "Wenn Du magst, könnten wir im Juni oder Juli mal eine Veranstaltung zu dem Thema dieser Serie in Berlin machen. " Gern. :) Ich habe Deine Mail beantwortet. @Katlos: Ja, der Text ist reichlich absurd. @Thomas Ropel: "Bspw. ist es für Deutsche Blogger nicht zwingend eine Armutsbescheinigung, wenn Themen aus der Vergangenheit aufgegriffen werden, die bereits in den USA diskutiert wurden." In Dtl. werden die gleichen Argumente wiederholt, ohne Bezug auf die frei verfügbaren Informationen aus den USA zu nehmen. Angesichts der Tatsache, dass die USA bei der intellektuellen Auseinandersetzung der Internet-Dynamiken unangefochten an der Spitze steht, finde ich das eigenartig. @jan krone: "Und wenn ich in den Kommentaren etwas von Bewunderung der mangelnden Detailtiefe (sic!) zu Gunsten der Lesbarkeit sehe, kommt mir einfach nur das kalte Kotzen." Das bezog sich wohl eher auf die Länge des Artikels, der für einen Blogpost bereits recht lang ist und noch länger eher unlesbar geworden wäre. Mangelnde Detailtiefe kann man den Artikeln auf netzwertig.com nicht vorwerfen, finde ich. Maximal ausschweifende Länge. :)

  • Franz Patzig

    03.05.09 (23:33:24)

    Nochmal: Ich finde, Du hast Dich nicht gut genug informiert und deshalb hat mich die Passage über BarCamps geärgert. 1.) Dem Problem, dass nur diejenigen zum Zuge kommen die am Infotropf hängen, wie Du es bezeichnest, wird auf verschiedene Weise begegnet. Meistens, werden mindestens 1/3 der Listenplätze für Neulinge freigehalten - also für Personen, die noch nie zuvor ein BarCamp besucht haben. 2.) Ja, ein kleiner Teil der Besucher ist auf verschiedenen BarCamps zu sehen. Ich kann darin kein Problem erkennen. In den allermeisten Fällen, sind das Leute, die sehr sich engagiert einbringen. Soll man ihnen das verbieten? Einerseits wird bemängelt, dass nichts passiert auf der anderen Seite heißt es, dass "eine BarCamp-Begeisterung eigenartiges Verhalten hervorgebracht hat". Du solltest vielleicht etwas mehr Augenmerk auf einen größeren Zusammenhang legen. Vor knapp zweieinhalb Jahren gab es etwas Vergleichbares nicht in Deutschland und eigentlich nirgendwo auf der Welt. Durch BarCamps und seine Spin-offs, also themenorientierte Camps, die sich der gleichen Methode bedienen, haben sich in Deutschland tausende von Menschen an Wochenenden getroffen und haben sich über Themen ausgetauscht, die sie interessierten. Dabei ging es um Technik, Technologien, Politik, Recht, Kunst, Kultur, Journalismus usw. Dabei sind neue Verbindungen, Projekte und Ideen entstanden und ein ganz neuer, sehr hoher Vernetzungsgrad innerhalb der Gruppen. Für viele sind BarCamps Veranstaltungen der Wahl zum Austausch geworden (im Gegensatz zu klassischen Konferenzen). So viel Begeisterung und Bereitschaft sich einzubringen wünschte ich anderen Projekten und Initiativen auch. Dann wäre deine Artikelserie vielleicht überflüssig. Wer mehr über das BarCamp-Format erfahren möchte: Ich verweise hier mal ganz ungeniert auf meinen Artikel "Was ist eigentlich BarCamp".

  • Marcel Weiss

    03.05.09 (23:42:58)

    @Franz: "Meistens, werden mindestens 1/3 der Listenplätze für Neulinge freigehalten - also für Personen, die noch nie zuvor ein BarCamp besucht haben." Ok. Das wusste ich nicht. Wie stellt Ihr denn das sicher? Wobei das ja auch gleichzeitig bedeutet, dass über die Hälfte bis 2/3 die immer wieder gleichen Leute sein können, oder? Mir kommt es nämlich schon so vor, dass sich da in Teilen eine Szene gebildet hat, die sportlich so viele Barcamps wie möglich mitnimmt. Was dann dazu führt, dass zum einen die Barcamps in der Größe explodieren und zum anderen thematisch eingegrenzte Barcamps nicht immer so ablaufen, wie sie es könnten. Sehe ich das übertrieben? "So viel Begeisterung und Bereitschaft sich einzubringen wünschte ich anderen Projekten und Initaiativen auch. Dann wäre deine Artikelserie vielleicht überflüssig." Ja, da ist was dran.

  • Franz

    04.05.09 (08:11:43)

    Wie wir das sicher stellen? Man wird nach der Zeit so etwas wie "listenschlau". Mag sein, dass der eine oder andere versucht über einen Eintrag in eine Neulingsliste zu einem Platz zu kommen. Mir ist das jedenfalls noch nie aufgefallen. Ausserdem: Als Novize werden auch dijenigen nicht mehr gezählt, die vielleicht vor 2 Jahren z.B in Hamburg schon mal waren und nun eine Nachfolgeveranstaltung besuchen. Einen Sport so viele Camps wie möglich zu besuchen gibt es definitiv nicht. Vielleicht mag das so erscheinen, weil viele schon mal (hier und) da waren und viele auch schon mal darüber gebloggt haben. Wer sie alle besuchen wollte, brauchte mittlerweile viel Geld fürs Reisen und müsste sich gelegentlich auch mal teilen, weil sich Termine überschneiden. Der Begriff Klassentreffen wird hier im Übrigen genauso gerne und reflexartig verwendet, wie Retter immer "fieberhaft" suchen". Ein Text,dem ich jedem (völlig off-topic) mal empfehle ist "Ereignisverzerrter Tag" von Max Goldt, in diesem Zusammenhang hier jedoch im besonderen die Passage "Adjektive und Eklats". Warum mache Camps nicht so ablaufen wie sie sollen? Das kann die verschiedensten Gründe haben. Organisation, Teilnehmer, schlechter Veranstaltungsort, mangelnde Vorbereitung, Vollmond, falsches Thema. Die Qualität bemißt sich natürlich nicht an der Teilnehmerzahl sondern an dem was während und auch nach der Veranstaltung passiert. Ich möchte nur für mich sprechen. Man muss den Teilnehmern einen Spirit vermitteln, motivieren und bereit sein Kontrolle aufzugeben. BarCamps kommen mit sehr wenigen Regeln aus. Wenn sich alle daran halten, wird meistens alles gut. Ich halte dieses Format nach wie vor für eine der besten Ideen, die mir je untergekommen sind. Deshalb engagiere ich mich auch so dafür.

  • Sally Schmidt

    04.05.09 (12:44:13)

    Hallo Marcel, wollti mal fragen, ob du meine Bewerbung als Bloggerin für Netzwertig schon bekommen hast;-) Ich wäre immer noch interessiert. Evtl. kann ich noch weitere Angebote machen;-))))

  • Andreas Bemeleit

    04.05.09 (13:42:23)

    Über die letzten Jahre hat sich die Mehrzahl der Blogger in Deutschland damit zufrieden gegeben, über die neuen Möglichkeiten zu schwadronieren, statt diese zu nutzen. Das halte ich für eine undifferenzierte Verallgemeinerung. Man kann die Technik auch nutzen ohne darüber zu reden. ZwischenZeit

  • Marcel Weiss

    04.05.09 (23:44:36)

    @Frank: Danke für die aufklärenden Worte. Ich sehe das alles mehr oder weniger genauso wie Du. Meine Kritik richtete sich wie gesagt an Auswüchse bei den Teilnehmern, nicht an die Betreiber und Organisatoren. @Sally Schmidt: Nein, bei mir ist nichts angekommen.

  • Notker

    05.05.09 (08:56:17)

    Suchte ich nach dem Text, der die Selbstreferentialität und Egomanie der Szene symbolisiert, dann wäre es dieser. Ich traue meinen Augen nicht. Die MEDIEN weisen die Deutschen nicht aufs Internet hin? Die Medien haben versagt, weil sie die Deutschen (auch dieses deutch,deutsch,deutsch) nicht daran erinnern, das praktisch jeder Deutsche einen Internetzugang im Haus hat? Die Medien, die von RTL bis ZDF mehrfach täglich aufs Netz verweisen, sollten das Land auf daran erinnern, dass man googlen kann und Blogs lesen? Oh Gott, was für eine Looser-Position ist das denn. Das Netz ist Selbstorganistion und wer darin nicht gefunden wird, den wirds nicht ereilen. Was Du beschreibst ist nicht Deutschland, sondern das Wesensmerkmal des Netzes und seiner (nein:nicht deutschen) globalen Breite. Dieser Text der so wild daherkommt, ist nichts anderes als verheultes obrigkeitsstaatliches Denken. Was gelesen wird, setzt sich durch und dazu braucht man weder Medien noch Schaukämpfe. Es ist so erbärmlich hier die bösen Eltern haftbar zu machen. Und ja, es musst so kommen und ist wie ein Treppenwitz: die Debatte endet damit, dass Robin Meyer-Lucht eine "Veranstaltung in Berlin" andient. Oh weh.

  • Petersberg

    05.05.09 (09:00:02)

    Er sieht "sich in der Rolle des Analysten". Na, wenn das mal nicht ein Freudscher Versprecher von jemand war, dem seine Felle davonschwimmen. Analytiker träfs besser.

  • Leser

    07.05.09 (15:58:03)

    Interessanter, aber irgendwie ziemlich panischer Artikel. Gegen wen richtet sich deine Kritik denn genau? So wie ich das lese gegen den Großteil der Bevölkerung und eben das ist eine ziemlich paradoxe Einstellung. Es ist nämlich eben genau diese Bevölkerung die definiert, was in einer Gesellschaft für wichtig erachtet und genutzt wird. Man kann sich mit dem Zustand abfinden oder versuchen die Menschen von seiner Meinung zu überzeugen. Beides sind mögliche Ansätze. Die Politik, der du, vermutlich auch zurecht, eine Vernachlässigung des Themas "Internet" unterstellst richtet sich im Endeffekt nur nach den Interessen des Großteils der Wählerschaft. Das Gleiche gilt für die Medien: Die Themen im Fokus reflektieren zu einem gewissen Teil die Dinge, die der Leserschaft wichtig sind. Da Medien auch gleichzeitig beeinflussen ergibt sich hier, zwar eine gewisse Rückkopplung, aber das gilt ja für jedes Medium. Am sonderbarsten erscheint mir aber die Kritik an der deutschen "Blogosphäre". Wenn man es aufs Wesentliche reduziert, kritisierst du das Prinzip des Bloggens selbst: Kein Thema ist zu banal und es wird über das gebloggt, was denjenigen bewegt. "Schwadronieren" ist, was für den normalen Benutzer bloggen bedeutet - und daran ist auch nichts auszusetzen. Wenn das Interesse nicht da ist, dann ist es nicht da. Ganz simpel ausgedrückt: Man kann den Menschen nicht vorschreiben, was sie interessiert. Man kann sie zwar beeinflussen, aber wenn die Fachpublikationen wie heise nicht genügend Reichweite haben, dann ist es kein Problem der Blogger, die sind auch so zufrieden. Wenn "Shirky" - da würde jeder, den ich kenne, fragen "Wer?" - außerdem schon Thema X ausführlich behandelt hat, nimmt das keinen Blogger auf der Welt in die Pflicht davon zu wissen oder nicht seine eigene Ansicht darzulegen. Die Politik und die Medien sind keine teuflischen Instutionen, die auf die Welt gesandt wurden, um engagierte Blogger zu desillusionieren, sondern sie sind einfach da und geben den Menschen das, was sie wollen. Du hast festgestellt: Der Großteil der deutschen Gesellschaft interessiert sich nicht für aus deiner Sicht relevante Themen. Wenn du was ändern willst, dann versuch die Menschen halt von dem zu überzeugen, was du für wichtig hältst. (Ich hätte nichts dagegen, ich denke ja, dass es vernünftig wäre) Zur Zeit ist es jedenfalls nur wieder die Blogger-Avantgarde die versucht die Menschen vor sich selbst zu retten. Wenn du also, statt hier im ausgewählten, aufgeklärten Leserkreis eine panische Inventur der deutschen Gesellschaft zu veranstalten, lieber versuchen willst irgendwelches gesellschaftliches Interesse zu wecken, dann schreib doch mal einen Brief an Die Zeit und frag nach, ob Platz für eine Artikelreihe von Dir wäre. ;)

  • Dieter Müller

    08.05.09 (11:49:01)

    Schöne Artikelserie, bin schon auf Teil 3 gespannt. Was ich aber etwas vermisse ist das "Warum". Evtl. könnte man dazu einen eigenen Artikel eröffnen (wird sicherlich heiß diskutiert werden). Warum sind wir deutsche so? Warum tun wir uns mit Veränderung so schwer? Es muss ja etwas fundamentales sein, was vielleicht schon im Kindesalter, in Schulen, Ausbildung, Beruf usw. uns davon abhält mehr Interesse für neues zu haben. Man muss ja nicht zu den Spitzenreitern und Ultra-Tekkis gehören, aber wir liegen selbst konservativ betrachtet im Mittelalter.

  • the_cruel

    12.06.09 (22:48:23)

    wann kommt teil 3?

  • Marcel Weiss

    13.06.09 (14:23:15)

    @the_cruel: Ich sitz dran. :)

  • the_cruel

    13.06.09 (22:02:05)

    klasse, danke! hättest du vlt mal lust, was für / über die piraten zu schreiben? so begnadete schreiberlinge, wie du einer bist, würden uns bei der öffentlichkeitsarbeit zweifelsohne unterstützen. und da die ppd eine partei ist, die das grundgesetz in seiner jetzigen form erhalten möchte, bist du bestimmt interessiert (du weißt es bloß noch nicht). ;)

  • Marcel Weiss

    15.06.09 (14:00:33)

    @the_cruel: "hättest du vlt mal lust, was für / über die piraten zu schreiben? so begnadete schreiberlinge, wie du einer bist, würden uns bei der öffentlichkeitsarbeit zweifelsohne unterstützen." Ändert Euren Namen und wir können darüber reden. ;)

  • the_cruel

    15.06.09 (17:56:49)

    hmm, also hängt die zukunft deutschlands nur von einem namen ab? schaue hier nach: http://wiki.piratenpartei.de/H%C3%A4ufig_gestellte_Fragen http://wiki.piratenpartei.de/H%C3%A4ufig_gestellte_Fragen#Ist_der_Name_.E2.80.9EPirat.E2.80.9C_nicht_zu_negativ_behaftet.3F du selbst schreibst, dass du mit einigen zielen konform gehst. meinst du nicht, dass diese 'namen kritik' direkt vor ort angebrachter wäre? http://forum.piratenpartei.de/i und noch was, wenn jeder einzeln kämpft, dann wird das nicht viel bewirken. aber wenn viele an einem strang ziehen, dann haben die vielen die macht und die kraft was zu verändern. https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=3860 auch wenn der name des stranges einigen nicht gefällt. wie sagte ernst thälmann: du kannst finger brechen, aber keine faust! ps: btw, es gibt auch inerhalb der ppd kritik am namen. du würdest also nicht alleine dastehen. pps: in diesem video wird einiges über die ppd erklärt: http://www.youtube.com/watch?v=Hc2wZNzMRs0

  • Marcel Weiss

    15.06.09 (18:36:00)

    @the_cruel: Es ist irrelevant, was Du oder ich von dem Namen halten. Mir ist der Name an sich nicht wichtig. Ich weiß aber, dass Ihr mit dem Namen keine Chance im öffentlichen Diskurs in Dtl. habt, den ich mittlerweile, glaube ich, recht gut einschätzen kann. Ihr seid jetzt die Außenseiter, die vom Namen profitieren, der sich einprägt. Aber das war's. So traurig es ist, Ihr werdet mit dem Namen nie etwas erreichen, weil Ihr damit Leuten, die ein Problem mit Euren Positionen haben, es zum einen leicht macht (siehe viele Artikel zu Euch in den MSM) und zum anderen Leuten, die sich nicht mit Euch weiter beschäftigen, vom Namen her sagt: "Hallo, wir sind Verbrecher!" Dass Ihr das alles ausblendet oder nicht wahrhaben wollt und stattdessen versucht, den Namen zu rationalisieren, lässt mich vor allem daran zweifeln, dass Ihr wirklich etwas werdet erreichen können. Btw. der Vergleich mit CDU und SPD in Eurer FAQ: Der Wesentliche Unterschied ist, dass christlich und sozial positiv behaftet sind. Überleg Dir mal, wie weit die SPD (oder die Grünen) gekommen wäre, wenn sie "nichtchristlich" im Namen gehabt hätte. Abgrenzung bringt Dich nicht so weit, wie Ihr kommen müsst, um etwas zu bewirken.

  • the_cruel

    15.06.09 (18:51:31)

    hmm ja, aber welcher Namen könnte treffend, einprägsam und akzeptabel sein? internetpartei kommt nicht unbedingt gut rüber. es gab und gibt schon Diskussionen darüber: http://forum.piratenpartei.de/search.php?st=0&sk=t&sd=d&keywords=namensaenderung aber letztendlich... und wir beide werden hier sowieso keine Namensänderung bewirken. wenn du wirklich Kritik ausüben möchtest, dann vlt im Forum: http://forum.piratenpartei.de/index.php dort würdest du mehr erreichen als hier, wenn du denn magst. :)

  • Marcel Weiss

    15.06.09 (18:58:43)

    "Digitalpartei" würde es besser treffen (auch analog zu den Grünen: der grobe Umriss, was am wichtigsten für die Partei ist. Nicht die Bezeichnung, dem einen andere gegeben haben. Die "Ungewaschene-Hippie-Partei" wäre in Dtl. auch nie über 1% gekommen.). PP-Forum: Ich habe keine Zeit für Forengrabenkämpfe auf fremden Boden. ;)

  • Oliver Springer

    15.06.09 (20:26:24)

    In der Tat! Mit dem Namen Priratenpartei kann das nichts werden. Vorher bestellen alte Leute im Restaurant einen Seniorenteller... Der Name ist nun mal extrem wichtig. Das dürfte auch eine der wesentlichen Ursachen dafür sein, dass sich RSS nicht der Beliebtheit erfreut, die ihr gebühren sollte. Und dass Twitter dagegen so zum Hype geworden ist. Ich behaupte auch - zum Thema Parteien zurückzukommen - das "Die Linke" unter dem Namen PDS niemals bundesweit so viele Stimmen bekommen hätte, wie sie in letzter Zeit erringt. Lernt von anderen Parteien, wie es geht. Wenn man das Internet zensieren möchte, nennt man das ja auch nicht so... Und das Propagandaministerium in "1984" war schließlich das "Ministerium für Wahrheit". So geht das! ;-) Und unter dem Pseudonym the_cruel für die Piratenpartei zu argumentieren, ist ja wohl ein Schuss in den Ofen.

  • Schorsch

    16.06.09 (22:23:22)

    Man merkt einfach dass in der Piratenpartei einige Kompetenzen unterrepresentiert sind.. Is halt nen Haufen lustiger Nerds. Mei. Das waren die Grünen auch am Anfang (Nen Haufen verlauster Zottelhippies) Aber mit dem Erfolg wirds erst dann was, wenn sich den Piraten nen paar Leute anschliessen die von Kommunikation wirklich Ahnung haben. Ich hab die FAQ und das Wiki auf piratenpartei.de zum dem Thema Name gelesen ..Hm, da fehlts fachlich (Kommunikationstheorie) einfach hinten und vorne. Aber ich bin mir sicher, das wird sich geben. Die Sache an sich ist super, das Thema wird sich also auf der politischen Agenda duchsetzen. Soviel zum Thema: Die Piraten wären nur nevorrübergehende Modeerscheinung .. Just my 5 cents, Schorsch

  • the_cruel

    16.06.09 (23:35:10)

    > Aber mit dem Erfolg wirds erst dann was, wenn sich den > Piraten nen paar Leute anschliessen die von Kommunikation > wirklich Ahnung haben. ich habe es ja versucht... ;)

  • Nikola Richter

    08.01.10 (14:40:44)

    Später Kommentar, aber ein Hinweis zu dem Punkt "Bildung": Ich habe die Ehre, im WS 2009/2010 mit Studierenden der Angewandten Literaturwissenschaft, einem Masterstudiengang an der FU, ein Studiengangsblog zu entwickeln: http://www.litaffin.de Es ist seit dem 1.1.2010 aktiv - und wird versuchen, sich an literarischen, gesellschaftlichen, literaturpolitischen Debatten zu beteiligen.

  • the_cruel

    11.01.10 (18:27:30)

    wo bleibt teil 3? :)

  • Lance

    19.02.10 (02:51:46)

    Die Kritik am Namen der PP kann ich zwar verstehen, aber wenn die den Namen wirklich ändern würden wäre das doch eins chlechtes Omen. Warum? Es bringt Zuwachs, mehr Akzeptanz. Warum ist das ein Nachteil? Es wird verlockender, Konzepte und Prinzipien zu entschärfen und dem Mainstream gerechter zu werden. Was wäre die "Piratenpartei" am ende? Grüne 2.0 nur statt Thema Umwelt Thema Internet... Was haben die (und wir) dann davon, wenn die Mainstreamfreundliche Version der Piratenpartei mit 15% im Bundestag ist? Sorry, dann lieber eine ordentliche Partei mit nur knapp 5%. Hoffentlich werdne sie ihren Namen und ihre Richtung nie ändern. Lieber eine kleine Anti-Partei statt populistischer Grüne-Abklatsch. So jedenfalls Meine Meinung^^

  • wiwa

    28.03.10 (19:00:27)

    der Hauptvorwurf dieses Textes ist nicht konstruktiv sondern nur ausgrenzend: "Ihr versteht unsere Technologie nicht". Das kann man aber niemandem vorwerfen. Der eigentliche Vorwurf lautet m.E.: "Ihr lest unsere Texte nicht!" Solch ein Ausspruch eröffnet beiden Seiten die Chance der Annäherung. Die da lautet: Sprache. Etwas abstrakt gesagt: - Es gibt auf seiten der Netz-Ignoranten sehr wohl Journalisten und andere interessierte Geister, die lesen können und wollen. - Das "Internet" seinerseits wird sich "bemühen", noch lesbarer zu werden und noch leichter eine Auswahl dessen zu ermöglichen, was lesenswert ist. Das beginnt bei den Webseiten und Texten an sich und endet bei den Endgeräten (PC, Smartphone, iPad, eBook-Readern usw.)

  • wiwa

    28.03.10 (19:01:30)

    der Hauptvorwurf dieses Textes ist nicht konstruktiv sondern nur ausgrenzend: "Ihr versteht unsere Technologie nicht". Das kann man niemandem vorwerfen. Der eigentliche Vorwurf lautet m.E.: "Ihr lest unsere Texte nicht!" Solch ein Ausspruch eröffnet beiden Seiten die Chance der Annäherung. Die da lautet: Sprache Etwas abstrakt gesagt: - Es gibt auf seiten der Netz-Ignoranten sehr wohl Journalisten und andere interessierte Geister, die lesen können und wollen. - Das "Internet" seinerseits wird sich "bemühen", noch lesbarer zu werden und noch leichter eine Auswahl dessen zu ermöglichen, was lesenswert ist. Das beginnt bei den Webseiten und Texten an sich und endet bei den Endgeräten (PC, Smartphone, iPad, eBook-Readern usw.)

  • Dietmar Näher

    28.05.10 (14:49:00)

    [Kommentar entfernt, da thematisch keinerlei Zusammenhang zum Artikel besteht.]

  • Dani

    14.09.10 (10:23:30)

    Das ist ein guter Beitrag.Ich habe schon lange nach dieser Information gesucht.Vielen Dank dafür.Gruß Dani

  • Josef

    18.10.10 (21:10:40)

    Anfangs könnte man meinen, etwas dick aufgetragen.... Ganz so schwarz würde ich es nicht sehen, aber ähnlich kritisch. Guter Beitrag.

  • Ronald

    03.01.11 (19:44:10)

    Sehr interessante Informationen, vielen Dank dafür. Beschäftige mich schon eine ganze Weile damit und finde es immer Klasse die Meinung anderer zu erfahren.

  • Lara

    10.05.13 (23:27:56)

    Ich finde die Überschrift nicht wirklich zutreffend. Denn es gibt genügend Entwicklungsländer, die bei diesem Thema viel weiter entwickelt sind als Deutschland. Mein Mann kommt aus dem Iran und wir sind das erste mal vor etwa 4,5 Jahren in den Iran gereist. Die Entwicklung des Internets und der User ist dort (kann man fast schon sagen) täglich zu spühren. Zwar tut die Regierung in Iran allles, um die User vom Internet abzuhalten, aber wir haben bei unseren Reisen in den Iran immer wieder festgestellt, das die User sich wandeln und vor allem offen gegenüber veränderungen sind - sie saugen und verinnerlichen die Veränderungen und sehen es als völlig selbstverständlich an. Ich denke, dass die User die tatsächlich treibende Kraft sind. Wenn wir im Internetzeitalter auf der Strecke bleiben, dann doch nur weil wir selbst nicht bereit sind die Verenderungen anzunehmen und auszuleben.

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