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23.01.17Kommentieren

Szene

Start-up-Highlights aus Deutschland

Jürgen Kroder

Made in Germany: Diese jungen und innovativen Unternehmen sollte man 2017 auf dem Schirm haben.


(Bild: Fotolia.de)

Die besten deutschsprachigen Start-ups 2017

Spätestens seit der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ sind sie in aller Munde: Start-ups und andere Neugründungen, die mit pfiffigen Ideen auf sich aufmerksam machen. Obwohl viele innovative Firmen ihren Sitz im Silicon Valley haben, gibt es – trotz einiger Unkenrufe und einer niedrigen Gründerquote – auch in Deutschland immer noch viele Entrepreneure, die eine Firma gründen. Hierbei handelt es sich nicht immer um Unternehmen, die per Definition als Start-up angesehen werden können. Entweder ist das Business-Modell schwer schnell skalierbar oder der Innovationsgrad fällt zu gering aus, um eine Disruption bestehender Branchen auszulösen.

Definition hin oder her: Im deutschsprachigen Raum findet man einige Start-ups und Start-up-ähnliche Unternehmen, die einiges an Potential besitzen. Wir geben hier eine Übersicht, welche Konzepte und Firmen man dieses Jahr im Auge behalten sollte.

Hinweis: Unsere Übersicht wird in regelmäßigen Abständen upgedatet. Sollten Sie Vorschläge haben, welche junge Unternehmen eine Erwähnung wert sind, dann hinterlassen Sie uns unter diesem Artikel einen Kommentar.

HitchOn: Die Vermarktungsplattform für Youtube-Influencer

Im Marketing gibt es seit ein paar Jahren gewisse "Buzzwords", die man immer wieder hört. Dazu zählen unter anderem Content- und Influencer-Marketing. Für Letzteres sind soziale Netzwerke wie Instagram, Facebook und Youtube besonders wichtig. Die Mainzer Firma HitchOn bringt Unternehmen und Youtuber zusammen.

HitchOn setzt auf eine ehrliche und transparente Zusammenarbeit. Das bedeutet, dass Product Placements von unter Vertrag stehenden Influencern deutlich gekennzeichnet werden, die Problematik der Schleichwerbung wird so unterbunden. Neben der Vermarktung von Youtube-Videos bietetHitchOn, das unter anderem aus ehemaligen ZDF-Mitarbeitern gegründet wurde, auch Kooperationen mit TV-Sendern an. Das Konzept scheint anzukommen: Bereits im Gründungsjahr wuchs das Team auf 13 Mitarbeiter und einen Firmenhund an, mittlerweile haben sich weit über 1.200 Influencer und 350 Unternehmen auf der Plattform angemeldet.

Savedroid: Das Smartphone als Sparschwein

„Das Thema Fintech ist heiß“, meint der Bank-Blog. Verständlich: Zahlreiche Start-ups versuchen die alteingesessenen Geldhäuser unter Druck zu setzen. Das soll mit Innovationen im Bereich „Financial Services & Technologies“, kurz Fintech, gelingen. Ein junges Unternehmen aus diesem Sektor nennt sich Savedroid.

Der Firmenname klingt nach einer Security-Lösung für Android-Smartphones, doch damit hat Savedroid nichts zu tun. Stattdessen handelt es sich hierbei um eine kostenlose App, die als eine Art intelligentes Sparschwein fungiert: Jedes Mal, wenn man einen sogenannten „Smoove“ erreicht hat, wird auf dem eigenen Konto etwas Geld zum Sparen zurückgelegt.

Smooves sind Regeln, die jeder frei bestimmen kann: Eine Runde Joggen mit der Runtastic-App oder ein Einkauf auf Zalando fungieren als Trigger, dass Savedroid automatisch einen kleinen Geldbetrag beiseite schafft. Dieses Prinzip kennen Ex-Raucher, die für jede gesparte Zigarettenschachtel fünf Euro in eine Kasse werfen und sich davon nach ein paar Monaten einen Urlaub gönnen.

Clark: Die eigenen Versicherungen per App verwalten

Neben Fintech gibt es einen weiteren Trend in der Start-up-Szene, der für ein Aufbrechen alter Strukturen sorgen soll: Insurance Technology, kurz Insurtech. Ein solches digitales Versicherungskonzept bietet Clark. Anstatt wie bisher seine unzähligen Versicherungen mit viel Papier-Aufwand abzuschließen und zu verwalten, wird auch bei Clark das eigene Smartphone zum Dreh- und Angelpunkt. Über das Handy werden neue, passende Verträge gesucht und verwaltet. Somit fungiert die App als moderner Versicherungsberater.

Obwohl Clark erst im Juni 2015 gegründet wurde, konnte sich das junge Unternehmen bereits im Sommer 2016 eine Finanzierung von über 13 Millionen Euro sichern. Zudem gelang den Berlinern ein Media-Deal mit WeltN24. 

Workeer: Arbeitsplatzvermittlung für Flüchtlinge

Die sogenannte Flüchtlingskrise sorgte viele Monate für große Schlagzeilen - meist für negative. Workeer macht aus der vermeintlichen Not eine Tugend: Die Plattform stellt eine Ausbildungs- und Arbeitsplatzbörse für Geflüchtete dar. So soll ein unkomplizierter Austausch zwischen ausländischen Arbeitssuchenden und deutschen Unternehmen entstehen.

Workeer begann als Abschlussprojekt von zwei Studenten der HTW Berlin. Diese schafften es damit in die „30 under 30 in Europe“-Liste des Forbes Magazins. Unterstützt wird die soziale Plattform unter anderem vom Startup Incubator Berlin, Capgemini und Kiron. Wenn sich Workeer in Deutschland richtig etabliert hat, könnte es eine multilinguale Fassung und eine Ausweitung auf weitere Länder geben.

Travel Homie: Reiseberatung per Messenger

Seitdem das Internet immer größere Verbreitung findet, stehen klassische Reisebüros unter Druck. Mittlerweile gibt es unzählige Webseiten und Portale, über die man schneller und günstiger zum Urlaubsziel seiner Wahl kommt. Doch für die „Generation WhatsApp“ sind derlei Web-Angebote bereits schon wieder viel zu altmodisch. Dafür gibt es eine Lösung: Travel Homie.

Travel Homie ist das erste Chat-Reisebüro aus Deutschland. Anstatt unzählige Webseite nach den besten oder schönsten Angeboten abzusurfen, kontaktiert man hier die persönlichen Reiseberater per WhatsApp oder über den Facebook Messenger. Ein paar kurze Informationen reichen, schon erhalten Sie per Chat passende Empfehlungen. Diese kosten nichts, Travel Homie verdient sein Geld über Provisionen für vermittelte Reisen.

Travel Homie wird von der Bang Booom Woof GmbH in Köln betrieben, das fünfköpfige Beratungsteam ist laut eigenen Angaben schon über 815.000 Kilometer weit gereist. Das Konzept einer Reiseberatung per Chat mag ungewöhnlich klingen, funktioniert aber. Bei unseren Tests erhielten wir prompt Empfehlungen, die sehr gut zu unseren Anforderungen passten.

Sugarshape: Erfolgreiche XL-Büstenhalter

Start-ups zeichnen sich nicht nur durch innovative Ideen aus, sondern auch durch die Art und Weise, wie sie finanziert werden. Denn oft erhalten die frisch gegründeten Unternehmen keinen Bankkredit. Um an Geld zu kommen, müssen neue Wege beschritten werden - so tat es auch Sugarshape.

Sugarshape produziert passgenaue BHs, die über den eigenen Onlineshop erhältlich sind. Für dieses Konzept benötigten die beiden Gründerinnen Sabrina Schönborn und Laura Gollers einiges an Geld. Die erste Kollektion wurde über eine Kampagne der Crowdfunding-Plattform Seedmatch finanziert. Für das weitere Wachstum wagten sich die Damen dann in die „Höhle der Löwen“. Obwohl den beiden „Fempreneure“ vor laufender Kamera eine finanzielle Unterstützung von Judith Williams und Frank Thelen zugesichert wurde, kam der Deal nicht zustande. Dafür stieg ein anderer Investor ein.

Durch das mediale Engagement konnte sich Sugarshape einen guten Namen machen und einiges an Geld einsammeln. Trotzdem – oder gerade deswegen – bleibt es spannend, ob das Unterwäsche-Unternehmen in 2017 weiter durchstarten kann.

Kaputt.de: Handys und Haushaltsgeräte einfach reparieren lassen


(Screenshot: Kaputt.de)

Von der Kaffeemaschine über Smartphones bis hin zum Notebook: Moderne Geräte lassen sich immer schwerer reparieren. Das liegt unter anderem an der wachsenden Komplexität der Produkte. Und auch daran, dass die Hersteller kaum ein Interesse an einer Reparatur haben und deswegen einzelne Komponenten fest verkleben, so dass eine Instandsetzung durch Laien kaum noch möglich ist. Das Ergebnis ist ein stark wachsender Müllberg an Elektro- und Elektronikschrott.

Das muss nicht sein! Die Gründer der Seite www.kaputt.de stehen einerseits mit Rat und Tat zur Seite, wenn es um die Reparatur von Smartphones und anderen technischen Geräten geht. Zum Beispiel mit Anleitungen und Videos, die zeigen, wie man defekte Akkus oder Displays austauscht. Zudem fungiert Kaputt.de als Vermittlungsplattform, über die man Reparaturläden und andere Profis finden kann.

Kaputt.de wurde 2014 gegründet und über das Exist-Stipendium gefördert, mittlerweile sind Medienpartner wie die Pro7Sat1 Media AG eingestiegen. Die Idee, moderne Geräte durch Reparaturen länger nutzen zu können, um so ökologischer und nachhaltiger zu leben, halten wir für einen spannenden Ansatz. Einer, der auch 2017 eine breite Unterstützung benötigt.

Soundcloud: Die heiß umworbene Musik-Plattform

Von der Audio-Plattform Soundcloud dürfte mittlerweile jeder schon einmal gehört haben. Einerseits, weil es sie schon seit 2007 gibt; Andererseits, weil zunehmend große Internet-Firmen mit dicken Aktenkoffern bei der Berliner Firma anklopfen. Angeblich sollen schon Spotify, Twitter und Google versucht haben, das Start-up zu übernehmen – bislang ohne Erfolg.

Somit bleibt es spannend, wie es für das mittlerweile zehn Jahre alte Unternehmen weitergeht. Wird es 2017 einen spektakulären Aufkauf geben? Oder schlittert Soundcloud in die Pleite, was schon mehrmals vermutet wurde?

N26: Die Smartphone-Direktbank

Ein weiteres Unternehmen, das wie Soundcloud mal positiv, mal negativ in den Schlagzeilen auftaucht, ist N26. Die ehemals Number26 benannte Firma wurde als Fintech-Start-up gegründet, das sich auf eine Kontoführung per Handy spezialisierte. Die Eröffnung eines Kontos soll laut eigenen Angaben in nur acht Minuten erfolgen, alle Transaktionen laufen über die Smartphone-App ab.

In jüngster Vergangenheit machte N26 durch schlechte Presse von sich reden: Es gab schwere Sicherheitsmängel und einen Shitstorm wegen Umzugsproblemen. Trotzdem soll das Fintech-Unternehmen schon weiter über 200.000 Kunden haben. 

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