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28.02.14Leser-Kommentare

Deutsche Konsumenten: "Mobiles Bezahlen und Lieferung am selben Tag wollen wir nicht"

Umfragen zeigen ein schwaches Interesse der Deutschen an mobilen Bezahlverfahren und neuartigen Ansätzen der Lieferung von online gekauften Produkten.

Skeptische Deutsche

Das Bezahlen mit dem Smartphone sowie die Warenlieferung am selben Tag gehören zu den derzeit größten Hoffnungsträgern der Internetbranche und des Handels. Doch damit sich neue Geschäftsmodelle und Konzepte auf diesen Verfahren aufbauen lassen, müssen die Verbraucher mitspielen. Wie zwei aktuelle Umfragen zeigen, treibt viele Deutsche abermals die Skepsis gegenüber Veränderung um. Gemäß einer aktuellen, internetrepräsentativen Untersuchung der Marktforscher von Nielsen steht die Mehrzahl der Bundesbürger dem mobilen Bezahlen kritisch gegenüber. 55 Prozent der Deutschen lehnen diese Transaktionsform ab, und das auch dann, wenn der Vorgang nachweislich sicher wäre. 26 Prozent halten es für vorstellbar, ihr Smartphone als Portemonnaie zu nutzen. Von den untersuchten Märkten stieß Nielsen nur in Frankreich auf eine noch größere Aversion gegenüber neuen Bezahlsystemen.

Auch bei der Warenlieferung am gleichen Tag ist die Bereitschaft, von alten Mustern abzuweichen, bei Deutschen mehrheitlich gering. Eine annähernd repräsentative Befragung von743 Konsumenten durch das Forschungsinstitut ibi research ergab, dass 73 Prozent der Bundesbürger den Erhalt von online bestellten Produkten am selben Tag gar nicht oder maximal dann nutzen würden, wenn keine zusätzlichen Kosten entstehen. Die Wertschätzung für diese aus Logistiksicht einen deutlich höheren Aufwand beinhaltende Form der Lieferung ist in Deutschland mit anderenWorten recht gering. 27 Prozent sind bereit, einen Aufpreis für Same Day Delivery zu zahlen.

Mau ist auch die Nachfrage nach Versandkosten-Flatrates, wie sie von Amazon (Prime) angeboten wird. 68 Prozent finden einen derartigen Service nicht erstrebenswert. 14 Prozent halten eine Flatrate für interessant, nutzen sie aber nicht. Dies heißt allerdings auch, dass bereits 18 Prozent für eine Versandkosten-Flatrate bezahlen. Damit dürfte Amazon in Deutschland immerhin mehrere Millionen Kunden von Prime überzeugt haben können.

Die aktuelle Einführung von Inklusiv-Videostreaming bei Prime in Deutschland muss im Lichte des überwiegenden Desinteresses an Lieferflatrates gesehen werden. Zwar wurde zeitgleich auch der Preis erhöht, doch durch die Bündelung von Content- und Lieferflatrate zu einzeln betrachtet günstigen Konditionen versucht das Unternehmen, auch diejenigen für Prime zu gewinnen, die eine reine Jahres-Versandkostenpauschale für nicht sonderlich attraktiv halten.

Abermals präsentiert sich der und die Deutsche als Gewohnheitstier mit geringer Experimentierfreude. Dass digitale Technologien und netzgestütze Verfahren sich hierzulande oft langsamer durchsetzen als anderswo, darf da niemand verwundern. /mw

(Illustration: Offended businessman and woman, Shutterstock)

Kommentare

  • Dave

    28.02.14 (11:18:37)

    "Das Bezahlen mit dem Smartphone sowie die Warenlieferung am selben Tag gehören zu den derzeit größten Hoffnungsträgern der Internetbranche und des Handels. " Wenn die Konsumenten diese beiden Bereiche nicht / kaum akzeptieren, dann gehören sie wohl nicht zu den "größten Hoffnungsträgern". Der Markt reguliert Angebot und Nachfrage, hier gibt es nach der Umfrage eben nur eine geringe Nachfrage. Verharrt ein Kunde in alten Strukturen, wenn er die Ware nicht am gleichen Tag gegen einen in der Regel hohen Zuschlag geliefert haben möchte? In Deutschland haben wir (im Gegensatz etwa zu USA) viele gute, einfache und eingeführte Zahlungssysteme ("ec", Bargeld). Warum soll der Kunde auf ein anderes System umsteigen, wenn es ihm keine Vorteile bietet? Nur weil er dann modern ist?

  • qwertzman

    28.02.14 (12:42:03)

    Kreditkarte find ich einfacher :P Aber mehr Geld will ich für eine Lieferung am selben Tag nicht bezahlen, so lange, also maximal 2 Tage kann ich schon noch in die Zukunft planen :D In Zukunft gibt es aber sowieso Drohnen (matternet, amazon, etc.) die mir meine Einkäufe für keinen Zuschlag am selben Tag liefern wird. :)

  • Hovo

    28.02.14 (13:29:04)

    Mobiles Bezahlen - diese Variante nutze ich seit längerer Zeit (auch für höhere Summen) mittels Mpass. Ob beim Tanken (Aral) oder im Supermarkt, (Kaisers), ich habe niemals negative Erfahrungen gemacht und möchte diese Bezahlvariante nicht mehr missen. Mittlerweile zahle ich täglich mit dem Handy. Wünschenswert wäre allerdings eine höhere Akzeptans der Händler. Der Vorteil, mein Smartphone habe ich immer bei mir, meine Geldbörse oder eine EC-Karte nicht immer.

  • TvF

    28.02.14 (13:35:52)

    Lieferung am gleichen Tag ist halt nur ein geringer Mehrwert zu der Lieferung am nächsten Tag, die wir in Deutschland meist schon mit dem Standardversand erreichen. Das ist in anderen Ländern, in denen die Paketdienste für ein Standardpaket ohne Aufpreis schon mal 3 Tage brauchen (UK, US), anders.

  • hakkahukki

    28.02.14 (16:49:31)

    Konzepte die 45% bzw. 23% der Bürger erreichen sollen mau sein? Welche Zielgruppengrösse schwebt euch denn so vor?

  • Georg

    01.03.14 (23:08:04)

    Damit sich der Einkauf im Netz gegenüber den lokalen Geschäften rentiert, sollte man die Vorteile der Vielfalt nutzen, Preise vergleichen, auf verschiedene Händler und Verkaufswege setzen. Dann bräuchte ich jedoch mehrere Versandabos, die ich bezahlen müsste...ein eBay-Prime, ein Amazon-Prime, ein wasauchimmer-Prime...dann ist die Lieferung am gleichen Tag einfach teurer als die Abholung im Geschäft vor Ort binnen 30 Minuten, ganz einfach. Und was die Sache mit dem Smartphone angeht: Für zig Shops zig Apps nutzen zu müssen, ist unhandlicher als die Geldbörse. NFC hat nicht jedes Smartphone, und Internetempfang bekomme ich in vielen Geschäften nicht. Damit sich die Bezahlung per Smartphone lohnt, müsste wirklich jeder Händler vor Ort die gleiche Technologie nutzen, deren Anforderungen zudem extrem leicht zu erreichen sein müssen. Bis dato gibt es da keine sinnvolle Option auf dem Markt. Wenn ich auf dem Wochenmarkt weiterhin den Geldschein zücken muss, ich aber im Supermarkt die Wahl habe...was werde ich wohl einsetzen? Wohl kaum beide Bezahloptionen parallel, wo wäre denn da der Vorteil? Für mich ein Henne-Ei-Problem, welches jedoch nur für die Tech-Szene ein "Problem" ist, da für die Masse gar kein Handelsbedarf besteht. Das Dienste in ihrer Nutzung explodieren können, wenn Bedarf da ist, zeigen ja gerade die "sicheren" (*hust*) IMs wie Telegram. Aber bezahlen per Smartphone...in dieser Angelegenheit haben wir es doch schon echt bequem ;)

  • Destiny

    02.03.14 (21:35:07)

    Ich würde auch nicht mehr für Same-Day-Delivery bezahlen, es sei denn in einem Notfall. Kann ja mal vorkommen, aber normalerweise nicht. Man weiss ja nicht erst in letzter Sekunde, dass man etwas braucht.

  • Tom

    03.03.14 (13:54:59)

    Diese Einstellung wird sich in Deutschland in den nächsten 10 Jahren deutlich verändern ...

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