<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

02.02.12Leser-Kommentare

Der nächste Interessenkonflikt: Wie die Facebook-Aktie dem Tech-Journalismus schadet

Viele die Technologie- und Internetbranche bewachende Blogger und Journalisten rund um den Globus werden sich dieser Tage die Frage stellen, ob sie sich mit Aktien von Facebook eindecken sollten. Ein Interessenkonflikt ist programmiert.

 

Flickr/Manu_H, CC BY 2.0Vor einem Jahr beschrieb ich, wie Facebook nach einem damals schon absehbaren Börsengang eine Art neue "Volksaktie" werden könnte. Angesichts der enormen Presseaufmerksamkeit und Verwurzelung des sozialen Netzwerks im Alltag von 850 Millionen Menschen muss man davon ausgehen, dass der ein oder andere (künftige) Kleinanleger mit dem Gedanken spielt, sich mit ein paar Anteilen seines Lieblingsnetzwerks einzudecken. Zumal trotz einiger Zweifel wenigstens die theoretische Möglichkeit existiert, dass wir hier das "nächste Google" vor uns haben - mit entsprechend attraktiver Renditemöglichkeit.

Dieser Artikel der Schweizer Boulevardzeitung Blick.ch ("Kann ich auch Facebook-Aktionär werden?") wird garantiert nicht der letzte sein, der die Facebook-Aktie als interessantes Anlageobjekt für den Durchschnittsbürger ins Spiel bringt.

Dies wiederum führt zu der Frage, wie viele Journalisten und Profi- sowie Hobby-Blogger derzeit damit liebäugeln, einige Aktien des sozialen Netzwerks in ihr Portfolio aufzunehmen - oder dafür überhaupt erst ein Depot zu eröffnen. Speziell wer über Technologiethemen schreibt und grundsätzlich positiv auf das Entwicklungspotenzial des Unternehmens blickt, wird in den nächsten Wochen und Monaten eine stetige Versuchung verspüren.

Es ist wahrscheinlich, dass künftig ein Teil derjenigen, die in Blogs, in Internet-Fachmedien sowie bei führenden Nachrichtenangeboten über soziale Netzwerke und das Web im Allgemeinen und Facebook im Speziellen berichten, Besitzer von Facebook-Aktien sein werden. Ausschließen kann man dies zumindest nicht.

Einmal mehr manifestiert sich damit der ohnehin schon allgegenwärtige Interessenkonflikt der immer mehr den Mainstream erreichenden Tech-Berichterstattung. Dabei spielt es keine Rolle, inwieweit Autoren der Meinung sind, ein Aktienbesitz würde sie nicht in ihren Analysen und Perspektiven beeinflussen. Zum einen dürfte dies schlicht nicht immer stimmen, zum anderen werden Leser dies selbst dann nicht glauben wollen, wenn es tatsächlich zutrifft.

Die Übergänge zwischen Privatbloggern, festangestellten Vollblut-Journalisten und den verschiedenen Zwischenstufen sind heute fließend. Wo die Grenze verläuft, ab der sich Facebook-Aktien im Depot und redaktionelle Artikel über das Social Network in die Quere kommen, darüber dürfte es unterschiedliche Auffassungen geben.

Autoren, die für ihre Texte zur Internetbranche von Auftraggebern bezahlt werden oder als festangestellte Redakteure tätig sind, sollten meines Erachtens nach die Finger von der Facebook-Aktie lassen. Bei allen anderen hoffe ich, dass sie auf ihren Status als Anteilseigner hinweisen, wenn sie über das Social Network und verwandte Themen bloggen. Nicht alle werden dies tun. Dem zum Massenphänomen aufgestiegenen Tech-Journalismus steht damit ein weiterer Glaubwürdigkeitsverlust bevor.

(Foto: Flickr/Manu_H, CC BY 2.0)

Kommentare

  • thorsten

    02.02.12 (17:35:59)

    Facebook ist nicht sehr von presse abhaengig, das juckt niemand. Die frage ist nur ob es da draussen einen Journalisten gibt der was von Aktien versteht. Facebook ist eine interessante Firma, aber kein interessantes Investment.

  • Marco

    02.02.12 (20:17:31)

    Wen interessieren die Aktien-Portfolios von Journalisten ausser den Steuerbehörden? Hauptsache ihr macht euren Job gut, sonst bin ich weg. Wie ihr mit eurem eigenen Vermögen wirtschaftet, interessiert mich nicht und geht mich auch nichts an.

  • Karl-Heinz-Uwe-Pilz

    02.02.12 (20:36:21)

    Oh ja, ich wünschte ich hätte auch solch eine große Macht wie all die Tech-Blogger und könnte mit meinen Artikeln Aktienkurse zu Aufstieg und zum Fall führen....... Da überschätzt wohl einer die Macht seines Handwerks. Am Ende eines Quartals entscheiden immer noch Umsatz, Gewinn und Aussicht ob eine Aktie steigt oder sinkt und bestimmt nicht ein paar Blogbeiträge.

  • Martin Weigert

    02.02.12 (21:20:59)

    Selbst ein Blogger mit zehn Lesern könnte theoretisch eine Story aufdecken, die ihre Kreise zieht, letztlich von allen großen Nachrichtensites aufgegriffen und damit zu einem größeren Skandal wird - der dann durchaus den Aktienkurs beeinflussen kann. Ist ja schon oft genug vorgekommen. Wohlgemerkt beziehe ich mich im Beitrag auch nicht auf den deutschen Markt, sondern auf alle Journalisten und Blogger - das umfasst also auch die großen US-Sites, deren Einfluss man wiederum nicht unterschätzen sollte.

  • Sebastian

    02.02.12 (23:04:00)

    Ich glaube, dass die Journalisten/Blogger, die sich die Aktien kaufen, ohnehin eine positive Einstellung zu dem Unternehmen und dessen Zukunftsperspektive haben und auch ohne Investment dementsprechend berichten würden. Natürlich kann sich das im Laufe der Zeit ändern und die investierten Autoren könnten versucht sein ihr Unternehmen "gut zu schreiben", um ihr Kapital zu schützen/retten. Allerdings sollten sich die meisten der Tatsache bewusst sein, dass ihre Macht, Kurse von einem solchen Schwergewicht zu beeinflussen, relativ begrenzt ist. Gleichzeitig müssten sie neben einem Verlust ihres Investments auch den Verlust ihrer Glaubwürdigkeit fürchten. Und wenn ein investierter Autor wirklich eine "Bombenstory" entdeckt hat, dürfte diese seinen Verlust aus dem Aktien-Investment mehr als wett machen (z.B. könnte er vor Veröffentlichung sein Investment glatt stellen und sich konträr positionieren),

  • Robert Frunzke

    02.02.12 (23:17:29)

    Naajaaa.. Die "Tech-Blogger" sind nun auch schon im großen allumfassenden sozialen Bewusstsein verankert, Äußerungen einzelner Tech-Blogger-Individuen werden beim Rezipienten relativiert und (hoffentlich) kritisch aufgenommen. Ich glaube, die Blogger sind nicht das Problem. Das einzige Problem ist der alte Herdentrieb, der die FB-Aktie letztendlich steuern wird - und da es sowohl euphorische als auch kritische Agitatoren, Pressestimmen, Blogger, Whatever und auch - ganz versucht-objektiv betrachtet - sowohl positive als auch negative marktwirtschaftliche Einflüsse gibt... Bei all dem, vermute ich, dass der Kurs der Aktie sich in den ersten Monaten doch sehr sehr chaotisch entwickeln wird.

  • Robert Frunzke

    03.02.12 (03:09:55)

    "[..] ein Blogger mit zehn Lesern könnte theoretisch [...] von allen großen Nachrichtensites aufgegriffen [...] Skandal [...] Aktienkurs beeinflussen" Reden wir mal über die "illusorische Korrelation"! ;-) Also von systematischen Fehleinschätzungen von Zusammenhängen, z.B. der Einschätzung der gegenseitigen Beeinflussung voneinander unabhängiger Ereignisse. Du glaubst, dass Tech-Blogger durch Aufdeckung und Publikation irgendwelcher Stories [..letzten Endes..] den Aktienkurs beeinflussen könnten. Das mag richtig sein. Aber: die Fehleinschätzung liegt hier ganz offensichtlich darin, diese "Fähigkeit oder Eigenschaft" des Aufdeckens, Publizierens und letztendlich Beeinflussens des Aktienkurses den Tech-Bloggern zuzuschreiben! Richtig ist aber, dass die Story, die Information, oder sogar nur das Gerücht die weiteren Konsequenzen bedingt. Es ist nicht wirklich wichtig, "wer" diese Information verbreitet. Ob nun ein Tech-Blogger, ein "klassischer" Journalist, ein Politiker, eine Person der Öffentlichkeit oder Hans Wurst es "initial" verbreitet ist nicht so wichtig wie Du annimmst. Du über-bewertest den Boten, aber ignorierst die Bedeutung der Nachricht.

  • Martin Weigert

    03.02.12 (07:09:28)

    @ Robert Frunzke Das heißt du hast kein Problem damit, wenn Pro-Blogger/Journalisten über Facebook berichten und gleichzeitig Facebook-Aktien besitzen? @ Sebastian Allerdings sollten sich die meisten der Tatsache bewusst sein, dass ihre Macht, Kurse von einem solchen Schwergewicht zu beeinflussen, relativ begrenzt ist Hoffen wir's.

  • Robert Frunzke

    03.02.12 (09:06:00)

    @Martin Weigert Okay, natürlich sollte ein Journalist sein Investment in Firmen, die mit seinen Berichten im Zusammenhang stehen, offen legen. Im US-Finanz-Journalismus scheint das ja sinnvollerweise üblich (vllt. sogar gesetzlich geregelt?) zu sein. Trotzdem: wer seine Kauf-Entscheidungen aufgrund von Gerüchten tätigt ist aber auch selbst Schuld. Und der Output von Presseorganen und Bloggern in Bezug auf Unternehmensbewertungen sollten nunmal prinzipiell als Gerüchte, Meinungen oder Vermutungen interpretiert werden. Alles andere ist unvernünftig. Wer zocken will, soll zocken - und das Folgen irgendeines durch Dritte erzeugten Herdentriebes ist eben nur pures zocken. Leider verwechseln viele Leute investieren mit zocken.

  • meinbrennpunkt

    03.02.12 (18:13:38)

    Als Betroffener habe ich mir mal die Mühe gemacht, auch einen Kommenar darüber zu schreiben, mir gefällt die Entwicklung Facebooks nicht so wirklich...bei Interesse ruhig anklicken: http://meinbrennpunkt.wordpress.com/2012/02/03/kommentar-wie-facebook-die-welt-veranderte/

  • AlexReiger

    06.02.12 (07:54:14)

    Mhm, ich erinnere mich ungern an den Google IPO vor paar Jahren, da setzte leider genau der selben Effekt ein ....

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer