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09.02.10Leser-Kommentare

Der Fall "Axolotl Roadkill": Doppelmoral in großem Stil

Passagen des Buchs "Axolotl Roadkill" basieren auf einem anderen Buch, sind teilweise davon abgeschrieben. Die Reaktion der sonst nach stärkstem Urheberrecht Rufenden offenbart Doppelmoral.

axolotl roadkillDie siebzehnjährige Helen Hegemann hat mit "Axolotl Roadkill" ein erfolgreiches Romandebüt hingelegt:

Das Buch stieg auf den vorderen Rängen der „Spiegel“-Bestsellerliste ein; derzeit findet man es dort auf Platz fünf. In dieser Woche wird bekannt gegeben werden, dass es für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert ist.

Der Blogger Deef Pirmasens hat nach der Lektüre des Buches festgestellt, dass nicht wenige Passagen daraus aus dem Buch "Strobo" des Bloggers Airen abgeschrieben wurde. Das Buch oder Airen werden in der ersten Ausgabe von Axolotl Roadkill trotz weitreichender Selbstbedienung durch Hegemann nicht erwähnt. Pirmasens über das auffällig unterschiedliche Vorgehen der Autorin:

Das alles ändert freilich nichts daran, dass Hegemann Worte und Ideen von Airen als ihre eigenen ausgibt, da die konkreten Stellen (siehe oben) nicht als Zitat kenntlich gemacht wurden und keine nachvollziehbare Quellenangabe erfolgt. Anders geht sie dagegen mit einem Satz aus David Foster Wallace’ Erzählung John Billy auf S. 193 um. Es ist als Zitat kenntlich gemacht und Ullstein hat beim Verlag Kiepenheuer & Witsch die Erlaubnis eingholt es zu verwenden und darauf mit voller Quellen- und Copyrightangabe auf S. 4 von Axolotl Roadkill hingewiesen. Von Airen hat Hegemann mehr als einen Satz übernommen, dennoch wird ihm keine entsprechende Zitation zuteil. Was soll das?

Pirmasens außerdem im SZ-Interview:

Das Buch endet mit einem Brief der toten Mutter an die Protagonisten. Dafür hat Helene Hegemann offensichtlich den Songtext des Titels Fuck You der Band Archive übersetzt, vielleicht ein oder zwei Wörter geändert und dann verwendent, ohne das Zitat kenntlich zu machen. Ausgerechnet dieser Brief wurde von der Literaturkritik oft zitiert und gelobt.

Nun ist das Verwenden des Materials anderer, wie es in den Reaktionen in FAZ und anderen Publikationen beschrieben wird, nicht so ungewöhnlich. Was allerdings in den Texten nicht erwähnt wird (neben etwa Verbindungen von verteidigenden SPON-Autoren und betroffenem Verlag (via)), ist die diametral andere Sichtweise, die sonst bei Urheberrechtsfragen an der gleichen Stelle an den Tag gelegt wird. Immer wieder wird in FAZ, SZ, Welt, ZEIT und anderen Publikationen gefordert, dass das Urheberrecht stärker geschützt werden müsse.

Tatsächlich findet seit jeher gegenseitige Befruchtung in der Kunst statt. Viele Musiker fangen damit an, Songs von anderen Künstlern zu spielen. Selbst Shakespeare hat sich freimütig bei anderen bedient. Mehr noch: Shakespeares König Lear wäre unter aktuellem us-amerikanischen Copyright so nie erschienen und wahrscheinlich ebenso unter aktuellem deutschen Urheberrecht nicht. Ist das nicht bemerkenswert?

Mindestens ebenso bemerkenswert ist die Tatsache, dass dieser Zusammenhang bei der aktuellen Urheberrechtsdebatte in den Medien praktisch immer unterschlagen wird. Jetzt aber trifft es eine Autorin und ein Werk, dass man mag und schon dreht sich die Haltung in vielen Medien um 180 Grad. Das offenbart vor allem eins: Bei der Urheberrechtsdebatte in den Medien geht es selten um die gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen oder darum, wofür dieses Recht überhaupt eingeführt wurde. Es geht um Partikularinteressen: Wir verstehen, warum wir ein gelockertes Urheberrecht als Gesellschaft brauchen, aber wir wollen das nicht, wenn es auch uns betrifft, weil wir damit unsere eigene Grundlage gefährdet sehen (ob das tatsächlich der Fall wäre, steht auf einem anderen Blatt). Auf SPON schreibt Haas, der mit Hegemann den gleichen Verlag teilt:

"Naked Lunch", diese verwegene Drogen- und Wahnsinnsgeschichte, wäre nicht erschienen, wenn ein Verlag sich in Urheberrechtsdebatten verzettelt hätte. Auch Thomas Pynchons "Die Enden der Parabel", ein vor wissenschaftlichen Exkursen strotzendes Riesenwerk der Postmoderne, wäre vermutlich nie veröffentlicht worden. Wem dieser Vergleich zu entlegen ist, der schaue sich Alfred Döblins "Berlin Alexanderplatz" oder John Dos Passos' "Manhattan Transfer" an: Vom Zeitungsartikel bis zur Werbeanzeige sind die verschiedensten Gebrauchstexte in diesen Gründungswerken der literarischen Moderne verwurstet.

[..]

Wenn dann aber die Risiken eines solchen, nicht mehr selbstherrlich auf Individualität und Originalität pochenden Schreibens deutlich werden, dann fängt das Gezeter an. Es scheint für viele, auch für das Feuilleton, eine große Kränkung darin zu liegen, dass die für gut befundene literarische Provokation eine genuin postmoderne, das heißt aus Versatzstücken montierte ist.

Alles richtig. Und doch, oder gerade deswegen: Das liest man auf SPON? Bemerkenswert.

Angenommen, man sieht es tatsächlich so. Angenommen, wir können uns zusätzlich darauf einigen, dass der Zugang zu und Umgang mit Texten und anderer digital vorliegender Kunst durch das Internet einfacher wird. Würde beides zusammen nicht den Schluss nahelegen, dass eine Lockerung des Urheberrechts gesamtgesellschaftlich wünschenswert wäre, um etwa die Kunst insgesamt zu fördern? Warum ist die vorherrschende Narration in den etablierten Medien dann praktisch ungebrochen das Gegenteil? Und zwar: Stärkeres Urheberrecht, um die Kunst online zu schützen.

Wie gesagt: Dass jeder Künstler auf andere Künstler aufsetzt, ist nichts neues. Im Gegenteil, zu verstehen, wie wichtig das für den künstlerischen Prozess ist - und dass es das eigenbrötlerische Genie, das alles aus sich selbst schafft, nicht gibt -, ist wesentlich, um zu begreifen, warum das aktuelle, viel zu starke Urheberrecht längst nicht mehr Kultur und Künste schützt, sondern nur noch Rechte verwaltende Unternehmen. Tatsächlich behindert das aktuelle Urheberrecht sogar die freie Entfaltung von Kunst und Kultur, wie es heute potentiell möglich wäre.

Kommen wir noch einmal konkret zum vorliegenden Fall zurück. Nun könnte man einwenden, es handele sich bei Hegemanns Verwendung der Passagen aus "Strobo" um einen Remix :

Nun folgt einem ungewöhnlichen Bucherfolg fast nichts so zuverlässig wie der Plagiatsvorwurf – wobei das heute nicht mehr Plagiat oder Abschreiben, sondern vorgangsgetreu „Copy-Paste-Verfahren“ oder auch Remix genannt wird. Sich mehr oder weniger ungeniert bei anderen zu bedienen und das dann Inspiration zu nennen, ist die moderne Form der webbasierten Intertextualität.

Es besteht aber ein wesentlicher Unterschied zwischen einem Remix und einem Plagiat. Deef :

Schön, dass sich Hegemann entschuldigt hat. Was sie aber nicht versteht oder verstehen will ist, dass Remixen, Samplen, Transformieren usw. vollkommen in Ordnung gehen, so lange man sich nicht mit fremden Federn schmückt

Kann man etwa weite Teile des oben zitierten Textes der FAZ-Autorin Felicitas von Lovenberg kopieren, als eigene Kreation ausgeben und dann, wenn es auffliegt, behaupten, es sei nur ein Remix gewesen? Nein. Nicht nur ist es juristisch nicht zulässig. Ein Remix weist neben der Rekontextualisierung, die bei Hegemanns Buch zweifelslos gegeben ist, eben auch den Verweis auf die Quelle oder zumindest den offensichtlichen Umgang mit fremden Material auf. Letzteres fehlte in Axolotl Roadkill zumindest in der ersten Ausgabe. Und das ist das eigentliche Problem bei Hegemanns Vorgehen.

Dass hier jetzt all jene der Autorin und ihrem Verlag zur Seite springen, die sonst nicht müde werden, wieder und wieder zu behaupten, dass nur mit einem starken Urheberrecht Kunst, die Presse und überhaupt die Kultur überleben kann, ist an Absurdität kaum zu toppen.

Diese fundamentalistischen Urheberrechtsforderungen, die sich mit Beispielen quer durch die Kulturgeschichte widerlegen lassen, werden mit diesem Fall ein weiteres Mal widerlegt:

  • Denn weder wurde der Blogger Airen geschädigt, erhält sein Buch jetzt doch sogar noch mehr Aufmerksamkeit. (Natürlich erst nachdem all das bekannt wurde. Und genau da liegt der Fehler, den Hegemann begangen hat, nämlich das ursprüngliche Weglassen der Quelle.)

  • Und auch "Axolotl Roadkill" verliert nicht an Lesequalität, nur weil fremde Passagen hinzugefügt wurden.

Damit aber nicht genug: hier springen Publikationen einer nach geltendem Recht schlicht als Urheberrechtsverletzerin zu bezeichnenden Person zur Seite, welche sich sonst bereits an den Teasertexten auf Google News und in Suchmaschinen stören. Das passt schlicht nicht zusammen.

Wenn uns etwas nicht passt, wollen wir stärkstes Urheberrecht, aber wenn uns das Ergebnis gefällt, drücken wir alle Augen zu? Ich bin nicht der einzige, der das, was man in den meisten Medien aktuell liest, mit Verwunderung wahrnimmt :

doch ich frage mich, wie die Geschichte wohl verlaufen würde, wenn „Strobo“ – beispielsweise – von einer TAZ-Autorin geschrieben worden wäre und „Axolotl Roadkill“ – beispielsweise – von einem Blogger.

Wann immer es in den nächsten Wochen und Monaten medial um das Leistungsschutzrecht, Google-Snippets, Urheberrecht im Internet und vermeintliche Piraterie geht, sollte man auf diesen Fall verweisen, in dem sich so offensichtlich wie man es selten sieht die Doppelmoral der deutschen Medien bei der Urheberrechtsproblematik offenbart.

Kommentare

  • Horst Kreutzer

    09.02.10 (18:10:42)

    Doppelmoral ist in diesem Falle fast noch etwas untertrieben. in einer anderen rezension las ich etwas über einen casino betrug, der aber komischerweise hier nicht vorgekommen ist. Nicht viele Kritiker befassen sich mit dem Werk, wie es hier getan wird. dafür meinen respekt!

  • w

    09.02.10 (20:15:22)

    danke!

  • rob d

    09.02.10 (20:56:12)

    Danke für diesen Text. Er wird mir sicherlich das ein oder andere mal als Quelle dienen wenn ich auf die Doppelmoral der deutschen Medien zu sprechen komme. Gruss, rob

  • Thomas

    09.02.10 (21:38:11)

    Da das Buch auf den Bestsellerlisten steht und entsprechend hochgehypt worden ist muss man eigentlich von professioneller Urheberrechtsverletzung ausgehen mit entsprechenden Konsequenzen: Regressforderungen,Beseitigung, Geldstrafe und Haftstrafe bis zu fünf Jahre. Des weiteren kämen IMHO Betrug und Untreue infrage. Zu prüfen wäre ferner, ob vielleicht nicht doch auch Daddy und/oder der Verlag involviert sind. Fahrlässigkeit, Anstiftung zu Straftat etc. wären denkbar, falls der Ideenklau doch nicht so ganz allein auf die sogenannte Autorin zurückzuführen sein sollte. Ja, wirklich seltsam, dass diesmal ausgerechnet die Medienkonzerne gar nicht so auf eine Verfolgung aus sind! Warum etwa fühlt Ullstein sich nicht betrogen und stellt keine Anzeige? Hier muesste die Staatsanwaltschaft her, denn das öffentliche Interesse ist, wie mittlerweile wohl tausende von Kommentaren zeigen, sicher vorhanden!

  • Vojislav Miljanovic

    10.02.10 (09:57:20)

    Ja, ist doch klar: Wenn man das Buch in den Rezensionen erst als Knüller hochjazzt, dann fällt es schwer, neue negative Tatsachen als solche an sich heranzulassen. Gibt es da nicht einen Wissenschaftszweig - "Behaviour nochwas" - der sich damit beschäftigt, z. B. wenn man Aktien gekauft hat und dann nachträglich negative Infos nicht wahrhaben möchte und eher Verluste in Kauf nimmt, statt sich einzugestehen, das man eine blöde Entscheidung getroffen hat? Der Verlust hier ist in der Tat die GLAUBWÜRDIGKEIT der eigenen Position in Sachen Urheberrecht. Aber: Ist doch schön, dass sich Felicitas bei der FAZ auch nur "menschlich" verhält ... :-)

  • Klaus Graf

    13.02.10 (03:36:33)

    Finde das sehr schön herausgearbeitet. In meinem Buch "Urheberrechtsfibel" 2009 (http://www.contumax.de) habe ich detailliert gezeigt, dass das geltende Urheberrecht gerade im Bereich der Bearbeitungen von einer rigiden Kreativitätsfeindlichkeit ist. Was man der Autorin vorhalten kann, ist die fehlende Quellenangabe. Eine solche irgendwo im Kleingedruckten unterzubringen, hätte die literarische "Collage" nicht gestört. Wir brauchen ein Urheberrecht, das es in weit größerem Ausmaß als bisher erlaubt, kreativ anderes Geistesgut zu bearbeiten. Der Blick in die Geschichte zeigt ja, dass man auch ohne ausgefeilten und lückenlosen Urheberrechtsschutz herausragende Werke schaffen konnte. Außer Shakespeare könnte man auch auf Brecht verweisen (siehe das Zitat in der Einleitung meines Buchs).

  • Marcel Weiss

    13.02.10 (16:14:29)

    Ja, das sehe ich auch so. PS: Danke für den Hinweis auf das Buch. Schaue ich mir mal an.

  • Ruth Nestvold

    14.02.10 (00:44:04)

    Sehr gute Analyse, danke! Ich habe auf Englisch eine kurze Zusammenfassung der Debatte auf meinem Blog veröffentlicht, "We Can Copy it For You Wholesale. Or; Patchwork Authenticity for the Cut-and-Paste Generation", wo ich ähnliche Schlüsse komme: http://specficrider.livejournal.com/48829.html

  • Thorsten Krämer

    14.02.10 (09:20:19)

    Danke für diesen Artikel! Ich habe gerade eine Facebook-Gruppe gegründet: "Geistiges Eigentum ist Diebstahl". Da geht es auch um genau diese Zusammenhänge: http://www.facebook.com/group.php?gid=346486302288

  • Wolfgang Petersöhren

    14.02.10 (22:06:51)

    Hi, also ich finde es bewundernswert, das diese Person in so jungen Jahren im Stande ist ein Bestseller Roman zu schreiben. Mit 17 konnte ich kaum glaubhaft meine eigene Unterschrift auf dem EC-Bon duplizieren, ohne das der Alarm ausgelöst wurden wäre. Das nur 0,5% des Produktes illegal aus dem geistigen Eigentums anderer Menschen entnommen wurde, halte ich aus marktwirtschaflicher Sicht für absolut bewundernswert in Deutschland. Und da der Umsatz, der mit diesem Roman gemacht wird so wie bei allen Produkten,die oberste Quintessenz seines gesammten Schaffensprozesses ist, sollte man es auch so betrachten und nicht als Betrug an der Literatur. Diese sollte sich nämlich nicht darauf verlassen, das die heutige Jugend nur betrunken im Handy-Download-shop abchillt, sondern immer mehr dazu übergeht sich des überall und immer präsenter zugänglichen Wissens zu bemächtigen um daraus Kapital zu schlagen. Die nächsten Bücher von Helene H. sind mit Sicherheit plagiatsfrei und von daher wünsch ich Ihr viel Erfolg und bin gespannt. MfG W.

  • Stefan Martens

    15.02.10 (01:48:13)

    Ich habe jetzt keine Zeit gehabt, den Artikel zu lesen, aber: Hat schonmal jmd. drüber nachgedacht, abgesehen von den ethisch / moralischen Aspekten, was passiert wäre, wenn Airen einfach nur in der Danksagung oder im Quellenverzeichnis aufgetaucht wäre? Sicherlich nicht folgendes: Strobo Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 67 in Bücher Nr. 26 in Bücher > Belletristik Strobo auf Amazon (affiliate Link). [Edit: Wow, seinen eigenen Affiliate-Link in den Kommentaren unterbringen: Das ist durchaus von hegemannesker Chuzpe :) - Gelöscht.]

  • Frank Niederländer

    15.02.10 (23:30:19)

    Danke für die Zusammenfassung der Debatte. Leider geht es hier nicht nur um urheberrechtliche Fragen. Wenn ein Buch, das offenbar großflächig woanders abgeschrieben wurde, von der professionellen Literaturkritik in allerhöchsten Tönen gelobt und sicher auch durch diese Unterstützung zu einem Markterfolg wird, das Buch, bei dem abgeschrieben wurde, aber gar nicht erst wahrgenommen wurde, dann liegt hier nicht nur der Rechtsverstoß einer Autorin, sondern auch ein Totalversagen der Kritik vor. Von der Kritik muss ich das Original und nicht die Fälschung erwarten dürfen.

  • hannah

    16.02.10 (15:30:49)

    Axolotl Roaskill ist auch nicht das einzige was H H "geremixt" hat.tendiere dazu es alles als eine riesige werbekampagne,als ein Hegefeuer der Eitelkeiten zu sehen.für alle beteiligten!Eine Stellungnahme der Vice, fair und interessant wie ich finde. Try a little Tenderness.

  • Vojislav Miljanovic

    17.02.10 (11:36:42)

    Hm, vielleicht bin ich ja einer der wenigen, die Axolotl Roadkill von H. Hegemann tatsächlich gelesen haben, aber da steht es doch schon drin: "... weil so viele Gedanken da sind, dass man seine eigenen Gedanken gar nicht mehr von den fremden unterscheiden kann." Noch deutlicher hier: "Es ist egal, woher ich die Dinge nehme, wichtig ist, wohin ich sie trage." "Es ist also nicht von Dir?" "Nein. Von s'nem Blogger." Q.E.D. PS Auf jeden Fall viel zu viel Bohei um so ein Fake-Werk einer Göre! Das erinnert mich an weiße Mittelstands-HipHop-Bubis, die versuchen wie schwarze Ghetto-Kids & Rapper über Sachen zu singen, die die in den USA aber authentisch erlebt haben ...

  • Martin

    20.02.10 (00:23:11)

    Ich gebe Dir grundsätzlich Recht, aber ich weiss nicht, ob man in diesem Fall von "der" faz, süddeutschen usw... reden kann. Das sind ja nicht zwangsläufig uniforme Meinungen dort in den Redaktionen, geschweige denn zwischen Verlegern und Journalisten. Blogger sind ja auch nicht gleich Blogger, oder?

  • Stefan Martens

    20.02.10 (01:04:50)

    [Edit: Wow, seinen eigenen Affiliate-Link in den Kommentaren unterbringen: Das ist durchaus von hegemannesker Chuzpe :) - Gelöscht.] Was ist denn EUER Problem? Ich habe den Link GEKENNZEICHNET. Wieso sollte man nicht davon profitieren dürfen, wenn man einen zum Kontext PASSENDEN Link postet? Und den dann noch als Affiliate-Link markiert? imho Grenzwertig!

  • Stefan Martens

    20.02.10 (01:21:47)

    btw: Wenn ihr Harald Schmidt geschaut hättet, wüsstet ihr, dass sie ein sympathisches 17-Jähriges Mädchen ist, zumindest zu sein scheint. Sie möge geschult worden sein für die Sendung, was auch immer. Sie ist einfach ein 17-jähriges Mädchen und kann schreiben.

  • Stefan Martens

    20.02.10 (01:23:40)

    btw2: ihr hättet den link zum buch strobo auch selbst posten können...

  • Cocody

    20.02.10 (18:21:44)

    Ich habe soeben "Axolotl Roadkill" bis zur letzten Seite gelesen, habe es mit der vom Ullstein-Verlag veröffentlichten Quellenangabe verglichen und kann mir jetzt ein Urteil erlauben. Dieses fasse ich wie folgt zusammen: Falls Helene Hegemann das wirklich selbst geschrieben, gesamplet und remixed hat (woran ich aber gewisse Zweifel habe), dann kann sie was. Aber nicht genug. Und so geht's schon gar nicht. Erstens: Wenn ein Roman sich in diesem doch drastischen Maße ungeniert bei anderen Quellen bedient, dann muss der Leser das von vornherein erfahren, und nicht erst, wenn ein Blogger zufällig über ihm bekannte Zeilen stolpert und die Öffentlichkeit damit überrascht. Wenn man ertappt nachschiebt, man folge halt dem "Konzept der Intertextualität", dann ist das eine Ausrede und einfach frech. Hallo-hallo, ist da eigentlich noch jemand zuhause im Oberstübchen? Auf jedem Joghurtbecher zu 19 Cent muss bis ins Kleinste aufgedruckt werden, was drin ist. Warum eigentlich sollte das bei Literatur anders sein? Leser sind auch Konsumenten. Zweitens: "Sie dürfen ruhig abschreiben", hat einer meiner früheren Lehrer immer vor Klassenarbeiten gesagt, "Sie dürfen sich nur nicht erwischen lassen." Er hatte völlig recht. Und zwar deshalb: Wenn jemand schreiben kann, dann kann er auch umschreiben. Natürlich darf sich ein Autor bei anderen Quellen bedienen. Aber ein halbwegs guter Schreiber hätte ohne große Mühe die inkriminierten Stellen in Axolotl Roadkill so verändern können, dass kein Mensch auf die Idee gekommen wäre, dass es sich um Anleihen aus anderen Texten handelt - womöglich nicht einmal die Originalautoren selbst. Warum hat Hegemann das nicht getan? Dramaturgisch notwendig ist die nahezu wortgleiche Übernahme aus dem Roman "Strobo", aus anderen Büchern sowie aus diversen Blogs und Internet-Einträgen meiner Einschätzung nach jedenfalls nicht. Und als literarische Verweise funktionieren diese Übernahmen auch nicht - dazu müsste man bei den Lesern voraussetzen dürfen, dass sie die Originale kennen. Das ist aber nicht der Fall, hier wurde ja nicht etwa literarisches Gemeingut wie Goethe, Schiller oder meinetwegen Kerouac zitiert. Es liegt also nahe zu glauben, dass Hegemann einfach deshalb nahezu ein zu eins abgeschrieben hat, weil sie a) es nicht anders konnte oder b) zu faul war, sich die Mühe des Umschreibens zu machen oder c) beides. In jedem Fall ist das ein erheblicher handwerklicher Mangel. Den kann man zwar der noch sehr jungen Helene Hegemann verzeihen, nicht aber dem Buch. Drittens: Gelegentlich wird im Zusammenhang mit der Axolotl-Diskussion auf das Urheberrecht eingeprügelt. Dazu möchte ich zu bedenken geben: Wenn jedes Werk nach Belieben geplündert werden darf, um selbst am Gedankengut anderer Autoren zu verdienen, dann wird es in absehbarer Zeit nichts Neues mehr geben, sondern nur noch Abgeschriebenes. Warum denn sich das Hirn zermartern, um etwas nie Dagewesenes zu schaffen, wenn man doch mit dem selben Erfolg einfach aus irgendeinem gedruckten Buch abschreiben kann? Erst das Urheberrecht gibt Anreiz zu einer eigenen Leistung. Und noch etwas: Dass "Strobo"-Autor Airen jetzt zu Recht mit am Erfolg von Axolotl Roadkill profitieren kann, liegt allein daran, dass es ein Urheberrecht gibt. Gäbe es das nicht, müsste er schlicht in die Röhre schauen. Dann hätte Hegemann ohne Bedenken abschreiben dürfen, was immer sie wollte, und niemand hätte eine Beschwerde vorbringen können. Und ist Axolotl Roadkill eigentlich ein gutes Buch, von der Diskussion mal absehend? Nun ja. Es gibt keine Geschichte. Es gibt abgesehen von der Ich-Erzählerin keine interessanten Charaktere. Es gibt keine Spannung erzeugende Dramaturgie. Und anders als viele Feuilletonisten glauben machen wollten, taugt Axolotl Roadkill auch nicht als Wichsvorlage. Wer gerne Tagebücher von sich selbst bemitleidenden, altklug daherschwadronierenden 16-jährigen Mädchen liest, wird hier bestens bedient. Für mich war das eher nichts.

  • Florian Steglich

    22.02.10 (08:58:25)

    Tja, da sind wir wohl unterschiedlicher Meinung. Ich finde einen Affiliate-Link-Kommentar dreist, und zwar insbesondere, wenn er mit "Ich habe jetzt keine Zeit gehabt, den Artikel zu lesen, aber:" anfängt.

  • Stefan Martens

    22.02.10 (12:22:57)

    Okay, was der Wahrheit eher entsprochen und auch nicht so dreist geklungen hätte: "Ich habe den Artikel nur überflogen." Das liegt übrigens daran, dass scheinbar jeder Hans Wurst (damit meine ich euch jetzt nicht) sich dem Thema annimmt und ich es gleichzeitig ebenfalls interessant finde, jedoch nicht ALLES lesen kann. Da stecke ich meine Energie dann lieber in Kommentare, meistens auch ohne Affiliate-Links ;-) Ich mache das auch erst seit kurzem, da ich mich mit einem Kumpel über diese Art von Affiliate-Marketing unterhalten hatte. Meiner Meinung nach sollte so etwas legitim sein, wenn man die von mir imho erfüllten Bedingungen einhält: a) Man trägt konstruktiv mit seinem Kommentar zur Diskussion bei,bzw. erzeugt einen informationellen Mehrwert - habe ich gemacht - es gab keinen Link zu Airens Strobo, was ja eigentlich nicht im Sinne der Autoren hier sein kann. b) Man kennzeichnet den Affiliate-Link entsprechend Klar, ich kann nachvollziehen, dass das hier EURE Spielwiese ist und nicht meine, aber mir geht es momentan auch darum, auszuprobieren, ob diese Art von "Targeting" bei Affiliate-Werbung funktioniert. Ich werde nicht reich damit! Das von meiner Seite aus.

  • Sandra Diana Troegl

    23.02.10 (18:54:43)

    Vielen Dank für diesen sehr differenzierten Artikel! Habe das Buch kürzlich gelesen und zwei Ergänzungen zur Diskussion: 1. schreibt Helene Hegemann explizit im Text, dass sie Quellen aus einem Blog genommen hat. Zwar stilistisch aus Sicht von Mifti (der Protagonistin im Buch), da das Buch aber Realität und Fiktion dergestalt vermischt, ist das nicht zu vernachlässigen; 2. bedankt sie sich bei Airen in der Danksagung. Die Art, wie bei Axolotl Roadkill die Grenzen zwischen Traum, Wahnvorstellungen und reale Ereignisse in der Geschichte verschwimmen, ist beachtlich fantasievoll, kreativ und furchteinflößend. Was mich jedoch einfach nicht losläßt: Wie um alles in der Welt kann die Republik noch über Urheberrecht diskutieren, wo eine 17jährige über Drogen, Selbstzerstörung, Haß, Gewalt, Suizid und sexuellen Mißbrauch in einem Ausmaß schreibt, dass es uns bis ins Knochenmark erschüttern müsste?

  • ARTiBerlin

    12.05.10 (13:24:15)

    Ich hatte lange Zeit Probleme mit Fräulein Hegemann. Ich glaube es war Neid. Ich glaube auch, es war die Vorbelastung der Pressemitteilungen. Schließlich las ich ihren Roman für einen Artikel. Doch ich musste nach jedem Absatz 20minütig pausieren. Ich quälte mich regelrecht durch dieses Buch. Irgendwann sagte ich mir: "Mann.So geht's nicht weiter. Du musst Dich mit Helene Hegemann versöhnen, sonst schaffst Du das Buch nie". Also versöhnte ich mich mit ihr. Innerlich. Und was dabei heraus kam, war eine Rezension, der etwas anderen Art. http://www.artiberlin.de/article/Axolotl_Roadkill-Wie_ich_mich_mit_Helene_H_ve

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