<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

13.10.09

Der erste Eindruck zählt: Ein paar Tipps für PaperC

Auf PaperC können Studenten und andere Interessierte Fachbücher kostenlos lesen. Wer Seiten ausdrucken oder bearbeiten möchte, muss dafür zahlen. Was dem Berliner Startup mit seinem überzeugenden Konzept bisher noch fehlt, ist eine informative und schlagfertige Produktpräsentation. Wir geben ein paar Ratschläge.

PaperCVor einigen Tagen erhielten wir eine Mail von Leser Maximilian, in der er uns auf PaperC aufmerksam machte, eine Plattform zum kostenlosen Lesen von Fachbüchern. Wie immer bei neuen Diensten gab ich der Site rund 30 Sekunden, um mich von ihrem Nutzen zu überzeugen zu lassen und aufkommende Fragen durch eine gute Produktpräsentation und Seitenstruktur umgehend beantwortet zu bekommen.

Leider fiel PaperC in diesem "Test" durch. Weder auf der Hauptseite noch in der eigentlich dafür vorgesehen "Über uns"- oder FAQ-Sektion erhielt ich die Infos, die mir als User erklären, was genau die Vorzüge von PaperC sind und wie der Spaß funktioniert. Davon abgesehen machte das Layout auf mich einen nur bedingt professionellen Eindruck. Und bei jedem Klick auf eines der verlinkten Bücher wurde ich zur Registrierungsmaske weitergeleitet. Schnell war meine Geduld am Ende.

In der folgenden Mail-Konversation beschrieb ich Maximilian mein Problem: Selbst wenn PaperC ein potenziell erfolgreiches Konzept hat - und danach sieht es aus - so könnte der Mangel an Informationen sowie das zumindest auf den erste Blick etwas semiprofessionell wirkende Design mögliche Neunutzer abschrecken.

Schwächen bei der Produktdarstellung hin oder her: Falsch lag Maximilian mit seinem Hinweis auf den Dienst in jedem Fall nicht: Am Montag wurde bekannt, dass die junge Plattform vom Technologiegründerfonds Sachsen eine Finanzierung in sechsstelliger Höhe erhalten hat. Schon vorher konnte man gemäß der Meldung einige Business Angels an Bord holen.

Aber wie genau funktioniert PaperC nun? Nutzer können rund 1500 deutsche- und englischsprachige Fachbücher von derzeit 17 Partnerverlagen kostenlos über einen Flashviewer lesen, vom Anfang bis zum Ende. Wer einzelne Seiten ausdrucken, mit Notizen versehen oder Texte kopieren möchte, muss pro Seite einmalig zwischen fünf und zehn Cent zahlen.

PaperC Flashviewer

PaperC richtet sich hauptsächlich an Studenten, aber soll mittelfristig auch für "Praktiker, Unternehmensberater, Coaches und Rechtsanwälte eine hervorragende Arbeitsplattform werden" - so Martin Fröhlich, einer der drei PaperC-Gründer im Interview beim WiWo-Gründerraum-Blog. Dort verraten die Entrepreneure auch ihr anspruchsvolles Ziel: Weltmarktführer (beim Onlinezugang zu Fachbüchern) zu werden.

Wider erwarten scheinen Verlage angetan zu sein von der Idee, teure Fachbücher kostenlos bereitzustellen. Sie wissen, dass Studenten sich nicht mit dem Lesen der Titel begnügen werden. Sie wollen Zitate übernehmen, sich Notizen machen und Seiten ausdrucken. Das geschieht bisher zumeist über selbst gezogene Kopien von aus der Bibliothek ausgeliehenen Büchern. Mit PaperC eröffnet sich für Verlage eine Möglichkeit, das Arbeiten mit Fachliteratur zu monetarisieren.

Dank der Finanzspritze ist die Grundlage für eine Expansion von PaperC gelegt. Bis Ende 2009 rechnet das Startup laut deutsche-startups.de mit 100.000 registrierten Mitgliedern.

Angesichts der großen Pläne ist mein Vorschlag an das PaperC-Team, einen kleinen Teil des frischen Kapitals in die Verbesserung der Darstellung und Struktur ihrer Site zu investieren und sich nicht auf das Argument zu verlassen, kostenlose Fachbücher seien Marketing genug. Zum Teil mag das zwar stimmen, aber mit besseren Informationen sowohl für Erstbesucher als auch für bestehende Mitglieder könnte das Wachstum deutlich angekurbelt werden.

Konkrete Vorschläge:

- Gut gefüllte "Über uns"-Seite mit einer kurzen Entstehungsgeschichte - macht die Site "persönlicher", "menschlicher".

- Ausführliche FAQ, die z.B. erklärt, wie Guthaben aufgeladen wird (hat dazu jemand etwas gefunden?)

- Ein "Mehr Informationen"-Link auf der Hauptseite mit weiterführenden Infos zur Funktionsweise

- Ein Video auf der Hauptseite, das PaperC erklärt

- Entfernen des blauen Farbverlaufs. Ich glaube, das war es, was bei mir unbewusst für den ersten, eher schlechten Eindruck gesorgt hat.

- Generell mehr Detailbeschreibungen zu einzelnen Funktionen und Links

- Möglichkeit zur Anmeldung via Facebook, Google, OpenID etc. (siehe)

Es ist offensichtlich, dass all diese Dinge (bis auf den letzten Aspekt) Kleinigkeiten sind, die in der Umsetzung nicht mehr als ein bisschen Zeit und wenige Euro für ein paar Lieferpizzen kosten. Der positive Effekt dieser "Kosmetikarbeit" dürfte jedoch nicht zu überschätzen sein. Der erste Eindruck ist immer wichtig. Wer Weltmarktführer werden will, muss sein Produkt auch wie ein werdender Weltmarktführer präsentieren. Dann könnte das auch klappen.

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer