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14.08.10Leser-Kommentare

Debatte um Google Street View: Herr Westerwelle, Sie sind ein schlechtes Vorbild

Die Haltung einer Gesellschaft wird stark durch Äußerungen und Handlungen von Politikern geprägt. Die Street-View-Debatte zeigt, dass Deutschlands Politiker-Elite gute Vorbilder fehlen.

 

Die Diskussion rund um die Lancierung von Google Street View in Deutschland hält an. Kaum jemand hätte sich wohl vor einer Woche vorstellen können, zu welcher Hysterie und Panikmache die Pläne von Google führen würden, den Dienst noch in diesem Jahr in 20 deutschen Städten zu starten.

Aus Blogger-Sicht war es eine anstrengende Woche. Es sorgt nicht gerade für gute Laune, jeden Morgen aufs Neue vom peinlichen Street-View-Aktionismus der hiesigen Politiker lesen zu müssen. Statt die Aufmerksamkeit auf Themen richten zu können, die Menschen, Wirtschaft und Gesellschaft voranbringen, sind Hunderttausende damit beschäftigt, sich an einer populistischen, unsachlichen und rückwärtsgewandten Diskussion zu beteiligen, die niemandem nützt.

Anfänglich suchte ich die Schuld für die vergiftete Street-View-Debatte bei den Bürgern selbst, von denen ein signifikanter Teil in Deutschland seit jeher äußerst zurückhaltend agiert, was das Ausprobieren neuer Web-Technologien und -Dienste betrifft. Doch spätestens nachdem ich diesen Blogbeitrag von Alvar Freude gelesen hatte, wurde mir klar, dass die meisten Menschen gar nichts für ihre ablehnende Grundhaltung können. Alvar Freude merkt zurecht an, dass die von rp-online.de mit Foto und Namen abgebildeten Street-View-Kritiker, die es in den letzten Tagen auf Twitter und in Blogs zu einer gewissen Bekanntheit gebracht haben, mit großer Wahrscheinlichkeit gar nicht genau wissen, was Street View ist, wie es funktioniert und welche Vorteile es ihnen bringen könnte.

Eher ist anzunehmen, dass sie (und andere in den Medien dargestellte "Otto-Normal-Kritiker") von verantwortlichen Journalisten entsprechend instruiert wurden. Es dürfte nicht schwierig sein, mit einer kurzen "Argumentation" à la "großes US-Unternehmen kommt und will ihr Haus einfach so fotografieren und weltweit ins Internet stellen - das lassen Sie doch nicht etwa mit sich machen, oder?" willkürlich ausgewählte Passanten zu Street-View-Gegner zu machen.

Das eigentliche und wirkliche Problem ist meines Erachtens nach aber ein anderes. Nachdem ich eben Spiegel Online besuchte, konnte ich einen Gedanken, der mir schon seit Tagen im Kopf herumschwirrt, endlich in Worte fassen. Als ich die Überschrift "Auch Westerwelle will sein Haus pixeln lassen" las, fiel es mir wie Schuppen von den Augen, warum in Deutschland die Digitalisierung nicht mit mehr Enthusiasmus und Optimismus angegangen wird: Es fehlen die guten Vorbilder. Oder anders ausgedrückt: Es gibt zu viele schlechte Vorbilder.

Egal wie gering das Vertrauen der Bürger eines Landes in ihre Politiker ist - es sind dennoch die politischen Entscheider, welche in vielerlei Hinsicht eine Vorbildfunktion besitzen und die öffentliche Meinung prägen. Wenn nun ein Spitzenpolitiker nach dem anderen medienwirksam verkünden lässt, auch sein Haus bei Street View unkenntlich machen zu lassen, dann sendet dies ein fatales Zeichen in die Republik: Nämlich, dass der technische Fortschritt mit allen Mitteln aufgehalten werden muss.

Es spielt dabei auch überhaupt keine Rolle, was man persönlich von Street View hält. Selbst überzeugten Skeptikern wird einleuchten, dass das Verpixeln von durch Sicherheitskräften gesicherten Spitzenpolitiker-Wohnungen ausschließlich symbolischen Charakter hat. Die Angst vor Einbrechern dürfte Westerwelle, Ilse Aigner oder Hans-Christian Ströbele sicher nicht zu einem Widerspruch bewogen haben.

Westerwelles Zitat spricht dabei eigentlich Bände: "Fotos? Von meiner Wohnung? Im Internet? Kommt nicht in Frage! Für mich ist das eine prinzipielle Frage und deshalb werde ich meine Möglichkeiten nutzen, dies zu verhindern."

Die Street-View-Debatte verdeutlicht Deutschlands womöglich allergrößtes Problem, was die Tauglichkeit des Landes für das digitale Zeitalter betrifft: Spitzenpolitiker aller Parteien sind nicht nur in höchstem Maße inkompetent, was das Wissen über die Möglichkeiten des Internets betrifft, sondern hegen eine vollkommen ungerechtfertige, übertriebene und unreflektierte Skepsis gegenüber der technischen Entwicklung.

Die Konsequenzen liegen auf der Hand: Statt in der Bevölkerung mit entsprechenden Aussagen und Initiativen für eine positive Grundhaltung zur digitalen Welt zu sorgen, animieren hiesige Top-Politiker ihre Bürger zu ausufernder Abneigung und zu einem grundsätzlichem Misstrauen im Bezug auf neue Technologien.

Es geschieht nicht oft, dass ich derartig pauschale Aussagen zu politischen Entscheidern mache. Stets versuche ich, selbst für noch so absurde Beschlüsse und Äußerungen der gewählten Volksvertreter Verständnis zu zeigen und mögliche Gründe zu finden, die diese rechtfertigen könnten. Doch im aktuellen Fall ist dies unmöglich. Noch nie hat die politische Elite in Deutschland deutlicher gezeigt, wie unfähig sie ist, das Land fit für die digitale Gesellschaft der Zukunft zu machen.

Statt lautstark bekannt zu geben, allein aus Prinzip einer Darstellung in Street View zu widersprechen, hätte Außenminister Guido Westwerwelle vernünftigerweise eher etwas sagen können wie: "Ich habe damit überhaupt kein Problem. Ich verstehe zwar Einwände, dass etwa Einbrechern die Vorbereitung erleichtert könnte, aber wenn es jetzt nicht kommt, dann kommt es in fünf Jahren oder in zehn Jahren, es kommt definitiv. Wenn einer rauskriegen will, wo ich wohne und es wirklich auf mich abgesehen hat, dann schafft er das auch ohne Google."

Doch leider kam dieses Zitat nicht von Guido Westerwelle, sondern von Jürgen Drews. Der 65-jährige Schlagersänger beweist damit gleichzeitig, dass wir hier nicht über ein Generationenproblem sprechen.

(Foto: Flickr/byrion, CC-Lizenz)

Kommentare

  • guehart

    14.08.10 (11:41:17)

    Ihrem Post stimme ich zu 90% zu. Viele Argumente fassen in Worte, was ich auch denke. Aber dennoch bleibt ein ungeklärter Rest (das ist im Leben immer so), vor allem stört mich, dass dem sog. technischen Fortschritt in jedem Falle das Wort geredet wird. für mich ist Google s StreetView zwar ein technisch hochentwickeltes Projekt, aber ob es ein technischer Fortschritt (im gesellschaftlichen Sinne) ist, ist damit noch nicht gesagt. In erster Linie ist es ein Big-Business für Google und dagegen ist auch nicht viel zu sagen. Ob aber jedes Big-Business auch gesellschaftlich sinnvoll ist bleibt ebenfalls die Frage (s. auch Atomindustrie, Waffenindustrie oder andere Hochtechnologien). Insofern denke ich, ist es in der Tat die Aufgabe von "Eliten" (gehören Politiker heute überhaupt noch dazu?) den gesellschaftlichen Diskurs anzuregen und mit zu gestalten und nicht die gesamtgesellschaftliche Paranoia zu fördern. In diesem Sinne erhoffe ich eine fundiertere Auseinnandersetzung als sie bisher gepflogen wurde. BTW: Nicht in jedem gepixelten Haus wohnt ein Politiker, aber es könnte einer drin wohnen! BTW_2: Wie wäre es damit: Google gibt jedem Pixler die Möglichkeit mit dem Einsatz für den Schutz seiner Privatsphäre zu werben: Wenn man mit dem Mauszeiger über ein gepixeltes Haus fährt, erscheint ein Hinweis: Dieses Haus wurde auf Antrag von Herrn/Frau XYZ gepixelt. Mehr Pobularität geht nicht, oder?

  • Richard

    14.08.10 (11:45:13)

    Legendär und dazu passend ist das Video, in dem Kinder Politiker nach dem Internet fragen: http://www.youtube.com/watch?v=wM1xs1jDcis

  • Martin Weigert

    14.08.10 (11:46:41)

    @ guehart Ja es geht ja hauptsächlich um die Art der Diskussion und die Symbolik, die bestimmte Aussagen und Aktionen von Politikern haben. Ich denke, es gibt mehr als schwarz (radikale Ablehnung) oder weiß (radikale Adaption). Momentan entsteht der Eindruck, als denke die Politiker-Elite ausschließlich in schwarz. Das ist das in meinen Augen Fatale und Traurige. @Richard Ja genau. Alt, aber passend. Und vermutlich ist Ströbele dem Computer noch immer nicht näher gekommen.

  • Jens Best

    14.08.10 (12:06:09)

    Alles kein Problem. Ich weiss wo er wohnt. Die Fotos der Politikerwohnungen und die erste konzertierte Aktion der mittlerweile über 300 "Foto-Aktivisten", wahrscheinlich in Bielefeld oder Herne, werden ein wunderbarer Auftakt der Aktion "Verschollene Häuser" sein. http://bit.ly/duPtJA <- Heute noch ein doodle, aber nächste Woche wird die Arbeit in einer mixxt-Gruppe koordiniert Ich mach mir meine Panoramafreiheit selbst. Mit dem Vorbild-Problem hast du natürlich vollkommen recht. Es gibt eine Reihe von digital affinen Bundespolitikern. Mit denen, überfraktionell, einen Workshop zu machen, ist ein weiteres Ziel. Vorbildsein will auch koordiniert werden ;) Und ja, dass "Verschollene Häuser" eine Provokation ist, und nicht der steigenden Medienkompetenz beiträgt ist mir auch klar. Aber sorry, ich kann nicht dauernd nur nett sein, wenn die Schwachmaten das Web kastrieren.

  • hathead

    14.08.10 (12:11:16)

    Diese Debatte ist eine der Schwachsinnigsten der letzten Jahre. Oder um es mit den Worten eines Twitter Users zu sagen: Deutschland 2010: "Die Leute regen sich über Streetview auf und holen das Fernsehen um das Problem vor Ort zu zeigen". In Deinem Beitrag kommt kein einziges Mal das Wort Medienkompetenz vor. Die hiesige Gesellschaft ist mitlerweile derart verdummt, dass man Leute im Fernsehen sagen hört: "Eigentlich finde ich das ja ganz Lustig. Aber ich wohn auch nur zur Miete. Wenn das mein Haus wäre, würde ich es verpixeln lassen." An Googles stelle würde ich den Service für Deutschland einfach komplett einstellen. Wenn es wie man hört bereits hundertausende Verpixelungsanfragen gibt und wir gerade mal von 20 Städten reden, ist der Service ohnehin mitlerweile fast schon sinnfrei.

  • Martin Weigert

    14.08.10 (12:47:58)

    An Googles stelle würde ich den Service für Deutschland einfach komplett einstellen. Sehe ich auch so.

  • Martin Weigert

    14.08.10 (12:49:29)

    Ja die gibt es. Aber leider nur in der zweiten oder dritten Reihe (oder noch weiter hinten).

  • tdoubleyoo

    14.08.10 (13:00:59)

    Was man auch immer von StreetView halten mag - "Web- und Fortschrittsfeindlichkeit" pauschal zu unterstellen, bzw. einfach nur Technologiebegeisterung zu vermitteln finde ich persönlich problematisch. Ich versuche das mal möglichst kurz auszuführen: 1) Vorbild-vermitteltes Interesse und "Technologie-Optimismus" reichen nicht, ist sogar eher kontraproduktiv. Wenn man etwas fordert, muss das eine ausführliche Auseinandersetzung sein, die z.B. auch im Bildungswesen verankert ist. Viele in der Web-Community kritisieren/verlachen nicht-technikaffine Anwender, die sich durch Naivität Trojaner, Würmer & co. einfangen oder ihre persönlichen Daten via Facebook in die Welt blasen - gerade weil sie optimistisch an das Thema herangehen und ausprobieren. 2) So schlimm ist es nicht, wenn Web-Dienste "Real-Life Nutzen" stiften, werden sie ja auch genutzt. Das Web dreht sich in vielen Ecken halt noch rein um sich selbst. Beispiele E-Commerce, Wikipedia, Facebook: Über 70% der deutschen Erwachsenen (18-55 Jahre) kaufen regelmäßig online ein, fast jeder Internetnutzer nutzt die Wikipedia und Facebook wächst ebenfalls gigantisch. 3) Wie Privacy online laufen soll/muss ist an vielen Stellen noch vollkommen unklar. Konsens ist (denke ich), dass Anwender einstweilen Vorsicht walten lassen sollen, wem sie welche Daten zur Verfügung stellen. Es entwickeln sich langsam im Web erste Ideen, welche Rolle Datenschutz und Privatsphäre zukünftig spielen müssen, die meisten Fragen sind aber noch ungeklärt. Bei der Trivialität und Selbst-bezogenheit des Contents in den meisten cutting-edge Web-Diensten ist das allerdings unproblematisch. Wenn dann die breite Masse langsam ankommt (Beispiel Facebook), kommen die Probleme. Wenn dann ein Politiker - zugegeben aus rein populistischen Motiven - mal Datenschutz- und Privatsphäre-Themen hochhält, ist das zwar platte Effekthascherei, entspricht doch aber weiterhin dem pragmatischen Konsens "pass auf, wem du für was deine Daten gibst", oder?

  • Martin Weigert

    14.08.10 (13:06:05)

    Ich widerspreche dir da nicht. Ich erwarte aber einfach von intelligenten, weltoffenen Politikern eine differenziertere Herangehensweise als ein "Kommt nicht in Frage!". Leider habe ich zu Street View wenige bis keine derartigen Äußerungen von Spitzenpolitikern gehört. Und die Erkenntnis einer verbreiteten "Web- und Fortschrittsfeindlichkeit" gibt es ja nicht erst seit Street View. Die Street-View-Debatte bringt sie nur (einmal mehr) an die Oberfläche. Achja, und wo du Facebook ansprichst: Interessanterweise ist die Verbreitung von Facebook für die deutsche Gesellschaft "kritischer" als Street View. Denn mal angenommen, Street View käme nach Deutschland und würde eines Tages aus welchen Gründen auch immer wieder verschwinden - der Schaden wäre gering, da es keine Lock-In und Netzwerkeffekte gibt und Street View auch nicht Kommunikation und Zusammenleben verändert. Im Gegenteil zu Facebook. Was nicht heißt, dass man gegen Facebook vorgehen müsste. Es zeigt aber, wie unglaublich deplatziert die Street-View-Paranoia im Gesamtkontext ist.

  • eric

    14.08.10 (13:22:43)

    Zum Glück stehe ich nicht in Verdacht, ein Fan von Guido Westerwelle oder Ilse Aigner zu sein. Deshalb kann ich die auch mal in Schutz nehmen. Denn, selbst als Google-Optimierer ist mir nicht klar, warum der Schutz einer eigenen Privatsphäre etwas mit Technik-Feindlichkeit zu tun hat. Und ich weiß auch nicht, warum das Verpixeln des eigenen Hauses ein schlechtes Vorbild sein soll. Wenn sich ein Politiker gegen Home-Stories und Paparazzis wehrt, klatschen wir "Intellektuellen" innerlich Beifall. Dabei könnte man doch auch - mit Jürgen Drews - sagen, dass irgendwann schon ein Reporter ins Wohnzimmer rein fotografieren wird - warum dann nicht gleich die Türen offen lassen? Keine Frage: Diese "mit mir nicht"-Haltung von vielen Politikern ist irgendwie verlogen und nur auf eine günstige Presse gerichtet. Aber Politiker sind nun mal so. Und ich finde es ebenso verlogen, wenn jeder, der sich beim Abfotografieren seines Hauses unwohl fühlt, gleich als Technikfeindlich eingestuft wird, wie es derzeit die "Internet-Elite" macht... eric

  • Martin Weigert

    14.08.10 (13:30:37)

    Keine Frage: Diese "mit mir nicht"-Haltung von vielen Politikern ist irgendwie verlogen und nur auf eine günstige Presse gerichtet. Aber Politiker sind nun mal so. Du gibst dich damit zufrieden. Ich nicht. Selbst wenn man das Fotografieren von Häuserfronten als Eingriff in die Privatsphäre sieht, hat man als Politiker meines Erachtens nach eine Verantwortung, ein solches Thema differenziert zu betrachten. Weil es einfach viel zu wichtig ist für die Zukunft des Landes (nicht Street View, sondern das Digitale allgemein). Und wegen der Symbol- und Vorbildfunktion. Zumal ja nicht ein großes Schild bei Street View zu sehen sein wird, auf dem steht "Hier wohnt Guido Westerwelle". Man kann positiv gegenüber Neuerungen eingestellt sein und diese trotzdem kritisch betrachten (und DANN z.B. zu dem Schluss kommen, dass die Gesetzeslage angepasst werden muss oder was auch immer). Das halte ich für den klugen Weg. Leider wird dieser kaum begangen. Stattdessen immer nur überall "dagegen" und "verhindern".

  • eric

    14.08.10 (13:44:44)

    Keine Frage: Diese “mit mir nicht”-Haltung von vielen Politikern ist irgendwie verlogen und nur auf eine günstige Presse gerichtet. Aber Politiker sind nun mal so. Du gibst dich damit zufrieden. Ich nicht. Ich gebe mich damit überhaupt nicht zufrieden - aber ich denke, es gibt andere Themen, bei denen das irgendwie relevanter ist. Ich kann heute an seiner Wohnung vorbeilaufen und selbst ein Foto machen. Das kann ich dann sogar irgendwo im Netz publizieren (ohne darauf hinzuweisen, dass Westerwelle da wohnt). Ich sehe da keinen Eingriff in die Privatsphäre. Klar. Allerdings ist es ein Unterchied, ob DU an seinem Haus vorbei läufst und es fotografierst, oder ob das die Bild-Zeitung macht oder Google. Auch das sollte man differenziert betrachten - das wiederum erwarte ich von denen die über Streetview berichten. Und weil du die Verantwortung ansprichst: Ich habe die Verantwortung für zwei jugendliche Kinder. Und ich versuche diesen eben NICHT beizubringen, dass man alles nach dem Motto akzeptiert wie du es in dem Drews-Zitat schreibst. Ich wünsche mir von den beiden, dass sie gesellschaftliche, wirtschaftliche und technologische Entwicklungen auch mal kritisch beobachten und beurteilen. Eine populär-gierige "Hau-Drauf"-Mentalität wie bei Aigner und Westerwelle ist da nicht hilfreich. Aber ein Satz wie in deinem Artikel oben wie Noch nie hat die politische Elite in Deutschland deutlicher gezeigt, wie unfähig sie ist, das Land fit für die digitale Gesellschaft der Zukunft zu machen. kann ich auch nicht als hilfreich bezeichnen. Es sei denn, du definiertest "fitsein" als reines Aktzepieren jeder technischen Entwicklung "weil es geht". Und da sind wir halt nicht einer Meinung. Ich befürchte, beide Seiten werfen sich gerade unreflektiertes Handeln vor. Sagen wir mal so: Das wäre ja ein guter Start, etwas genauer hin zu schauen ;-) eric

  • Martin Weigert

    14.08.10 (13:51:02)

    "auch mal kritisch beobachten und beurteilen" Wieso "auch mal"? Es gibt doch in Deutschlands nichts, was NICHT extrem kritisch beleuchtet wird... Ich glaube, man sollte gerade umgedreht darauf einwirken, dass Dinge auch mal positiv betrachtet werden. Die überkritische Haltung der Deutschen ist ein großes Hindernis auf dem Weg zu einer digitalen Gesellschaft. Andere Länder sie da schon sehr viel weiter. kann ich auch nicht als hilfreich bezeichnen. Naja wenn ich damit nur einer Person die Augen öffnen könnte, dann würde ich das durchaus als hilfreich bezeichnen ;)

  • Oliver Springer

    14.08.10 (13:59:50)

    Ein schlechtes Vorbild die betreffenden Politiker nicht, wenn sie den technischen Fortschritt ablehnen. Ein schlechtes Vorbild sind sie, wenn sie populistisch handeln. Wer etwa konservativ ist und bestimmte Entwicklungen aus Überzeugung heraus ablehnt, dem kann ich weiterhin Respekt entgegenbringen. Das wirklich Schlimme ist meiner Ansicht nach allerdings, wenn so etwas funktioniert. Ohne Populismus rechtfertigen zu wollen: Wer hat die Leute, die so reden, denn gewählt?

  • eric

    14.08.10 (14:03:39)

    @martin: Na gut, da haben wir halt verschiedene Meinungen. Ich fühle mich in Deutschland eigentlich sehr wohl. Das ist so ziemlich genau das Land, in dem ich leben möchte. Und das liegt vermutlich nicht zuletzt daran, dass man hier bei vielen Dingen lieber zweimal hinschaut. Und sooooooo un-digitalisiert sind wir hierzulande nicht. @oliver: Sehr klug, hier die beiden Themen "Populismus" und und "technische Entwicklungen ablehnen" zu trennen. Ich bin allerdings nicht einmal der Meinung, dass dass jemand, der etwas gegen Streetview hat, technische Entwicklungen ablehnt. Der hat nur ein anderes Verständnis von "privat"...

  • Martin Weigert

    14.08.10 (14:07:25)

    @ Oliver Ja klar funktioniert es. Das ist ja das Problem ;) @ eric Nein, so undigitalisiert natürlich nicht. Und dein "ich fühle mich wohl"-Statement ist sehr erfrischend! Mh, ich behaupte, viele von denen haben nicht intensiv über Street View nachgedacht sondern einfach - kritisch wie man ja traditionell in Deutschland ist - es erst einmal abgelehnt. Ich sehe zumindest bei vielen keine Anzeichen für eine echte Reflektion zum Thema. Wiederum bedingt durch die allgemeine "Street View ist ein Eingriff in die Privatsphäre"-Hysterie. Was uns zurück zur Vorbildfunktion führt... hehe

  • Piet

    14.08.10 (14:32:41)

    Ich finde es richtig, daß jeder selber entscheiden kann, ob sein Haus, Vorgarten und evtl. sein Auto für alle Menschen weltweit in 2 Sekunden online einsehbar ist oder nicht. Begründen muss seine Entscheidung niemand - es ist einfach etwas anderes, ob jemand von Hamburg nach Berlin fährt, um sich mal anzuschauen, wie der neue Mitarbeiter so wohnt oder ob er das mit einem Klick in StreetView klären kann. Beispiele für solche Nutzungsmöglichkeiten gibt es viele, z.B. der vielfach angesprochene Einbrecher, Vertreter verschiedenster Art, Arbeitgeber, potenzielle Geschäftspartner etc etc. Es muß einfach nicht alles und jedes direkt Jedem bekannt sein. Das Herrn Westerwelle in den Mund gelegte "Wenn nicht jetzt, dann kommt es in 5-10 Jahren sowieso" finde ich mehr als daneben. Sollen wir es nun etwa aufgeben, gegen Dinge zu kämpfen, die wir moralisch, finanziell oder aus sonst welchen Gründen ablehnen, weil es in 5, 10 oder 50 Jahren "sowieso kommt"? Was ist das für eine Begründung? Den Blogbeitrag (und viele Kommentare) kann ich nicht nachvollziehen. Es geht hier nicht um Panikmache oder schlechte Vorbilder, sonder darum, wie wir mit Privatsphäre im 21. Jahrhundert umgehen möchten. Darüber kann und sollte diskutiert werden - aber bitte sachlich und mit gegenseitigem Respekt.

  • Martin Weigert

    14.08.10 (14:37:43)

    Ich finde es richtig, daß jeder selber entscheiden kann, ob sein Haus, Vorgarten und evtl. sein Auto für alle Menschen weltweit in 2 Sekunden online einsehbar ist oder nicht. Ich nicht. Gute Argumente gibt es hier. Ich respektiere aber diejenigen, die sich trotzdem entfernen lassen wollen. Dafür hat Google den Rahmen geschaffen. Ich respektiere dagegen nicht platte Stammtischaussagen von Spitzenpolitikern zu diesem Thema.

  • eric

    14.08.10 (14:50:06)

    Uiuiui.... Dich möchte ich sehen, wenn du in deinem Garten sitzt und frühstückst und da bleiben zehn Menschen stehen und gucken sich das ganz in Ruhe an. Du sprichst sie an, was das soll und sie sagen "Eure Privatsphäre beginnt hinter eurer Wohnungstür. Der Anblick eurer Häuser und Vorgärten ist öffentliches Eigentum." :-) eric

  • Florian Steglich

    14.08.10 (14:58:24)

    «Die Haltung einer Gesellschaft wird stark durch Äußerungen und Handlungen von Politikern geprägt. Die Street-View-Debatte zeigt, dass Deutschlands Politiker-Elite gute Vorbilder fehlen.» Ich glaube, die Ausgangslage ist eine andere: Nicht, weil Westerwelle u.a. dagegen lärmen, lehnt ein Teil der Bevölkerung Streetview ab, sondern weil ein Teil der Bevölkerung Streetview ablehnt (und diese Ablehnung in der «Bild» prominenten Platz findet), lärmen Westerwelle u.a. dagegen.

  • Piet

    14.08.10 (15:05:09)

    Wenn ich den Artikel richtig verstanden habe, wären dies in etwa die Kernaussagen: "Die Straße gehört uns allen, es gibt viel schlimmere Verletzungen der Privatsphäre, gegen die niemand protestiert und vor allem: Die Privatsphäre beginnt erst hinter der Wohnungstür". Fangen wir mit dem Argument "Die Straße ist öffentlich und ein Bild meines Hauses gehört nicht zur Privatsphäre" an: Auf den ersten Blick ein stichhaltiges Argument, das aber imho zu kurz greift. Hier wird vergessen, dass sich die Diskussion in erster Linie um eine geänderte Nutzungsart dieser "öffentlichen Bilder" handelt und auch nur diese von SV-Kritikern bemängelt wird. Vom "hinfahren und vor Ort anschauen" zum "in 2 Sekunden weltweit über Google einsehbar" ist es ein großer Schritt in der Nutzungsweise. Jeder kann und darf in meine Straße einfahren und mein Haus angucken und meinetwegen auch für sein privates Fotoalbum fotografieren. Aber ich möchte nicht jedem Hans-Guck-in-die-Luft nur mit Hilfe meiner Adresse auch direkt einen Eindruck meiner Wohnsituation geben. Und wo soll die Zoom-Stufe eigentlich enden? Werden Fenster ebenfalls verpixelt oder habe ich dann Pech gehabt, wenn jemand mit höchstauflösender Kamera auch hinter meine Wohnungstür schaut? Und muss unbedingt jeder ohne Probleme feststellen können, welches Auto ich fahre und ob ich pfleglich damit umgehe (Rückschlüsse auf meinen Charakter..?)? Das Argument, es gäbe ja noch viel schlimmere Verletzungen der Privatsphäre, ist keines. Natürlich gibt es schlimmere Verletzungen, aber das ist m.E. kein Grund, nicht gegen eine leichtere Verletzung meiner Rechte einzutreten. Ich habe auch gegen die Vorratsdatenspeicherung unterschrieben und bin gegen die zentrale Steuernummer sowie zentrale Datenbanken insgesamt eingestellt. Ich hatte beim Lesen des Artikels allerdings das Gefühlt, dass Du hier speziell nicht gegen Stammtischaussagen bist, sondern gegen Aussagen von Politikern, die Deiner Meinung widersprechen. Du forderst "gute Vorbilder" und machst gut oder schlecht an der geäußerten Meinung fest. Ist ein Politiker mit der Aussage "Da mache ich direkt mit, ich habe mit Google schon gesprochen, dass die mein Haus als erstes eufnehmen, um ein Vorbild für andere zu sein" etwa "besser"? Es kann doch nicht darum gehen, dass Politiker "mit entsprechenden Aussagen und Initiativen für eine positive Grundhaltung zur digitalen Welt [..] sorgen". Es sollte doch vielmehr darum gehen, dass die Politik einen Diskurs zulässt und sowohl positive als auch negative Punkte ins Gespräch bringt. Die positiven Punkte von SV sind vielen wohl klar, gerade über die Negativen sollte man aber an dieser Stelle einmal sprechen. Sind die lustigen SV-Bilder für die Wirtschaft oder Gesellschaft wirklich soviel wert? Worin genau liegt hier überhaupt ein wirklicher Nutzen? Ich habe soviel Negative geschrieben, da würde ich von den Befürwortern gerne auch mal Argumente für SV lesen und nicht nur Gegenargumente zur negativen Meinung der Kritiker.

  • Martin Weigert

    14.08.10 (15:12:56)

    Das Ei oder die Henne, was war zuerst da ;)

  • Piet

    14.08.10 (15:16:23)

    Mal andersherum: Was hältst Du davon, wenn ich mal einen Webservice starte, in dem ich alle frei verfügbaren Informationen über möglichst viele Menschen zusammenfasse uns als jeweils 3-8 seitiges Dossier in PDF-Form zum Download anbiete? Man könnte viell. aufnehmen: Name Adresse Telefon- und Handynummer Passfoto Ganzkörperfoto Foto vom Haus Foto vom Auto Interessen Hobbies Bisherige Arbeitgeber Sexuelle Interessen Religionszugehörigkeit Forenbeiträge Ich meine damit ausschließlich bereits öffentliche Daten, die über versch. Recherchen theoretisch schon jetzt für jeden verfügbar sind. Würdest Du Dich da ebenfalls auf den Standpunkt stellen, dass die Privatsphäre "hinter der Wohnungstür" beginnt und öffentlich verfügbare Informationen nunmal öffentlich sind? Oder gibt es doch einen Unterschied in der Art der Datennutzung und -Aufbereitung?

  • Martin Weigert

    14.08.10 (15:23:08)

    Es sollte doch vielmehr darum gehen, dass die Politik einen Diskurs zulässt und sowohl positive als auch negative Punkte ins Gespräch bringt. Ja da haben wir einen Konsens. Aber schaut man sich die Street-View-Debatte an, dann wird diesem Gebot definitiv nicht gefolgt. Das Westerwelle-Zitat ist da finde ich ein sehr deutliches Beispiel. Eines von vielen. Die Vorteile von SV muss jeder für sich selbst definieren. Ich denke nicht, dass SV so eine große Bedeutung für Deutschland hat. Genau deshalb ist die von Politikern und Medien verbreitet Panik ja so extrem lächerlich. Zu dem von dir erwähnten Dossier: Du denkst an Daten, die von den Nutzer selbst ins Netz gestellt wurden? Dann spricht wohl nichts dagegen. Ich sehe jetzt aber hier keine direkte Verbindung zu SV. Bei SV geht es ja um "physische" Aspekte. Bei dem von dir genannten Beispiel um Informationen. Das Fotografieren einer Hausfassade ist für mich einfach kein Eindringen in die Privatsphäre. Zumal es sich um ein einmaliges Foto handelt. Es ist ja kein permanenter Livestream ;)

  • Martin Weigert

    14.08.10 (15:25:25)

    Naja der Vergleich hinkt aber. Es geht um ein einmaliges Foto, zudem werden die Gesichter unkenntlich gemacht. Es kommt vielleicht für dich wie ein Schock, aber da wäre es mir dann ziemlich egal, wenn ich da gerade sitze und frühstücke und das Google-Auto fährt vorbei. ;)

  • Martin Weigert

    14.08.10 (15:27:58)

    Ich würde Westerwelle hier nicht mal unterstellen wollen, dass er diese Äußerung aus taktischen Gründen macht. Ich bin tatsächlich davon überzeugt, dass dies seine Meinung ist. Darin liegt ja die Tragik.

  • Piet

    14.08.10 (15:38:00)

    Sehe ich ähnlich, eine große Bedeutung von SV kann ich nicht erkennen. Allerdings muß ich Dir widersprechen, dass deswegen die Debatte lächerlich wäre. Denn dabei geht es ja um die negativen Folgen von SV und diese sind unabhängig von der Bedeutung von SV. Und Dein letzter Absatz ist ja quasi eine Steilvorlage :-) Warum SV nicht mal weiterdenken und einen Livestream ins Netz stellen - natürlich mit verpixelten Menschen und Nummernschildern. Aber spätestens dann solltest Du doch ebenfalls dagegen sein, dass Dein Haus über "Google-Live" online zu sehen ist, oder irre ich mich? Kannst Du jetzt vielleicht besser verstehen, wo für viele Menschen - auch Politiker - der Unterschied zwischen Vor-Ort-anschauen und einem zuordbaren (Live-)Bild im Internet liegt? EDIT: Mit fällt gerade ein, dass die Livecam wohl bereits verboten sein dürfte. Einen großen Unterschied zum einmaligen Bild sehe ich hier aber nicht: Beides greift in die - von mir so definierte - Privatsphäre ein und beides sollte in dieser Form nicht erlaubt sein.

  • Martin Weigert

    14.08.10 (15:45:49)

    Denn dabei geht es ja um die negativen Folgen von SV und diese sind unabhängig von der Bedeutung von SV. Und auch wenn ich natürlich versuche, die Bedenken von Leuten zu respektieren, sehe ich aus meiner Perspektive einfach keine. Was ja auch nicht verwunderlich ist, sonst würde ich vermutlich SV selbst kritischer sehen. Ja, ein Live-Stream ginge zu weit. Denn anders als ein Foto gäbe dieser jedem die Möglichkeit zur Überwachung. Ein Foto ist dagegen nur ein Foto. Ein Live-Stream ist, wie wenn ich vor der Tür in meinem Auto sitzen und rund um die Uhr die Wohnung im Visier habe.

  • eric

    14.08.10 (15:52:38)

    Oha, stellt sich aber die Frage, wer diese Regelungen nun macht. Du hast jetzt eine Grenze zwischen Überwachung und "Foto" gezogen. Damit ist das aber nicht im kollektiven Gesamtbewußtsein sondern einfach mal deine Meinung. Und ich denke, dass diese Grenze jeder selber ziehen sollen dürfte und nicht pauschal ein "Eure Privatsphäre beginnt hinter eurer Wohnungstür. Der Anblick eurer Häuser und Vorgärten ist öffentliches Eigentum.” vor die Nase gelatzt bekommt.

  • Piet

    14.08.10 (15:56:10)

    Ja, ein Live-Stream ginge zu weit. Denn anders als ein Foto gäbe dieser jedem die Möglichkeit zur Überwachung. Ein Foto ist dagegen nur ein Foto. Ein Live-Stream ist, wie wenn ich vor der Tür in meinem Auto sitzen und rund um die Uhr die Wohnung im Visier habe. Wo hört denn das rechtmäßige Fotografieren auf bzw. wo fängt der Eingriff in die Privatsphäre an? Bei einem Foto pro Jahr, pro Monat, pro Tag, pro Stunde? Oder gar alle 5 Minuten? Und warum wäre der Livestream etwas soviel anderes (und "natürlich" nicht wünschenswert) als ein Foto? Ich glaube, DAS sollte man mal gründlich durchdenken und überlegen, wo die wirklichen Probleme der Menschen in Sachen Privatsphäre liegen. Warum wäre ein Livestream ablehenswert, ein Foto (z.B. stündlich aktualisiert) aber nicht?

  • Meeresbiologe

    14.08.10 (16:12:04)

    Es fehlt nicht nur an Vorbildern, sondern es mangelt auch an einer beherzten Internetpolitik und -strategie, die das Internet als grundlegende, zentrale und universale Medien-Infrastruktur begreift und dafür selbst aktiv die Rahmenbedingungen schafft. In den Vereinigten Staaten wurde das Internet als Datenautobahn eingeführt, hier wird es mit Street View quasi bekämpft. Was um Street View herum passiert, ist ein IT-Trauerspiel ohnegleichen. Deutschland hängt sich derzeit selbst vom Internet ab.

  • Jens Best

    14.08.10 (16:21:09)

    Die Diskussion sollte ich mal weniger Gedanken machen, was genau Privatsphäre sein sollte, sondern was genau Öffentlichkeit im Netz sein sollte. Entgegen meiner Aktion "Verschollene Häuser" argumentiert, will ich mal die Frage in den Raum werfen: "Sollte der Digitale Öffentliche Raum" auch die physische Strassenrealität abbilden oder sollte er anders definiert werden? Muss es eine "digitale Ebene" der physischen Realität geben? Ich denke, die Antwort sollte lauten "Ja", da es aktuell nur Menschen mit Geld oder solchen die die letzten Kellerwinkel der Landratsämter kennen, möglich ist öffentliche Information über den Geo-Bereich zu sammeln und zu verknüpfen. durch das offene Verknüpfen von Information entsteht, meiner Meinung nach mittelfristig, eine bessere Gesellschaft, weil die faktische Realität (basierend auf mehr verknüpfter Information) jetzt allen klar wird und so Verbesserung (egal welcher Natur & Couleur) möglich werden. Die Strassenansicht eines Grundstückes gehört für mich klar dazu und kann nicht einfach der Öffentlichkeit entzogen werden, weil einige mit dem Konzept Internet nichts zu tun haben wollen. Und noch eins: Das es sich hier um eine Google Aktion handelt und damit (auch) einen kommerziellen Hintergrund kann einen ja stören, aber dann frage ich mich, warum reine opensource zivilgesellschaftliche Tools wie z.B. openstreetmap vor sich hingurken. Es braucht eben ein wenig Antrieb, um die Möglichkeiten des WEb auch aktiv zu nutzen. Da hier, im Bereich media literacy, die Politik völlig versagt, bleibt es eben an google und dem netz-affinen Teil der Bevölkerung hängen. Ich bin für eine Diskussion, was ist Öffentlichkeit im Netz. Verbote aufgrund unreflektierte Gefühle und Panikmache werde ich (und andere) nicht akzeptieren. http://bit.ly/duPtJA

  • guehart

    14.08.10 (17:45:48)

    @eric Du schreibst:Allerdings ist es ein Unterschied, ob DU an seinem Haus vorbei läufst und es fotografierst, oder ob das die Bild-Zeitung macht oder Google. Auch das sollte man differenziert betrachten - das wiederum erwarte ich von denen die über Streetview berichten. Ja, das ist was anderes, meine (oder die jedes x-beliebigen) Reichweite ist begrenzt und auch kommt es darauf an, was ich mit der Fotoinformation mache. Die BILD wird u. U. darauf hinweisen, dass da der Guido wohnt oder so ... ein Privatmensch findet vllt. einfach das Haus schön (ich habe schon zig-Fassaden fotografiert und auch im Netz verbreitet) und Google weist meiner Kenntnis nach nicht darauf hin, dass da irgendein Promi oder Martin Mustermann oder John Doe oder so, wohnt. Die Debatte, die Guido und Co losgetreten haben ist für sie selbst kontraproduktiv, weil jetzt wirklich jeder Dödel versucht herauszufinden wer denn wohl hinter den verschleierten Fassaden wohnt, die Fassade fotografiert und sie in Netz stellt. Bravo für soviel Weitsicht und vor allem soviel Kenntnis über das Netz. BTW: In den achtzigern gab es in Berlin eine große Demo, die an den Wohnhäusern der bekannte Immobilienspekulanten vorbei führte. Das war eine tolle Sache, lautstark zu zeigen, dass es keine Privatheit gibt, wenn man anderen Leuten die Wohnung kaputtmacht. Und um Privatsphäre und Datenschutz haben wir uns da nicht gekümmert. Gut, dass das heute anders diskutiert wird (aber cool war das schon ;)) )

  • Arno.Nyhm

    14.08.10 (18:10:53)

    komisch, dass sich über www sightwalk de noch niemand aufgeregt hat. und da ist genau dasselbe zu sehen wie bei street view

  • Arno.Nyhm

    14.08.10 (18:12:56)

    ich frage mich auch, ob die leute auch schon beantragt haben, dass das haus/grundstück bei google earth verpixelt ist? (und allen anderen sat foto diensten)

  • Martin Weigert

    14.08.10 (18:13:02)

    @ eric Der Gesetzgeber zieht die Grenze. Momentan ist diese die Wohnungstür/der Hauseingang. Bis hier hin ist es also nicht meine eigene Meinung, sondern Gesetz. Eine Anpassung der Gesetze kann durchaus sinnvoll sein, allerdings weniger mit dem Zweck, die Privatheit auf den öffentlichen Raum auszudehnen, sondern eher, um einen Rahmen zu setzen, in dem das kommerzielle Nutzen des öffentlichen Raums für neue digitale Dienste legitim ist. @ Piet Die Unterschiede zwischen Foto und Livestream sowie die daraus entstehenden Konsequenzen kannst du dir sicherlich selbst erklären, dazu brauchst du mich nicht. In der Tat gibt es jedoch, Webcams und damit hat offenbar niemand ein Problem... weiß jemand, wie da die Rechtslage aussieht? @ Jens Muss man das so verkomplizieren? Ist nicht die Öffentlichkeit im Netz das Gleiche wie die im richtigen Leben? Bzlg opensourcedingens: Das ist auch so eine Sache: Deutschland scheint lieber ganz auf eine unbestritten auch praktische Lösung wie Street View verzichten zu wollen, als ein Unternehmen dies erledigen zu lassen. Eine echte Alternative hat man aber auch nicht zu bieten. Das ist ein weiterer Beweis für die mangelnde Initiative und Berücksichtigung der neuen Möglichkeiten durch den Staat. Aber klar, wo sollen die Anregungen dafür auch herkommen, wenn die führenden Entscheider weder Kompetenz noch Motivation haben, hier wirklich Dinge voranzutreiben. Aber vermutlich gibt's ja immer noch Pläne, irgendwann 2020 einen eigenen Google-Konkurrenten zu starten. @ Arno.Nyhm Ja mich würde ja echt mal interessieren, ob sightwalk jetzt selbst ins Visier der Datenschützer gerät.

  • guehart

    14.08.10 (18:28:31)

    @Piet: Dein Vorschlag, der Verknüpfung öffentlich verfügbarer "personenbezogener Daten" ist nach dem BDSG verboten. Und dagegen kann man vorgehen. Nun hat aber meines Wissens nach SV (zumindest in der öffentlichen Darstellung) nix mit derartiger Datenverknüpfung zu tun (oder doch? s. das Scannen von offenen WLAN-Netzen so ganz "nebenbei") und hier hat der Datenschützer aus Hamburg recht, wenn er eine Handhabe gegen derartige Vorgänge fordert. Unternehmen müssen kontrollierbar und rechtlich fassbar bleiben insbesondere, wenn es um internationale Konzerne geht. Das wollen wir bei Banken und sonstigen Konzernen doch auch oder? Dass irgend etwas "cool" oder "geil" oder sonst wie ist, macht es noch nicht zu einem gesellschaftlich brauchbaren Tatbestand oder Gegenstand (Panzer oder Kampfflugzeuge sind aus technischer Sicht und für Technikfreaks auch geile Apparate ;)) ) . Deshalb muss auch SV von Google auf seine Sinnhaftigkeit und auf den Nutzen hin diskutiert werden und nicht einfach aus einer Befindlichkeit von Affirmation oder Negation. Aber es gilt, dass PolitikerInnen und andere WortführerInnen die Aufgabe haben den gesellschaftlichen Diskurs zu initiieren und nicht ihre private Paranoia auszubreiten. Wer will denn ernsthaft bei Frau Aigner oder Herrn Westerwelle ins Wohn- oder gar Schlafzimmer schauen? Und wenn, dann werden diese Interessenten durch die Regenbogenpresse mehr als zufrieden gestellt, meist unter tatkräftiger Mitwirkung der Promis selbst! P.S.: Die Diskussion hier ist m. E. recht ergiebig. Weiter so...

  • guehart

    14.08.10 (18:32:59)

    @Martin Weigert: Zu dem von dir erwähnten Dossier: Du denkst an Daten, die von den Nutzer selbst ins Netz gestellt wurden? Dann spricht wohl nichts dagegen. Doch, nach dem BDSG ist das nicht zulässig und das ist auch gut so.

  • Martin Weigert

    14.08.10 (18:37:09)

    Moment! Es gibt zig Aggregatoren, die von mir im Netz veröffentlichte Inhalte anzapfen und sammeln. Man denke nur an Personensuchmaschinen. Zwar landen die ab und zu mal in der Kritik, aber illegal sind sie meines Erachtens nach nicht.

  • guehart

    14.08.10 (20:50:15)

    s. dazu BDSG § 4 Abs. 1 Gegen derartige Personensuchmashcinen und die Zusammeführung von personenbezogenen Daten kann man m. E. vorgehen.

  • Martin Weigert

    14.08.10 (22:53:52)

    Ok hier muss ich passen, dazu fehlt mir das juristische Hintergrundwissen. Aber angenommen, es ist wie du sagst, so bleibt das "Problem" einer geringen Effektivität nationaler Datenschutzgesetze im globlen Netz. Was eine Schwäche hiesiger Dienste im globalen Wettbewerb ist. Ein

  • Martin

    15.08.10 (01:30:54)

    Man könnte darin auch eine Stärke sehen … deutsche Anbieter könnten sich damit profilieren, gerade auch im Cloud-Bereich, wo riesige Vertrauensdefizite bestehen.

  • Alex L

    15.08.10 (08:46:05)

    Hallo, ich finde diese Debatte genau so voller Negativwirkung für den digitalen Fortschritt in Deutschland. Politiker und Ahnung vom Internet, den digitalen Möglichkeiten, welche derzeit in D. fehlen, woanders in Europa schon vorhanden sind. Das bleibt wohl ein Traum. Leider hat die deutsche Bevölkerung nichts zu melden, wenn es um irgendeine Abstimmung geht. Aber ein Politiker weiss natürlich, was für sein Land gut ist, welche technischen Entwicklungen vorangetrieben werden sollten. Schon klar! Im Falle von StreetView tut die Politik so, als ob der GoogleVan permanent vor der Haustür stehen würde. Niemand verkündet irgendwo öffentlich, dass dies Fotos seien, welche nicht mal jährlich aktualisiert werden. Jährlich!? Vll. alle 4-5 Jahre. Es sind Standbilder, die einfach nur Sinn machen, um den Globus, auf dem wir leben zu erkunden. Nichts weiter! Ich glaube, dass die Politiker in Fragen Internet und digitales Zeitalter etwas zurückgeblieben sind. Anstatt mit Google bzgl. StreetView in Deutschland klare Regeln für die Aufnahmen aufzustellen, die Bevölkerung mit aller Macht der Medien darüber aufzuklären, verbietet man es einfach. Ist doch viel praktischer und kostet nichts. ;-). Oh nee, ehrlich. Also habe ich alles richtig gemacht, dass ich in den letzten 12 Jahren nie wählen war. Yes!

  • Martin Weigert

    15.08.10 (08:51:53)

    Ja darauf läufts ja auch schon hinaus. "Privacy made in Germany" ;)

  • eric

    15.08.10 (09:29:40)

    Wer nicht wählt, soll sich bitte nicht über Politiker beschweren....

  • Alex L

    15.08.10 (09:37:42)

    @eric, was gibt es da grossartig zu wählen!? Vor den Wahlen sind doch alle gleich, man hört und liest nur Versprechen, Versprechen, Versprechen. Wann werden davon welche eingehalten?

  • Wort Suche

    15.08.10 (09:49:51)

    Nicht nur hochrangige Politiker sondern auch viele Unternehmer halten nichts vom Internet, das sind aber auch die, die in Zukunft dann eines Tages entweder Pleite gehen werden oder bei den Politikern nichts mehr zu sagen haben, da sie sich gegen die Evolution stellen und die Vergangenheit zeigt sehr gut, das jeder der sich gegen die Evolution stellt, das die am Ende als Verlierer dastehen.

  • eric

    15.08.10 (10:23:36)

    Findest du wirklich? In meiner Zeitung steht da was anderes...

  • ubuntubru

    15.08.10 (17:15:03)

    Solche Pauschalisierungen helfen nicht weiter. Menschen, die anderer Meinung sind, einfach als dumm zu bezeichnen, trifft den Kern der Sache ebenso wenig, wie die technischen Entwicklungen aus Unverständnis oder Unwissen zu blockieren. Die Diskussion ist genau wegen solcher Postings vergiftet. Man und auch Google sollten die Ängste ernst nehmen, anstatt sich darüber lustig zu machen oder sich unkritisch in den Dienst einer Werbefirma zu stellen. Oder wie Google auf Überrumpelungstaktik zu setzen. Es ist durchaus legitim, darüber zu diskutieren, wie Privatsphäre in Zukunft aussehen muss und wie vermieden werden kann, dass Internet-Unternehmen unkontrolliert in den öffentlichen Raum einfallen. Google ist ja nicht alleine... Man könnte übrigens auch darüber diskutieren, wie innovativ StreetView wirklich ist. Ich halte es für primitiv und unnütz. Nur Echtzeit-Bilder bringen den wahren Nutzen: Ich kann sitzenbleiben und muss nicht mehr am Leben teilnehmen. Ok, das war jetzt etwas ironisch.

  • Son of a Bit

    16.08.10 (18:00:44)

    Ahoi, um noch weiter Öl ins Feuer zu gießen. Das Ganze hört ja nicht bei unseren gewählten Vertretern auf, just gestern hat sich der SWR äusserst einseitig zum Thema geäussert in dem sie einen eindeutig vorbelasteten Telefongast zu Wort haben kommen lassen. Da wurde dann munter von Vergewaltigung (Unverschämtheit) und Big Brother (Gähn) geredet und Vergleiche herangezogen, dass einem schlecht wurde. Es gibt keine Debatte, es gibt Hysterie. Dass hier die Medien nicht eine neutrale Position beziehen, sondern durch die Selektion der Hysteriker noch mehr Hysterie erzeugen, kann einen schon dazu verleiten eine extreme Gegenposition einzunehmen. Insofern verstehe ich den von Martin geäusserten Unmut durchaus. Leider hilft auch das nicht viel. Nüchtern betrachtet ist Street View doch kaum mehr als eine begehbare Postkarte, etwas umfangreicher, aber es verletzt doch nicht die Privatsphäre in dem Sinne, dass ich davon geschädigt werde. Bei SV sehe ich keist weniger als von der Straße aus, wo also findet die Verletzung statt? Ich kann weder schauen wer ein bestimmtes Haus bewohnt, noch kann ich irgendwo reinschauen. Es sind Objekte denen keine Personen zugeordnet sind. Die Gesichter werden verpixelt. Das kritiklose Aufnehmen allen möglichen Unsinns, so innovativ er auch sein möge, ist natürlich nicht zu unterstützen. Aber Kritik kann auch niveauvoll geäussert werden und zu einer interessanten Diskssion führen. Ansonsten ist das Verhalten von Herrn Westerwelle und Frau Aigner nichts als dumpfer Populismus, da jedem klar ist, dass Street View im Land der Datenschützer ein dickes Ding ist mit dem man sich toll positionieren kann. Schade, die Diskussion ist in der Tat spannend, wird aber nicht mehr geführt werden können, da zuviele Kinder im Brunnen.

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