<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

12.03.13Leser-Kommentare

Debatte über Google Glass: Es gibt nicht nur schwarz oder weiß

In der Debatte um Google Glass kristallisieren sich zwei Lager heraus: Befürworter und Gegner. Dabei wären differenzierte Positionen wichtig.

Google GlassDie mediale Diskussion über Google Glass hat offiziell begonnen. Während viele Tech-Apologeten kaum noch darauf warten können, das Gerät in den Händen zu halten, ist der Tenor in der Presse eher negativ. Der Gedanke einer allgegenwärtigen, nutzergenerierten und cloudgestützten Kameraüberwachung, die mit der Cyberbrille möglich wird, stößt manchen bitter auf. Die Debatte über das ambitionierte, in dieser Form bisher einmalige Google-Projekt befindet sich noch in ihren Anfängen. Je näher der tatsächliche Verkaufsstart rückt, desto hitzigere Züge dürfte sie annehmen. Befürworter und Gegner statt differenzierten Positionen

Und genau das ist ein Ärgernis, auch für mich, der sich jüngst in einem Artikel eher skeptisch gegenüber Google Glass geäußert hat. Denn Glass polarisiert so sehr, dass sich schnell zwei eindeutige Lager herauskristallisieren. Nur zwei. Diejenigen, die Glass befürworten und diejenigen, die es ablehnen. Schwarz oder weiß, etwas anderes gibt es nicht. Fans der Brille heben die zahlreichen möglichen Vorzüge hervor und argumentieren, die angeblich durch Glass in Mitleidenschaft gezogene Privatsphäre sei schon lange durch Smartphones und Kameras in Frage gestellt, zudem würden sich soziale Normen entwickeln, die den ethisch korrekten Einsatz der Augmented-Reality-Brille fördern und den fragwürdigen sanktionieren. Kritiker hingegen fürchten sich vor dem totalen Kontrollverlust, "herumlaufenden Überwachungskameras" und einem endgültigen Verlust der Anonymität in der Öffentlichkeit.

Selbst wenn mein Beitrag aus der vergangenen Woche eher die Risiken betont als die Möglichkeiten, so unterstrich ich meinen Glauben daran, dass eine Google Glass ähnliche Technologie früher oder später unweigerlich in unserem Alltag Einzug halten wird. Schon der Pragmatismus rät deshalb dazu, sich auf ein solches Szenario einzustellen, anstatt so zu tun, als ließe es sich dauerhaft verhindern. Ein Verhalten, welches häufig bei Datenschutzhysterikern zu beobachten ist.

Doch für mein Verständnis bringen Cyberbrillen mit Always-on-Kameras, deren Inhalte auf Servern in der Cloud zusammenlaufen und sich bei entsprechender Rechenpower und -intelligenz auf mannigfaltige Weise auswerten lassen - sowohl zum Vorteil als auch Nachteil von Individuen - eine der größten und ruckartigsten Veränderungen für unser Zusammenleben seit langem. Eben weil ein essentieller Faktor des bisherigen Menschseins - die Autonomie, darüber entscheiden zu können, sich weitgehend anonym im öffentlichen Raum zu bewegen, sowie die Eigenschaft, dass in Konversationen gemachte Aussagen maximal in den Gedächtnissen der Gesprächspartner verbleiben und dort sukzessive verblassen - mit Google Glass, nachfolgenden Projekten und immer ausgefeilteren, effektiveren Gesichtserkennungsverfahren langsam aber sicher eliminiert werden.

Eindimensionale Sichtweise ist unverantwortlich

Weil Google Glass und ähnlich gelagerte Vorstöße in einer Welt, in der sich Hunderttausende über zwei Jahre alte Aufnahmen ihres Vorgartens empören, ein extrem radikales Unterfangen darstellen, halte ich beide polarisierten Positionen für unverantwortlich. Wer sich von der eigenen Science-Fiction-Fantasie und Gadget-Begeisterung so sehr beeinflussen lässt, dass dabei jede Empathie für die Sorgen eines - und da lege ich mich jetzt einfach mal fest - Großteils der Bevölkerung verloren geht, der schadet der Debatte ebenso wie verbissene Datenschutzextremisten, die noch immer glauben, ein ideologischer Kampf für den Datenschutz sei einem pragmatischen Abwägen und einem Hinterfragen einzelner, nicht mehr zeitgemäß wirkender Attitüden vorzuziehen.

Ich würde mir speziell im Bezug auf Glass mehr Differenzierung in der kommenden Diskussion wünschen, von beiden Lagern. Oder besser noch, anstelle von Lagern würden nuancierte Positionen treten, die zeigen, dass ihre Vertreter sich ausführliche Gedanken über sämtliche Implikationen gemacht, anstatt eindimensional nur das reflektiert zu haben, was die eigene vorgefertigte Haltung bestätigt. Die Tragweite von Google Glass ist zu groß, um bei der Bewertung nur die Chancen aber nicht die Risiken zu betrachten, aber auch, um nur die Risiken aber nicht die Chancen zu beleuchten.

Profilierungsdrang färbt die Debatte

Die Vorhersehbarkeit, mit der bekannte Denker und Netzköpfe Haltung pro oder contra Glass beziehen, bestätigt mich in meiner Annahme, dass es vielen mehr um die Verteidigung ihrer Ideologie als um eine tatsächliche Evaluation der Folgen einer Augmented-Reality-Welt geht. Post-Privacy-Advokat und "What Would Google Do"-Autor Jeff Jarvis sieht natürlich überhaupt keinen Grund zur Sorge, und Silicon-Valley-Übergeek Robert Scoble kündigt an, sein Glass rund um die Uhr tragen zu wollen. Auch das keine Überraschung. Das selbe Phänomen gilt freilich auch für die andere Seite: Wer mit Engagement in Datenschutzfragen bekannt geworden ist, von dem wird wenig Positives über Google Glass zu hören sein.

Niemand will als Fähnchen im Wind dastehen, und für viele Beobachter und Branchenpromis geht es schlicht darum, mit einem Statement ihre eigene Stellung und Reputation zu unterstreichen. Google Glass bietet aufgrund seines massiven disruptiven Potenzials und der damit verbundenen Kontroverse eine ideale Gelegenheit zur Profilierung, in die eine oder andere Richtung. Ich halte dies für problematisch, weil letztlich persönliche Befindlichkeiten und Eitelkeiten in den Vordergrund und die wirklich wichtigen Fragen in den Hintergrund rücken.

Wer in Bezug auf Glass im Speziellen und Augmented-Reality-Brillen im Allgemeinen nur schwarz oder weiß sieht, der macht etwas falsch. Eine weitreichende Erfindung wie diese zwingt Gesellschaften zum Wandel sozialer Normen, und zwar im Prinzip von heute auf morgen. Es mag sein, dass wir uns in 20 Jahren über den heutigen Disput amüsieren werden - so, wie wir die aus heutiger Sicht absurden Bedenken bei der Einführung historischer Technologien belächen. Das heißt aber nicht, dass wir die Diskussion nicht heute führen sollten. Es exisiert außerdem kein Naturgesetz, dass jede neue Technologie in der Summe das Leben verbessert, weshalb Sorgfalt bei der Einführung revolutionärer Konzepte angemessen ist.

Um mit gutem Beispiel voranzugehen und ein Gegengewicht zu meinem vergangenen Glass-Beitrag zu bringen, beende ich diesen Artikel mit einigen positiven Folgen, die mit der verbreiteten Nutzung von Augmented-Reality-Brillen verbunden sein könnten:

  • Drastischer Rückgang der Straßenkriminalität wegen der leichten Täteridentifikation durch die Kamera.
  • Vereinfachtes Kennenlernen von Gleichgesinnten und potenziellen Partnern durch Hinweise auf passende Personen im Sichtfeld.
  • Minimierung von negativen Restaurant-, Dienstleistungs- und Einkaufserlebnissen durch Instant-Informationen zur Umgebung.
  • Videoaufzeichnung von unerwarteten Situationen, die sich im Nachhinein als wertvolle Erinnerungen herausstellen.
  • Befreiung vom permanenten, zwanghaften Blick auf Smartphone-Displays.
  • Mehr Umgebungsinformationen und damit Bewegungsfreiheiten für Menschen mit Behinderungen.

Weitere Punkte in den Kommentaren sind willkommen. Bevorzugt von denjenigen, die sich sonst bisher eher negativ über Cyberbrillen geäußert haben. Glass-Fans dagegen schlage ich vor, sich einmal unvoreingenommen mit der Frage auseinanderzusetzen, wieso manchen der Preis für derartige Funktionen zu hoch erscheint. /mw

(Foto: Google)

Kommentare

  • Andreas

    12.03.13 (09:11:16)

    "Drastischer Rückgang der Straßenkriminalität wegen der leichten Täteridentifikation durch die Kamera." Gleich der erste Punkt ist ein sauberer Würgereflexerreger. Das ist nichts anderes als ein Plädoyer für eine flächendeckende Videoüberwachung, nur mit dem Unterschied, daß diese privatisiert ist und Du Dich damit noch dafür aussprichst, den Strafverfolgungsbehörden unbeschränkt Zugriff auf jegliche Videoaufzeichnung zu geben. Sauber. Bei solchen naiven Statements soll man also keine Überwachungsstaat-Sorgen bzgl. Glass äußern dürfen? Na herzlichen Dank. Opfer werden dann eben die Nicht-Glass-Träger und damit in dieser Denke alle gezwungen, sich welche zu besorgen. Oder Verbrechen verlagert sich in die Dunkelheit, wo die Kamera schlecht sieht - ach so, das ist ja jetzt schon so. Oder die Verschleierungsmethoden, die Privacy-Befürworter entwickeln werden, werden von Kriminellen genutzt - und wir haben die nächste "rechtsfreier-Raum"-Diskussion. Oder Überfälle werden gewalttätiger, weil als erstes ein gezielter Schlag auf die Nase und Glass ansteht. Ach ja, differenzierte Sicht und dann ein solch plumpes "Argument".

  • Martin Weigert

    12.03.13 (09:27:18)

    Tja du hast offenbar den Zweck dieser Liste nicht verstanden. Es ging genau darum, einmal unvoreingenommen und ohne alle möglichen Bedenken die Vorzüge betrachten. Genauso wie ich mir von den Befürwortern wünsche, dass sie einmal genauer über die Kritikpunkte nachdenken.

  • Heide

    12.03.13 (09:34:03)

    Ich halte die Diskussion in der Sache zwar für sinnvoll allerdings auch für etwas hysterisch allein schon aus dem Grund weil ich davon ausgehe das Glass von einem Massenprodukt noch weit entfernt ist. Sowohl Preis als auch die Verfügbarkeit wirken einschränkend. Zudem sind auch noch Fragen weitere Fragen ungeklärt. Z.B. ob so ein Gerät auf Dauer wirklich komfortabel zu tragen ist bzw. ob die Leistungsfähigkeit des Akkus dies überhaupt ermöglicht. Tatsächlich bin ich etwas überrascht das diese Diskussion sich erst an Google Glass entzündet hat. Kleine und preiswerte Digitalkameras gibt es bereits seit Jahren und wer sich auf Youtube oder Facebook umsieht wird schnell feststellen das die befürchteten Anwendungsfälle bereits in grossem Aussmass eingetreten sind, ja sogar Zeitungen gefördert werden (Stichwort: Bildleser-Reporter)

  • Benjamin Wagener

    12.03.13 (11:51:30)

    @Martin Weigert: Das ist aber kein Vorzug. Überwachungskameras sorgen, wenn überhaupt nur dann für Sicherheit, wenn sie das Gefühl der Kontrolle verbreiten. 1984 lässt grüßen. Ansonsten können sie bei der Aufklärung helfen, ja, aber eben auch totalen Missbrauch als Risiko beinhalten. Diese einseitige Betrachtung von Vorzügen, wem soll die nutzen? Alles hat zwei Seiten und man sollte sich auch immer beide anschauen.

  • meinereiner

    12.03.13 (12:24:39)

    Ich gebe auf, ich fand die Einführung des Lichtbildes auf dem Pass unnötig, ich habe gegen die Volkszählung demonstriert, ich verweigere Facebook und Konsorten, aber als Brillenträger und jemand der gerne die Hände freihat, würde ich bei Erscheinen dieser Brille (mit Sehstärke) aufgeben und in der Postprivacy Ära ankommen. Höchste Hochachtung an alle die den guten Kampf weiterführen, aber der Nutzen wäre mir zu fulminant, dann sieht man mich eben nach der Party besoffen in der Ecke, aber immerhin auch den Filmer des Besoffenen beim Filmen...

  • Martin Weigert

    12.03.13 (12:47:20)

    Die Glass-Fans sehen das als Vorzug. Es ist kein Vorzug DEINER Meinung nach.

  • Benjamin Wagener

    12.03.13 (13:01:46)

    Also Schönredner gegen Miesmacher. Ignoranz gegen Ignoranz. Das bringt uns natürlich weiter.

  • wayne

    12.03.13 (14:23:35)

    tl;dr

  • Victor

    12.03.13 (15:42:30)

    naja, kleine und preiswerte Digitalkameras trägst du hoffentlich nicht am Kopf und läufst damit unbeachtend filmend herum! :-)

  • Oliver Springer

    12.03.13 (16:42:58)

    Zunächst mal muss ich Martin recht geben, es ging erst einmal nur um die Vorteile, nicht um die Frage, welchen Preis man dafür bezahlt. Und es wäre nicht nur die Kriminalität auf der Straße, die zurückgehen würde. Von häuslicher Gewalt bis Wirtschaftskriminalität könnten alle möglichen Arten zurückgedrängt werden, wenn solche Datenbrillen sich so weit durchsetzen würden wie es heute bei Smartphones der Fall ist. Der Einsatz wäre allerdings unverhältnismäßig hoch. Aber: Muss so eine Datenbrille denn die ganze Zeit über Videoaufnahmen machen? Für die nächsten Jahre bin ich schon hinsichtlich der Akkuleistung sehr skeptisch, was das angeht. Es wird doch eher so sein, dass die Kamera bei Bedarf aktiviert wird. (?)

  • Tobias

    12.03.13 (17:51:30)

    Guter Artikel. Leider sind differenzierte Betrachtungen in unserer Gesellschaft generell viel zu selten. Es gibt meistens nur schwarz/ weiß, richtig/falsch, gut/schlecht, usw. Betrachtungsweisen, die darüber hinausgehen, würden sicherlich helfen, die Nachteile von Innovationen wie Google Glass besser zu verstehen und auf einem konsensfähigen Weg die Vorteile dieser Technologie zu nutzen.

  • soziolekt

    12.03.13 (19:25:06)

    Guter Artikel. Ich bin begeistert vom Google Glass Projekt aber habe auch meine datenschutzkritischen Bedenken dazu. Ich denke die Diskussion hätte aber schon viel früher geführt werden müssen, denn im Endeffekt ist es doch die selbe wie mit den sozialen Netzwerken. Wie viel darf die Öffentlichkeit (bzw. eine Firma) mit meinem (evtl. unbewussten) sowie ohne meinem Zutun (Freunde laden Bilder von mir hoch obwohl ich gar nicht im Netzwerk bin) über mich wissen? Das Internet schwappt endlich auch in die Realität über und die sozialen Normen die bisher im Internet und im RealLife(tm) so unterschiedlich waren, werden sich (wieder) angleichen.

  • mingu

    12.03.13 (20:24:44)

    Der erste Weg zu einer sachlichen Betrachtung wäre z.B. der Verzicht auf Unterstellungen. Ist Google Glass wirklich eine Cyberbrille "mit Always-on-Kameras, deren Inhalte auf Servern in der Cloud zusammenlaufen" ? Da haben die Provider ein bisschen was in puncto Datenvolumen mitzureden, und die Produktvideos von Google zeigen eindeutig, dass nur per Kommando aufgezeichnet wird. Wer's unbedingt will, kann das zwar ständig tun, das ist aber auch schon jetzt mit Minicams möglich, und zwar deutlich unauffälliger.

  • Heide

    12.03.13 (21:08:45)

    Mit einem Handy kann man deutlich unauffälliger filmen als mit einem Klotz am Kopf an dem bei Aufnahme ein rote Lampe leuchtet.

  • Thorsten Roggendorf

    12.03.13 (22:42:07)

    Der Artikel hat mich zu einem eigenen inspiriert, den ich wahrscheinlich am WE veröffentliche. Hier schon mal vorweg: Meine Thesen sind radikal. Denn es sind die Kompromisse, die ich einer radikalen Realität abringe. Vor über zehn Jahren schrieb ich am ersten Entwurf der Utopie, die Thema dieses Blogs ist. Ich entwarf eine Gesellschaft, in der jeder jeden Moment seines Lebens dokumentiert. Eine Gesellschaft ohne Verbrechen, Misstrauen, Privatsphäre. Nun - etwas später als ich damals erwartete - steht das Life-Logging-Device vor unserer Tür: Google-Glass. Und ich habe meine Meinung geändert. Wir können und müssen unsere Privatsphäre noch ein bisschen schützen. Doch um das zu tun, müssen wir unseren Begriff von Privatheit sehr viel enger fassen als es den meisten lieb ist. Als ich mit diesem Thema anfing, gab es Handys, Digitalkameras, erste soziale Netze und Moore's Law. Es war ziemlich klar, dass das Life-Logging-Device kommen würde. Heute sind ein paar andere Dinge ebenso klar. Ein Ausflug in die Welt von 2023 - wenn unsere Kultur bis dahin nicht kollabiert. Überwachungskameras auf öffentlichen Plätzen werden langsam bedeutungslos, weil autonome Automobile jeden Quadratzentimeter mit Infrarot, Radar, Ultraschall und Video abscannen. Mit dem Arsenal, kann man vielleicht auch schon einfache Lügendetektoren verwirklichen. Mini-Drohnen erledigen kleine Kurierdienste und liefern Sensor-Überwachung aus der Luft. Unsere Handys, Wrist-Screens oder was auch immer registrieren unsere Position, Richtung, Beschleunigung. Glass-ähnliche Geräte erfassen uns aus unmittelbarer Nähe. Jeder Druck auf einen Lichtschalter wird von einem intelligenten Stromzähler registriert. Bewegungsmelder, Heizungen, Ladegeräte und weitere Elemente des allgegenwärtigen Energie-Managements umgeben uns mit ihren Sensoren und Netzwerken. Wers mag kann sich bei diesen Aussichten ordentlich gruseln und auch gleich noch mal auf Google Glass schimpfen. Ändern wird das nichts. Mich gruselt es vor der sozialen Vision, die der Mainstream für diese Zukunft vorsieht. Wir wollen eine Welt voller Mauern und Zäune. Man kann keine paar Meter gehen, ohne vor einer Tür zu stehen. Und alle diese Türen sind fest verschlossen. Nur für ganz wenige habe ich einen Schlüssel. Was hinter diesen Türen liegt, bleibt mir verborgen. Aber einige Menschen - gar nicht mal so wenige - haben Generalschlüssel. Einige haben auch Dietriche und das Wissen, damit Türen zu öffnen. Die Menschen mit den Generalschlüsseln bestimmen, wie das Manna dieser magischen Zukunft - die Information - durch die Knoten des allgegenwärtigen Informationsnetzes fließt. Sie legen falsche Spuren in Amazon-Bewertungen und Facebook-Profilen und zeigen den Menschen nur das, was diese sehen sollen, lenken sie dahin, wo sie sie haben wollen. Ich will das nicht. Ich will Freiheit.

  • Martin Weigert

    13.03.13 (01:39:37)

    @ heide und mingu Wenn es jemand darauf anlegt, dann geht das so vielleicht für eine kurze Zeit. Aber es ist etwas ganz anderes, wenn es jeder ganz offensichtlich macht, und wenn das ganze Zeug auch gleich irgendwo in der Cloud landet. Ich sage mit dieser Aussage nicht, dass dies notgedrungen schlimm ist. Aber es ist etwas anderes und ich finde diesen permanenten Handy-/Minicam-Vergleich realitätsfremd. Der ist in etwa so wie zu behaupten, mit einem Fahrrad könnte man auch von der Ostsee bis nach Bayern fahren, um die Parallele zum Auto aufzuzeigen. @ Thorsten Roggendorf Gut das Dilemma beschrieben.

  • Georg

    13.03.13 (15:14:40)

    Auch negative Nutzungen sind möglich: Durch Werbenetzwerke und Apps könnten Photos, Standorte, Aufnahmen etc. weiß Gott wo landen. Schlechte Schufa-Score weil ich nachts oft im Industriegebiet rumlaufe? Durchaus möglich. Was ist in repressiven Staaten? Das heutige China mit einer Google Glass auf jedem Kopf? In Zukunft werden schon Demos zerschlagen wenn sich nur genug junge Menschen auf einen Punkt hinbewegen. Durch Google Glass und Co. werden wir uns daran gewöhnen müssen, das jeder potenziell viel, viel mehr über uns weiß und dieses auch unabhängig von seinem Gedächtnis auf ewig speichern und verbreiten kann. Wie wird sich unser Verhalten dadurch verändern? Werden Peinlichkeiten in ihrer Masse weniger bedeutsam, wir dadurch ehrlicher und offener? Oder uns dauerhaft in gespielter Freude und Perfektion durch die Straßen bewegen müssen? Tatsache ist doch, ich kann heute alles über mich speichern und verbreiten, was ich will. Google Glass & Co. machen diesen Prozeß einfacher, nehmen uns aber die Wahl. Ich will das nicht.

  • Azo

    13.03.13 (16:55:53)

    Schön, mal einen etwas differenzierteren Kommentar zu lesen als immer nur Weltuntergangsstimmung oder Fanboy-Nerdtum.

  • Matt

    13.03.13 (17:35:13)

    Nun ist es so weit. netzwertig.com wird für immer aus meinem Reader verschwinden. Die Themen und die Art nach Kommentaren und Klicks zu fischen sind extrem langweilig und 0815 geworden. Mainstream und Kommentarprovokation auf niedrigstem Niveau. Was Neues kommt von Euch nicht mehr. Ihr müsst ja auch nicht und ich auch nicht. Tschau.

  • Martin Weigert

    14.03.13 (01:24:03)

    Schade dass du es so empfindest, aber man kann es nie allen recht machen.

  • Dominique

    21.03.13 (19:55:41)

    Ich frage mich noch immer wie viele auf die Idee kommen, das die Kamera immer an wäre. Die Kamera muss per befehl eingeschaltet werden, außerdem muss man über ein enormes Datenvolumen verfügen wenn man ständig Filmen möchte, den Handyvertrag will ich mal sehen. Ich kann mich auch mit meinem Smartphone in die Ecke setzen, so tun als würde ich surfen und die ganze Zeit jemanden Filmen und es ins Netz stellen, dafür brauche ich keine Google Brille. Wenn ich aber deutlich sagen muss, Ok Glass Record a Video ( bzw bei uns auf Deutsch) eine kleine LED leuchtet und ich eine Person ununterbrochen anstarre ist das viel auffälliger...

  • Martin Weigert

    22.03.13 (00:58:19)

    Du denkst wirklich, dass jemand, der Glass hat, die Kamera nur ganz selten an hat? Ich nicht. Zudem: Wenn an einem Ort 10 Personen mit Glass rumstehen, werden IMMER einige davon die Kamera auch aktiviert haben. Datenvolumen ist ein Hindernis, klar. Aber dieses Thema wird sich nach und nach lösen. Zumal Glass ja ohnehin nicht vor 2014 wirklich eine breite Masse erreicht.

  • Hans

    21.05.13 (13:39:35)

    Dämlicher Artikel! Was Sie , Herr Weigert, sich wünschen würden, ist uns völlig egal! "Vereinfachtes Kennenlernen von Gleichgesinnten und potenziellen Partnern durch Hinweise auf passende Personen im Sichtfeld" --> Das ist wirklich die Krönung des Schwachsinns

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer