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28.05.08

Datenschutz im Web 2.0: Ein Umdenken ist notwendig

Seitdem es das Web 2.0 gibt, existiert die Debatte um den Datenschutz im Mitmach-Internet. Statt das Veröffentlichen privater Daten im Netz anzuprangern, muss der Gesellschaft eine neue Medienkompetenz antrainiert werden.

Seitdem ich im März 2007 mit dem Bloggen über das Web 2.0 begonnen habe, gab es nur wenige Themen, mit denen ich so oft konfrontiert wurde wie mit dem Datenschutz. Durch das Aufkommen sozialer Netzwerke und allgegenwärtiger Nutzerprofile ist ein komplexes Spannungsfeld entstanden, in denen verschiedene Interessen kräftig kollidieren.

Da haben wir zum einen die Masse der Nutzer, die sich kaum oder gar keine Gedanken über den Schutz ihrer Daten macht, aber möglichst von nerviger Werbung oder Nutzungsgebühren verschont bleiben will. Daneben existiert eine kleine, aber lautstarke Gruppe von bewussten, kritischen Usern, die mit dem Finger auf Dienste zeigen, die aus Mitgliederinformationen auf irgendeine Weise Profit ziehen wollen. Natürlich befinden sich die Anbieter ebenfalls in diesem Spannungsfeld, geht es ihnen doch darum, Umsätze zu erhöhen, Gewinne zu erzielen und ihre Kapitalgeber zufriedenzustellen. Rücksicht nehmen müssen sie dabei aber nicht nur auf die registrierten Anwender – meist das einzige wertvolle "Gut" für Social Networks – sondern auch auf den Gesetzgeber, auf Behörden und Datenschützer.

Wer sich in diesem Spannungsfeld bewegt, hat es also nicht gerade leicht. In einer FTD-Kolumne vergleicht der Rechtsanwalt Karl-Friedrich Weiland die heutigen Datenschutz-Verfechter mit Textilarbeitern, die vor 200 Jahren im vor der Industrialisierung stehenden England die Maschinen zerstörten, durch die sie ihre Existenz bedroht sahen. Er nennt Beispiele, die verdeutlichen sollen, wie die Angst vor der Zugänglichkeit privater Daten Innovationen behindert. Laut Weiland sind z.B. Drittanbieter-Applikationen bei sozialen Netzwerken aus den USA, offene Schnittstellen oder personalisierte Werbung wie bei Facebook nach dem deutschen Datenschutzgesetz nicht rechtens .

Ich bin kein Jurist und kann dies nicht weiter beurteilen. Im Kern der Sache liegt Weiland aber zweifellos richtig: Der Datenschutz in Deutschland greift tief in die Geschäftsmodelle hiesiger Web-2.0-Anbieter ein und motiviert Startups des Social-Web-Bereichs nicht gerade dazu, Ressourcen in Innovationen zu stecken. Die Stimmungsmache einiger weniger Personen sorgt dabei nicht nur für eine in der Gesellschaft verankerte, negative Grundeinstellung gegenüber dem Publizieren persönlicher Daten im Netz, sondern ist zudem völlig unnötig. Das Problem liegt nicht darin, dass das Veröffentlichen von Informationen, Bildern und Videos im Netz grundsätzlich etwas Schlechtes ist (was es definitiv nicht ist), sondern dass es vielen Nutzern (vom Arbeiter über den Akademiker bis hin zur gesellschaftlichen Elite) ganz einfach an der erforderlichen Medienkompetenz mangelt.

Heutzutage kann jeder im Netz Inhalte veröffentlichen, und viele machen es auch. Dies wird sich nicht wieder ändern. Deshalb ist es notwendig, dass Menschen den Umgang mit den partizipativen Medien lernen. Es muss ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, welche Konsequenzen einzelne Aktionen im Web haben – und zwar auf einer objektiven Ebene. Wenn der Landesdatenschützer in der Schule am laufenden Band Horrorgeschichten davon erzählt, wie man sich in einem Social Network die Karriere zerstört, ist das ebenso wenig konstruktiv, wie wenn Vertreter der Dienste selbst über die richtige Nutzung des Webs berichten.

Glaubwürdige, kompetente (!), neutrale Personen müssen diese Aufgabe übernehmen und dafür sorgen, dass Jung wie Alt ein Gefühl und Verständnis dafür entwickeln, welche Auswirkungen (positive und negative) es haben kann, wenn man im Netz Spuren hinterlässt – sowohl auf das Individuum als auch auf die Unternehmen, die kostenlos ihre Plattformen zur Verfügung stellen und damit Geld verdienen möchten.

Es gibt noch einiges zu tun!

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