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20.08.12Leser-Kommentare

Datenschutz als oberste Priorität: skunkit wird ein "Messenger mit Werten"

skunkit heißt ein in der Entwicklung befindlicher Messengerdienst für verschiedene Plattformen, der sich absolutem Datenschutz verschreibt. Die Macher aus Süddeutschland wollen mit ihrem von viel Idealismus angetriebenen Projekt einen Traum wahr machen.

Man könnte behaupten, der Zeitpunkt, um mit einem den Datenschutz wahrenden Kommunikationsdienst für Aufmerksamkeit zu sorgen, ist spätestens seit dem Durchbruch der führenden sozialen Netzwerke und mobilen Chatdienste grundsätzlich gut. Denn diese sind bekanntlich daran interessiert, möglichst viele Daten der Nutzer zu erheben und für eigene Zwecke, allen voran eine gezieltere Werbevermarktung, zu verwenden. Und doch wirkt es, als seien die momentanen Wochen besonders ideal für ein derartiges Unterfangen: Facebook steht nicht zuletzt wegen seines verpatzten Börsenganges in der Kritik wie nie und muss alles dafür tun, um den Umsatz mit kurzfristigen und damit aus Nutzersicht fast zwangsläufig wenig attraktiven Maßnahmen anzukurbeln. Twitter lässt seinen offenen Charakter hinter sich und will ebenfalls Milliardenumsätze mit Werbung erwirtschaften, die dezentrale Facebook-Alternative diaspora wird zum Nebenprojekt degradiert und WhatsApp, der beliebte mobile Chatdienst, sorgt immer wieder für Schlagzeilen wegen Nachlässigkeiten im Umgang mit den Anwenderdaten - auch wenn seit Neuestem wenigstens eine Verschlüsselung der Kommunikation erfolgt. Für Privatsphäre-Advokaten ist jede dieser Entwicklungen direkt oder indirekt ein Grund zur Sorge. Entsprechend einfach wäre es für ein neues Angebot mit einem explizit hohen Datenschutzanspruch, sich ins Gespräch zu bringen.

Der Abiturient Lukas Braun und der Student Simon Braun wollen sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Seit gut einem Jahr entwickeln die Brüder aus Herrenberg bei Stuttgart einen plattformübergreifenden Messengerdienst. skunkit heißt er und soll sich vor allem dadurch von sämtlichen Mitstreitern im sozialen Web abheben, dass er keine Daten der Nutzer erhebt. Sobald Anwender eine Nachricht vom Server abgerufen haben, wir sie nach den Vorstellungen der zwei jungen Gründern entfernt. Die einzige von Usern zu hinterlassende Information ist der gewünschte Benutzername.

Sponsoring und Spenden als Erlösquellen

Die Gebrüder Braun bezeichnen ihren Dienst als "Messenger mit Werten". Ihr Ziel ist es, den Service kostenfrei anzubieten und ganz auf Werbung zu verzichten. Stattdessen soll sich das Angebot allein durch Sponsoren und Spenden refinanzieren. "Setzen Sie sich gemeinsam mit skunkit für Werte im Internet ein. skunkit ist ein Projekt, dass durch großzügige Menschen wie Sie ermöglicht wird", so die Botschaft, die Firmen und Organisationen zu einer Unterstützung animieren soll. Sofern sich skunkit zum Medienliebling entwickelt - und das Potenzial hat es aus oben genannten Gründen - könnte es sich für Sponsoren tatsächlich lohnen, im Kontext des Dienstes aufzutauchen - schon weil der monatliche Sponsoringbetrag frei gewählt werden darf.

2500 Euro durch Crowdfunding eingenommen

Leisten kann sich das Duo einen Ansatz mit derartig großzügigen Konditionen durch ein erfolgreiches Crowdfunding. 2532 Euro sammelten die Süddeutschen vor einigen Wochen von 19 Unterstützern bei startnext ein. Im Vergleich zu dem 800.000-Dollar-Crowdfunding von App.net sind das zwar Peanuts. Da sich die zwei jungen Gründer aber keinen Lohn auszahlen, reicht der Betrag, um einige Monate lang die Betriebs- und Verwaltungskosten zu decken. "Das Konzept von skunkit ist so ausgelegt, dass die Server auch ohne große Einnahmen lange laufen können. Wir sind nicht auf ein Einkommen durch skunkit angewiesen. Allerdings werden die Popularität von skunkit und die Einnahmen beeinflussen, mit welcher Geschwindigkeit wir skunkit für weitere Plattformen entwickeln können", erklärte uns Simon Braun.

iPhone-Version beginnt Testphase

Der Plan der zwei Brüder ist es, skunkit als App für iOS, Android, Windows, Linux und Mac OS X bereitzustellen. Derzeit arbeiten sie an der iPhone-App, die in einer ersten Beta-Version fertig ist und ausprobiert werden kann, sofern man dem skunkit-Team eine Nachricht mit der UID des eigenen iPhones schickt.

Das Projekt skunkit ist Idealismus pur. So reizvoll die Idee eines kosten- und werbefreien Messengers für verschiedene Plattformen klingt, der keine Nutzerdaten sammelt, so offensichtlich sind die zahlreichen Schwachpunkte, die von Schwierigkeiten des Erreichens einer kritischen Masse über die Frage der Skalierbarkeit und langfristigen Finanzierung bis hin zu Zweifeln über die dauerhafte Prinzipientreue ihrer Macher reichen. Kann man sich wirklich sicher sein, dass Lukas und Simon nach Jahren harter Arbeit und vieler aufgebrachter Opfer einem nicht zu den skunkit-Werten passenden lukrativen Werbedeal oder Venture-Capital-Angebot widerstehen werden?

Man muss es ihnen glauben, oder eben nicht. "Wir sind gegen Datenhandel und den daraus resultierenden Verlust von Privatsphäre. Wir kämpfen dafür, dass unser Traum von Kommunikation ohne die Angabe von personenbezogenen Daten und ohne Werbung Wirklichkeit werden kann", so beschreiben die Zwei ihre Vision, der sie trotz aller Unwegbarkeiten ihres Vorhabens sehr verpflichtet zu sein scheinen.

In einem älteren Beitrag beschrieb ich einst, dass es der deutschen Gründerszene an einer gewissen Naivität mangeln würde. Genau diese Prise Leichtgläubigkeit und unvoreingenommener Experimentierfreudigkeit, die ich damals vermisste, findet sich in der Idee von skunkit wieder. Selbst wer ein entspannteres Verhältnis zum häufig emotional diskutierten Dauerthema Datenschutz und Privatsphäre pflegt, muss dies anerkennen. Schlicht aufgrund der Vielzahl an Hürden, welche die Gebrüder bis zur Verwirklichung ihres Traums überspringen müssen, bleibe ich zwar skeptisch, ob das Konzept skunkit so in massentauglicher Form funktionieren kann. Aber ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen.

Die Herrenberger Lokalzeitung Gäubote stellte die Macher von skunkit im Juni näher vor.

Link: skunkit

Kommentare

  • Georg

    20.08.12 (08:55:57)

    Ein tolles Projekt, aber ich verstehe nicht wieso die iOS-App zuerst kommt. Die Apple-Geräte sind allesamt sehr stark mit der Apple-Cloud verbunden und für Datenschützer nicht gerade erste Wahl. Android ist dies mit der Google-Cloud zwar prinzipiell auch, jedoch kann man die meisten Google-Apps als Root löschen, ebenso gibt es sehr viele Custom ROMs bei denen die Google-Apps nur optional nachinstallierbar sind. Ich denke die Zielgruppe von Skunkit ist eher von Android-Nutzern geprägt, ganz egal wie viel Hype eine iOS-App erzeugen kann. Ich hätte eher Android -> iOS -> MeeGo -> Rest erstellt, vielleicht sogar mit einer Java ME-App für Low End Devices, das wäre mal ein Feature das man sonst auf dem Markt vergeblich sucht!

  • Jan

    20.08.12 (11:14:23)

    Das schreit ja förmlich nach einem Invite :) Danke für den Tipp, Martin!

  • Veit

    03.09.12 (21:12:32)

    Bei geringem Bedürfnis der Menschen nach Datenschutz könnte es in naher Zukunft so aussehen: http://gedichtbandlose-lyrik.de/kein-datenschutz-beim-geschaeft

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