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11.02.08

Das ZDF macht sich lustig über Videos von Politikern im Internet

"Unfreiwillig komisch" heisst der Beitrag des ZDF-Magazins "Frontal 21" über Politiker, die das Internet entdecken. Die armen Newcomer werden ausgelacht von alten Hasen mit jahrzehntelanger Erfahrung, die dank Gebührengeldern produktionstechnisch stets auf dem neuesten Stand sind.

Angela Merkel Videopodcast

Vorreiter der neuen Berliner Videoschule? (Screenshot ZDF)

Das Werk von Werner Doyé und Andreas Wiemers (youtube.com, Video, 5:45 Minuten) widmet sich den "Medienprofis" (gemeint sind Politiker). Gleich in der Einleitung werden sie "kamerageschulte Medienmeister" und "perfekte Volksfischer" genannt, die aber das volle Mitleid des Moderators geniessen, weil sie "auch im Internet total cool rüber kommen" sollen.

Natürlich ist es legitim, über die SPD zu lachen, die eine Reihe mit Fragen an Kurt Beck veranstaltet und dann gar keine Fragen beantwortet. Und den Videocast von Angela Merkel in Frage zu stellen, der bereits "mehrere 100.000 Euro" (!!!) gekostet haben soll. Und vielleicht ist auch etwas Wahrheit dran, wenn "die geneigte Web-Gemeinde sich" dabei "an skandinavische Filme in Dogma-Manier erinnert".

Ein Video der grünen Politikerin Ursula Helmhold (dieses hier) wird ironisch als "ein Beispiel vom Land - auch technisch beeindruckend" abgekanzelt. Doch Moment mal: Steigen darum die Gebühren für die öffentlich-rechtlichen Sender ständig an und sind, seit es sie gibt, noch nie gesunken? Damit man sich lustig machen kann über andere, die, mit ihren zugegebenermassen beschränkten Mitteln, auch versuchen, Fernsehen zu machen?

Was furchtbar witzig wirken soll, wirkt auf mich furchtbar arrogant. Ich glaube, dass diese Politiker bessere Beiträge machen würden, wenn sie die Kohle zur Verfügung hätten, die das ZDF oder andere öffentlich-rechtliche Sender zur Verfügung haben (Frau Merkel mal ausgenommen).

GEZ-Gebühren

Entwicklung der GEZ-Gebühren seit 1962 (Grafik GEZ)

Die Chance auf Qualität in Beiträgen steigt, wenn man viel Geld zur Verfügung hat. Dass es aber nicht zwingend so sein muss, zeigt auch dieser Beitrag aus der RBB-Sendung Polylux . Ohne nach irgendwelchen Zahlen zu suchen, glaube ich, behaupten zu können, dass der der Satz "Das Gros der Nutzer mutiert im Netz zu gnadenlosen Exhibitionisten" im Einführungstext zum Beitrag unwahr ist. Das Video an sich ist ein Lehrstück von aufwändig produziertem Nonsens, der mit einer "satirisch" gemeinten Unwahrheit schliesst: "Kleine Warnung zum Schluss: Hüten Sie sich vor dem Internetportal mybook24.vz - es wurde direkt von der Regierung aufgemacht". Wer die staatliche Überwachung verharmlosenden Witze über Internetnutzer, die sowieso nur Belanglosigkeiten verbreiten und so die Überwacher in den Schlaf singen, noch hören kann, hat sicher gelacht.

Es geht doch auch anders: Dieser Beitrag der ARD-Sendung plusminus über abgemahnte Obstbilder beispielsweise ist richtig guter Internet-Journalismus.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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