<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

27.05.14Leser-Kommentare

Das vernetzte Haus: Wenn Apple und Google ernst machen, beginnt eine neue Ära

Apple plant eine Smart-Home-Plattform, Google soll nach Nest abermals ein Startup in dem Bereich kaufen wollen. Sollten die zwei Firmen mit dem vernetzten Haus ernst machen, dann beginnt nach einem Jahrzehnt der Träumerei eine neue Ära.

Smart Home

Seit einer Ewigkeit steht die Vision des intelligenten Hauses im Raum. Doch passiert ist bislang abgesehen von einigen Startup-Projekten mit begrenzter Durchschlagskraft wenig. Auch der smarte Kühlschrank, eine der Paradedisziplinen des Smart Home, bleibt vor allem ein Traum ohne signifikante Fortschritte in der Praxis. Erfahrungsgemäß ist für die Realisierung von technischen Visionen wie dem vernetzten Haus notwendig, dass Giganten der IT-Branche ihr Gewicht hinter die Etablierung entsprechender Dienste werfen. Mit ihrem Know-how und ihrer Marketingkraft kann aus einer die Fantasie anregenden Idee am ehesten Wirklichkeit werden. Momentan mehren sich die Anzeichen, dass große Konzerne das Smart Home endlich massentauglich machen wollen. So besagt ein aktueller Medienbericht der Financial Times, dass Apple auf seiner in der nächsten Woche stattfindenden Entwickler-Konferenz „Worldwide Developer Conference“ eine in iOS integrierte Smart-Home-Plattform vorstellen wird. Mit dieser würden Hersteller intelligenter Glühbirnen, Wärmeregler und Schlösser die Möglichkeit enger funktioneller Einbettungen in iPads und iPhones erhalten. Die mobilen Apple-Gadgets würden zur Fernbedienung für das Haus avancieren.

In der Nacht wurde zudem bekannt, dass Google am Kauf des Security-Monitoring-Startups Dropcam interessiert sein soll. Dessen mit dem Internet verbundene Kameras erlauben es, Häuser, Wohnungen und Büros während Abwesenheit aus der Ferne zu überwachen. Mit Hilfe von klugen Algorithmen und smarten Sensoren für nicht von der Kamera abgedeckte Bereiche glaubt das 2009 gegründete US-Unternehmen, Einbrecher von anderen, Bewegungen verursachenden Elementen wie etwa Haustieren unterscheiden zu können. Der Service schlägt automatisch Alarm, wenn etwas Verdächtiges vor sich geht. Für Google wäre der Kauf von Dropcam nach Nest die zweite Akquisition eines Smart-Home-Dienstes innerhalb kurzer Zeit.

Nest, das intelligente Thermostat, darf wiederum als das bislang erfolgreichste Startup-Unterfangen im Segment des vernetzten Hauses gelten. Vor zwei Wochen präsentierte der deutsche Wettbewerber Tado ehrgeizige Pläne für eine intelligente Smartphone-Fernbedienung für Klimaanlagen.

Sollten sich beide Meldungen bewahrheiten, wäre dies der Beginn einer neuen Ära, vielleicht sogar vergleichbar mit der Lancierung des iPhones im Jahr 2007. Denn dann müsste man Google und Apple ganz offiziell als Akteure im Smart-Home-Bereich anerkennen.

Doch dass daraus ein ähnlicher Ansturm der Konsumenten resultieren würde wie damals, ist nicht garantiert. Denn allgemeine IT-Sicherheitsbedenken und die geheimdienstliche Massenüberwachung der Internetnutzung liefern zwei schwerwiegende Argumente gegen die Installation von internetfähigen, zentral steuerbaren Haushaltsapparaten. Das Konzept des vernetzten Hauses hat deshalb bereits einen faden Beigeschmack, noch bevor es überhaupt großflächig in Angriff genommen wurde. /mw

Foto: outlet and switch on the background of wooden wall, Shutterstock

Kommentare

  • Fehlerteufel

    27.05.14 (08:40:27)

    Das wäre ein Ding: „Für Google wäre der Kauf von Dropbox…”

  • David

    27.05.14 (10:29:38)

    Ich würde schon deswegen keine Schlösser und Lampen mit iOS-Anbindung kaufen, weil ich nicht ständig gezwungen sein will, ein neues Apple-Telefon zu kaufen, weil das von vor 3 Jahren nicht mehr kompatibel ist, oder die Stecker nicht mehr passen...

  • Axel Kopp

    28.05.14 (01:55:40)

    Ich finde, dass Google schon seit einigen Jahren dazu neigt, sich zu verzetteln. Mich erinnert das Gebaren irgendwie an Siemens. Jahrzehntelang sind die Geschäfte gut gelaufen, das Unternehmen ist stark gewachsen und in unterschiedlichsten Branchen aktiv geworden. In vielen Sektoren von Siemens läuft es noch immer gut, das will ich gar nicht bestreiten, aber auf dem Weg zum Weltkonzern haben sich unglaublich viele Baustellen aufgetan, die teils zu massiven Problemen führen (man denke an den Bau der ICE-Züge). Ich denke, dass Google Ähnliches bevorsteht - wenn er nicht schon mittendrin steckt. Bei Google wird schon im Kernbereich, also im Web, zu viel getestet und nicht wirklich nachhaltig gearbeitet. Ich denk da nur an den Google Reader, der ja in der Netzgemeinde wirklich sehr beliebt, dann aber einfach mal nicht weiterentwickelt und schließlich abgeschaltet wurde. Anderes Beispiel: Bei Google Play Music All Inclusive war ich anfangs sehr euphorisch, hab aber in den letzten Monaten gemerkt, dass der Dienst nicht wirklich weiterentwickelt wurde. Man kann noch nicht mal seine Playlists nach einzelnen Liedern durchsuchen. Und einfache Warnmeldungen à la "Dieses Lied ist schon in der Playlist. Soll es trotzdem hinzugefügt werden?" fehlen auch. Für mich ist das ein Witz! Klar, das sind nur kleine Macken und Unzulänglichkeiten, aber dadurch bin ich gegenüber Google Diensten in den letzten Jahren deutlich misstrauischer geworden, und ja, ich bin tatsächlich enttäuscht, weil ich merke, dass Google viel Murks macht. Google streckt seine Fühler/Krakenarme in alle Richtungen aus, weiß aber nicht richtig, was es überhaupt will. Irgendwie alles halt. Oder zumindest mal alles ausprobieren, Geld ist ja da. Oder um es etwas reißerischer zu formulieren: Da fehlt der Steve Jobs. Doch selbst wenn Google das Smart Home technisch auf die Reihe bekommt, denke ich, dass u.a. aufgrund der länger währenden Datenschutzdebatte, die Leute keine Lust auf ein Smart Home made by Google haben. Würde was von Bosch kommen, wäre ich da zuversichtlicher – oder halt von Apple (und das sage ich als Apple-Hasser).

  • Kevin_skyler

    28.05.14 (07:40:49)

    Bei Heimautomatisierung setze ich lieber auf offene Lösungen wie Ninja Block, die senden auch keine Daten an Google oder Apple http://ninjablocks.com/pages/home

  • ben_

    29.05.14 (09:38:36)

    Der Begin einer neuen Ära? Och bitte … ich meine … wie sexy oder spannend ist den bitte ein Thermostat, egal, wie intelligent es ist? Ich meine … die Sinnhaftigkeit leuchtet mir ja ein. Mehr noch: Höchste Zeit, dass das gesamte Stromnetz "intelligent" wird. Aber eine neue Ära, "vergleichbar mit der Lancierung des iPhones" … come on? Vor wem kann man denn bitte mit einem Thermostat angeben?

  • Martin Weigert

    29.05.14 (12:10:58)

    Das Thermostat macht ungefähr 2 Prozent dessen as, was man mit dem Smart Home so anstellen könnte.

  • ben_

    29.05.14 (12:24:53)

    Ich bin ja fast versucht, nach den letzten 98% zu fragen, mache das aber mal nicht und gehe etwas konstruktiver an die Sache: Das Iphone ist ein freiprogrammierbares, nicht in der Benutzung nicht weiter definiertes, tragbares Lifestyle-Gerät. Ich glaube der Erfolg des Iphones liegt in zumindest im ersten und letzten Punkt begründet. Für Thermostate, Kühlschränke, Rollos, Lampen, Waschmaschinen und die restlichen 95% des Smarthomes gilt das nicht. Und damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich glaube, dass die Waschmaschine mehr für die Menschen getan hat als das Iphone, dass Miele der bei weitem kuhlere Hersteller ist als Google oder Apple. Und in dem Sinne magst Du vielleicht recht haben, dass vielleicht wirklich eine neue Ära ansteht. Aber das ist eine völlig andere Dimension als das Iphone. Wenn es irgenwann diese "Display-Tapeten" wie in Cloud Atlas gibt, bin ich wieder bei Dir. Aber bis dahin dürfte das alles das gleiche Aufmerksamkeit-Nieschendasein führen, wie all die andere "Weiße Ware". Oder anders: Wann hast Du das letzte Mal mit jemandem über Deine Dunstabzugshaube gesprochen?

  • Martin Weigert

    29.05.14 (15:29:46)

    Nein, aber ich habe letztens das Haus verlassen und danach daran gezweifelt, den Gasherd abgeschaltet zu haben. Den ganzen Tag lang hatte ich das im Hinterkopf. Für eine einfache Möglichkeit, aus der Ferne den Herdstatus abrufen und ggf den Gaszulauf stoppen zu können, hätte ich viel gegeben! (am Abend zeigte sich, dass ich mir umsonst Sorgen gemacht hatte). Weil du dich so an der von mir gezogenen Parallele zum iPhone störst: Ich glaube, es liegt in Missverständnis vor. Ich wollte nicht behaupten, dass das Internet der Dinge bzw. Smart Home ähnlich disruptiv sein wird wie das iPhone. Ich bezog mich mit der Aussage auf die "marktdefinierende" Wirkung eines Ereignisses. Vor dem iPhone gab es zwar Smartphones, aber die waren Mist. Mit einer Apple-Plattform für das Smart Home und Googles ernsthaftem Engagement in dem Segment könnte das Segment einen ähnlichen Punkt im Lebenszyklus erreicht haben wie damals Smartphones, als das iPhone kam.

  • ben_

    30.05.14 (09:31:31)

    Ok, fair enough, dass es für eine bisher eher unbeachtet Sparte den Durchbruch bedeuten kann, wenn Apple und Google sich mehr oder weniger gleichzeitig dafür entscheiden, in den Markt einzusteigen … da bin ich natürlich bei Dir. Ein bisken schräg ist allerdings auch das. Gigaset hat mit "Elements" immerhin schon seit zwei Jahren Home Surveillance Zeugs auf dem Markt, einschl. Iphone-Apps.

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer