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30.09.07

"Das Schweigen der Quandts"

Das Vermögen der Quandts, eine der reichsten Unternehmerfamilien in Deutschland, soll auch aus fragwürdiger Zusammenarbeit mit den Nazis stammen. Dass in Fabriken Zwangsarbeiter beschäftigt wurden, so die NDR-Dokumentation "Das Schweigen der Quandts", möchte die Familie weder kommentieren noch aufarbeiten.

Sonntag, 23:30 Uhr. Nicht Inge Meysel kommt im Ersten, wie es die Programmzeitschriften eigentlich voraussagen. Stattdessen läuft die Dokumentation "Das Schweigen der Quandts". In der NDR-Produktion, die am Nachmittag auf dem Hamburger Filmfest uraufgeführt wurde, wird die Rolle der Akkumulatoren Fabrik Aktiengesellschaft (AFA) und anderer Unternehmen Günther Quandts im Dritten Reich kritisch beleuchtet - und wie die Familie mit dem schweren Erbe heute umgeht: Schweigen.

Fünf Jahre haben Autor Eric Friedler und Barbara Siebert recherchiert. Puzzleartig fügten sich dabei die Informationen aus verschiedenen Archiven zusammen, verdichteten sich viele kleine Hinweise zu einer erdrückenden Faktenlage. Neben Historikern kommen in der Dokumentation auch Zeitzeugen zu Wort: Ehemalige Zwangsarbeiter, die für Quandts Unternehmen arbeiten mussten.

Nach der Aufführung auf dem Hamburger Filmfest bekamen Thomas Schreiber, ARD-Koordinator Fiktion und Unterhaltung, und Eric Friedler viel Applaus. Sie haben eine packende Dokumentation präsentiert, aufwendig und gut produziert. Ein Film, der viele der Anwesenden sprachlos macht - und in den kommenden Tagen sicher einiges an medialer Aufmerksamkeit erhalten wird. Auf die einstündige Fassung soll eine um 30 Minuten erweiterte Version folgen, zu der es dann auch Pressearbeit geben soll.

Jetzt aber ist der Film erst mal draußen - ein echter Coup für die ARD. Viel bekannt gegeben wurde im Vorfeld nicht. Im Programm des Filmfestes fehlten Angaben zu Autoren und zum Namen der Unternehmerfamilie, die im Mittelpunkt der Doku steht, völlig. Ähnlich gut getarnt versteckt sich die Sendung im ARD-Programm hinter Inge Meysel. Angst haben die Macher trotzdem nicht: Der Film sei schließlich sauber recherchiert. Friedler wünscht sich für die ehemaligen Zwangsarbeiter und Geschädigten, dass die Familie Quandt die Geschichte ihrer Unternehmen anerkennen und hofft auf unabhängige Aufarbeitung.

Nachtrag 1.10.2007, 9 Uhr:

  • Michael Hanfeld: "Aus der Wehrwirtschaft", FAZ 1.10.2007

  • Hans-Jürgen Jakobs: "Eine deutsche Dynastie, die Nazis und das KZ" , SZ 1.10.2007

     

Beschreibung im Programm des Hamburger Filmfests:

 

Die Familie

Die Autoren durchbrechen mit dieser Dokumentation eine Mauer des Schweigens. Seit mehreren Generationen verbirgt eine Industriellen-Dynastie sorgsam ihre Geschichte und die Herkunft von Teilen ihres Vermögens. Die Familie äußert sich niemals öffentlich und die Archive ihrer Firmen sind Journalisten aber auch Historikern verschlossen. Für diese Dokumentation recherchierten die Autoren vier Jahre lang in Archiven im In- und Ausland. Mit Hilfe der exklusiven Dokumente, die sie im Laufe ihrer Spurensuche zusammentrugen, gelingt es ihnen, Stück für Stück - wie in einem Puzzle - die wahre Herkunft des Familienvermögens offen zu legen. Der fehlende Wille, sich der eigenen Schuld zu stellen, die Selbststilisierung der Täter zu Opfern und die Versuche, sich einer Aufarbeitung zu entziehen - all dies ist typisch für "Die Familie" aber auch für andere Unternehmerfamilien. Allerdings gibt es einen maßgeblichen Unterschied: Anders als anderen Industriellen-Dynastien gelang es der "Familie" bis heute, die Quellen ihres Reichtums zu verschleiern und sich dem kritischen Blick der Öffentlichkeit zu entziehen. Die Dokumentation "Die Familie" schließt diese Lücke.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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