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13.05.07Leser-Kommentare

"Das Magazin" mit neuer Website

Cover 200701 Das MagazinDas Magazin, die Samstagsbeilage der Zeitungen Tages-Anzeiger sowie seit einigen Jahren auch der Berner- und der Baslerzeitung, hat seit Freitagabend eine neue Website. Bisher war das seit 1969 in hoher journalistischer Qualität erscheinende Wochenblatt mit längeren Essays und Reportagen im gesamten deutschsprachigen Raum eine eher unbekannte Grösse. Wenn auch Texte daraus immer wieder verwertet werden. So wie der 2006 im Magazin erschienene Text von Erwin Koch über Hoodia, der heute in der Sonntagsausgabe des Tagesspiegels abgedruckt wird.

Das könnte sich aber ändern, handelt sich doch um einen Internetauftritt, der sehr viele der Ansprüche einlöst, die Leser an eine Website stellen. Oder die zumindest ich an eine Website stelle. Was die neue Website bietet, wird aus Tokyo erklärt, von Oliver Reichenstein :

 

Die Magazin-Webseite soll uns helfen, bessere Beiträge zu publizieren. Die Bedingung dafür ist Interaktivität. Das Magazin Online soll zur Schnittstelle zwischen Leser und Schreiber werden. Wir hoffen auf zahlreiche Leserbeiträge in den Bereichen Kommentar, Informationszulieferung und Leserbeiträge, die die Printausgabe als Endprodukt noch lebendiger, informativer, aufregender machen.

Bis zur vollen Ausschöpfung der technologischen Möglichkeiten haben wir noch einen weiten abenteuerlichen Weg vor uns. Auf dem Weg zu diesem offeneren noch farbigeren Magazin Online bitten unsere Leser um Verständnis und Geduld. Dies ist erst der Anfang.

Solche Worte sind oft leere Worte. In diesem Fall könnte es anders sein. Darum:

 

Vernetzung

Es sind alle Texte online, seit Beginn des Jahres jedenfalls, frühere folgen vielleicht. Sie sind mit Tags versehen, die man Kategorien genannt hat - klickt man auf eine Kategorie, so zeigen sich weitere Inhalte damit. Ebenfalls als Kategorien sind die Namen der Texturheber gespeichert - liest man also einen interessanten Text von jemandem, kann man gleich auch alle anderen bereits veröffentlichten Beiträge nachlesen.

Transparenz

Die Website kommt als Wiki daher. Von jedem einzelnen Artikel kann die Versionshistorie angesehen und überprüft werden. Wenn man der noch leeren Abteilung "Artikel in Arbeit" glauben kann, wird den Lesern auch mitgeteilt, welche Texte nächstens im Heft erscheinen werden. Wenn man der noch leeren Abteilung "Artikel verfassen" glauben kann, dann können Leser entweder selbst Texte einsenden oder zumindest Themen dazu vorschlagen. Somit sind wir bei der

Beteiligung

Die Texte können bei Bedarf kommentiert werden. Ohne einen Leserbrief schreiben zu müssen, kann so der Leser seine Ergänzung, seine Kritik oder seine Dankbarkeit direkt am betreffenden Ort ausdrücken. Ob Leser tatsächlich auch bei Texten direkt im Wiki mitarbeiten dürfen, ist mir noch nicht klar geworden. Das wird sich aber sicher bald zeigen.

Es gibt aber auch

Verbesserungsmöglichkeiten

Die ehemaligen Permalinks der alten Seite funktionieren nicht mehr - sie könnten auf die aktuellen Texte umgeleitet werden. Trackbacks gibt es nicht - das könnte man ermöglichen. Das Design finde ich weder besonders gelungen, noch besonders störend - man könnte es sicher noch besser machen. Noch herrscht viel Chaos auf der Seite - der Work in Progress soll das ja aber bald ordnen, glätten, einebnen. Einen User-Account muss man per E-Mail beantragen - wenn da mal nicht jemand die damit verbundene Arbeit unterschätzt hat. Meine E-Mail vom Freitagabend ist nämlich noch unbeantwortet. Das könnte aber auch daran liegen, dass nicht einfach jeder Dahergelaufene einen Account kriegt, wie Oliver Reichenstein in den Kommentaren bei medienspiegel.ch ausführt:

 

Einen Account kriegt nur, wer mit seinem richtigen Namen fuer das einsteht, was er da sagt. Schmierer, Selbstwerber, Flucher und Propagandisten werden sofort wieder verbannt. Zuerst werden Accounts an andere Journalisten, Freunde, Bekannte vergeben. Leserbriefschreiber haben auch Chancen reingelassen zu werden.

Fazit

Die veraltete Flash-Wüste der alten Website wurde abgelöst von einem ambitionierten, spannenden Projekt, das den Mut hatte, sich im Beta-Status der Welt preiszugeben. Wie es sich nun entwickelt, hängt ganz davon ab, wie weit sich die kleine Redaktion darauf einlässt. Wenn es gelingt, sowohl weiterhin starke journalistische Arbeiten abzuliefern als auch die Website ständig weiterzuentwickeln, dann sollte das Magazin mit viel Aufmerksamkeit beschenkt werden.

Dazu könnte es ein Vorbild sein für viele andere Webprojekte mit Userbeteiligung, die zurzeit ja in jeder Redaktion ein Thema sind. Das alles hinzukriegen bedeutet aber eine Menge Arbeit. Ich wünsche gutes Gelingen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Regine

    14.05.07 (05:47:19)

    In der Tat, interessante Herangehensweise. Mich würde mal interessieren, welche Wiki-Software genutzt wurde. Konnte bis jetzt keinen Hinweis finden ...

  • Alexander

    14.05.07 (06:25:12)

    Die Magazin Website verwendet wie Wikipedia Mediawiki.

  • Oliver Reichenstein

    14.05.07 (06:25:32)

    Regine: Eingesetzt wurde wikimedia. Ronnie: "Das Design finde ich weder besonders gelungen, noch besonders störend - man könnte es sicher noch besser machen." Na endlich mal ein kritischeres Wort... ; ) Bin mir bei Relaunches sonst ganz andere Töne gewohnt. Was die Designphilosophie des Ganzen angeht, muss man vielleicht das mal anschauen: http://www.informationarchitects.jp/100E2R/ ...und dann noch die Sache mit "Webdesign is 95% Typography"... ...und dann gefällts vielleicht etwas besser. Denn das sind ja harte Gestaltungskonditionen. ? Selbstverständlich fehlen noch die grossen Bilder, was dann hoffentlich alles ganz plötzlich viel gelungener ausschauen lässt.

  • mds

    15.05.07 (01:53:42)

    @Regine: Gemäss http://www.dasmagazin.ch/index.php?title=Special:Version findet momentan MediaWiki 1.10.0rc2 Verwendung (nicht «wikimedia»!). Schade finde ich, dass die Website als «XHTML 1.0 Transitional» deklariert wird, in unzähligen Punkten aber leider nicht valid ist. Zwei Anregungen: Echte «nice URLs» sowie vermehrtes Verlinken, sowohl in den Artikeln als auch auf Seiten wie dem Impressum (E-Mail-Adressen können nicht angeklickt werden, Webpräsenz der Autoren nicht verlinkt).

  • mds

    15.05.07 (02:07:47)

    Eine ergänzende Frage: Wieso wird fürs Kommentieren im «Das Magazin»-Wiki ein «Leser-Account» (Leser!) benötigt? Und ist die Anmeldung per E-Mail und mit unzähligen Angaben inklusive Beruf und Angaben zum Abonnement einem Wiki angemessen?

  • Oliver Reichenstein

    15.05.07 (02:33:47)

    MDS, Die Sache ist die: Wir wissen alle, wie schnell Diskussionen online ins Kindische abgleiten. Mit eine Ursache dafür ist meiner Ansicht nach, dass die Leute sich hinter einem Pseudonym verstecken können. Um sicher zu gehen, dass die Diskussion auf der Magazin-Seite auf einem erwachsenen Niveau geführt wird, haben wir vorgeschlagen, das Citizendium-Modell zu verwenden. http://en.citizendium.org/wiki/Main_Page Citizendium ist ein Wiki, ins Leben gerufen von einem der Gründer von Wikipedia. Die Anmeldung erfolgt ebenfalls per email und ist noch um einiges strenger: http://www.citizendium.org/cfa.html Unser Modell ist also nicht einfach aus der Luft gegriffen. Ob es funktioniert, wissen wir nicht, denn Citizendium ist auch relativ jung. Die Magazin-Redaktion lechzt ja in keiner Weise nach einem Web2.0-möglichst-viele-user-schwatzen-Ding. Was die wollen, ist die Qualität ihrer Texte mit moderner Technologie verbessern. Wiki ist einerseits für sie ein gutes Redaktionstool, um Texte vorzubereiten, zu optimieren und zu verwalten, andererseits ein ideales Werkzeug zur reibungslosen Integration von "Leserbriefen". Nice URLs sind mit dem bestehenden Server nicht möglich (sowie die Integration von Bildern). Dass das so lange geht mit dem neuen Server ist übrigens ein kleiner bürokratischer Skandal, der uns alle im Augenblick alle nahezu wahnsinnig macht. Impressum ist, wie viele andere Dinge auch, noch weit von der Alphaversion entfernt.

  • Oliver Reichenstein

    15.05.07 (02:45:04)

    XML-Standard: Auch hier, bitte, etwas Geduld. Vielleicht sollten wir wirklich dieses berühmte beta neben das Logo hängen... ; )

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