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06.03.08Leser-Kommentare

Das Konzept von Yigg.de: Kleine Bettelbuttons

Web 2.0 mit Geschäftsmodell: Die News-Community Yigg lesen täglich 50.000 Leute. Mittlerweile reichen die Werbeeinnahmen für fünf Mitarbeiter und die laufenden Kosten der Technik. Doch auch Spammer und Abmahn-Anwälte nutzen die Seite.

Yigg liest Medienlese.com

Michael Reuter, Geschäftsführer von Yigg, zeigt im Münchner Presseclub eine Website, die uns irgendwie bekannt vorkommt... (Bild: W.D.Roth)

Yigg ist ein typisches Web 2.0 Social Network, in dem nicht geflickert oder gegruschelt, sondern geyiggt wird. Und das bedeutet zweierlei: Nachrichten aus dem Web bei Yigg zu "melden" - und anschließend dann diese zu bewerten. Zum Beispiel über die kleinen Bettelbuttons, die Onlinemedien am Ende ihrer Artikel anbieten. Nachrichten, die von vielen Yigg-Besuchern bewertet werden, landen dann auf der Startseite - andernfalls sind sie nur in der Warteschlange zu sehen, von der sie nach 24 Stunden im Archiv landen, wenn sich nicht genügend Leser für sie erwärmen konnten.

 

Das Archiv bleibt aber erhalten und die Anzahl der stündlich gemeldeten Nachrichten ist mit über 20 höher als bei normalen Nachrichtenportalen, so Michael Reuter, Geschäftsführer von Yigg, der im Münchner Presseclub bei einer von Thomas Mrazek für den Bayerischen Journalistenverband organisierten Veranstaltung zu Gast war - und das am Tag eines Lokalderbys zwischen den momentan besonders verfeindeten Fußballvereinen Bayern München und TSV 1860. Doch im Presseclub blieb es friedlich - keiner der zahlreichenden Anwesenden hatte Eimer mit Farbe mitgebracht.

Yigg wurde Anfang 2006 von zwei bereits in der Dotcom-Blase aktiven Web-Managern, die Online-Reisebüros entwickelt hatten, und zwei Programmieren aus dem Umfeld des CCC als Freizeit-Projekt gegründet. Im Juni 2007 bekam man dann Venture Capital und firmierte zu einer GmbH um. Heute bezeichnet sich Yigg als reichweitenstärkste deutsche Social Community.

Das Yigg-Team

Michael Reuter stellt das Gründerteam vor (Bild: W.D.Roth)

Yigg-Nutzer sind sehr technikaffin, doch inzwischen gibt es neben der Rubrik IT & Technik auch Sport, Politik oder Kaputte Welt. Technik, Wissenschaft, Soziales und Politik sind heute die gefragten Rubriken, während die typische "Panorama"-Mischung weniger stark vertreten ist.

Beiträge bewerten kann man auch anonym, Beiträge posten, diskutieren, kommentieren und eine neue zusätzlich zu den 1600 existierenden Gruppen gründen dagegen nicht. 50.000 Nutzer lesen Yigg täglich, 17.000 Nutzer sind registriert und im Oktober 2007 erreichte Yigg nach eigener Aussage mit 50 Mio. Pageimpressions die Hälfte von Süddeutsche.de.

Yigg.de war ursprünglich eine deutsche Abwandlung von Digg.com, ist inzwischen aber eigenständig. Auch die Nutzer erhalten für ihre Aktivitäten Punkte; fleißige Newsmelder kommen so auf eine Rangliste, ähnlich wie einst bei Dotcomtod, doch auf die letzten 24 Stunden bezogen.

medienlese.com: Zero Points

medienlese.com wird automatisch bei Yigg eingespeist, weshalb die Beiträge beim Yiggen bereits fertig vorliegen und lediglich noch keine Yigg-Stimmen haben. Manuell gepostete Beiträge haben dagegen stets sofort eine Yigg-Stimme: die des Posters. (Bild: W.D.Roth)

Blogger können mit Yigg auch ihr Blog bekannt und im Google-Ranking steigern, solange sie es nicht übertreiben, und mit einem Plugin für Wordpress ihre News automatisch bei Yigg.de abliefern. Das allerdings ist umstritten, da es zu duplicate content führt, was das Blog aus Google kicken kann. Auch bringt Yigg schon mal seine eigene Google-Position in Gefahr.

Zusätzlich können auch Spekulationen eingestellt und über diese abgestimmt werden, Beispiel: "Nach dem Umzug ins Hochhaus ins Industriegebiet am Rande Münchens verlassen 10% der Redakteure bis Jahresende den Süddeutschen Verlag".

Probleme gibt es lt. Reuter nur mit PR-Einträgen und Spam die aber sowohl technisch erkannt als auch durch die Moderatoren und die Community beseitigt werden, sowie Anwälten. Die Gründer yiggen natürlich auch selbst fleißigst, Michael Reuter beispielsweise als kmr - hoffentlich ein markenrechtlich sicheres Kürzel.

Yigg: Michael Reuter

Deshalb kam bislang auch keine Anwaltspost, doch etwa zweimal wöchentlich aus anderen Gründen: Yigg soll Einträge entfernen, weil diese Meldungen zitieren, die mittlerweile gerichtlich verboten wurden.

Die Werbung, die die mittlerweile fünf Mitarbeiter und die Betriebskosten finanziert, kommt über Google Ads sowie von Tomorrow Focus. Letzteres führt dann schon einmal zur Verärgerung der Nutzer, wenn jene adreßsammelnden Sie haben einen Audi A4 gewonnen!-Banner auftauchen.

Auch Journalisten will Yigg als Schreiber gewinnen - es gibt beim Einstellen neuer Nachrichten neben dem reinen Link-Posten, bei dem der Text auf 550 Zeichen beschränkt ist, um zu lange Zitate zu verhindern, auch die Möglichkeit, Videos oder eigene Texte ("Yigg-Artikel") einzustellen. Ob Yigg dabei nur zur Verwertung unbenutzter Beiträge dienen soll und ob irgendwann hochwertige Beiträge auch bezahlt werden können, steht allerdings noch in den Sternen, es ist erstmal nur ein Konzept, über das man gerne mit ihm reden könne, so Michael Reuter.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Paul

    06.03.08 (13:34:02)

    Sehr interessanter Artikel, da auch versucht einwenig in die Tiefe von Yigg-Tätigkeit zugehen.

  • Baynado

    06.03.08 (13:55:17)

    Kann Paul nur zustimmen. Der Artikel hat mir auch sehr gut gefallen.

  • Ramona Bauer

    06.03.08 (14:00:54)

    Inhaltlich interessant, stimmt. Man sollte nur ein bißchen hinterfragen, waren es zwei oder vier Gründer? ;)

  • Wolf-Dieter Roth

    06.03.08 (14:18:28)

    2 Manager + 2 Programmierer = 4 Gründer

  • mj

    06.03.08 (15:23:21)

    Sehr netter bericht, doch gerade diese Bettelbuttons sollten sich schnellstens mal einem Redesign unterziehen: http://www.yigg.de/1184632_Warum_sehen_Yigg_Buttons_so_scheisse_aus

  • Bling Blong

    06.03.08 (16:56:09)

    Es waren 2 Gruender, die zwei erwaehnten Programmierer. Das Projekt war urspruenglich der Nachfolger von Th!nknerd, ein in die Jahre gekommenes Projekt von h zero seven (http://www.h07.org). Das Projekt wurde anfaenglich als Projekt von h07 gefuehrt und sollte urspruenglich in ein OpenSource Software enden. Allerdings wurden spaeter zwei Manager, die erwaehnten, ins Boot geholt und das ganze kommerzialisiert. Das heisst 2 Gruender von Yigg, 4 von der Yigg GmbH.

  • Wolf-Dieter Roth

    06.03.08 (17:09:59)

    Daanke für die Ergänzung. Am Event wurde das nicht so dargestellt - siehe ja auch die auf dem einen Foto zu sehende Folie und es wurde seitens Yigg auch nicht korrigiert. Das sollten die mal intern klären, wie sie sich darstellen wollen. Ich persönlich finde es gut, wenn erst die Technik stand und nicht umgekehrt (wie meistens).

  • Enrico Kern

    06.03.08 (20:09:34)

    Bling Blong hats korrekt erkannt :) Fakt ist aber nunmal das wenn wir jetzt über Sachen hinter Yigg und Yigg sprechen ist die Firma gemeint, die hat nunmal 4 Gründer. Yigg selbst gab es aber schon vor der Firma Yigg und wurde wie gesagt von h07.org betrieben und entwickelt. Demnach wurde Yigg als Idee und Software geboren weil wir lust dazu hatten, wir wussten ja nicht was noch kommt und hatten es auch nicht geplannt.

  • Bling Blong

    06.03.08 (22:28:46)

    Nun ja, es ist halt so das die Manager sich meistens gerne als Gruender darstellen - vor allem aus Lebenslauf-technischen Gruenden. Es ist immer besser als Gruender aufzutauchen anstatt als reiner "Mitarbeiter".

  • Bling Blong

    06.03.08 (23:43:08)

    Uebrigens: Enrico wenn du weisst wer ich bin, schick mir ne PM :P

  • Michael Finger

    07.03.08 (07:22:24)

    Hi , das ist ja mal sehr Interessant so viel über Yigg zu erfahren. Danke. MfG Michael Finger Holztechniker

  • Roman

    07.03.08 (12:24:18)

    Ich finde, das Jacket des Referenten ist die eigentliche Nachricht.

  • Bling Blong

    08.03.08 (13:38:58)

    Ist doch ein schoenes Jacket

  • Paul

    10.03.08 (15:47:00)

    "und sollte urspruenglich in ein OpenSource Software enden" Schade, das es nicht so gekommen ist. Meiner Meinung nach wäre dann vielleich noch mehr draus geworden, aber das muss ja net sein...

  • Jessi

    24.08.08 (16:40:03)

    Erst Yigg und jetzt Webnews! Ideen von anderen zu klauen scheint zur Zeit voll im Trend zu sein. Anstatt eigene Ideen zu entwickeln, klaut fast jeder vom jeden was das zeug hält. Und der letzte Clou ist Artikel Schreiben! Auch dieser Idee wurde wie es scheint vom OA (www.Online-Artikel.de) geklaut. Warum Artikel bei Yigg oder Webnews einreichen, wenn ich bei OA mehr für meine Arbeit bekomme. Da werden die Meldungen professionell verteilt wie z.B. bei GN un YN also Google und Yahoo! News Und wohin das ganze hinführt, zeigen die aktuellen Alexa und Google-Trend-Statistiken. Leute bleibt einfach bei eure Nische und bringt eigene Ideen auf den Markt, anstatt von anderen zu klauen oder lernt am besten von Mister Wong. *kopfschüttelnd*

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