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07.10.13Leser-Kommentare

Das eigene Startup gekonnt vorstellen: Präsentationstipps für schüchterne Gründer

Eine gute Startup-Idee und -Umsetzung allein reicht meist nicht, um erfolgreich zu sein. Gründer müssen ihr Produkt auch verkaufen können, etwa bei Präsentationen vor Journalisten und potenziellen Geldgebern. Selbst wer schüchtern ist, kann dies lernen.

So lieber nicht

Robert Brandl testet und bewertet regelmäßig Web-Applikationen für das ToolTester Network.  Mehr über ihn am Ende des Artikels.

Vor Publikum präsentieren war immer eine Sache, die ich als extrem unangenehm empfand. Zu groß war die Angst, vor lauter Nervosität den Faden zu verlieren, oder vor dem Augenblick, in dem keiner über meine Witze lacht.

Trotzdem wollte ich es lernen. Ein Gründer, der nicht präsentieren kann, ist gewissermaßen wie ein Jäger ohne Jagdgewehr. Glücklicherweise bin ich der Meinung, dass man mit genug Übung alles lernen kann, und suchte mir deshalb einen Public Speaking Coach, mit dem ich mich insgesamt achtmal traf.

Die Präsentation, auf die ich mich vorbereitete, war für eine Veranstaltung des europäischen Flughafenverbandes Airport Council International in Dublin. Ich durfte über smarte Webtools referieren und darüber, wie die Marketingabteilungen von Flughäfen diese bestmöglich einsetzen können.

Hier sind die wichtigsten Punkte, die ich während des Coachings gelernt und dann in der Praxis umgesetzt habe: 1. Die allerersten Worte müssen sitzen

Das wichtigste überhaupt ist der Anfang. Wer jetzt keine Aufmerksamkeit erzeugt, der wird es umso schwerer haben, die Leute später zum Zuhören zu animieren.

Meine Präsentation startete zum Beispiel mit der Frage: “Wie viele von Ihnen haben schon mal mit dem Gedanken gespielt, eine Agentur zu feuern? Bitte heben Sie Ihre Hand!”

Besonders langweilig: Einstieg mit “Wer sind wir” gefolgt von “Unsere Kunden” und erst dann geht es mit den richtigen Inhalten los. Die Vorstellung sollte immer ein Moderator übernehmen - den Inhalt unbedingt vorab besprechen.

Gute Tipps für die inhaltliche Struktur einer Präsentation gibt es z.B. hier.

2. Auf die Folien gehört so wenig Text wie möglich

Mit Text vollgepackte Folien sind so ziemlich das beste Mittel, um die Zuhörer in den Schlaf zu wiegen. Niemand kann gleichzeitig lesen und zuhören. Deswegen: am besten mit ganz wenig Text oder besser nur mit Bildern arbeiten. Bilder können blitzschnell verarbeitet werden und unterstützen das Zuhören.

Besonders schlimm: wenn der Sprecher zu allem übel auch noch von den Folien abliest und sich zur Leinwand dreht. Diese und weitere gängige Fehler werden hier humoristisch beleuchtet.

3. Beim Üben Video benutzen

Während der Vorbereitung solltet Ihr unbedingt einen Testlauf auf Video festhalten. Ich habe bei mir viele merkwürdige nervöse Bewegungen entdeckt, die mir vorher nicht bewusst waren. Sich selbst im Video zu beobachten, mag zwar für viele Leute eine Qual sein, es bringt aber wahnsinnig viel. Eine Handykamera ist dafür völlig ausreichend.

4. Wichtiger Tipp für die Stimme

Mein Problem war, dass ich besonders am Anfang meiner Übungspräsentationen eine ganz schwache Stimme hatte, die nervös klang - kein guter Einstieg, siehe Punkt 1.

Mein Coach zeigte mir diesen simplen Trick, mit dem man sofort mehr Volumen in die Stimme bekommt: einfach kurz vor der Präsentation drei bis fünf sehr tiefe Atemzüge nehmen, die runter bis in den Bauch gelangen. Ihr werdet erstaunt sein, wie sehr sich die Stimme dadurch verbessert und vor allem lauter wird! Bei mir verschwand der nervöse Klang vollständig, wodurch auch meine Nervosität abnahm.

5. Andere Präsentationen des Events vorab ansehen

So bekommt man nicht nur einen Eindruck, wie das Publikum tickt, sondern man kann sich auch auf andere Redner beziehen. Bei meinem Event bekam ich etwa mit, dass viele Teilnehmer Witze über Ryanair rissen. Das hab ich dann später in Form eines kleinen Scherzes über deren Website aufgegriffen.

Auch half mir, Fragen bei anderen Vorträgen zu stellen. Da man dabei auch vor Publikum spricht, ist das ein guter Trick zur Nervositäts-Bewältigung und um die Stimme im entsprechenden Saal auszutesten.

6. Fragen stellen!

Fragen sind ein erstklassiges Mittel, um Zuhörer von ihrem Smartphone abzulenken. Auch wenn man mal den Faden verliert, kann man durch eine Frage Zeit gewinnen, um in die Präsentation zurückzufinden. Untermauern lassen sich Fragen ans Publikum, indem man sich mit ein paar Schritten auf das Publikum zubewegt.

Tipp: Wer eine Frage stellt, der muss auch die Antwort des Publikums abwarten. Nicht direkt weiterreden.

7. Hände benutzen

Durch die Unterstützung von Gesten bekommt das gesprochene Wort viel mehr Kraft. So kann man beispielsweise auch Zahlen untermalen (z.B. wenn die Zahl fünf vorkommt, die fünf ausgestreckten Finger zeigen). Etwas Enormes oder Großes zeigt man mit weit ausgestreckten Armen.

Auf keinen Fall: mit verschränkten Armen auf der Bühne stehen (Defensivposition), oder die Hände in der Hosentasche verstecken, das wirkt viel zu lässig.

8. Nicht entschuldigen, wenn man etwas vergessen hat

Dem Publikum ist normalerweise nicht bekannt, welche Punkte man in seiner Präsentation jeweils ansprechen wollte. Sollte man tatsächlich einen Punkt vergessen haben, dann bitte nicht nicht ins Stocken geraten und schon gar nicht für den Fehler entschuldigen - es merkt wahrscheinlich sowieso niemand.

Besser: Den Sachverhalt an einer anderen passenden Stelle der Präsentation einflechten oder auch bei der Fragerunde im Anschluss.

9. Geschichten einbauen

Erzählt kurze Geschichten, die mit dem Thema des Vortrags zu tun haben. Das gibt dem Ganzen einen persönlichen Touch und sorgt auch für eine Auflockerung der Atmosphäre. Mir persönlich ist aufgefallen, dass ich Geschichten viel emotionaler und freier Vortragen kann, da ich die entsprechenden Bilder sowieso im Kopf habe.

Warum Geschichten so stark wirken, erläutert dieses Video.

Wer diese Tipps berücksichtigt, sollte mit ausreichender Vorbereitung auf jeden Fall eine passable Präsentation hinbekommen. Jeder kann vernünftig präsentieren, wenn genug Leidenschaft für das Produkt - oder was auch immer sonst vorgestellt wird - vorhanden ist.

Präsentationsfähigkeiten sind eine unglaublich wichtige Eigenschaft. Denn wer auf der Bühne steht und souverän vorträgt, der wird kein Problem haben, als Experte des jeweiligen Themas wahrgenommen zu werden. Das lohnt sich für jeden noch so introvertierten Gründer.

Über den Autor:

Robert Brandl testet und bewertet regelmäßig Web-Applikationen für das ToolTester Network. Darunter fallen z.B. Newsletter Tools und Homepage-Baukästen. Sein Ziel ist es, Einsteiger für die neue Generation von einfach zu bedienenden Web Tools zu begeistern. Er twittert unter @robertbrandl.

Foto: Laptop presentation, Shutterstock

Kommentare

  • Max

    07.10.13 (16:28:42)

    Das sind eine ganze Menge nützlicher Tipps. Das Problem ist aber immer wieder, daß man sich auch daran halten muss. :-) Mir passiert es im Gespräch mit Kollegen laufend wieder, daß ich doch mal den Faden verliere und dann vor mich hinstottere. Das tiefe Einatmen werde ich jetzt bei den nächsten Malen dann einfach mal probieren. Gruß, Max

  • Robert

    08.10.13 (10:46:37)

    Danke. Eine Präsentation und ein Gespräch unter Kollegen sind natürlich zwei paar Schuhe. Das gute ist aber, dass man beides üben kann.

  • Max

    08.10.13 (11:16:52)

    Ja, aber meine Hoffnung ist: Wenn ichs unter Kollegen hinbekomme, dann klappts auch mit der Präsentation vor Unbekannten. :-) Gruß, Max

  • Dirk Zeitler

    08.10.13 (15:18:22)

    Vielen Dank für den Beitrag.. Werde zukünftig tief einatmen. :)

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