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10.10.07

"Das Autobahn-Argument!"

Eklat in der Sendung "Kerner", gestern abend im ZDF. Weil Senta Berger die Gesprächsrunde zu verlassen drohte, sah sich der Moderator dazu gezwungen, Eva Herman rausschicken. Dabei war das Thema vergleichsweise harmlos: Familienpolitik.

Es ist schon eine Strafe, sich eine Sendung mit Johannes Baptist Kerner anschauen zu müssen. Die wahre Strafe ist aber, sich diese Sendung in der ZDF-Mediathek anschauen zu müssen, die zwar hochaufgelöst und supercool daherkommt, aber mit hin- und herspulen grösste Mühe hat und mindestens fünf Mal abstürzt. Einmal geht mitten im Film einfach der Browser zu.

ZDF Screenshot

Screenshot zdf.de

Die Sendung lief so ab. Zuerst die Begrüssung der Gäste. Dann wurde Eva Herman mit den Zitaten konfrontiert, die ihr den Job beim NDR gekostet haben. Darauf erklärte ein Professor aus dem Publikum, was genau das Frauenbild in der Hitler-Zeit war. Ein gemäss Kerner ausgewiesener und anerkannter Experte für historische Fragen, der ihr eine "Verschwörungs-Pathologie" unterstellt, weil sie sie RTL dafür kritisiert, die Bänder der Pressekonferenz, die ihre Entlassung provoziert haben, nicht herauszugeben.

Es geht hin und her, es wird debattiert, wie genau Frauen und Kinder in der heutigen Zeit glücklich werden. Als das Gespräch auf den Begriff "Gleichschaltung" kommt (der, wie der Historiker erklärt, ein klar nationalsozialistischer ist), sagt Eva Herman, sichtlich genervt, dass sie über die gesamte Sendung über angegriffen wird:

 

Sie müssen nur Google eingeben und dann können sie jede Zeitung durchgehen. Welche Zeitung diesen Begriff bereits benutzt hat. Natürlich ist er da benutzt worden. Aber es sind auch Autobahnen damals gebaut worden und wir fahren heute drauf.

Der Historiker ruft:

 

Das Autobahn-Argument!

Margarethe Schreinemakers sagt:

 

Es kann nicht sein. Das kann nicht sein, was du hier sagst. Tut mir leid. Egal, wer hier auch immer applaudiert, es tut mir leid. Nein. Das kannst du so nicht sagen. Es geht nicht.

 

Mario Barth kann dann die Gemüter vorübergehend beruhigen und sagt etwas später zum Thema:

 

Ich war in der Schule ein Chaot. Und nun sitz ich in ner Fernsehsendung. Ist doch toll!

Als Eva Herman dann zum x-ten Male aufgefordert wird, ihr Zitat zu wiederrufen und es wieder nicht tut, ist die Geduld der Runde zu Ende. Eva Herman soll die Sendung, die schwer an das frühere RTL-Format "Der heisse Stuhl" erinnert, nur im Unterschied, dass nicht nur der Moderator kritische Fragen stellt, sondern mindestens zwei der anderen Gäste sich dauernd genervt abwenden und dabei die Augen rollen, verlassen. Das geht so.

Senta Berger sagt:

 

Ich muss jetzt gehen. Es tut mir wirklich leid. Ich kann diese Diskussion nur wirklich ernsthaft führen. Da muss ich mich vorbereiten, muss ihre Bücher kennen. Oder aber wir machen, was wir eigentlich (...). Ich geh jetzt gern. Ok?

Es wird ausdauernd geklatscht. Dann sagt Kerner:

 

Das sind nun doch die besonders spannenden Momente, wo man sich selbst so ein bisschen Gedanken macht. Und überlegt, wie man weiter macht. Und die hab ich mir jetzt gemacht. Und hab mich entschieden, dass ich mit meinen drei Gäste weiterrede und dich, Eva, verabschiede.

Eva Herman läuft aus der Sendung und auch das Video der ZDF-Mediathek endet überraschend.

Update am 11.10.2007, 20:00 Uhr: Die Welt hat das Gespräch abgetippt. Teil 1, Teil 2.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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