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04.05.11Leser-Kommentare

Daps'em: Menschen für gute Taten huldigen

Die mobile App Daps'em erlaubt es Usern, mit wenigen Klicks bis zu drei Menschen pro Tag ihre Wertschätzung zu zeigen - ein simples wie bestechendes Konzept.

 

Jeden Tag werden wir Zeuge davon, wie Personen in unserem unmittelbaren oder weiteren Umfeld etwas tun, das uns gefällt, wovon wir beeindruckt sind oder wofür wir ihnen Respekt zollen. Ausdrücken können wir diese Gefühle auf verschiedene Weise, zum Beispiel durch eine Textnachricht oder E-Mail, einen Anruf oder in einem persönlichen Gespräch.

Der israelische Dienst Daps'em möchte mit seiner gerade für das iPhone veröffentlichten App diese Art des positiven Feedbacks an Personen standardisieren und messbar machen.

Das Prinzip: Jeder Nutzer hat pro Tag drei so genannte "Daps", die an andere Personen verteilt werden können. Daps'em eignet sich also nicht dazu, unzählige Personen mit virtuellen "High Fives" zu überschütten, sondern erfordert vom Anwender Sorgfalt bei der Wahl der Empfänger ihrer Lobpreisung.

Wer einen Dap an eine andere Person schicken möchte, wählt dazu ihren Namen aus der App aus - Daps'em erfordert eine Verknüpfung mit Facebook und erlaubt so das "Dapsen" aller eigenen Facebook-Kontakte - und beschreibt kurz den Grund für das Lob (z.B. ein gelungener Artikel, eine mitreißende Rede, ein erfolgreich abgeschlossenes Projekt, ein leckeres Essen etc.). Auch eine Angabe des aktuellen Ortes sowie der Upload eines Fotos sind möglich.

Ein Dap landet auf der Facebook-Pinnwand der betreffenden Person, lässt sich tweeten und parallel als foursquare-Check-In durchführen (sofern ein Ort gewählt wurde). Zu guter Letzt wird noch eine Kategorie bestimmt, in die ein Dap fällt, z.B. "Liebe", "Wissen", "Inhalt" oder "Essen".

Ein Klick auf "Daps'em!" initiiert den Prozess der Lobpreisung, der nicht nur bei Facebook sondern auch im Stream der App publiziert wird. Ein Blick auf das eigene Profil oder die anderer Nutzer zeigt, wie viele Daps versendet und erhalten wurden. Natürlich darf auch ein öffentliches Popularitätsranking nicht fehlen, "Hall of fame" genannt.

Daps'em befindet sich noch in einem sehr frühen Stadium. Deutlich wird dies zum Beispiel dadurch, dass derzeit nur das Dapsen von Facebook-Kontakten machbar ist. Ich würde jedoch sehr viel lieber Protagonisten aus meiner Twitter-Followerliste über Daps'em Respekt zollen können. Daps'em-Gründerin Hamutal Meridor kündigte an, dass diese Option mit dem nächsten Update hinzugefügt wird.

Ich halte Daps'em für eine äußerst interessante Anwendung. Sie hilft Menschen dabei, mit wenigen Klicks dem natürlichen Bedürfnis nach Ausdruck von Begeisterung nachzukommen und sorgt durch die Begrenzung auf drei Daps pro Tag dafür, dass jede Huldigung mit Bedacht gewählt und durch die Verknappung aufgewertet wird (wer die App aktiv nutzt, erhöht sein Volumen täglicher Daps). Wer einen Dap erhält, kann sich sicher sein, den Absender des Lobes tatsächlich emotional angesprochen haben.

Angenommen, Daps'em würde eine kritische Masse erreichen, entstünde damit ein täglich neu zusammengestelltes Ranking von Personen, deren Taten bei anderen Menschen positive Emotionen hervorgerufen haben. Dies wäre gar nicht so weit von dem Szenario entfernt, das ich in meiner Beschreibung über einen fiktiven Social-Bookmarking-Dienst für Menschen skizziert habe (wobei aktuell für das Ranking noch keine Daps sondern "Yays" gezählt werden - von allen Usern durchführbare Favorisierungen einzelner Daps im öffentlichen Stream der App).

Bis zu einem Durchbruch und dem essentiellen Einsetzen von Netzwerkeffekten ist es für Daps'em aber noch ein weiter Weg. Entscheidend wird die Akzeptanz bei Multiplikatoren und Early Adoptern sein. Dafür wiederum ist die angekündigte Fähigkeit zum Daps'en von Twitter-Nutzern eine Voraussetzung.

Langfristig wäre vorstellbar, dass Daps'em seinen Fokus von Menschen auf Marken und Unternehmen erweitert. Nichts scheinen Menschen lieber zu tun, als sich öffentlich über Firmen und Produkte zu äußern. Daps'em könnte sich hier als passendes Ventil für positives, auf einen bestimmten Zeitpunkt bezogenes Feedback anbieten (im Gegensatz zu dem eher dauerhaften "Fan werden" bei Facebook) und auf Basis der Partizipation von Unternehmen gleichzeitig ein Geschäftsmodell aufbauen.

Vorerst ist dies jedoch Zukunftsmusik. Auf der Roadmap für die nächsten Wochen steht neben der engeren Twitter-Integration der Launch einer Android-App.

Was haltet ihr von der Daps'em-Idee?

Link: Daps'em

via TechCrunch Europe

Kommentare

  • Matthias M. Meringer

    04.05.11 (10:17:34)

    Klingt fast ein wenig wie Flattr - ohne Geld. Und, wenn ich das richtig verstehe, ohne direkten Bezug zur Website einer Person. Klingt auf jeden Fall interessant. Werde ich mir sicher mal ansehen. Danke für den Tipp. Matthias

  • Tanja Handl

    04.05.11 (10:30:52)

    Ich finde die Idee ehrlich gesagt etwas seltsam. Die eine Seite der Medaille ist: Daps'em befriedigt das Bedürfnis nach dem Ausdruck von Begeisterung. Die andere Seite ist: Daps'em befriedigt das Bedürfnis nach Wertschätzung. Grundsätzlich erfüllt die Anwendung also zwei sinnvolle Funktionen. Die Frage, die ich mir stelle, ist nur: Weshalb brauche ich zur Befriedigung dieser Bedürfnisse eine App? Damit ich meine Begeisterung niedrigschwelliger ausdrücken kann? Oder weil ich Wertschätzung persönlich nicht bekomme? Ich kann diese Fragen nur für mich selbst beantworten, und für mich ist nichts schöner, als Begeisterung persönlich auszudrücken - ohne Beschränkung und ohne vorgegebene Form. Und dafür brauche ich nun einfach keine App. :)

  • Martin Weigert

    04.05.11 (13:51:46)

    @ Matthias M. Meringer Stimmt, die Parallele existiert in der Tat! @ Tanja Weshalb brauche ich zur Befriedigung dieser Bedürfnisse eine App Diese Frage ist berechtigt. Gleichzeitig haben sich doch aber mittlerweile allerlei Verhaltensweisen im digitalen Eingebürgert, bei der man noch vor Jahren gefragt hätte, was das soll oder wieso man das macht. Ich denke da nur an absurde Status-Updates, die nicht einmal länger als 140 Zeichen sein dürfen... ;) Was ich damit sagen will: Manche Gepflogenheiten und Aktivitäten im Netz erscheinen uns nur so lange absurd, wie wir sie nicht verinnerlicht und zur Selbstverständlichkeit gemacht haben. Die Kunst liegt für Social-Web-Startups darin, anfangs von Usern als seltsam angesehene Handlungen in den digitalen Alltag der Menschen einzupflanzen. Wie man das genau macht, ist eine Wissenschaft für sich, und damit eigentlich der spannende Teil.

  • Tanja Handl

    04.05.11 (14:50:13)

    "Die Kunst liegt für Social-Web-Startups darin, anfangs von Usern als seltsam angesehene Handlungen in den digitalen Alltag der Menschen einzupflanzen." Da geb ich dir völlig recht. Ich habe allerdings gerade in diesem Bereich so meine Zweifel, ob Daps'em genug Überzeugungskraft entwickeln kann. Also: Einfach abwarten und Tee trinken. Wer weiß, wie wir nächstes Jahr auf dieses Thema zurückblicken. :)

  • Ramin

    05.05.11 (05:22:31)

    Sehe es auch eher wie Tanja. Wenn ich Wertschätzung für jemanden zum Ausdruck bringen möchte, tue ich das lieber individuell. Andererseits: Wenn ich sehe dass alle Leute in meinem Umfeld "gedapst" werden, würde ich mir insgeheim wohl doch auch dapser wünschen :-)

  • Matthias M. Meringer

    05.05.11 (09:49:54)

    Nun seid mal nicht so verklemmt ;-) *spaß Wer hätte 1981 gedacht, dass SMS die Welt erobert. Wer hätte in Zeiten der ersten Modems geglaubt, dass wir heute mit Smartphone oder Tablet in der Eisdiele sitzen und ein Live-Foto bei Twitter und Facebook posten? Insofern betrachte ich solche neuen Ideen immer erstmal total neugierig - und wertfrei. Denn letztlich, und das ist doch klasse, kann es jeder tun, wie er bzw. sie mag. Ich finde das einfach spannend. Wenn die Israelis Glück haben, funktioniert ihre Idee. Falls nicht, naja. Warten wir doch einfach neugierig ab.

  • Anne

    04.06.11 (18:30:24)

    In Zeiten inflationären Gebrauchs des Like-Buttons hat so etwas mehr Gewicht. Ich bin gespannt, was daraus wird.

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