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31.07.08Leser-Kommentare

Cuil: Vier Tage nach dem Launch

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen, könnte man vier Tage nach dem Launch der Suchmaschine Cuil wohl sagen.

Fast spannender als Cuil selbst sind die Reaktionen in der Blogosphäre. Ich kann mich an kaum ein anderes Ereignis erinnern, das Rivva und TechMeme zwei Tage lang so dominiert hat, dabei aber in der verdurchschnittlichten Wahrnehmung eine Drehung um 180 Grad erlebt hat.

Exemplarisch dafür etwa die Berichterstattung von Techcrunch, wo vor dem Launch vor allem technologische Effizienzen von Cuil als möglichem Google Killer unterstrichen wurden. Nach ersten Suchen wurde dann festgestellt, dass Google zwar mehr Seiten kennt, aber das sei ja nicht alles, Cuil generiere im Vergleich zu Google die wesentlich relevanteren Kontextinformationen. Erste Zweifel kamen dann vor allem auf, weil Cuil die Suchergebnisse sehr aleatorisch mit Bildern ausschmückt und sich nicht einmal selbst findet. Und spätestens als Sam Pullara von Yahoo innerhalb zweier Tage einen fast vollständigen Klon namens Yuil erstellte, waren sie mit ihrem Spott auf der sicheren Seite.

Die deutsche Blogosphäre verhielt sich – wiederum sehr verallgemeinert – übrigens wesentlich Hype-resistenter. Wenn die obligatorische Egosuche wenig ergiebig war, wurde schnell auch sofort FAIL! gerufen. Marcel hat sich hier ein paar Gedanken dazu gemacht.

Cuil hat natürlich zwei fundamentale Fehler gemacht: sie haben sich selbst – zumindest indirekt – als Google Killer verkauft und die eigenständige Zuordnung von Bildern war völlig daneben. Wer das Wort Google in dem Mund nimmt, der setzt die Messlatte eben auf Google-Höhe. Da wird dann auch nicht mitgedacht, dass Cuil erst vor einem Tag gestartet ist und Google 10 Jahre Zeit hatte, um dorthin zu kommen, wo sie sind. Und völlig falsche Bilder erkennt man eben auf den ersten Blick, da wirken gleich auch Suchergebnisse falsch, die so schlecht gar nicht sind.

Dennoch müssen wir Cuil danken. So lustige Tage hatte das Web schon lange nicht mehr. Auf Cuil zu suchen und über die Thumbnails zu schmunzeln wurde zu einem weit verbreiteten Hobby. Google Blogoscoped hat einige davon in The World According to Cuil dokumentiert.

Der oben erwähnte Klon Yuil ist leider nicht mehr online, so viel Spass verstanden dann die Macher von Cuil dann auch nicht, aber er war vor allem auf Grund der Machart interessant. Yuil war vom VP of Platforms von Yahoo, lief auf Google App Engine und benutzte wiederum BOSS von Yahoo, um die Suchergegbnisse von Cuil zu emulieren. Das Ergebniss war tatsächlich ziemlich beeindruckend, nicht nur weil es in zwei Tagen entwickelt wurde, und die Bildzuordnung tatsächlich funktionierte.

Kommentare

  • Mark S

    01.08.08 (10:06:39)

    Wer hat denn hier Mist gebaut? Die Suchmaschine selbst oder nicht doch eher die Medien, welche Cuil in den Himmel hoben? Jeder, der die Suche mal selbst ausprobierte, konnte doch innerhalb von 5 Minuten feststelen, dass das noch nix ist. In den Online-Medien war dagegen anfangs nichts Kritisches zu lesen. Man hat die US-Vorab-Lorbeeren lediglich ins Deutsche übersetzt. Dieser Umstand wäre einen Artikel wert, nicht das Versagen von Cuil!

  • freedimension

    01.08.08 (10:54:33)

    Vor allem zeigt der Presse-Rummel um Cuil, wie sehr sich die Netzgemeinschaft einen brauchbaren Google-Konkurrenten wünscht. Oder ist es vielleicht doch nur das Sommerloch welches gestopft werden musste?

  • Steffen Klaus

    01.08.08 (11:14:38)

    Auch bei mir wird im Search Result neben meinem LinkIn jemand anderes in Form eines Thumbnails gezeigt. Gott sei Dank, ein Affe ist es nicht. ;-)

  • Markus Spath

    01.08.08 (12:27:54)

    @freedimension hat sicher was von beidem. Ein Blog, das einen sehr schönen Überblick über sehr viele neue Suchmaschinen gibt, ist übrigens AltSearchEngines @steffen bin mir gar nicht sicher, ob ein Affe nicht besser ist, als das Foto von jemand Anderem. Ein Affe hat doch weniger Potential für Missverständinsse. ;-)

  • Steffen Klaus

    01.08.08 (14:03:17)

    @Markus Stimmt auch wieder. Ein Affe würde zumindest zu meinem chinesischen Sternzeichen passen.

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