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04.05.12

Crowdsourcing: eyeQuest ermöglicht Blick durch fremde Smartphone-Kameras

Das Berliner Startup eyeQuest will für jeden Ort der Welt die Möglichkeit bieten, aktuelle Fotos oder Videos abzurufen. Dazu setzt es auf Crowdsourcing sowie allgegenwärtige Smartphone-Kameras.

Von jedem Ort der Welt in Echtzeit ein Smartphone-Kamerabild abrufen zu können - an diesem faszinierenden Ziel haben sich schon verschiedene Onlinedienste die Zähne ausgebissen - von kleinen deutschen Anbietern wie Whapee über millionenschwere Silicon-Valley-Startups wie Color. Doch drei junge Gründer aus Berlin sind der Meinung, dass das letzte Wort im Bezug auf dieses ambitionierte Vorhaben noch lange nicht gesprochen ist. Mit eyeQuest hat das Trio Lüder Brüggemann, Thomas Brüggemann sowie Meik Dankleff einen Dienst entwickelt, der Mobiltelefone rund um den Globus mittels Crowdscourcing in allgegenwärtige Echtzeit-Kameras verwandeln soll - allerdings nur, wenn dazu eine konkrete Nachfrage besteht.

Wir hatten eyeQuest bereits kurz in unserer Übersicht zu den Kandidaten des Next Startup Wettbewerbs erwähnt. Das junge Unternehmen ist auch mit einem Stand auf der dieser Tage stattfindenden re:publica-Konferenz vertreten, wo ich mir eyeQuest gestern in Aktion anschauen konnte.

Das Grundprinzip von eyeQuest basiert darauf, dass Anwender, die ein Foto oder ein Video von einem beliebigen Ort auf diesem Planeten benötigen, dazu über die für iPhone und Android angebotene App eine Anfrage ("Eyequest") stellen. Diese ist mit wenigen Klicks, der Bestimmung des gewünschten Orts anhand einer Karte sowie einer von foursquare bezogenen Location-Liste, des Medientyps (Foto/Video) sowie einem fakultativen Kommentar erledigt.

Anschließend hält eyeQuest Ausschau nach Nutzern, die sich gerade am entsprechenden Ort oder in einem Umkreis von maximal zwei Kilometern befinden. Diese bekommen eine Push-Mitteilung, die über die Anfrage zur Bereitstellung eines Fotos oder Videos vom jeweiligen Ort informiert. Wer den Auftrag erledigen will, bewegt sich zum vom Anfragenden definierten Ort und stellt einen sogenannten "Eyeshare", also ein zum aktuellen Zeitpunkt aufgenommenes Kamerabild oder ein Video bereit. Als Belohnung winken eyeQuest-Punkte. Anwender, die etwas mehr Zeit haben, können sich über eine Karte auch Eyequests anzeigen lassen, die in der weiteren Umgebung platziert worden sind, um ihr Punktekonto schneller zu erhöhen und virtuelle Trophäen abzustauben. Ab einer bestimmten Anzahl sollen Punkte irgendwann auch in Goodies wie Amazon-Gutscheine umgewandelt werden können, erklärt Mitgründer Lüder Brüggemann.

Das Konzept des Dienstes aus der Hauptstadt ist fokussiert und schnell erklärt. Wie groß letztlich die Nachfrage nach Echtzeit-Fotos oder Clips von Orten ausfallen wird, darüber kann man spekulieren. Allein für Journalisten und Blogger könnte ein entsprechender Service jedoch einen Segen darstellen, wenn es darum geht, zu Berichten über aktuelle Geschehnisse unkompliziert visuelles Material zu beschaffen (eine entsprechende Intention zur Veröffentlichung sollte man dann bei der Beschreibung der Eyequest erwähnen). Die Millionen von Webcams, die an vielen Plätzen dieser Erde installiert sind, können ebenfalls als Indiz für ein grundsätzliches Interesse an einer standortbasierten Bild-/Videoübertragung gelten.

Reizvolle Idee mit vielen Hürden

Doch der reizvolllen Idee, die aufgrund ihres leichten Big-Brother-Beigeschmacks sicher auch Kritiker auf den Plan rufen dürfte, stellen sich eine Reihe von Hürden in den Weg: Neben der Notwendigkeit des Erreichens einer kritischen Masse für das Funktionieren des eyeQuest-Prinzips sind auch instabile beziehungsweise langsame mobile Datenverbindungen, Trafficbegrenzungen mobiler Datenverbindungen sowie schwache Akkuleistungen Herausforderungen, mit denen sich die Brüder Brüggemann auseinandersetzen müssen. Ähnlich wie die People-Discovery-App Highlight läuft auch eyeQuest stetig im Hintergrund und überprüft in regelmäßigen Intervallen mittels Einsatz von GPS und Triangulation den Standort, um rechtzeitig Alarm schlagen zu können, wenn sich Nutzer in der Nähe einer Eyequest befinden. Allerdings reicht der App im Gegensatz zu Highlight eine weniger genaue Standortbestimmung, da es für die Benachrichtigung nicht entscheidend ist, ob man sich 10, 200 oder 500 Meter vom angefragten Foto-/Videomotiv aufhält.

Bisher haben die drei Jungunternehmer die Entwicklung von eyeQuest aus eigener Tasche finanziert, hoffen aber, spätestens in der kommenden Woche bei der Next Konferenz die Aufmerksamkeit von Kapitalgebern wecken zu können. Die Monetarisierung des Dienstes soll über von Geschäften, Gastronomen und Firmen erstellte Eyeshares erfolgen, die Anwendern präsentiert werden, die für einen Ort in der Nähe ein Foto oder ein Video angefragt haben. Nachtrag: Ich habe Lüder Brüggemann falsch verstanden - den von mir beschriebenen Ansatz hält er zwar für interessant, vorgesehen sind vorerst aber "individualisierte Location Based Marketing Kampagnen", bei denen Unternehmen Anwender durch hervorgehobene Eyequests mit Belohnungen in ihre Filialen "locken" können.

Eine gute Idee macht noch lange kein funktionierendes Produkt oder Geschäftsmodell. Die eyeQuest-Macher werden an vielen Fronten gleichzeitig kämpfen müssen, um ihren Service in einen Erfolg zu verwandeln. Gleichzeitig ist die Abhängigkeit von Faktoren außerhalb ihres Einflussbereiches (mobile Datenverbindungen, Smartphone-Akkus) hoch. Und ohne eine Verankerung in den viel beachteten Tech-Kreisen des Silicon Valley ist schwer vorstellbar, dass eyeQuest die kritische Masse erreichen wird, die für ein Gelingen auf globaler Ebene erforderlich ist.

Zum Start nur in Berlin

Andererseits liefert das Belohnungssystem einen Anreiz für Anwender, sich frühzeitig bei eyeQuest zu engagieren, und der Firmensitz Berlin wird bezüglich der äußeren Wahrnehmung sicher auch nicht schaden - zumal in der Anfangsphase lediglich Eyequests für die Hauptstadt gestellt werden können. Lobenswert ist der parallele Launch einer Android- und iPhone-App - wobei Apple diesen durch einen ungewöhnlich langen Freigabeprozess gerade demontiert. Einen Monat wartet das Startup mittlerweile auf die Freigabe für den App Store, so Lüder Brüggemann. Deshalb habe man sich entschieden, die geschlossene Beta-Phase mit der Android-App zu beginnen und hoffe nun darauf, dass Apple schnellstmöglich grünes Licht gibt.

Wir haben 20 Einladungen zur eyeQuest-Beta. Falls ihr interessiert seid, hinterlasst bitte einen entsprechenden Kommentar unter Angabe des gewünschten OS (Android oder iOS) sowie einer gültigen E-Mail-Adresse im dafür vorgesehenen Feld. Die ersten 20 sind dabei!

Update: Die Invites sind weg.

Link: eyeQuest

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