Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.
 
 
06.06.12 16:05, von Martin Weigert

Crowdsourcing: doo bezahlt Nutzer für Dokumentenuploads

Die Bonner Dokumentenplattform doo will ihre künstliche Intelligenz zur Kategorisierung von Dokumenten verfeinern. Ein "umgekehrtes Kickstarter-Projekt" soll dabei helfen - und riecht nach einem richtig smarten Coup.


doo ist das derzeit wohl ambitionierteste Vorhaben eines deutschen Startups auf dem Weg zum papierlosen Büro (sofern man nicht an diesem Konzept zweifelt). Noch vor ihrem offiziellen Launch haben die Bonner zwei Finanzierungsrunden in Millionenhöhe durchgeführt und bereits einen ordentlichen "Buzz" generiert. Invites werden derzeit noch sehr sparsam verteilt. Einen ersten Review gab es jüngst bei Basic Thinking.

Eine der Besonderheiten der Dokumentenplattform soll die automatische Erkennung und Kategorisierung von Dokumenttypen darstellen. Für diese müssen die doo-Algorithmen aber erst einmal ordentlich trainiert werden. Das Startup aus dem Rheinland beschäftigt dazu zahlreiche Hilfskräfte, die den ganzen Tag Vorlagen einscannen. Doch jetzt sind doo-Gründer Frank Thelen und sein Team auf eine smarte Idee gekommen, wie sie ihre Software mit deutlich mehr Textmaterial füttern und dabei gleich noch künftige Nutzer eng an sich binden können: Indem sie Anwender anonymisiert Dokumente hochladen lassen und dafür bezahlen.

Das klingt erst einmal trivial, ist aber von dem jungen Unternehmen auch aus Marketinggesichtspunkten hervorragend aufgezogen worden: Betitelt wird die Aktion nämlich als "umgedrehtes Kickstarter-Projekt" - in Anlehnung an die populäre US-Crowdfundingplattform Kickstarter. Während bei Kickstarter Konsumenten Geld zur Realisierung von in der Planung befindlichen Projekten und Produkten bereitstellen, steuern sie bei doo Dokumente bereit, um die künstliche Intelligenz des Startups zu erhöhen - und werden dafür von dem Startup bezahlt.

Analog zu Kickstarter existieren verschiedene Unterstützerebenen. Wer zehn oder mehr Dokumente hochlädt, erhält sofortigen Zugang zur privaten Beta-Phase (derzeit nur für OS X). Ab 50 oder mehr gestifteten Dokumenten verspricht doo eine Bezahlung in Form von Amazon-Gutscheinen. Für jedes beigesteuerte und von doo akzeptierte Dokument winken 0,40 Euro. Zusätzlich gibt es ab 100 hochgeladenen Dateien drei Monate doo Premium gratis (nach dem offiziellen Launch). Ab 500 Dokumenten spendieren die Bonner außerdem ein exklusives doo-Fankit. Sofern es tatsächlich Nutzer gibt, die 1000 Dokumente beisteuern, werden diese zusätzlich zur doo-Launch-Parter eingeladen. Und die Verrückten, die es auf 2500 Dokument-Uploads bringen, lädt doo zur Party ein und bezahlt obendrein Flug und Unterkunft. Der Wert des Amazon-Gutscheins würde sich an diesem Punkt auf 1000 Euro belaufen.

Auf dieser Seite findet sich eine Anleitung mit den einzelnen Schritten, die für den Upload und die Anonymisierung notwendig sind. Dem doo-Team geht es darum, ihrer Software beizubringen, was eine Mahnung von der Rechnung unterscheidet, was ein Handbuch ausmacht und wie eine Visitenkarte normalerweise aussieht. Es stehen weniger zusammenhängende Inhalte im Vordergrund sondern einzelne Wörter, die anonymisiert in Töpfe mit ähnlichen Begriffen gesammelt werden. doos Datenpflege-Team überprüft jeden Nutzerupload und speist die Daten in die künstliche Intelligenz ein. Wer also einfach das Telefonbuch kopiert, wird nicht in den Genuss der Goodies kommen können.

100.000 von Anwendern hochgeladene Dokumente erhofft sich das Startup. Derzeit steht der Zähler bei 6429 Uploads von 852 Unterstützern. Wer ein paar Nächte durchackert, hat also durchaus noch die Gelegenheit, sich zu doos Launch-Event einladen zu lassen. Schlafen wird ohnehin überbewertet.

Die Aktion ist in jedem Fall vorbildlich, da sie doo gleich dreifach Nutzen stiftet: Das Unternehmen verschafft sich den für die Verfeinerung der Software notwendigen Datenbestand, bindet voraussichtlich einige tausend Anwender eng an sich (durch Invites, Amazon-Gutscheine, kostenlose Premium-Zugänge und Fankits) und bringt sich obendrein noch ins Gespräch. Respekt!

Fraglich bleibt, was Kickstarter dazu sagt, dass doo sich seines Namens bedient (die URL der Aktion ist kickstarter.doo.net). Aber wollen wir mal keine Spielverderber sein.

© 2015 förderland
  drucken
RSS Feed Beobachten

Kommentare: Crowdsourcing: doo bezahlt Nutzer für Dokumentenuploads

Das ist ja geil ... nicht nur, dass doo immer noch nach langer Zeit kein reales Projekt vorweisen kann - maximal die OSx Beta - nein, jetzt werden die Benutzer schon für das Befüllen bezahlt. Wird Zeit, das ich für meinen Dropbox Account auch Geld bekomme, an Stelle zu bezahlen. Naja, hauptsache neues schickes Büro und nen tolles teures Apple Paket für jeden neuen Mitarbeiter. Liebe Investoren - ihr müsst echt nen hartnäckigen Glauben an dieses Projekt haben!

Diese Nachricht wurde von Sven am 08.06.12 (23:17:12) kommentiert.

Statt "Kickstarter andersrum", würde ich das eher "PR-Buzz um jeden Preis" oder noch besser "VC verschenken" nennen!

Diese Nachricht wurde von Richard am 10.06.12 (14:50:43) kommentiert.

so what

Diese Nachricht wurde von Martin Weigert am 10.06.12 (14:51:45) kommentiert.
Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Titel*

Name*

E-Mail*

(Wird nicht veröffentlicht!)

URL

Kommentar*

Um Spam zu vermeiden, lösen Sie bitte folgende Rechenaufgabe:

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer