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11.04.14

Crowdsourcing-Datenbank für öffentliche Drahtlosverbindungen: Rotten Wifi erklärt miserablem WLAN den Kampf

Viele öffentliche WLAN-Zugänge enttäuschen Anwender mit ständigen Unterbrechungen und unzumutbaren Geschwindigkeiten. Die App Rotten Wifi will mit Hilfe der "Betroffenen" eine Datenbank aufbauen, die Auskunft über die Qualität von Cafe-, Hotel- und Flughafen-Drahtlosverbindungen gibt.

Rotten WifiWahrscheinlich ausnahmslos alle Leserinnen und Leser von netzwertig.com dürften es kennen, dieses frustrierende Gefühl, wenn man sich in ein öffentliches WLAN einloggt, aber kaum in der Lage ist, dieses für produktives Arbeiten oder zünftige Prokrastination zwischen zwei Terminen zu nutzen. Blogger Nico Lumma ist besonders erbost über die mangelhafte Qualität von Drahtlosnetzwerken, die von Cafés, Hotels und anderen Plätzen zwar angeboten, aber dem Anschein nach überhaupt nicht ernsthaft "gepflegt" werden. Auch die zwei Litauer Arturas Jonkus and Paulius Lazauskas machten regelmäßig schlechte Erfahrung mit instabilen WLANs im öffentlichen Raum. Sie entschlossen sich, etwas gegen diesen Missstand zu tun, und entwickelten die App Rotten Wifi. Rotten Wifi soll allen Nutzern öffentlicher WLAN-Verbindungen die Möglichkeit geben, ihre Erfahrungen mit wenig Aufwand zu publizieren und anderen zugänglich zu machen. Bei der bislang nur für das iPhone angebotenen kostenfreien App handelt es sich also um eine crowdgesourcte Datenbank von Public-Wifi-Netzen. Wer gerade im Einkaufszentrum oder am Flughafen vergeblich versucht, eine E-Mail oder Facebook-Nachricht zu versenden, oder wer über ein Hostel-WLAN ganz erfolgreich Gigabytes saugen kann, der soll einen kurzen Moment Zeit aufwenden, um bei Rotten Wifi einen Geschwindigkeitstest durchzuführen.

Rotten Wifi

Nach dem Test bittet der Dienst seine User, die WLAN-Leistung auf einer Skala von eins bis zehn zu bewerten. Je zufriedener Anwender mit dem Resultat sind, desto höher sollte der gewählte Wert sein. Auf Basis dieser Messungen und Bewertungen ist Rotten Wifi anschließend in der Lage, Personen in der Umgebung auf einen Blick anzuzeigen, in welches WLAN sie sich einwählen und von welchem sie lieber die Finger lassen sollten. Rotten Wifi bietet auch eine gezielte Suche nach Städten an. Allerdings ist es noch nicht möglich, im Vorfeld in der Zukunft besuchte Orte einzusehen. Es wäre beispielsweise genial, wenn man vor dem Buchen eines Hotelzimmers oder einer Ferienwohnung nachschauen könnte, wie andere Gäste die Qualität des WLANs beurteilt haben.

Eine derartige Funktionalität würde allerdings auch erst bei einer einigermaßen gut gefüllten Datenbank Sinn ergeben. Noch befindet sich die junge App in der Anfangsphase, in der sich ihr praktischer Nutzwert in Grenzen hält und in der es vor allem darum geht, so viele Messungen und Bewertungen wie möglich von Freiwilligen zu sammeln. Das langfristige Potenzial einer App wie Rotten Wifi ist für mobile Menschen mit einem Konnektivitätsbedürfnis, das nicht immer allein über die mobile Datenverbindung gestillt werden kann, aber in jedem Fall groß. Wobei natürlich auch die Leistungsfähigkeit des mobilen Internets gemessen werden und als Vergleichswert für künftige User in der App festgehalten werden kann.

Als problematisch könnte sich erweisen, dass Rotten Wifi User nicht explizit darum bittet, nur freie WLANs einzutragen. Wenn die Datenbank von unzähligen geschützten Privatnetzen bevölkert wird, stellt dies das ursprüngliche Prinzip von Rotten Wifi in Frage. Die zwei Gründer sollten Wege finden, um der Öffentlichkeit vorenthaltene Privatnetze auszuschließen.

Das litauische Startup hat sich zum Ziel gesetzt, zur führenden Plattform für Empfehlungen und Bewertungen lokaler Internetzugänge zu werden. In Form von Statistiken und Berichten wird es gelegentlich aggregierte Erkenntnisse aus seiner Datenbank publizieren - und sich nebenbei sicherlich auch eine interessante Monetarisierungsmöglichkeit eröffnen. Immerhin dürften sich die gesammelten Informationen zu WLAN-Verbindungen gut für Marktforschungs- und Analysezwecke einsetzen lassen.

Noch haben die Rotten Wifi-Macher einiges an Arbeit vor sich, um die Möglichkeiten einer solchen Anwendungen voll zu nutzen. Bereits jetzt empfiehlt es sich aber für Nutzer öffentlicher Drahtlosnetzwerke, die App auszuprobieren und mit ihrer Hilfe ihrem Ärger oder ihrer Begeisterung über eine Verbindung auf konstruktive Weise Ausdruck zu verleihen. /mw

Link: Rotten Wifi

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